Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag
11. Wahlperiode
Drucksache 11/4540
12.05.89
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Verheugen, Bindig, Brück, Duve, Ganseforth, Großmann,
Dr. Hauchler, Dr. Holtz, Koschnick, Leidinger, Luuk, Dr. Niehuis, Dr. Osswald,
Schanz, Schluckebier, Dr. Schmude, Dr. Timm, Toetemeyer, Weisskirchen
(Wiesloch), Bulmahn, Gansel, Dr. Vogel und der Fraktion der SPD
Wirtschaftsbeziehungen der Bundesrepublik Deutschland mit Südafrika
Ungeachtet der sich ständig weiter verschärfenden
innenpolitischen Situation in Südafrika ist die Bundesrepublik Deutschland
1988 erstmals größter Handelspartner Südafrikas geworden.
Bereits seit 1985 ist die Bundesrepublik Deutschland Südafrikas
größter Lieferant. Diese Tatsache schadet dem Ansehen der
Bundesrepublik Deutschland. Während sich andere Länder aus
Protest gegen das Apartheidsregime aus Südafrika zurückziehen,
scheint die Bundesrepublik Deutschland die so entstehenden
Lücken zu nutzen und verstärkt die Zusammenarbeit. Durch die
direkte und indirekte Unterstützung der südafrikanischen
Wirtschaft werden dort die politischen Strukturen und damit die
Apartheid zementiert. Ende Februar 1989 haben hundert
Mitarbeiter der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) an den
Verwaltungsrat der KfW und dessen Vorsitzenden Bundesfinanzminister
Gerhard Stoltenberg appelliert, keine direkten oder indirekten
Kredite mehr an Südafrika zu vergeben. Da sich die KfW bei der
Vergabe von Exportkrediten an der Handels- und
Bürgschaftspolitik der Bundesregierung orientiert, ist hier allein die
Bundesregierung gefragt.
In der achten Zusammenfassung der Berichte in Südafrika
organisierter Unternehmen über die Anwendung des EG-
Verhaltenskodex vom Dezember 1988 geht die Bundesregierung von
Fortschritten in allen Bereichen aus.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Finanzbeziehungen
1. Wie hoch sind die Verbindlichkeiten der Republik
Südafrika im öffentlichen und privaten Bereich gegenüber
Kreditinstituten aus der Bundesrepublik Deutschland?
2. Wie setzen sich diese Verbindlichkeiten zusammen und
inwieweit sind sie in den Jahren 1989, 1990, 1991 und
darüber hinaus fällig?
3. Welche deutschen Kreditinstitute haben in den Jahren
1986, 1987 und 1988 Anleihen oder Kredite an den
südafrikanischen Staat, staatliche oder halbstaatliche
Einrichtungen in der Republik Südafrika oder an die südafńkanische
Wirtschaft bewilligt oder sich am Management
internationaler Anleihen oder Kredite beteiligt?
4. Welche Geschäftsbeziehungen unterhalten bundeseigene
Kreditinstitute mit Südafrika?
5. In welcher Größenordnung sind in den Jahren 1986, 1987
und 1988 Hermes-Bürgschaften für Geschäfte mit
Südafrika bewilligt worden?
6. Wie hoch ist das Gesamtvolumen der zur Zeit für Südafrika
-
Geschäfte bewilligten Hermes-Bürgschaften?
7. Welche Haltung nimmt die Bundesregierung zu den
bevorstehenden Umschuldungsverhandlungen mit Südafrika
ein?
II. Handelsbeziehungen
1. Welches Volumen hatte der Außenhandel der
Bundesrepublik Deutschland mit der Republik Südafrika (Import und
Export) in den Jahren 1986, 1987 und 1988?
2. Wie stellte sich die Entwicklung des Außenhandels der
Bundesrepublik Deutschland mit Südafrika 1986, 198 7 und
1988 im Vergleich zum Außenhandel der USA,
Großbritanniens, Japans, Italiens und Frankreichs mit Südafrika dar?
3. Wie setzten sich die deutschen Importe aus Südafrika und
die Exporte nach Südafrika geordnet nach Warengruppen
zusammen? Wie war speziell die Entwicklung bei der
Einfuhr von Kohle, Gold, strategischen Mineralien und
Agrarprodukten aus Südafrika von 1986, 1987 und 1988?
4. Wie beurteilt die Bundesregierung diese Entwicklung?
5. Hat die Bundesregierung in den Jahren 1986, 1987 und
1988 Ausfuhrgenehmigungen für Lieferungen nach
Slidafrika nach Anlage I, Teil A, B und C der Ausfuhrliste des
Außenwirtschaftsgesetzes erteilt?
Falls ja, in welcher Größenordnung sind die
Genehmigungen erteilt worden und wie verteilen sie sich auf die
einzelnen Teile (A, B und C) der Ausfuhrliste?
Falls Lieferungen nach Teil A erfolgt sind, um welche
handelt es sich dabei?
6. An welchen Messen in der Bundesrepublik Deutschland
sind südafrikanische Aussteller im Jahr 1988 beteiligt
gewesen?
