Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag
8. Wahlperiode
Drucksache 8/1337
14.12.77
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Schmidhuber, Dr. Waigel, Pieroth, Dr. Zeitel, Hauser (Krefeld),
Dr. Warnke, Kraus, Niegel, Dr. Jahn (Münster), Josten, Köster, Landré, Feinendegen,
Dr. Kunz (Weiden), Schröder (Lüneburg), Dr. Bötsch, Schedl, Dreyer, Sick,
Lampersbach, Kittelmann, Dr. Sprung, Dr. Köhler (Wolfsburg), Dr. Hoffacker,
Dr. Becker (Frankfurt), von der Heydt Freiherr von Massenbach, Kolb, Kiechle,
Tillmann, Dr. Unland, Dr. Jobst, Haberl, Biehle, Dr. Stark (Nürtingen), Dr. Jenninger
und der Fraktion der CDU/CSU
Förderung von Existenzgründungen
Die in den vergangenen Jahren kontinuierlich abnehmende
Anzahl an selbständigen Unternehmern ist in
gesellschaftspolitischer, ordnungspolitischer und versorgungspolitischer Hinsicht
negativ zu beurteilen.
Die Ursachen dieser abnehmenden Zahl von selbständigen
Unternehmern ist vielschichtig. Das ideologisch verzerrte
Unternehmerbild hält viele risikobereite Arbeitnehmer davon ab, den
Schritt in die Selbständigkeit zu wagen; die Substanz der mittel
ständischen Wirtschaft droht infolge des Mangels an
unternehmerischen Nachwuchskräften zu schwinden. Hinzu kommt
der erhebliche Verlust an selbständigen Unternehmern im
Gefolge der anhaltenden Insolvenzwelle. Schließlich ist in
vorwiegend ländlichen und peripheren Räumen zu beobachten, wie
immer mehr Selbständige ihren Betrieb aufgeben und dafür die
Rolle eines unselbständigen Arbeitnehmers in
Ballungsgebieten übernehmen. Aushöhlung der Substanz der
mittelständischen Wirtschaft, anhaltende Verluste an Arbeits- und
Ausbildungsplätzen sowie drohende Unterversorgung in ländlichen
und peripheren Räumen sind die Folge;
Öffentliche Institutionen beteiligen sich seit Jahren am Risiko
einer Existenzneugründung und der damit verbundenen
Schaffung von neuen Arbeits- und Ausbildungsplätzen. Zu nennen
sind u. a. das ERP-Existenzgründungsprogramm des Bundes,
die Ergänzungsprogramme der Lastenausgleichsbank, die Rück
-bürgschaften und Rückgarantien des Bundes für die
Kreditgarantiegemeinschaften der mittelständischen Wirtschaft sowie
die Refinanzierungs- und Förderungsprogramme der Länder.
In jüngster Zeit hat sich erfreulicherweise eine spürbare
Steigerung der Nachfrage nach Existenzgründungskrediten gezeigt.
Die Ankündigung der Bundesregierung, das ERP-
Existenzgründungsprogramm auf 500 Mio DM aufzustocken und die bereits
erfolgte Senkung der diesbezüglichen Zinssätze sind zu
begrüßen. Die bestehenden Fördermöglichkeiten sind noch in
mancher Hinsicht unzulänglich. Das gilt für das gegenwärtige
Fördervolumen, die bestehende Programmvielfalt wie auch für
die Informationen über die gegebenen Fördermöglichkeiten.
In gleicher Weise hat sich der Sachverständigenrat zur
Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in seinem
jüngsten Jahresgutachten (besonders Tz 450 ff.) geäußert.
Wir fragen daher die Bundesregierung:
1. Wie beurteilt die Bundesregierung die bestehende Vielzahl
an Existenzgründungsprogrammen und die hieraus
resultierende Unübersichtlichkeit? Ist die Bundesregierung bereit,
zusammen mit den Ländern und mit den beteiligten
öffentlilchen Kreditinstituten sich um eine Vereinheitlichung und.
