Beeinträchtigung der menschlichen Atmosphäre im Krankenhaus
der Abgeordneten Burger, Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein, Frau Karwatzki, Franke, Dr. Hammans, Frau Schleicher, Hasinger, Dr. Reimers, Braun, Dr. George, Frau Geier, Köster, Bühler (Bruchsal), Dr. Becker (Frankfurt), Höpfinger, Dr. Kunz (Weiden), Ziegler, Pohlmann, Susset, Kolb, Würzbach, Dr. Blüm, Frau Krone-Appuhn und der Fraktion der CDU/CSU
Vorbemerkung
10,3 Millionen Patienten suchen jährlich ein Krankenhaus auf, das ist jeder sechste Bundesbürger. Der naturwissenschaftliche und technische Fortschritt in der Medizin hat zu großartigen Heilerfolgen geführt. Gleichzeitig ist aber festzustellen, daß der Mensch mit seinen Ängsten, seinen Fragen und Sorgen immer mehr zum Objekt medizinischen Handelns zu werden droht.
Nicht nur eine Denkschrift des Deutschen Caritasverbands, sondern auch viele Ärzte weisen auf diese bedenkliche Entwicklung hin. Patienten sollten nicht nur nach modernsten medizinischen Regeln versorgt werden: Kranke brauchen auch Zuwendung und Verständnis, eine menschliche Atmosphäre. Das Krankenhaus darf nicht zu einer bloßen „Reparaturwerkstatt für Menschen" werden. Die Apparatemedizin, die zunehmende Spezialisierung und die Arbeitsteilung unter den Mitarbeitern im Krankenhaus bewirken vielfach ein Defizit an menschlicher Zuwendung. Nach einer Mitteilung des Caritasverbands hat eine Umfrage in Krankenhäusern ergeben, daß 84 Prozent der Patienten den Umgang des Arztes mit ihnen als oberflächlich und unpersönlich bezeichneten. Der Mensch als Ganzes, mit seinen Sorgen und Problemen finde zu wenig Beachtung.
Wir fragen daher die Bundesregierung:
Fragen4
Ist der Bundesregierung diese von vielen Seiten beanstandete Entwicklung bekannt, und was sind nach ihrer Auffassung die Gründe für den festzustellenden Verlust an menschlichem Klima im stationären Bereich?
Wie beurteilt die Bundesregierung die vielfach vertretene Auffassung, daß durch eine zunehmende Spezialisierung der im Krankenhaus tätigen Menschen sowie durch die Technisierung ärztlicher und pflegerischer Dienste der unmittelbare Kontakt zu Patienten beeinträchtigt wird und dadurch vielfach keine persönliche Beziehung entstehen kann?
Ist die Bundesregierung der Auffassung, daß durch gesetzgeberische Maßnahmen, wie z. B. durch das Krankenhausfinanzierungsgesetz oder die Bundespflegesatzverordnung, infolge der damit verbundenen Planungs- und Steuerungsmaßnahmen die Krankenhäuser, insbesondere durch personelle Überforderungen, nicht mehr in der Lage sind, die notwendigen menschlichen Beziehungen am Krankenhaus zu gewährleisten?
Welche Maßnahmen hält die Bundesregierung für geeignet, um das wachsende Unbehagen von Patienten und Besuchern am Krankenhaus zugunsten einer notwendigen Verbesserung des menschlichen Klimas im Krankenhaus abzubauen?