7. Wie beurteilt die Bundesregierung die Beteiligung
südafrikanischer Aussteller an Messen in der Bundesrepublik
Deutschland?
Deutscher Bundestag - 11. Wahlperiode Drucksache '11/4540
8. Wie stellt die Bundesregierung sicher, daß nicht mit Hilfe
von Exportkrediten der KfW und Hermes- Βürgschaften in
Bereichen wie Maschinenbau und Elektrotechnik
militärisch nutzbare Güter nach Südafrika gelangen?
9. Ist die Bundesregierung bereit, die Verweigerung von
Hermes-Bürgschaften für Exporte nach Südafrika in Erwägung
zu ziehen?
III. EG-Verhaltskodex
1. Warum enthält die Zusammenfassung der Berichte über die
Anwendung des EG-Verhaltenskodex keine
Zahlenangaben über die Aufstiegsmöglichkeiten schwarzer
Arbeitnehmer (Punkt 4) und zu den freiwilligen Sozialleistungen
(Punkt 5)?
2. Welche Rechtsvorschriften oder mietrechtlichen
Bestimmungen in Südafrika rechtfertigen die Aufrechterhaltung
von Rassentrennung am Arbeitsplatz in mehreren der
berichtenden Unternehmen (Punkt 6)?
3. Kann oder muß nicht diesen Unternehmen eine
Übertretung solcher Vorschriften zugemutet werden?
Was kann die Bundesregierung tun, um die Rechtsstellung
der deutschen Unternehmen in solchen Fällen zu
verbessern?
4. Werden die Unternehmen, die bislang keine Berichte über
die Anwendung des EG-Verhaltenskodex abfassen, von
der Bundesregierung einzeln und direkt zur
Berichterstattung aufgefordert?
5. Setzt sich die Bundesregierung entsprechend der
Forderung des Bundesaußenministers für eine gemeinsame
Aktion zu den von der IG Metall erarbeiteten
Mindeststandards und für eine Ausweitung der Empfehlungen der EPZ
ein?
6. Was tut die Bundesregierung, um alle deutschen Firmen,
die in Südafrika tätig sind, zur Einhaltung des von ihr
akzeptierten EG-Verhaltenskodex zu veranlassen?
IV. Tourismus und Flugverkehr
1. Ist der Bundesregierung bekannt, wie sich der Tourismus
aus der Bundesrepublik Deutschland in die Republik
Südafrika in den Jahren 1986, 1987 und 1988 entwickelt hat?
2. Wie beurteilt die Bundesregierung diese Entwicklung?
3. In welchem Umfang ist das im Besitz der Deutschen
Bundesbahn befindliche Reisebüro DER oder andere direkt
oder indirekt im Bundesbesitz befindliche Unternehmen an
der Vermittlung von touristischen Reisen nach Südafrika
beteiligt?
4. Wie beurteilt die Bundesregierung die Mitwirkung des DER
und evtl. anderer Bundesunternehmen an der Vermittlung
von Tourismus-Reisen nach Südafrika?
5. Wie hat sich das Passagieraufkommen der Deutschen
Lufthansa auf Flügen nach Südafrika in den Jahren 1986, 1987
und 1988 entwickelt?
6. Hat die Bundesregierung die Absicht, zusätzliche
Flugverbindungen der Deutschen Lufthansa oder anderer
deutscher Luftverkehrsunternehmen nach Südafrika zu
genehmigen?
V. Deutsche Investitionen in der Republik Südafrika
1. Wie hoch ist der Wert der deutschen Direktinvestitionen in
der Republik Südafrika?
2. Wie viele Tochtergesellschaften deutscher Unternehmen
sind in der Republik Südafrika tätig?
3. Wie 'loch ist die Zahl
a) der weißen
b) der schwarzen
Beschäftigten in südafrikanischen Tochtergesellschaften
deutscher Unternehmen?
4. Wie hoch ist der Anteil der schwarzen Beschäftigten auf der
mittleren und oberen Management-Ebene in
südafrikanischen Tochtergesellschaften deutscher Unternehmen?
5. Welche Bemühungen hat die Bundesregierung
unternommen, um die südafrikanischen Tochtergesellschaften
deutscher Unternehmen zu bewegen, die Vorschläge der IG
Metall zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den
südafrikanischen Betrieben anzunehmen?
6. Welche deutschen Firmen haben sich in den Jahren 1986,
1987 und 1988 aus Südafrika ganz zurückgezogen oder
Beteiligungen an Unternehmen in Südafrika aufgegeben
oder reduziert?
Bonn, den 12. Mai 1989
Verheugen
Bindig
Brück
Duve
Ganseforth
Großmann
Dr. Hauchler
Dr. Holtz
Koschnick
Leidinger
Luuk
Dr. Niehuis
Dr. Osswald
Schanz
Schluckebier
Dr. Schmude
Dr. Timm
Toetemeyer
Weisskirchen (Wiesloch)
Bulmahn
Gansel
Dr. Vogel mid Fraktion]