Planen und Bauen in Entwicklungsländern
der Abgeordneten Dr. Köhler (Wolfsburg), Pieroth, Frau Fischer, Herkenrath, Höffkes, Dr. Hornhues, Dr. Hüsch, Dr. Kunz (Weiden), Lamers, Dr. Pinger, Dr. Pohlmeier, Repnik, Schmöle, Schröder (Lüneburg), Dr. Möller und der Fraktion der CDU/CSU
Vorbemerkung
Die Bereiche Raum-, Stadt- und Siedlungsplanung, Wohnungsbau, Bauwirtschaft und Bautechnologie nehmen in der Diskussion der Entwicklungszusammenarbeit insgesamt einen relativ geringen Raum ein. Gleichwohl gehören sie zu den Themen, die für viele Menschen in den Ländern der Dritten Welt von existenzieller Bedeutung sind. Menschenwürdiges Wohnen gehört zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Es müssen dabei sowohl die Probleme der Verstädterung als auch der Siedlung in den ländlichen Räumen gesehen werden.
Erkenntnisse über die tatsächlichen Gegebenheiten, die sozialen, ökonomischen und kulturellen Umstände und die (auch technologischen) Lösungsmöglichkeiten liegen bisher nur im geringen Umfang vor.
Wir fragen daher die Bundesregierung:
Fragen27
Welchen prozentualen Anteil haben die Mittel für den Sektor „Planen und Bauen" am Gesamtetat des BMZ?
Welche Entwicklung (in absoluten Zahlen) hat der Etatansatz für „Planen und Bauen" in den Jahren 1975 bis 1981 genommen?
Welche Entwicklung hat der Sektor „Planen und Bauen" im Vergleich zu den Steigerungsraten des Gesamtetats des BMZ in den Jahren 1975 bis 1981 genommen?
Sind für die kommenden Jahre Erhöhungen der Ansätze geplant, und wenn ja, wie lauten die Steigerungsraten?
Wie gliedern sich die Mittel des Sektors „Planen und Bauen" im einzelnen auf (Haushalt 1980)?
Trifft es zu, daß die Fehlerquote der Projekte im Bereich „Planen und Bauen" in aller Regel größer ist als in den übrigen Bereichen der Entwicklungshilfe?
Wo liegen nach Ansicht des BMZ die Hauptprobleme der Städteplanung und des Wohnungsbaus in den Entwicklungsländern?
Trifft es zu, daß bis vor wenigen Jahren die Nachfrage der Entwicklungsländer nach Unterstützung bei der Lösung der Städteplanungs- und Wohnungsbaufragen sehr gering war?
Welchen Stellenwert nehmen die Probleme des Planens und Bauens" in der Gesamtkonzeption des BMZ — und insbesondere im Rahmen der Grundbedürfnisstrategie — ein?
Von welcher Konzeption zur Lösung dieser Probleme geht das BMZ aus?
Welche Meinung vertritt das BMZ zu der These, daß die Entwicklungsländer europäische und amerikanische Bauformen weitgehend unkritisch übernehmen?
Stimmt das BMZ zu, daß in einer solchen Entwicklung die Gefahr liegt, kulturelle und traditionelle Gegebenheiten zu zerstören?
Welcher Stellenwert kommt nach Ansicht des BMZ dem Problem „Bewährung lokaler Eigenständigkeit" zu?
In welcher Weise können im Rahmen der Entwicklungshilfe — aufgrund bisheriger Erfahrungen — die Eigeninitiative der ärmsten Bevölkerungsgruppen in der Dritten Welt im Bereich „Wohnen und Bauen" mobilisiert und genutzt werden?
Trifft es zu, daß die Bürokratie in den Entwicklungsländern neue, die Tradition und Kultur des jeweiligen Landes stärker berücksichtigende Ansätze vielfach verhindert?
a) Stimmt das BMZ zu, daß die infrastrukturelle Erschließung des Landesinnern der Entwicklungsländer häufig den Effekt hat, die Bevölkerungskonzentration in den Metropolen noch zu verstärken?
b) Wie kann dieser Negativeffekt vermieden werden?
Ist bereits absehbar, ob die Entwicklungsländer bedingt durch die zunehmende Energieverknappung neue Erschließungsmethoden, Bauformen und Materialien anwenden?
Werden entsprechende Forschungen durch das BMZ gefördert, und wenn ja, welche?
Trifft es zu, daß gerade im Bereich „Planen und Bauen" etliche Probleme der Entwicklungsländer mit denen der Industrieländer korrespondieren, die Industrieländer die Ergebnisse der Zusammenarbeit also auch innerstaatlich nutzen könnten?
Wie beurteilt die Bundesregierung die bisherige Tätigkeit des UN-Habitat-Zentrums?
In welcher Weise wird die Bundesregierung künftig mit dem UN-Habitat-Zentrum zusammenarbeiten?
Trifft es zu, daß die Entwicklungshilfeorganisationen ihre Aktivitäten auf dem Gebiet „Wohnen, Siedeln, Bauen" verstärken wollen?
Stimmt die Bundesregierung zu, daß es in der Bundesrepublik Deutschland noch weitgehend an anwendungsbezogenem Erfahrungswissen fehlt, das notwendig ist, um die Fragen des Planens und Bauens in den Entwicklungsländern wirksam angehen zu können?
Wenn ja, wie soll das notwendige know-how-Potential erworben werden?
Welche Möglichkeiten bestehen an deutschen Hochschulen, Planung und Bau unter besonderer Berücksichtigung der Probleme der Entwicklungsländer zu studieren?
Ist innerhalb der Bundesrepublik Deutschland ein Informationsfluß über die Anforderungen an geeignete Technologien unter besonderer Berücksichtigung kultureller, klimatischer und ökonomischer Gegebenheiten vorhanden,- und reicht er aus?
In welcher Weise kann durch das BMZ oder BMBau eine Unterstützung der deutschen bauindustriellen Hersteller, die Materialien und Verfahren für den Export produzieren und der deutschen beratenden Ingenieure bezüglich der besonderen Probleme des Bauens und Planens in Entwicklungsländern durchgeführt werden?