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Kleine AnfrageWahlperiode 13Beantwortet

Abschaffung der Mutter-Kind-Abteile im ICE (G-SIG: 13010801)

Konsequenzen für Mütter mit Kleinkindern

Fraktion

PDS

Ressort

Bundesministerium für Verkehr

Datum

12.09.1995

Antwortdauer

20 Tage

Aktualisiert

26.07.2022

BT13/219823.08.1995

Abschaffung der Mutter-Kind-Abteile im ICE

Kleine Anfrage

Volltext (unformatiert)

[Drucksache 13/2198 23. 08. 95 Deutscher Bundestag 13. Wahlperiode Kleine Anfrage des Abgeordneten Dr. Winfried Wolf und der Gruppe der PDS Abschaffung der Mutter-Kind-Abteile im ICE Die „Frankfurter Rundschau" berichtete in ihrer Ausgabe vom 20. Juli 1995 über die Reise einer Mutter mit ihrem drei Monate alten Sohn mit der Bahn von Freiburg nach Mörfelden (Hessen). Beim Fahrkartenkauf in Freiburg bat sie um eine Reservierung für ein Kleinkindabteil, da sie das Kleinkind stillen wollte. Die Dame am Fahrkartenschalter riet wegen der Sommerhitze zur Fahrt im vollklimatisierten ICE. Auf der ICE-Fahrkarte stand „Kleinkindabteil", bei dem reservierten Abteil handelte es sich jedoch um ein normales Abteil. Die Mutter mußte in Anwesenheit von anderen Fahrgästen, u. a. zwei Bundeswehrsoldaten, ihr Kind stillen. Auf Rückfrage der „Frankfurter Rundschau" ließ die Deutsche Bahn AG durch ihren Sprecher Walter Henss mitteilen: „Im ICE gibt es keine Kleinkindabteile mehr. Die Mehrheit unseres Publikums sind Geschäftsleute. Es fahren nicht so viele Mütter und Kinder mit, daß wir auf Dauer ein Abteil reservieren und freihalten können." An eine Wiedereinführung der Kleinkindabteile im ICE sei auch in Zukunft nicht zu denken. Hinter dem Einzelvorfall steckt demnach eine umfassende Politik der noch in Bundeseigentum befindlichen Deutschen Bahn AG. Wir fragen die Bundesregierung: 1. Ab welchem Zeitpunkt wurden die Mutter-Kind-Abteile im ICE abgeschafft? 2. Gilt die neue Regelung für alle in Betrieb befindlichen ICE? 3. Wird das Nachfolgemodell des ICE, der ICE-2, bereits ohne Mutter-Kind-Abteile konzipiert bzw. gebaut? 4. Wie beurteilt die Bundesregierung, und hier insbesondere die Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, diese Geschäftspolitik der Deutschen Bahn AG? 5. Wie hoch liegt der Anteil des Geschäftsreiseverkehrs am ICE - Verkehr a) in der 1. Klasse, b) in der 2. Klasse, c) bei der Gesamtzahl der ICE-Reisenden? 6. Wie definiert die Bundesregierung die Bezeichnung „Mehrheit unseres (der Deutschen Bahn AG) Publikums"? 7. Ist aus der Abschaffung der Mutter-Kind-Abteile mit der Begründung, dieses Fahrgastklientel sei zu klein, zu schließen, daß auch andere „Minderheitengruppen", auf die im Schienenfernverkehr bisher teilweise Rücksicht genommen wurde, aus dem ICE gedrängt werden sollen? a) Ist etwa daran gedacht, den Zugang von behinderten Menschen zum ICE weiter zu erschweren (bitte für ICE und ICE-2 beantworten)? b) Ist daran gedacht, zukünftig die Fahrkostendifferenz zwischen „normalen" Bahntarifen und denen im ICE-Verkehr zu vergrößern? c) Ist daran gedacht, die Fahrpreise der Bahn Card- Inhaberinnen und -Inhaber im ICE-Verkehr zu erhöhen, wie im Fall des InterCityNight bereits erfolgt? 8. Wie stark wird das „Konferenzabteil" im ICE genutzt, und welche Rentabilität errechnet die Deutsche Bahn AG daraus? a) Zu wieviel Prozent ist das Konferenzabteil — bezogen auf ICE-Fahrkilometer — belegt? b) Welche Kostendeckung errechnet die Deutsche Bahn AG für das Konferenzabteil? c) Hat die Deutsche Bahn AG vergleichende Rechnungen für die Kostendeckung des Mutter-Kind-Abteils und des Konferenzabteils angestellt? Wenn ja, welches Ergebnis brachte ein solcher Vergleich? Wenn nein, warum nicht? d) Welchen Unterschied sehen die Bundesregierung bzw. das Management der Deutschen Bahn AG zwischen der Minderheit von Bahnreisenden, die ein Konferenzabteil nutzen, und solchen, die ein Kleinkind stillen wollen (gefragt wird nach dem betriebswirtschaftlich relevanten Unterschied, nicht nach dem zwischen einem Muß des Stillens und einem Kann des Konferierens)? e) Wird der ICE-2, bei dem grundsätzlich auf Abteile verzichtet werden soll, auch kein Konferenzabteil aufweisen? Wenn nein, warum nicht? 9. Welchen Vorschlag zur Nutzung des Schienenverkehrs für Mütter mit Kleinkindern hat die Bundesregierung im Fall von Strecken wie Frankfurt/Main—München, die fast ausschließlich mit dem ICE betrieben werden? 10. Gibt es Mitglieder der Bundesregierung oder enge Angehörige von Mitgliedern der Bundesregierung, die von der Abschaffung des Mutter-Kind-Abteils betroffen sind? Wenn nein, gäbe es solche Mitglieder der Bundesregierung bzw. enge Angehörige derselben, wenn diese den Forderungen des Bundesumweltamtes bzw. des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit folgen und auf innerdeutschen Verbindungen so weit als möglich auf Auto und Flugzeug verzichten und den Bahnverkehr nutzen würden? 11. Ist es richtig, daß die Deutsche Bahn AG anstrebt, auf den IC - Verbindungen „Zug um Zug" die derzeitigen lokbespannten InterCity- und EuroCity-Züge durch ICE- bzw. ICE-2- Garnituren zu ersetzen? 12. Wenn dies zutrifft, welche Konsequenzen sollen nach Auffassung der Bundesregierung bzw. des Managements der Deutschen Bahn AG Frauen daraus ziehen? a) Nicht stillen? b) Mit dem Pkw fahren und in Mutter-Kind-Räumen auf Autobahnraststätten stillen? Bonn, den 17. August 1995 Dr. Winfried Wolf Dr. Gregor Gysi und Gruppe]

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