Ausbildung, Umschulung und soziale Absicherung von Tänzerinnen und Tänzern
der Abgeordneten Dr. Norbert Lammert, Bernd Neumann (Bremen), Renate Blank, Klaus Brähmig, Norbert Hauser (Bonn), Hartmut Koschyk, Anton Pfeifer, Hans-Peter Repnik, Dr. Wolfgang Schäuble, Heinz Schemken, Margarete Späte, Erika Steinbach, Dr. Rita Süssmuth und der Fraktion der CDU/CSU
Vorbemerkung
Der künstlerische Tanz ist eine bedeutende Komponente des kulturellen Lebens in Deutschland. Die Karrieren der Tänzerinnen und Tänzer, die dieser Kunstform Ausdruck verleihen, sind im Unterschied zu fast allen anderen Berufen von außerordentlich kurzer Dauer. Die Tatsache, dass die Laufbahn der Tänzerinnen und Tänzer meist vor dem 40. Lebensjahr beendet ist, unterscheidet diese Berufsgruppe von anderen. Anders als bei Spitzensportlern mit ihrer ebenfalls kurzen aktiven Zeit haben Tänzerinnen und Tänzer weder vergleichbare Einkünfte noch stehen ihnen lukrative andere Einnahmenmöglichkeiten zur Verfügung.
Für Tänzerinnen und Tänzer gibt es keinen standardisierten Karriereweg. Aber sie werden alle mit der Notwendigkeit eines Berufswechsels konfrontiert und damit mit der Tatsache, die Sicherung ihrer Lebensgrundlage auf andere Weise zu gewährleisten. Umfassende Untersuchungen über Ausbildung und Karrierewege von Tänzerinnen und Tänzern liegen nicht vor.
Aus diesem Grunde fragen wir die Bundesregierung:
Schul- und Berufsausbildung
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen33
Welche staatlichen und privaten Ausbildungseinrichtungen für Tanz gibt es in der Bundesrepublik Deutschland und wie viele Ausbildungsplätze stehen zur Verfügung?
Wie viele Tänzerinnen und Tänzer haben Abschlüsse staatlicher Ausbildungseinrichtungen, wie viele privater, und wie haben sich die Anteile in den vergangenen Jahren entwickelt?
Wie hoch ist das Durchschnittsalter der Tanzschüler bei Eintritt in eine Schule?
Wie hoch ist der Anteil ausländischer Schüler und aus welchen Ländern kommen sie?
Welches Durchschnittsalter haben Absolventen nach Beendigung der Ausbildung?
Über welche schulischen Qualifikationen (Mittlere Reife, Abitur, Sonstige) verfügen Tänzerinnen und Tänzer und wie hoch ist jeweils der Anteil?
Wie hoch ist der prozentuale Anteil der Absolventen von staatlichen und von privaten Ausbildungseinrichtungen für Tanz, die im Anschluss an ihre Ausbildung ein Engagement an einem Theater erhalten?
Sind vor dem Hintergrund kleiner gewordener Ensembles aufgrund von Kürzungen an den Bühnen Zugangsvoraussetzungen und Ausbildungskapazitäten der Ausbildungseinrichtungen evaluiert worden?
Sind nach Ansicht der Bundesregierung die formellen Abschlüsse, die an staatlichen und an privaten Tanz-Ausbildungseinrichtungen erlangt werden können, im Hinblick auf die Vergleichbarkeit mit der regulären Schulausbildung und im Hinblick auf Weiterbildungs- und Umschulungsmaßnahmen nach Beendigung der aktiven Tanzkarriere ausreichend?
Wie bewertet die Bundesregierung den Umstand, dass Tänzerin/Tänzer kein staatlich anerkannter Beruf ist, im Hinblick auf die Möglichkeiten der Umschulung nach Beendigung der Bühnenlaufbahn?
Wie bewertet die Bundesregierung die Tatsache, dass Tanzpädagogen in Deutschland – im Unterschied zur Praxis im internationalen Vergleich – kein Diplom über die pädagogische Eignung erlangen müssen, um zu unterrichten, vor allem vor dem Hintergrund der Qualitätssicherung der Ausbildung, der internationalen Konkurrenzfähigkeit und einer EU-einheitlichen Praxis?
