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Kleine AnfrageWahlperiode 12Beantwortet

Neukonzeption der beruflichen Aus- und Fortbildung für Restauratorinnen und Restauratoren (G-SIG: 12011087)

Neuordnung der Berufsausbildung für Restauratoren, Bewertung der Ausbildung in der DDR, Modellprojekte zur Ausbildung an Hochschulen, Förderung der Fortbildung

Fraktion

SPD

Ressort

Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft

Datum

14.01.1993

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 12/359530.10.92

Neukonzeption der beruflichen Aus- und Fortbildung für Restauratorinnen und Restauratoren

der Abgeordneten Dr. Peter Eckardt, Evelin Fischer (Gräfenhainichen), Hans Gottfried Bernrath, Peter Conradi, Freimut Duve, Dr. Konrad Elmer, Gerlinde Hämmerle, Christel Hanewinckel, Stephan Hilsberg, Gabriele Iwersen, Dr. Ulrich Janzen, Horst Kubatschka, Eckart Kuhlwein, Dr. Christine Lucyga, Ulrike Mascher, Christoph Matschie, Michael Müller (Düsseldorf), Doris Odendahl, Günter Rixe, Siegfried Scheffler, Dieter Schloten, Renate Schmidt (Nürnberg), Wilhelm Schmidt (Salzgitter), Horst Sielaff, Dr. Hartmut Soell, Dr. Cornelie Sonntag-Wolgast, Dr. Peter Struck, Wolfgang Thierse, Hans-Günther Toetemeyer, Siegfried Vergin, Hans Wallow, Gerd Wartenberg (Berlin), Barbara Weiler, Gert Weisskirchen (Wiesloch), Hildegard Wester, Gudrun Weyel, Dieter Wiefelspütz, Hans-Ulrich Klose und der Fraktion der SPD

Vorbemerkung

Die Restaurierung von Gemälden, Wandmalereien, Holzskulpturen, Fassaden, Gebäuden, Steinen, Brücken, Möbeln, Papier, Glas, Keramik, Textilien, Metall, Mauerwerk, Stuckarbeiten und Kunststoff erfordert hohe handwerkliche Qualifikationen. Dies gilt für den Erhalt wertvollen Kulturguts in den alten Ländern (u. a. mit Blick auf die Gefahren der Luftverschmutzung), besonders jedoch für die neuen Länder, für die der Erhalt der kulturellen und historischen Substanz von großer kultureller und auch wirtschaftlicher Bedeutung ist.

Ein einheitliches Berufsbild für eine Erstausbildung nach Berufsbildungsgesetz bzw. Handwerksordnung existiert nicht. Dies ist angesichts des Niveaus und der unterschiedlichen Tätigkeiten von Restauratorinnen und Restauratoren auch kaum sinnvoll zu erreichen. Um so wichtiger wird die Fortbildung, so daß aus verwandten handwerklichen oder industriellen Berufen heraus eine Qualifizierung zur Restauratorin bzw. zum Restaurator sowohl auf der Handwerks- als auch auf der Fachschul- und Fachhochschulebene möglich ist. Dabei geht es auch um die Sicherung eines hohen Standards der Ausbildung wie der Berufsausübung.

Für diesen differenzierten Tätigkeitsbereich beanspruchen eine Reihe von Organisationen, Gewerkschaften und Berufsverbänden Teilzuständigkeiten und Interessen. In den alten Ländern ist es bisher nicht zu einer hinreichenden Abstimmung der unterschiedlichen Interessen gekommen. Insbesondere konnten Versuche zu Beginn der achtziger Jahre, Fortbildungsordnungen nach Berufsbildungsgesetz bzw. Handwerksordnung für diesen Bereich zu erlassen, nicht zum Erfolg geführt werden.

In der ehemaligen DDR wurden Qualifizierungsgänge für diesen Bereich überwiegend an Hoch- und Fachschulen im Direkt- und Fernstudium angeboten. In den alten Ländern gibt es seit einigen Jahren Studiengänge für Restaurierung, so an der Universität Hildesheim, an den Fachhochschulen Hildesheim-Holzminden und Köln sowie an der Staatlichen Akademie für Bildende Künste Stuttgart. Außerdem gibt es bei zahlreichen Handwerkskammern Fortbildungsregelungen nach § 42 Abs. 1 der Handwerksordnung, die auf unterschiedlichen Handwerksberufen (u. a. Tischler, Maurer, Bildhauer, Maler und Lackierer) aufbauen.

