Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag
8. Wahlperiode
Drucksache 8/2342
01.12.78
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Köhler (Wolfsburg), Frau Fischer, Höffkes, Dr. Hoffacker,
Dr. Hüsch, Josten, Dr. Kunz (Weiden), Petersen, Stommel, Dr. Todenhöfer, Werner
und der Fraktion der CDU/CSU
Personelle Hilfe in Entwicklungsländern
Im Bewußtsein der Öffentlichkeit, aber auch in der
Entwicklungspolitik wird der Bereich der personellen Hilfe weitgehend
von anderen Instrumenten der Entwicklungshilfe, insbesondere
aber von der Globalthematik des Nord-Süd-Dialoges überlagert
Die Bundesregierung hat in den letzten Jahren keine
umfassende Darstellung der Entwicklung und ihres Konzepts
hinsichtlich der personellen Hilfe dargelegt.
Für eine wirksame Wissensvermittlung und für praktische
Anleitung zur Bewältigung der Alltagsprobleme in der Dritten,
besonders aber in der Vierten Welt ist die personelle Hilfe
jedoch unerläßlich. Dabei ist zu bemerken, daß eine gewisse
Scheu junger Menschen bei uns besteht, ihren Arbeitsplatz
zugunsten eines Einsatzes in den Entwicklungsländern
aufzugeben.
Wir fragen daher die Bundesregierung:
I. 1. Welche Bedeutung mißt die Bundesregierung der
personellen Hilfe gegenüber anderen Instrumenten der
Entwicklungshilfe bei?
2. Wie beurteilt die Bundesregierung die nachfolgend
dargestellte zahlenmäßige Entwicklung der personellen
Hilfe in Übersee, und wie haben sich diese Zahlen
den Jahren 1977 und 1978 verändert?
Fachkräfte deutscher
Personaldienste in Übersee 1970 1971 1972 1973 1974 1975 1976
Veränderung
seit 1970/1971
in v. H.
bis 1976
Deutscher
Entwicklungsdienst 999 923 870 862 861 840 834 - 16
Arbeitsgemeinschaft für
Entwicklungshilfe 492 508 399 331 299 294 277 - 43
Dienste in Übersee 241 235 225 235 230 214 205 - 14
Weltfriedensdienst 25 27 26 36 23 18 7 - 72
Internationaler
Christlicher
Friedensdienst e. V. 57 42 51 52 51 51 54 - 6
Deutsche Gesellschaft für
Technische Zusammenarbeit — 1 353 — — 1 348 1 253 1 024 - 24
Zusammen — 3 088 — — — — 2 401 - 22
3. Von welchen Ländergruppen und für welche Bereiche
wurde in den letzten acht Jahren bei den von der
Bundensregierung finanzierten deutschen Institutionen
personelle Hilfe angefordert? In welchem Umfange konnte
dieser Anforderung hinsichtlich von Qualifikation und
Umfang entsprochen werden?
4. Wie hat sich die Struktur und die Problemlage von
Angebot und Nachfrage im Bereich der personellen Hilfe
in den letzten acht Jahren verändert?
Welche praktischen und konzeptionellen Konsequenzen
hat die Bundesregierung hieraus gezogen?
5. Hält die Bundesregierung angesichts dieser Bedarfslage
eine Steigerung der personellen Hilfe für
erstrebenswert?
6. Welches sind die wesentlichen Probleme bei dem
Bemühen, die Nachfrage der Entwicklungsländer nach
personeller Hilfe durch ein entsprechendes Angebot zu
befriedigen?
7. Welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung, die
Bereitschaft junger Deutscher für den persönlichen
Dienst in Entwicklungsländern zu wecken bzw. die Zahl
des Helferangebots zu vergrößern?
8. Welche entwicklungspolitische Bedeutung mißt die
Bundesregierung auf Grund ihrer bisherigen Erfahrung dem
Einsatz von
— Experten,
— freiwilligen Entwicklungshelfern
in verschiedenen Sektoren zu?
9. In welchem Umfang und mit welchen Schwerpunkten
und mit welcher Zielstellung leisten andere
„Geberländer", insbesondere
— USA,
— Frankreich,
— Großbritannien,
- Niederlande,
— Schweden,
— Sowjetunion,
— DDR,
— Volksrepublik China,
— Kuba
personelle Hilfe, und wie beurteilt die Bundesregierung
die personelle Hilfe dieser Länder im Einzelfall, und
welche Schlußfolgerungen zieht die Bundesregierung
auf Grund dieser Beurteilung für ihre eigene personelle
Hilfe?
II. 1. Wie viele der in den Jahren 1975, 1976 und 1977 in den
Entwicklungsländern eingesetzten deutschen Helfer
sämtlicher deutscher Dienste waren erstmalig
eingesetzt, und wie viele waren auf Grund von
Verlängerungsverträgen tätig?
2. Wie groß ist die durchschnittliche reale Vertragsdauer
der deutscher Helfer, spezifiziert nach den einzelnen
Entsendungsdiensten?
III. 1. Wie groß ist die Zahl der deutschen Helfer in den
Entwicklungsländern, die als Angehörige des öffentlichen
Dienstes zu diesem Zweck zeitweilig beurlaubt wurden,
in den Jahren 1975, 1976 und 1977?
2. Wie verteilen sich diese Angehörigen des öffentlichen
Dienstes auf
— den Bund (einschließlich Bahn, Post, Bundeswehr),
— die Länder,
— die Gemeinden
jeweils in den Jahren 1975, 1976 und 1977?
3. Wie groß ist die Zahl der deutschen Entwicklungshelfer,
die als hauptberufliche Mitarbeiter von
Genossenschaftsverbänden, berufsständischen Gewerkschaften
und Vereinigungen und vergleichbarer Institutionen für
den Auslandseinsatz beurlaubt wurden, jeweils in den
Jahren 1975, 1976 und 1977?
4. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um
bei dem unter Ziffern 1 bis 3 genannten Personenkreis
für den Gedanken und den Einsatz bei der personellen
Hilfe zu werben?
5. Wie schätzt die Bundesregierung die Effektivität einer
verstärkten Mobilisierung und Werbung für die
personelle Hilfe unmittelbar durch die Träger des öffentlichen
Dienstes durch berufsständische Vereinigungen und
Gewerkschaften und durch andere gesellschaftliche
Gruppen ein gegenüber dem weiteren Ausbau von
zahlreichen speziellen Durchführungsorganisationen, die sich
ausschließlich mit der personellen Hilfe befassen?
6. Wie groß ist der Verwaltungsaufwand der einzelnen
Dienste für personelle Hilfe im Verhältnis zu deren
Gesamtetat in den Jahren 1975, 1976 und 1977?
7. Wie groß ist die Zahl der in der Verwaltung der
jeweiligen Dienste Beschäftigten im Verhältnis zu den
von diesen Diensten jeweils nach Übersee entsandten
Helfern?
Bonn, den 1. Dezember 1978
Dr. Köhler (Wolfsburg)
Frau Fischer
Höffkes
Dr. Hoffacker
Dr. Hüsch
Josten
Dr. Kunz (Weiden)
Petersen
Stommel
Dr. Todenhöfer
Werner
Dr. Kohl, Dr. Zimmermann und Fraktion]