Vereinfachung der Programme und Richtlinien zu bemühen?
2. Teilt die Bundesregierung die im jüngsten Jahresgutachten
des Sachverständigenrates (Tz 455) geäußerte Auffassung,
daß die Informationen über die gegebenen
Fördermöglichkeiten, die sich auf den Bundesanzeiger, die ERP-
Förderbroschüre und das in Zusammenarbeit mit einigen Wirtschafts
-
verbänden herausgegebene Informationsmaterial
beschränken, unzureichend sind? Ist die Bundesregierung bereit, ihre
diesbezügliche Informationspolitik auszuweiten und mit den
beteiligten Wirtschaftsverbänden besser zu koordinieren?
3. Wie beurteilt die Bundesregierung die Forderung des
Sachverständigenrates (Tz 451), die Gewährleistungen für kleine
und mittlere Unternehmen auszubauen? Ist die
Bundesregierung bereit, verstärkt Bürgschaften und Rückgarantien
zu übernehmen und die Haftungsfondsdarlehen aus ERP
Mitteln aufzustocken?
4. Wie beurteilt die Bundesregierung die Vorschläge, Anreize
für Neugründungen dadurch zu schaffen, daß
neugegründeten Unternehmen zeitlich befristete Sonderabschreibungen
und eine zeitlich befristete Befreiung von
ertragsunabhängigen Steuern gewährt wird?
5. Wodurch erklärt sich nach Ansicht der Bundesregierung die
relativ hohe Anzahl an Insolvenzen in den ersten Jahren
nach Neugründung eines Unternehmens? Ist die
Bundesregierung zwecks Minderung dieses besonderen
Insolvenzrisikos bereit, Sicherheiten für den in den ersten Jahren
nach Neugründung bestehenden Bedarf an Fremdkapital zu
gewährleisten? Hält die Bundesregierung in diesem
Zusammenhang die Einführung einer zeitlich befristeten
steuerfreien Investitionsrücklage für praktikabel und
erfolgversprechend?
6. Wie beurteilt die Bundesregierung das von der
französischen Staatsregierung beschlossene
Existenzgründungsprogramm, das für existenzgründungswillige Arbeitnehmer
Spar- und Investitionsprämien sowie langfristige Darlehen
und einen vorbereitenden Bildungsurlaub vorsieht? Hält die
Bundesregierung in diesem Zusammenhang eine
Ausweitung des Sparförderkatalogs für praktikabel und
erfolgversprechend?
7. Wie beurteilt die Bundesregierung die Abnahme der Zahl
von Handwerksbetrieben und Einzelhandelsgeschäften in
städtischen Randzonen und in peripheren und ländlichen
Räumen? Ist die Bundesregierung bereit, der zu
befürchtenden Unterversorgung dieser Gebiete dadurch zu begegnen,
daß die Neugründung von Betrieben und die Errichtung von
Filialen in solchen Gebieten durch ein neues ERP-
Unterversorgungsprogramm gefördert werden?
Bonn, den 14. Dezember 1977
Schmidhuber Dr. Unland
Dr. Waigel Dr. Jobst
Pieroth Haberl
Dr. Zeitel Biehle
Hauser (Krefeld) Dr. Stark (Nürtingen)
Dr. Warnke Dr. Jenninger
Kraus Dr. Kohl, Dr. Zimmermann und Fraktion
Niegel
Dr. Jahn (Münster)
Josten
Köster
Landré
Feinendegen
Dr. Kunz (Weiden)
Schröder (Luneburg)
Dr. Bötsch
Schedl
Dreyer
Sick
Lampersbach
Kittelmann
Dr. Sprung
Dr. Köhler (Wolfsburg)
Dr. Hoffacker
Dr. Becker (Frankfurt)
von der Heydt Freiherr von Massenbach
Kolb
Kiechle
Tillmann]