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Kleine AnfrageWahlperiode 14Beantwortet
Reform des deutschen Seelotswesens (G-SIG: 14011182)
Rationalisierungsmaßnahmen im Seelotswesen, Qualifikation zum Seelotsen, Lotsannahmepflicht und deren Entwicklung ab 2002, jährlicher Aufwand für die Verkehrszentralen an den deutschen Küsten, Gehaltsstruktur der Seelotsen
Fraktion
CDU/CSU
Ressort
Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen
Datum
05.07.2000
Aktualisiert
26.07.2022
BT14/358006.06.2000
Reform des deutschen Seelotswesens
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag
Drucksache
14/
3580
14. Wahlperiode
06. 06. 2000
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Wolfgang Börnsen (Bönstrup), Dirk Fischer (Hamburg),
Dr.-Ing. Dietmar Kansy, Eduard Oswald, Renate Blank, Georg Brunnhuber,
Hubert Deittert, Peter Götz, Manfred Heise, Norbert Königshofen, Dr. Hermann
Kues, Peter Letzgus, Eduard Lintner, Dr. Klaus W. Lippold (Offenbach),
Dr. Michael Meister, Norbert Otto (Erfurt), Wilhelm Josef Sebastian, Dr. Wolf Bauer,
Paul Breuer, Wolfgang Dehnel, Renate Diemers, Hansjürgen Doss, Georg Girisch,
Hans Jochen Henke, Klaus Hofbauer, Dr. Gerd Müller, Günter Nooke,
Heinz Schemken, Werner Wittlich, Elke Wülfing und der Fraktion der CDU/CSU
Reform des deutschen Seelotswesens
Der vormalige Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesministerium für
Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, Lothar Ibrügger, hat mit Schreiben vom
20. November 1999 den Ausschuss für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen des
Deutschen Bundestages über die „Konzeptionellen Überlegungen zur
Weiterentwicklung des Seelotswesens“ (Stand 27. Mai 1999) unterrichtet. Darin
wurden 18 konkrete Einzelmaßnahmen aufgelistet. Ziel war, die
Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Seehäfen zu stärken und der Seeschifffahrt verbundene
Arbeitsplätze an der Küste zu erhalten.
Im DVZ-Brief Nr. 50 vom 10. Dezember 1999 wurde gemeldet, dass die
Umstrukturierung des deutschen Seelotswesens kurz vor dem Abschluss stehe. Die
Bundesregierung hat diese Meldung weder dementiert noch geeignete
Vorschläge für eine Umstrukturierung vorgelegt.
Die Niederlande wollen in diesem Jahr ihr Seelotswesen privatisieren und
Wettbewerb einführen mit dem Ziel, die Hafenzulaufkosten besonders für
Rotterdam zu senken. Eile ist geboten, wenn die deutschen Seehäfen nicht im
europäischen Wettbewerb zurückfallen sollen.
Vor diesem Hintergrund fragen wir die Bundesregierung:
1. Wann wird die Bundesregierung Vorschläge zur Umstrukturierung des
deutschen Seelotswesens vorlegen?
Wird dabei die Rolle des deutschen Seelotsen neu definiert?
2. Wird dazu das Seelotsgesetz geändert?
3. Welche Vereinfachungen und welche Kostensenkungen für die Schifffahrt
wird der angekündigte neue Lotsgeldtarif bringen?
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4. Wird ein neuer Lotsgeldtarif den Status der Seelotsen als Freiberufler
stärken und ihnen mehr Freiräume bringen?
5. Welche Forderungen stellen die Bundeslotsenkammer (BLK), die Reeder
und die Seehäfen an einen neuen Lotsgeldtarif?
6. Welche Maßnahmen will die Bundesregierung ergreifen, um die Kosten für
den Lotsversetzdienst – den die Schifffahrt über die Lotsabgaben finanziert
und der als kostenaufwendig dargestellt wird – zu senken?
7. Welche Erfahrungen liegen mit Lotsschiffen, die teilweise bereits mehr als
40 Jahre im Dienst sind und deswegen in Betrieb und Unterhalt
entsprechend aufwendig sind, vor?
Wie beurteilt die Bundesregierung vor diesem Hintergrund die Kritik der
Weserlotsen an der Einführung zweier neuer Tender in SWATH-Bauweise,
die inzwischen in der Elbemündung in Betrieb sind?
Welches Rationalisierungspotentional ist damit verbunden?
Werden diese neuartigen Schiffe demnächst die abgängigen Lotsenschiffe
in allen Revieren ersetzen?
Wenn nein, warum nicht?
Ist in der Zukunft ein zentrales Lotsenstationsschiff für Elbe und Weser/
Jade vorgesehen?
8. Wird die Lotsenversetzung mittels Hubschraubern, die als schnell und
sicher, aber teuer gilt, durch die Versetzung mittels SWATH-Schiffen
abgelöst?
Welche Kosteneinsparungen ergeben sich dadurch?
Würde eventuell Fachpersonal freigesetzt, das andere Aufgaben z. B. im
maritimen Umweltschutz übernehmen könnte?
9. Werden den Reedern und Kapitänen die vollen Kosten in Rechnung
gestellt, wenn sie künftig aus betriebswirtschaftlichen Überlegungen auf dem
Hubschraubereinsatz für die Lotsen bestehen?
Wie hoch sind die Einzelkosten einer Hubschrauberversetzung?
