Exportchancen und Wirtschaft lichkeit solarthermischer Anlagen
der Abgeordneten Lenzer, Pfeifer, Dr. Probst, Gerstein, Boroffka, Dr. Bugl, Engelsberger, Dr. Hubrig, Maaß, Neuhaus, Prangenberg, Weirich, Dr. Riesenhuber, Dr. Stavenhagen, Eymer (Lübeck), Frau Dr. Hellwig, Dr.-Ing. Kansy, Magin, Dr. Laufs, Pfeffermann und der Fraktion der CDU/CSU
Vorbemerkung
Exportchancen und Wirtschaft lichkeit solarthermischer Anlagen
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen25
Welche Folgerungen hat die Bundesregierung aus den Diskussionen und Ergebnissen der vom 10. bis 21. August 1981 in Nairobi abgehaltenen UNO-Konferenz über neue und erneuerbare Energiequellen und ihren Nutzen für die Dritte Welt hinsichtlich der 3. Fortschreibung des Energieprogramms gezogen?
Welche sich daraus ergebenden konkreten Maßnahmen werden insbesondere bei der Schwerpunktbildung des Programms Energieforschung und Energietechnologien 1981 bis 1984 berücksichtigt werden?
Wie beurteilt die Bundesregierung die vom Londoner Internationalen Institut für Umwelt und Entwicklung „Earthscan" herausgegebene Dokumentation?
Hat die Bundesregierung in dieser Dokumentation ebenso wie viele Industrie- und Entwicklungsländer einen geeigneten Versuch gesehen, die Nairobi-Konferenz rechtzeitig vorher mit „ideologisch unvergifteten" Informationen über die Potentiale neuer und erneuerbarer Energiequellen zu versorgen?
Welche Staaten und Organisationen unterstützen Earthscan?
Wie beurteilt die Bundesregierung die in der Earthscan-Dokumentation berichteten Beobachtungen, daß die sog. angepaßten Energietechnologien (z. B. Wind, Sonne, Biogas) meist „an niemandes Bedürfnisse angepaßt" seien, außer an die des ausländischen Energieexperten, der sie installiert und daß, wenn der Vertrag ausläuft, derartige Anlagen still aufgegeben werden?
Wie beurteilt die Bundesregierung die Erkenntnisse von Earthscan, daß solche Techniken an der Realität der Entwicklungsländer vorbeigehen, weil diese sog. mittleren Technologien „das Produkt der Ideologie bestimmter Gruppen in den Hochtechnikländern" sei?
Inwieweit werden nach Ansicht der Bundesregierung die Ergebnisse der Recherchen von Earthscan bestätigt, wenn Minister von Bülow in seiner Rede vom 19. Oktober 1981 sagt: „Eine Wirtschaft, die Fertigkeiten und Technologie von höher - entwickelten Gesellschaften bezieht, ohne selbst Fähigkeiten zur Verarbeitung dieser Technologien zu entwickeln, bleibt abhängig und kann die jeweiligen nationalen Probleme nicht lösen. "?
Teilt die Bundesregierung die Auffassung von Earthscan, daß unglücklicherweise die neuen und erneuerbaren Energiequellen „mit Symbolgehalt beladen" und daher unrealistische Erwartungen geweckt worden sind?
Beruhen die Erkenntnisse, die Bundesminister von Bülow am 19. Oktober 1981 in seiner Rede (s. Begründung) zum Ausdruck brachte, auf den schlechten Erfahrungen mit den vom BMFT im Ausland geförderten Vorhaben, z. B. bei den solarthermischen Anlagen (beispielsweise Ägypten)?
Aufgrund welcher Erfahrungen hat sich nach Auffassung der Bundesregierung (s. Rede von Bülow) bei internationalen Experten immer stärker die Meinung durchgesetzt, „daß Entwicklungsländer in erster Linie eine eigenständige Fähigkeit zur Übernahme fremder Technologien und zu späterer eigenständiger Innovation aufbauen müssen"?
