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Kleine AnfrageWahlperiode 10Beantwortet

Entwicklung der Selbständigen (G-SIG: 10001668)

Stagnation der Selbständigenzahl 1983 trotz verstärkter Inanspruchnahme von Fördermitteln und steigender Selbständigeneinkommen, branchenmäßige und regionale Verteilung der Selbständigen 1976 bis 1983, Abhängigkeit der Existenzgründungen von Rahmenbedingungen, Entwicklung, branchenmäßige und regionale Verteilung der Insolvenzen von 1976 bis 1983, Konsequenzen für die Mittelstandspolitik

Fraktion

SPD

Ressort

Bundesministerium für Wirtschaft

Datum

26.09.1984

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 10/194906. 09. 84

Entwicklung der Selbständigen

der Abgeordneten Roth, Dr. Jens, Rapp (Göppingen), Bachmaier, Berschkeit, Dr. von Bülow, Curdt, Fischer (Homburg), Herterich, Immer (Altenkirchen), Kirschner, Kretkowski, Dr. Kübler, Müller (Schweinfurt), Nagel, Frau Odendahl, Oostergetelo, Pfuhl, Poß, Dr. Schwenk (Stade), Stiegler, Vahlberg, Frau Weyel, Frau Zutt, Dr. Vogel und der Fraktion der SPD

Vorbemerkung

Kleinen und mittleren Unternehmen kommt für die weitere wirtschaftliche Entwicklung eine besondere Bedeutung zu. Zwei Drittel des Sozialprodukts, der Arbeits- und Ausbildungsplätze entfallen auf Betriebe mit nicht mehr als 499 Beschäftigten. Selbständige und ihre Mitarbeiter werden wie kaum eine andere Bevölkerungsgruppe vom technischen Wandel, von Strukturveränderungen und wirtschaftlichen Wechsellagen betroffen.

Die Zahl der Selbständigen (ohne Land- und Forstwirtschaft) sind nach dem starken Einbruch in den 60er Jahren und einer verminderten Abnahme bis Mitte der 70er Jahre seither leicht angestiegen (1976 bis 1982 + 50000). Auch im Krisenjahr 1982 kam es noch zu einer Zunahme der Selbständigen um 21000. Diese Entwicklung setzte sich trotz konjunktureller Erholung im Jahr 1983 jedoch nicht mehr fort ( + 1 000 Selbständige). Von einer Existenzgründungswelle kann also gegenwärtig nicht gesprochen werden. Im Widerspruch hierzu steht der starke Zuwachs der Inanspruchnahme von staatlichen Fördermitteln zur Existenzgründung.

Sorgen bereitet auch, daß die Welle von Insolvenzen ungestoppt weiterläuft. Die Rekordzahl von 1982 wurde im Jahr 1983 nochmals übertroffen. Auch im Jahr 1984 stehen wir vor einer ähnlichen Entwicklung.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen10

1

Wie erklärt sich die Bundesregierung den Widerspruch zwischen der Stagnation der Selbständigenzahl im Jahr 1983 und der wachsenden Inanspruchnahme von Fördermitteln zur Existenzgründung, und welche wirtschaftlichen Konsequenzen wird sie hieraus ziehen?

2

Wie erklärt es sich die Bundesregierung, daß im Jahr 1983 die Zahl der Selbständigen nicht zugenommen hat, obwohl die Einkommen der Selbständigen im Jahr 1982 um 10 v. H. und im Jahr 1983 um 7 v. H. höher lagen als jeweils im Vorjahr und die steuerlichen Belastungen für Unternehmen 1983 niedriger lagen als zuvor?

3

Wie verteilte sich in den Jahren von 1976 bis 1983 die Zahl der Selbständigen auf die einzelnen Wirtschaftsbereiche?

4

Wie hat sich die Zahl der Selbständigen von 1976 bis 1983 in der regionalen Verteilung entwickelt?

5

Wie erklärt sich die Bundesregierung den Anstieg der Anzahl der Selbständigen in den Jahren 1976 bis 1982 (mit Ausnahme des Jahrs 1981), teilt sie die Auffassung, daß diese Entwicklung die Behauptung widerlegt, die Rahmenbedingungen für Existenzgründungen hätten sich in der zweiten Hälfte der 70er Jahre verschlechtert?

6

Wie erklärt sich die Bundesregierung die Tatsache, daß im ersten Jahr der konjunkturellen Erholung (1983) die Zahl der Selbständigen stagnierte, nachdem sie im Krisenjahr 1982 um insgesamt 17 000 und ohne Berücksichtigung der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe um 21 000 angestiegen war?

7

Welche Erklärung hat die Bundesregierung für die Tatsache, daß trotz der konjunkturellen Erholung seit dem Herbst 1982 die Zahl der Insolvenzen 1983 nicht abgenommen hat und 1984 wahrscheinlich sogar noch zunimmt?

8

Wie verteilten sich in den Jahren 1976 bis 1983 die Insolvenzen auf die verschiedenen Wirtschaftsbereiche?

9

Wie hat sich die Zahl der Insolvenzen von 1976 bis 1983 in der regionalen Verteilung entwickelt?

10

Sieht sich die Bundesregierung im Hinblick auf die hohe Zahl der Insolvenzen veranlaßt, ihre Politik für kleine und mittlere Unternehmen zu ändern, und wenn ja, in welcher Weise?

Bonn, den 6. September 1984

Roth Dr. Jens Rapp (Göppingen) Bachmaier Berschkeit Dr. von Bülow Curdt Fischer (Homburg) Herterich Immer (Altenkirchen) Kirschner Kretkowski Dr. Kübler Müller (Schweinfurt) Nagel Frau Odendahl Oostergetelo Pfuhl Poß Dr. Schwenk (Stade) Stiegler Vahlberg Frau Weyel Frau Zutt Dr. Vogel und Fraktion

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