Ozonforschung
der Abgeordneten Josef Vosen, Horst Kubatschka, Holger Bartsch, Edelgard Bulmahn, Ursula Burchardt, Wolf-Michael Catenhusen, Lothar Fischer (Homburg), Ilse Janz, Siegmar Mosdorf, Dr. Helga Otto, Ursula Schmidt (Aachen), Bodo Seidenthal, Brigitte Adler, Hans Gottfried Bernrath, Friedhelm Julius Beucher, Dr. Ulrich Böhme (Unna), Hans Büchler (Hof), Hans Büttner (Ingolstadt), Marion Caspers-Merk, Dr. Marliese Dobberthien, Dr. Konrad Elmer, Monika Ganseforth, Dr. Peter Glotz, Michael Habermann, Dr. Liesel Hartenstein, Lothar Ibrügger, Susanne Kastner, Siegrun Klemmer, Walter Kolbow, Dr. Klaus Kübler, Uwe Lambinus, Robert Leidinger, Ulrike Mascher, Heide Mattischeck, Ulrike Mehl, Christian Müller (Zittau), Jutta Müller (Völklingen), Michael Müller (Düsseldorf), Rudolf Müller (Schweinfurt), Dr. Martin Pfaff, Harald B. Schäfer (Offenburg), Otto Schily, Horst Schmidbauer (Nürnberg), Renate Schmidt (Nürnberg), Dr. Rudolf Schöfberger, Dietmar Schütz, Erika Simm, Dr. Sigrid Skarpelis-Sperk, Wieland Sorge, Ludwig Stiegler, Uta Titze, Günter Verheugen, Wolfgang Weiermann, Dr. Axel Wernitz, Hermann Wimmer (Neuötting), Dr. Hans de With, Verena Wohlleben, Hanna Wolf, Dr. Peter Struck, Hans-Ulrich Klose und der Fraktion der SPD
Vorbemerkung
Es ist seit vielen Jahren bekannt, daß über Arktis und Antarktis die für den Menschen lebenswichtige Ozonschicht schwindet. Besonders über der Südpolarregion war die Abnahme des Ozons derartig stark, daß z. B. in Australien besondere Gesundheitsschutzmaßnahmen ergriffen werden mußten. Bisher gingen viele Wissenschaftler davon aus, daß eine solche starke Ozonabnahme auf die Südhalbkugel beschränkt bleiben würde. Spätestens seitdem die vorläufigen NASA-Meßergebnisse von Anfang Februar 1992 vorliegen, muß dies als widerlegt angesehen werden. Auch die Bundesrepublik Deutschland ist vom Abbau der Ozonschicht direkt betroffen. Nachdem 1989 erste Schädigungen der Ozonschicht auf der nördlichen Hemisphäre festgestellt worden waren, ist die Ozonschicht nun auch in unseren Breiten so stark geschädigt, daß von einem „Ozonloch" gesprochen werden kann. Über diese Fakten lediglich bestürzt zu sein, jedoch keine weiteren Taten zu ergreifen, wäre unverantwortlich.
Wir fragen deshalb die Bundesregierung:
Fragen10
Welche Mittel wurden in den Jahren 1990 und 1991 für die Ozonforschung vorgesehen, und wie wurden sie eingesetzt? Welche Mittel stehen für das laufende Jahr zur Verfügung und für welche Projekte?
Welche Maßnahmen hält die Bundesregierung a) auf nationaler Ebene, b) international für notwendig, um einen weiteren Abbau der Ozonschicht soweit wie noch möglich zu stoppen?
Beabsichtigt die Bundesregierung, eine Boing 707 der Bundeswehr als Ozon-Forschungsflugzeug umzubauen und einzusetzen?
Ist es beabsichtigt, die Entwicklung und den Bau eines hochfliegenden Meßflugzeugs durch die Firma Grob zu fördern bzw. dieses für Ozon-Meßflüge einzusetzen?
Sind bisher Forschungsvorhaben durchgeführt worden, die der Einschätzung der gesundheitlichen Gefahren eines weiteren Abbaus der Ozonschicht hinsichtlich a) einer Zunahme von Augenerkrankungen, b) einer Schädigung des Immunsystems, c) einer Zunahme von Hautkrebs dienen und mit welchen Ergebnissen?
Beabsichtigt die Bundesregierung gegebenenfalls die Vergabe entsprechender Forschungsaufträge?
Sind bisher Forschungsvorhaben durchgeführt worden, bei denen a) Auswirkungen auf das Pflanzenwachstum, b) Auswirkungen auf die Pflanzenfruchtbarkeit, c) sonstige ökologische Schädigungen durch die Schädigung der Ozonschicht untersucht wurden, oder plant die Bundesregierung die Vergabe entsprechender Forschungsaufträge?
Hat die Bundesregierung Forschungsvorhaben durchgeführt, bei denen eine Schädigung der marinen Ökosysteme, insbesondere des Phytoplanktons als wichtige Grundlage vieler mariner Nahrungsketten, untersucht wurden, und welche Ergebnisse liegen daraus vor?
Welche Forschungsvorhaben hat die Bundesregierung bisher durchführen lassen mit dem Ziel, die zunehmende Bedeutung des Luftverkehrs für den Abbau der Ozonschicht einzuschätzen und mit welchen Ergebnissen?
Plant sie gegebenenfalls die Vergabe von entsprechenden Forschungsaufträgen?
Sind bisher Forschungsvorhaben durchgeführt worden, bei denen mögliche Auswirkungen eines weiteren Ozonabbaus auf die Arbeitswelt (z. B. die Notwendigkeit für neue Arbeitsschutzvorschriften) untersucht werden, oder plant sie die Vergabe entsprechender Forschungsaufträge?
Wie erfolgt auf internationaler Ebene, etwa mit der NASA, die Koordination von Forschungsvorhaben, und wie kann die internationale Zusammenarbeit gegebenenfalls verbessert werden?