Zieht die Bundesregierung aus diesen Erkenntnissen beispielsweise die Schlußfolgerung, bei der künftigen Förderung von Energieforschung und Energietechnologien auf aufwendige Großprojekte, z. B. bei solarthermischen Anlagen zu verzichten und sich vor allem auf die sinnvolle Weiterentwicklung mittlerer und die Erprobung kleiner Anlagen unter definierten Bedingungen zu konzentrieren?
Hat die Bundesregierung den Status der derzeitig (entsprechend Drucksache 9/224) finanzierten Solarprojekte im Ausland überprüft, und zu welcher Beurteilung der Sinnhaftigkeit und der realistischen Einsatz- und Betriebsmöglichkeiten in dem jeweiligen Land ist sie gekommen?
Ist die Bundesregierung bei der Überprüfung dieser Projekte zu ähnlichen Ergebnissen gekommen wie die Entwicklungsländer, daß nämlich „vielfach die Randbedingungen, wie Standort, Technik, Wartung, Folgekosten und ökonomisches Umfeld nicht stimmen"?
Wie beurteilt die Bundesregierung Berichte, daß mittlerweile in den Ländern der Dritten Welt diese Technologien als „zweitklassig" angesehen werden, und welche Änderungen ihrer Förderpolitik sind diesbezüglich beabsichtigt?
Wie beurteilt die Bundesregierung realistische Möglichkeiten für die deutsche Indust rie, für solarthermische Großanlagen neue Märkte in der Dritten Welt zu erschließen?
Sind der Bundesregierung die Untersuchungen der einschlägigen deutschen Industrie bekannt, daß für solarthermische Anlagen Marktchancen für den privaten Bereich sowohl im Inland als auch für den Export nicht existieren? Wie beurteilt die Bundesregierung die Marktchancen beispielsweise für Energiedächer und Energiefassaden, und welche Konsequenzen werden sich daraus für die künftige Förderung ergeben?
Wird nach Kenntnis der Bundesregierung zur Zeit von der Industrie der Bundesrepublik Deutschland ein Solarkollektor angeboten, der im Vergleich zu Öl oder Strom zu wirtschaftlichen Bedingungen Warmwasser bereiten kann?
Welcher Preis müßte nach Auffassung der Bundesregierung pro Quadratmeter Kollektorfläche erreicht werden, um hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit Konkurrenzfähigkeit mit anderen Energieträgern zu erzielen?
Treffen Berichte zu, daß vom BMFT geförderte Solarkollektoren eine Lebensdauer von drei Jahren nicht überschritten haben, und welches waren die Ursachen?
Aus welchen Gründen glaubt die Bundesregierung bei der Förderung solarthermischer Großanlagen den Wirtschaftlichkeits- und Kostenüberlegungen für solche Energiesysteme eine nur nachgeordnete Bedeutung beimessen zu können?
Wie beurteilt die Bundesregierung Informationen, daß die meisten der von ihr auf dem Gebiet der Solarenergie geförderten Firmen in diesem Geschäftsbereich inzwischen Verluste machen und eine weitere Tätigkeit auf diesem Gebiet kritisch überprüfen und aufzugeben beabsichtigen?
Wie begründet die Bundesregierung den Aufwand von bisher rund 80 Mio. DM (davon ca. 30 Mio. DM aus dem Bundeshaushalt) für die Errichtung der Sonnenkraftwerksanlage in Almeria, Spanien, wenn selbst bei der. Serienproduktion von Sonnenkraftwerken mit entsprechend sinkenden Kosten die Experten nicht erwarten, damit „in Europa langfristig Strom zu vergleichbaren Kosten anderer Energieträger in die Verbundnetze einspeisen zu können"?
Treffen Berichte zu, daß sich die Kosten für die Erprobungsphase in Almeria allein auf 11 Mio. DM belaufen werden? Welche Folgekosten erwartet die Bundesregierung noch darüber hinaus?
Welches sind die Gründe für die Erhöhung der Kosten um 11 Mio. DM für das SONNTLAN-Projekt, welche Gesamtkosten werden bis zur Inbetriebnahme erwartet, wie hoch sind die Betriebskosten nach der Inbetriebnahme einschließlich Probephase, und wer wird diese Kosten übernehmen?