Situation der 3 000 Jahre alten aramäischen Sprache
der Abgeordneten Bodo Ramelow, Dr. Hakki Keskin und der Fraktion DIE LINKE.
Vorbemerkung
In jüngster Zeit haben die Syrisch-Orthodoxe Kirche in Deutschland, Organisationen und Vereine der hier lebenden Aramäer/Asyrer bzw. syrisch-orthodoxen Christen sowie besorgte Einzelpersonen ihre tiefe Besorgnis über die Lage des Klosters Mor Gabriel in der Südosttürkei gegenüber der Politik und den Medien zum Ausdruck gebracht.
Das 1 600 Jahre alte Kloster Mor Gabriel – bedeutendstes religiöses und kulturelles Zentrum der syrisch-orthodoxen Christen und Aramäer/Asyrer in der Südosttürkei – sieht sich gegenwärtig durch juristische Auseinandersetzungen ernsthaft in seinen Wirkungsmöglichkeiten gefährdet. Dazu gehört neben der Ausübung des syrisch-orthodoxen Glaubens der Erhalt aramäischer Sprache und Kultur. Mor Gabriel ist einer der zwei Orte im Tur Abdin in der Südosttürkei, wo in einer Klosterschule, wenn auch illegal, eine der noch lebendigen Sprachformen der mehr als dreitausend Jahre alten aramäischen Sprache – der Sprache Jesu – vermittelt wird. Die gegenwärtigen Vorgänge um das Kloster verschärfen die Bedrohung dieses zum Erbe der gesamten Menschheit gehörenden einzigartigen Kulturgutes.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen3
Ist der Bundesregierung bekannt, dass das Lehren der aramäischen Sprache in der Türkei – einem der Hauptherkunftsländer der Aramäer/Asyrer – nicht gestattet ist?
Wie bewertet die Bundesregierung unter den gegenwärtigen Bedingungen die Möglichkeiten zur Bewahrung aramäischer Sprache und Kultur in deren Ursprungsländern?
Welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung, zum Erhalt dieser Sprache und Kultur in Deutschland und Europa beizutragen, wo mittlerweile mehr Träger dieser Sprache und Kultur leben als in den ursprünglichen Heimatländern?