BundestagKleine Anfragen
Zurück zur Übersicht
Kleine AnfrageWahlperiode 8Beantwortet

Forschungsförderung im Programmbereich Humanisierung des Arbeitslebens (HdA) (G-SIG: 00002971)

Forderung nach einer "sozialorientierten Technologiepolitik", Umsetzung der Ergebnisse des HdA-Programms in praktische Hilfen für die Arbeitswelt, Fälle von Mißwirtschaft bei der Durchführung des Programms, u.a. abgebrochene Projekte und Verschleuderung von Steuergeldern

Fraktion

CDU/CSU

Ressort

Bundesministerium für Forschung und Technologie

Datum

07.07.1980

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 8/423818.06.80

Forschungsförderung im Programmbereich Humanisierung des Arbeitslebens (HdA)

der Abgeordneten Dr. Probst, Gerstein, Lenzer, Pfeifer, Benz, Engelsberger, Dr. Hubrig, Dr. Riesenhuber, Dr. Freiherr Spies von Büllesheim, Dr. Laufs, Pfeffermann, Dr. Stavenhagen, Frau Dr. Walz, Dr. Schwarz-Schilling, Röhner, Bühler (Bruchsal) und der Fraktion der CDU/CSU

Vorbemerkung

In der verbundenen Debatte am 14. Mai 1980 zur großen Anfrage der SPD und FDP „Humanisierung des Arbeitslebens" sowie der CDU/CSU „Menschengerechte Gestaltung der Arbeitsbedingungen" ist der Bundesminister für Forschung und Technologie auf zahlreiche ihm konkret gestellte Fragen nicht eingegangen. Eine Beantwortung der nachstehend noch einmal aufgeführten Fragen ist aber für eine Beurteilung des Programmbereiches Humanisierung des Arbeitslebens unverzichtbar.

Wir fragen daher die Bundesregierung:

Fragen12

1

Wie beurteilt der BMFT das Anliegen Professor Reeses und insbesondere die Forderung des noch amtierenden Leiters des Projektträgers HdA nach einer „sozialorientierten Technologiepolitik"? Ist er bereit, eine solche Akzeptanzforschung auch nur in Teilbereichen, und ggf. in welchen, zuzulassen?

2

Wie stellt sich der BMFT zu dem von Professor Pöhler erhobenen Vorwurf, „das Humanisierungsprogramm erfülle lediglich die Feigenblattfunktion der sozialen Abfederung einer vornehmlich an ökonomischen Kriterien orientierten Technologiepolitik"?

3

Welche Konsequenzen gedenkt der BMFT aus der aufgezeigten Fehlentwicklung zu ziehen, und wie will er in Zukunft sicherstellen, daß das HdA-Programm auch wirklich in praktische Hilfen für die Arbeitswelt umgesetzt wird?

4

Trifft es zu, daß das Forschungsvorhaben „Untersuchung von Arbeitsstrukturen im Bereich der Aggregatfertigung von Volkswagenwerk AG" den Steuerzahler 10,6 Millionen DM gekostet hat und daß dieses Projekt praktisch gescheitert ist?

5

Trifft es zu, daß allein vom Januar 1978 bis September 1979 fast drei Millionen DM für abgebrochene Projekte verschleudert worden sind?

6

Trifft es zu, daß die Begleitforscher der Universität Trier das inzwischen gescheiterte Projekt „Erweiterung von Mitwirkungsräumen" der Porst-Gruppe Schwabach weiterbetreuen, um die bewilligten 1,06 Millionen DM voll aufzehren zu können?

7

Trifft die überschlägige Berechnung des Bundesverbandes Junger Unternehmer (BJU) zu, nach der von einer Mark Steuergeld nur zwanzig Pfennig für die Forschung verbleiben, während achtzig Pfennig von der Verwaltung in den Ministerien und in den Unternehmen verschlungen wird?

8

Trifft es zu, daß dem Bundesverband Junger Unternehmer (BJU) für die Veröffentlichung eines „Leitfadens zur Organisationsentwicklung" 119 430 DM zugewiesen worden sind, obwohl er hierfür nur 10 000 DM beantragt hatte?

9

Trifft es zu, daß bei der Innovan-Stroebe KG in Pforzheim ein Projekt abgebrochen werden mußte, weil die von der DFVLR beauftragten Begleitforscher des Saarbrücker Instituts für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (ISO) das Projekt nicht nur „begleiten", sondern auch entscheidend beeinflussen wollten, und trifft es zu, daß dieses abgebrochene Projekt den Steuerzahler fast eine Million DM gekostet hat?

10

Trifft es zu, daß über die rund 260 beendeten HdA-Projekte - trotz Ablieferungspflicht - bislang lediglich zwölf Abschlußberichte veröffentlicht worden sind?

11

Wie beurteilt der BMFT die Aussage eines Unternehmensberaters: „Bei den Projekten handelt es sich ganz selten um einen direkten Humanisierungsbeitrag. Meine Aufgabe liegt darin, für die Kunden Humanisierungsakzente aus technischen Innovationsvorhaben herauszufiltern - Nebenprodukte hochzustilisieren"?

12

Trifft es zu, daß der Leiter der Projektträgerschaft-HdA, Professor Willi Pöhler, gegenüber dem „manager-magazin" keine Sprecherlaubnis erhielt, und aus welchen Gründen wurde sein am 30. Juni 1980 ausgelaufener Vertrag nicht verlängert?

Bonn, den 18. Juni 1980

Dr. Probst Gerstein Lenzer Pfeifer Benz Engelsberger Dr. Hubrig Dr. Riesenhuber Dr. Freiherr Spies von Büllesheim Dr. Laufs Pfeffermann Dr. Stavenhagen Frau Dr. Walz Dr. Schwarz-Schilling Röhner Bühler (Bruchsal) Dr. Kohl, Dr. Zimmermann und Fraktion

Ähnliche Kleine Anfragen