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Kleine AnfrageWahlperiode 9Beantwortet

Finanzierung des Baus von sogenannten Solardörfern und anderen solarthermischen Anlagen im Ausland (G-SIG: 09000287)

Projekte und Standorte für solarthermische Anlagen, Finanzierung dieser Projekte, Folgeaufwendungen für das Projekt SONNTLAN in Mexiko und Wertung des Projekts, ausländische Kritik an den Projektentscheidungen, Wirtschaftlichkeit solarthermischer Kraftwerke, Aufwendungen für das Projekt GAST, Förderungspolitik des BMFT

Fraktion

CDU/CSU

Ressort

Bundesministerium für Forschung und Technologie

Datum

12.03.1981

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 9/19320.02.81

Finanzierung des Baus von sogenannten Solardörfern und anderen solarthermischen Anlagen im Ausland

der Abgeordneten Lenzer, Pfeifer, Dr. Probst, Gerstein, Dr. Bugl, Engelsberger, Eymer (Lübeck), Dr. Hubrig, Maaß, Neuhaus, Prangenberg, Weirich, Dr. Riesenhuber, Dr. Stavenhagen, Spilker, Dr. Laufs, Dr. Kunz (Weiden), Bühler (Bruchsal) und der Fraktion der CDU/CSU

Vorbemerkung

Kleine Anfrage der Abgeordneten Lenzer, Pfeifer, Dr. Probst, Gerstein, Dr. Bugl, Engelsberger, Eymer (Lübeck), Dr. Hubrig, Maaß, Neuhaus, Prangenberg, Weirich, Dr. Riesenhuber, Dr. Stavenhagen, Spilker, Dr. Laufs, Dr. Kunz (Weiden), Bühler (Bruchsal) und der Fraktion der CDU/CSU

Finanzierung des Baus von sogenannten Solardörfern und anderen solarthermischen Anlagen im Ausland

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen20

1

In welchen Ländern werden mit von der Bundesregierung bereitgestellten Mitteln solarthermische Anlagen (zum Heizen, Klimatisieren, Kühlen, Entsalzen, Wasserpumpen), thermische Kraftwerke, kombinierte Anlagen und ähnliche Systeme errichtet bzw. betrieben, um welche Projekte handelt es sich, wie hoch sind jeweils die bisher angefallenen Kosten und die jeweils bis zur Beendigung des Projekts zu erwartenden Gesamtkosten, aufgeschlüsselt nach Planungskosten, Errichtungskosten, Betriebskosten und Folgekosten?

2

Aus welchen Einzelplänen des Bundeshaushalts werden diese Mittel bereitgestellt, und wie hoch ist jeweils der Förderanteil des Bundes für diese Projekte?

3

In welchen Ländern werden diese Prokjekte in bilateraler Zusammenarbeit durchgeführt, wer sind die ausländischen Partner, wie hoch ist deren finanzielle Beteiligung an den Gesamtkosten dieser Projekte im Vergleich zur Beteiligung der Bundesregierung?

4

Mit welchen Ländern werden zur Zeit Vorhaben auf dem Gebiet der Sonnenenergie erörtert und ggf. vorbereitet, um welche Vorhaben handelt es sich, welches sind die Zielsetzungen, wie hoch sind die zu erwartenden Kosten, und welche Laufzeit werden diese Vorhaben voraussichtlich haben?

5

Welche Zielsetzungen bei den Forschungsprojekten, welche Kosten-Nutzenanalysen bei den Entwicklungsprojekten lagen der Bundesregierung vor, und wie wurden diese bei den Finanzierungsentscheidungen für die einzelnen Projekte berücksichtigt?

6

Bei welchen der geförderten Projekte liegen bis heute ausgewertete Ergebnisse vor, und wie beurteilt die Bundesregierung diese praktischen Erfahrungen hinsichtlich einer wirtschaftlichen Nutzung der solarthermischen Prozesse?

7

Wie hoch ist bei diesen Projekten jeweils der Anteil an direkten FuE-Arbeiten, an Ingenieur- und Entwurfsarbeiten und an reinen Lieferleistungen?

8

Wie hoch sind die zu erwartenden Folgeaufwendungen (Betrieb und Personal) für das Projekt SONNTLAN in Mexiko nach der Phase II, wie verteilen sich diese Kosten auf die Bundesrepublik Deutschland und die anderen Partner, und wie hoch soll der Förderanteil des Bundes dabei sein?

9

Wieviel Personal, mit welcher Qualifikation, muß bei dem Teilprojekt von SONNTLAN in Las Barrancas von mexikanischer und von deutscher Seite zur Durchführung des vorgesehenen Betriebsprogramms der Phase II und nach Abschluß der Phase II eingesetzt werden?