Wie hoch sind die durchschnittlichen Jahreseinkommen?
10. Werden die Seelotsreviere neu bestimmt, indem Lotsenbrüderschaften, wie
vorgeschlagen, zusammengelegt werden?
Sind die Lotsen dazu bereit?
11. Werden auf der Elbe die Reviere der Elblotsen und der Hafenlotsen in
Hamburg zusammengelegt?
Welche Modelle des Zusammengehens sind in der Diskussion?
Welche Vor- und Nachteile sind mit den in der Diskussion stehenden
Modellen verbunden?
Welche Einsparungen oder welche Kosten werden sich jeweils daraus
ergeben?
Welche Haltung nehmen die Elb- und die Hafenlotsen, die Reeder sowie
die Hafenbetriebe dazu ein?
12. Auf welchen anderen seewärtigen Zufahrten können Revier- und
Hafenlotsen zusammengelegt werden?
Welche Überlegungen gibt es?
Was steht weiteren Zusammenlegungen entgegen?
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13. Welche Qualifikation muss künftig ein Bewerber vor dem Hintergrund
erfüllen, dass das Seelotsgesetz noch den Kapitän AG als
Zugangsvoraussetzung für den Beruf des Seelotsen vorsieht, das STCW 95 hingegen ein
einheitliches Kapitänspatent formuliert?
14. Welche Schiffe sind vor dem Hintergrund lotspflichtig, dass das Kernstück
der Sicherheitsphilosophie als auch der Kosten für die Schifffahrt die
Lotsannahmepflicht ist?
Welche Kriterien liegen heute und künftig dieser Pflicht zugrunde?
Unter welchen Umständen können Vielfahrer befreit werden?
Welche Rolle spielt die technische Ausstattung eines Schiffes?
15. Wie hoch ist der jährliche Aufwand – aufgeschlüsselt nach Personal und
Technik – für die Verkehrszentralen an den deutschen Küsten?
Wie viele Stunden pro Jahr erfolgt im Schnitt der letzten fünf Jahre eine
Landradarberatung?
Wie hoch ist der Anteil dieser Beratung an Lotsgeld?
Denkt die Bundesregierung an eine breitere Bemessungsgrundlage, d. h.
Umlage auf alle im Revier fahrenden Schiffe?
Soll diese Umlage in eine eigenständige Abgabe für die Landradarberatung
umgewandelt werden?
16. Welche Konsequenzen würden sich für die deutschen Seehäfen ergeben,
wenn die Bundesregierung dem Schritt Schwedens folgen würde, der
Schifffahrt auch die Infrastrukturkosten z. B. für die Verkehrszentralen in
Rechnug zu stellen?
Was spricht dagegen?
17. Wie bewertet die Bundesregierung das Angebot der Seelotsen, die von
ihnen geforderte ständige Präsenz in den Verkehrszentralen zu übernehmen?
18. Welche Auswirkungen ergeben sich für die Lotsannahmepflicht im
Hinblick darauf, dass ab 2002 ein neuartiges Schiffsidentifikationssystem
(AIS) zum Einsatz kommen soll, das dem Kapitän wie auch der
Landradarberatung genauere Daten zur Verkehrssituation liefert?
Wird die Landradarberatung dann überflüssig?
19. Wie bewertet die Bundesregierung den Schritt, dass die Niederlande den
Wettbewerb in ihrem Seelotswesen einführen wollen?
Liegen Erfahrungen dazu aus anderen Ländern vor?
Kann die Bundesregierung der These folgen, dass Wettbewerb auch in
sicherheitsrelevanten Bereichen wie dem Seelotswesen unter gewissen
Rahmenbedingungen möglich ist?
Welche Rahmenbedingungen wären hier mindestens erforderlich?
Ist in diesem Zusammenhang der oft geforderte Reedereilotse denkbar?
Wie wird sich dieser von normalen Seelotsen unterscheiden?
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– 4 – Deutscher Bundestag – 14. Wahlperiode
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Postfach 13 20, 53003 Bonn, Telefon (02 28) 3 82 08 40, Telefax (02 28) 3 82 08 44
ISSN 0722-8333
20. Welche Gehaltsstruktur liegt derzeit für die See- und Hafenlotsen – die
unbestritten einen verantwortungsvollen und gefährlichen Beruf ausüben, der
angemessen vergütet werden soll – vor?
Gibt es diesbezüglich Unterschiede zwischen den Lotsrevieren?
Berlin, den 6. Juni 2000
Wolfgang Börnsen (Bönstrup)
Dirk Fischer (Hamburg)
Dr.-Ing. Dietmar Kansy
Eduard Oswald
Renate Blank
Georg Brunnhuber
Hubert Deittert
Peter Götz
Manfred Heise
Norbert Königshofen
Dr. Hermann Kues
Peter Letzgus
Eduard Lintner
Dr. Klaus W. Lippold (Offenbach)
Dr. Michael Meister
Norbert Otto (Erfurt)
Wilhelm Josef Sebastian
Dr. Wolf Bauer
Paul Breuer
Wolfgang Dehnel
Renate Diemers
Hansjürgen Doss
Georg Girisch
Hans Jochen Henke
Klaus Hofbauer
Dr. Gerd Müller
Günter Nooke
Heinz Schemken
Werner Wittlich
Elke Wülfing
Friedrich Merz, Michael Glos und Fraktion]
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