Darstellung agrarwirtschaftlicher Probleme in der Öffentlichkeit
der Abgeordneten Kiechle, Susset, Eigen, Sauter (Epfendorf), Schröder (Wilhelminenhof), Röhner, Freiherr von Schorlemer, Dr. Jenninger, Bayha, Dr. von Geldern, Schartz (Trier), Herkenrath, Dr. Probst, Dr. Geißler, Pohlmann, Funk (Gutenzell), Niegel, Michels, Horstmeier, Dr. Meyer zu Bentrup, Frau Benedix-Engler, Dr. Miltner, Dr. Unland, Dr. Kunz (Weiden), Bühler (Bruchsal), Dr. Schulte (Schwäbisch Gmünd), Rossmanith, Kolb, Dr. Dollinger, Seiters, Weiskirch (Olpe), Jagoda, Dr. Stark (Nürtingen), Dr. Möller, Kroll-Schlüter, Linsmeier, Dr. Friedmann, Werner, Spranger, Bohl und Genossen und der Fraktion der CDU/CSU
Vorbemerkung
Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat den Eindruck, daß die Probleme der Landbewirtschaftung zunehmend in der Öffentlichkeit in unsachlicher Form dargestellt werden. Häufig wird dabei gegen fundamentale Erkenntnisse aus den wichtigsten Bereichen der Naturwissenschaften, der Wissenschaft der Ökonomik des Landbaus und der Zusammenhänge von Nahrungsmittelangebot und -bedarf in der Welt verstoßen. Diesen z. T. große Teile der Bevölkerung verunsichernden Beiträgen muß nach Ansicht der CDU/CSU-Bundestagsfraktion entgegengetreten werden.
Vor allem sollten derartige Veröffentlichungen, die teilweise sehr einseitig und polemisch gehalten sind, nicht durch öffentliche Mittel gefördert werden. Auch sollten die entsprechenden parlamentarischen Kontrollorgane bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten mehr als bisher darauf aufmerksam machen, daß moderne Landbewirtschaftung unter der sinnvollen Anwendung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts nicht mehr vergleichbar ist mit der Landbewirtschaftung vor 100 Jahren.
Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion kann und wird niemanden daran hindern, sogenannten alternativen Landbau zu betreiben, obwohl dies bei längerfristiger Betrachtung im Sinne einer ausreichenden Belieferung der Menschheit mit Nahrungsmitteln falsch ist.
Aus diesen Grundzusammenhängen heraus fragen wir die Bundesregierung:
Fragen17
Wie beurteilt die Bundesregierung das vom Öko-Institut Freiburg herausgegebene Unterrichtsmaterial „Gift im Essen"?
Teilt die Bundesregierung unsere Auffassung, daß in der genannten Broschüre bezogen auf die Landwirtschaft Halbwahrheiten sowie falsche naturwissenschaftliche Zusammenhänge dargestellt werden, und daß es unverantwortlich ist, Lehrkräfte und damit Schüler mit falschem Wissen zu indoktrinieren?
Kann die Bundesregierung angeben, ob und in welcher Höhe unmittelbar oder mittelbar dem Öko-Institut Freiburg Bundesfinanzmittel oder andere öffentliche Mittel zugeflossen sind und zufließen und an welche Auflagen gegebenenfalls die Vergabe der Mittel gebunden ist?
Kann die Bundesregierung angeben, wie viele Mitarbeiter das Öko-Institut Freiburg beschäftigt und welche wissenschaftliche Qualifikation die einzelnen Mitarbeiter haben?
Ist die Bundesregierung mit uns der Auffassung, daß der Inhalt der Broschüre „Gift im Essen" darauf schließen läßt, daß keiner der Mitarbeiter des Institutes die Problematik modernen Landbaus hinreichend wissenschaftlich beherrscht?
Hält die Bundesregierung aufgrund der Arbeiten des Öko-Institutes die moderne Landwirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland für grundlegend veränderungsbedürftig?
Kann die Bundesregierung angeben, was Ihrer Meinung nach alternativer Landbau ist und welche naturwissenschaftlichen und ökonomischen Vor- und Nachteile sich aus einem alternativen Landbau ergeben?
Was hat die Bundesregierung bisher gegen die offensichtliche Kampagne gegen die Landwirtschaft, für die die Broschüre des Öko-Institutes ein Musterbeispiel ist, getan, und was gedenkt sie dagegen in Zukunft zu unternehmen?
Welche Auffassung vertritt die Bundesregierung zur Anwendung von Mineraldüngern, und ist es in diesem Zusammenhang nicht richtig, daß die einseitige Verarmung der Böden an Nährstoffen nur durch die Einführung der Mineraldüngung aufgehalten werden konnte?
Welche Haltung nimmt die Bundesregierung zu den Thesen des Oko-Institutes ein, daß Schädlingsbekämpfung allein auf biologischen Grundlagen vorgenommen werden sollte?
Wie sieht die Bundesregierung die Bewältigung des Welthungerproblems bei weitgehender Einführung des alternativen Landbaus, der erheblich geringere Ernten erbringt?
Kann die Bundesregierung angeben, welche außenwirtschaftlichen Folgen es hätte, wenn die Landwirtschaft der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Gemeinschaft nach den Prinzipien des ökologischen Landbaus bewirtschaftet würde?
Welche Auffassung vertritt die Bundesregierung zu der Fernsehsendung „Kehrtwende — Landwirtschaft ohne Gift?" vom Sonntag, dem 31. Januar 1982, 17.45 Uhr, im Programm der ARD, und ist sie mit uns der Auffassung, daß hier die nach modernen Methoden wirtschaftende Landwirtschaft verunglimpft wird?
Ist die Bundesregierung bereit darauf hinzuwirken, daß zu einer gleich günstigen Fernsehzeit Vertreter aus Wissenschaft und Praxis der ganz normalen Landbewirtschaftung die Gelegenheit zur Darstellung ihrer Auffassungen bekommen?
Hält es die Bundesregierung für angebracht, den Bauern entsprechend dem Inhalt der Fernsehsendung zu raten, biologischen Landbau zu betreiben, obwohl die Einkommen einer großen Zahl landwirtschaftlicher Betriebe unter Sozialhilfeniveau liegen?
Ist die Bundesregierung bereit, gemeinsam mit den vom Bund finanzierten Bundesforschungsanstalten eine wissenschaftlich fundierte Gegendarstellung in den verschiedenen Medien zu verlangen und zu veröffentlichen?
Ist die Bundesregierung bereit, eigene finanzielle Mittel einzusetzen, um die Bevölkerung hinreichend über die Zusammenhänge der modernen Landbewirtschaftung aufzuklären?