Tragen nach Ansicht der Bundesregierung die in den Bundesländern bestehenden gesetzlichen Regelungen dem einmaligen Sonderfall der Schulbildung, zu der die Berufsausbildung parallel läuft, Rechnung, und wo sieht sie Beispiele vorbildlicher Schulgesetzgebung, die diesem Sonderfall in besonderem Maße gerecht wird?
Wie viele Tänzerinnen und Tänzer sind an deutschen Bühnen – aufgeteilt nach Staatstheatern, Stadttheatern, sonstige Bühnen – beschäftigt?
Wie hoch ist der Anteil ausländischer Tänzerinnen und Tänzer?
Wie hat sich die Anzahl der an deutschen Bühnen beschäftigten Tänzerinnen und Tänzer in den vergangenen zehn Jahren in Ost und West entwickelt?
Wie lange verbleiben Tänzerinnen und Tänzer in Deutschland durchschnittlich bei einer Compagnie bzw. einem Theater, und wie oft wechselt ein Tänzer während seiner aktiven Laufbahn durchschnittlich an ein anderes Haus?
Welchen prozentualen Anteil machen freiberuflich arbeitende Tänzerinnen und Tänzer aus im Vergleich zu angestellten, und welche Trends lassen sich beobachten?
Sind der Bundesregierung Untersuchungen über die Gründe, aus denen Tänzerinnen und Tänzer ihre Karriere beenden, bekannt?
Wie hoch ist das aktuelle Durchschnittsalter von Tänzerinnen, wie hoch das von Tänzern bei Beendigung ihrer Bühnenlaufbahn?
Kann die Bundesregierung den international feststellbaren Trend auch für Deutschland bestätigen, dass die Altersgrenze der Tänzerinnen und Tänzer, die ihre aktive Bühnenlaufbahn beenden, seit einigen Jahren sinkt, und wenn ja, welche Gründe hat dies nach Ansicht der Bundesregierung?
Wie hoch ist nach Auskunft der Bundesregierung das durchschnittliche Gehalt von Tänzerinnen und Tänzern?
Wie viel macht das durchschnittliche steuerpflichtige Gehalt einer Tänzerin/eines Tänzers im Vergleich zu dem anderer am Theater beschäftigter Künstler prozentual aus?
Wird nach Ansicht der Bundesregierung mit der Dotierung der Stellen für Tänzerinnen und Tänzern an Theatern den finanziellen Erfordernissen des beruflichen Übergangsprozesses nach Beendigung der aktiven Bühnenlaufbahn entsprochen?
Welche staatlichen Fonds existieren, die finanzielle Unterstützung für Umschulungen oder Pensionsbezüge für Tänzerinnen und Tänzer bereithalten?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung vor über Erfahrungen mit Pensionsbezügen und Fonds etwa in Frankreich, Österreich und in skandinavischen Staaten?
Wie bewertet die Bundesregierung die Modelle der Frühpension für Tänzerinnen und Tänzer in Frankreich und in skandinavischen Ländern und die berufsbedingte Zuwendung in der früheren DDR?
Welche Modelle der speziell auf die Bedürfnisse von ehemaligen Tänzerinnen und Tänzern ausgerichteten Beratungsmöglichkeiten oder -einrichtungen bestehen für die Unterstützung bei der beruflichen Neuorientierung?
Welche Rolle kommt nach Ansicht der Bundesregierung bei der Beratung zur beruflichen Neuorientierung den Theatern zu, und sieht die Bundesregierung hier Handlungsbedarf?
Welche Berufsziele (Akademische Laufbahn/Berufe; künstlerische und kunstverwandte Berufe; Wirtschaft/unternehmerische Tätigkeit; Pflegeberufe; Sonstige) werden von ehemaligen Tänzerinnen und Tänzern in welcher prozentualen Verteilung angestrebt?
Welche Trends lassen sich bei der beruflichen Neuorientierung beobachten, und werden Umschulungen auf besonders nachgefragte Berufe entsprechend stärker gefördert?
In welchem Verhältnis stehen die vorhandenen staatlichen Angebote der Umschulung von Tänzerinnen und Tänzern zu der Nachfrage?
Welche Möglichkeiten, Umschulungsmaßnahmen in Anspruch zu nehmen, bieten sich ehemaligen Tänzerinnen und Tänzern, die über keinen staatlichen Abschluss verfügen?
Plant die Bundesregierung die Einrichtung von speziell auf die Bedürfnisse von Tänzerinnen und Tänzern ausgerichtete Berufsberatungsprogramme, und wenn ja, wie sehen diese aus?