10

Welchen Einfluß haben die Erfahrungen mit SONNTLAN auf die Entscheidung gehabt, ein entsprechendes Projekt in Brasilien fallen zu lassen. Sind weitere Entscheidungen dieser Art in anderen Ländern, z. B. Indonesien, zu erwarten?

11

Wie beurteilt die Bundesregierung die Kritik einiger der beteiligten Länder, sie seien durch übereilte und nicht hinreichend gründlich überlegte Projektentscheidungen, von der Bundesrepublik Deutschland gedrängt, auf ein technologisches Gleis geschoben worden, das wahrscheinlich in eine Sackgasse führen werde, und sie seien auch technologisch vielfach überfordert, wenn es um die Übernahme der Anlagen und den weiteren Betrieb geht?

12

Trifft eine kürzliche Pressemeldung des US-Solarforschungsinstituts Golden Colorado zu, wonach zum Bau eines solarthermischen Kraftwerks im Gigawattbereich für Dauerlast die tausendfache Materialmenge benötigt wird wie für ein Kernkraftwerk gleicher Größe (z. B. Typ Biblis) und dabei in klimatisch optimaler Lage eine Fläche von rund 150 km 2 erforderlich ist?

13

Trifft es zu, daß der Aufbau solarthermischer Kraftwerke überwiegend auf konventioneller Technik basiert und daß derartige solarthermische Anwendungen, von marginalen Ausnahmen (z. B. Insellagen) abgesehen, keine Chance haben, in absehbarer Zeit wirtschaftlich zu werden?

14

Trifft es zu, daß der Betrieb bereits laufender Anlagen zusammenbricht, wenn die deutsche Mannschaft ein paar Wochen abwesend ist, und trifft es weiterhin zu, daß dadurch die Entstehung von Entwicklungsruinen in diesen Ländern vorprogrammiert ist?

15

Trifft es zu, daß das Bundesministerium für Forschung und Technologie Unternehmen der Wirtschaft, die an Aufträgen für diese Projekte interessiert waren, aufgefordert hat, an den Reisen in diese Länder als Begleitung des zuständigen Referenten teilzunehmen?

16

Welche Mittel wurden bisher insgesamt für die Projekte zum „ gasgekühlten Sonnenturmkraftwerk zur Erzeugung von elektrischer Energie im Leistungsbereich von 20 MW" (GAST) aufgewendet, bis zu welcher Phase und bis zu welchem Zeitpunkt soll dieses Projekt fortgeführt werden, welche Mittel werden insgesamt dafür aus dem Bundeshaushalt bereitzustellen sein, und wie beurteilt die Bundesregierung die wirtschaftliche Realisierbarkeit dieses Vorhabens und die Finanzierbarkeit angesichts der Haushaltskürzungen?

17

Trifft es zu, daß das Bundesministerium für Forschung und Technologie Unternehmen der Wirtschaft dadurch in derartige Projekte hineingelockt hat, daß das Bundesministerium für Forschung und Technologie in den ersten Projektphasen eine Eigenbeteiligung aus optischen Gründen zur Dokumentation des Interesses der Industrie verlangt hat und gleichzeitig für die späteren Phasen die Erteilung eines FuE-Auftrags (d. h. hundertprozentige Förderung plus Gewinn) in Aussicht gestellt hat?

18

Sieht die Bundesregierung Möglichkeiten, angesichts der drastischen Sparmaßnahmen im Haushalt des Bundesministeriums für Forschung und Technologie, diese Zusagen einer Beauftragung einzuhalten?

19

Nach welchen Kriterien legt die Bundesregierung den Förderanteil des Bundes für kombinierte Anlagen, wie die sog. Solardörfer auf 100 Prozent, für thermische Kraftwerke, wie GAST auf 90 Prozent und beispielsweise für Versuche mit konzentrierenden Kollektoren für Solarfarm-Anlagen auf 85 Prozent fest, wie dies aus dem Jahresbericht 1979 zum Programm Energieforschung und Energietechnologien hervorgeht?

20

Wie beurteilt die Bundesregierung die praktischen Erfahrungen mit der Sonnenenergienutzung (direkt und indirekt) hinsichtlich der volkswirtschaftlich notwendigen und wirtschaftlich vertretbaren Realisierbarkeit bei den in Frage 1 aufgezählten Anwendungen?

Bonn, den 20. Februar 1981

Lenzer Pfeifer Dr. Probst Gerstein Dr. Bugl Engelsberger Eymer (Lübeck) Dr. Hubrig Maaß Neuhaus Prangenberg Weirich Dr. Riesenhuber Dr. Stavenhagen Spilker Dr. Laufs Dr. Kunz (Weiden) Bühler (Bruchsal) Dr. Kohl, Dr. Zimmermann und Fraktion

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