Angesichts der zunehmenden Bedeutung der Restaurierung ist eine Neukonzeption der Aus- und Fortbildungsgänge in diesem wichtigen handwerklich-künstlerischen Bereich dringend geboten.

Wir fragen daher die Bundesregierung:

Fragen7

1

Welche Bedeutung mißt die Bundesregierung der Neuordnung der Restaurierungsaus- und -fortbildung in der beruflichen Bildung bzw. im Hochschulbereich für die Substanzerhaltung wertvollen Kulturgutes bei?

2

Ist die Bundesregierung bereit, zusammen mit den Ländern, den Sozialpartnern, den Berufsverbänden und betroffenen Institutionen die verschiedenen Möglichkeiten zur Ordnung der Berufe und Qualifikationen im Bereich Restaurierung erneut zu beraten und in ihrem Zuständigkeitsbereich die entsprechenden Verordnungen zu erlassen?

3

Welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung dabei, die Erfahrungen mit der Qualifizierung von Restauratorinnen und Restauratoren in der ehemaligen DDR für eine Neuordnung des Berufs bzw. die Strukturierung von neuen Studiengängen zu nutzen und den bereits Qualifizierten in den neuen Ländern geeignete berufliche Perspektiven zu eröffnen?

4

Wie sind entsprechend der Bestimmungen des Artikels 37 Abs. 1 des Einigungsvertrages Bildungsabschlüsse im Restaurierungsbereich der ehemaligen DDR von der KMK als gleichwertig festgestellt worden, und was tun Bund, Länder und Gemeinden im Rahmen ihrer jeweiligen Zuständigkeiten, die Nachqualifizierung und die Eingruppierung der Restauratorinnen und Restauratoren ihrer Ausbildung entsprechend in Stiftungen, Museen und öffentlichen Einrichtungen wie Theatern und Galerien auch in der Praxis zu erreichen?

5

Hält die Bundesregierung die Aus- und Fortbildungsgänge zu restauratorischen Berufen, wie sie z. B. in Frankreich, Polen, Italien und in den Niederlanden gelten, für auch auf die Bundesrepublik Deutschland übertragbar, und welche Austauschmaßnahmen werden mit diesen und anderen Staaten gefördert?

6

Welche Pläne und Anträge von Hochschulen, mit Mitteln der Modellversuchsförderung Grundstudien- oder Fortbildungsgänge im Bereich Restaurierung einzurichten und weiterzuentwickeln, sind der Bundesregierung bekannt, und ist sie bereit, derartige Vorhaben zu fördern?

7

Hält die Bundesregierung die derzeitigen Schwerpunkte der Fortbildungsangebote im Bereich Restaurierung mit Blick auf die zunehmenden Aufgaben für ausreichend, welche weitere Schwerpunktsetzung hält sie für sinnvoll, und ist sie bereit, diese zu fördern?

Bonn, den 30. Oktober 1992

Dr. Peter Eckardt Evelin Fischer (Gräfenhainichen) Hans Gottfried Bernrath Peter Conradi Freimut Duve Dr. Konrad Elmer Gerlinde Hämmerle Christel Hanewinckel Stephan Hilsberg Gabriele Iwersen Dr. Ulrich Janzen Horst Kubatschka Eckart Kuhlwein Dr. Christine Lucyga Ulrike Mascher Christoph Matschie Michael Müller (Düsseldorf) Doris Odendahl Günter Rixe Siegfried Scheffler Dieter Schloten Renate Schmidt (Nürnberg) Wilhelm Schmidt (Salzgitter) Horst Sielaff Dr. Hartmut Soell Dr. Cornelie Sonntag-Wolgast Dr. Peter Struck Wolfgang Thierse Hans-Günther Toetemeyer Siegfried Vergin Hans Wallow Gerd Wartenberg (Berlin) Barbara Weiler Gert Weisskirchen (Wiesloch) Hildegard Wester Gudrun Weyel Dieter Wiefelspütz Hans-Ulrich Klose und Fraktion

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