Gefährdung heimischer Arten durch den Kalikokrebs
der Abgeordneten Andreas Bleck, Karsten Hilse, Dr. Heiko Wildberg, Marc Bernhard, Dr. Rainer Kraft und der Fraktion der AfD
Vorbemerkung
Der aus Nordamerika stammende Kalikokrebs (Faxonius immunis, ursprünglich Orconectes immunis) ist eine hochinvasive Art, die heimische Amphibien, Libellen und Wasserpflanzen massiv gefährdet (www.researchgate.net/publication/324602753_Zusammenbruch_der_Makrozoobenthos-Diversitat_eines_Kleingewassers_nach_der_Invasion_durch_den_Kalikokrebs_Orconectes_immunis_eine_Fallstudie).
Im Jahre 1993 wurde der Krebs in Baden-Baden ausgesetzt und breitete sich rasant aus: Nach Norden entlang des Rheinsystems durch Kanäle, Gräben und Bäche und besiedelte weitere aquatische Systeme von der Aue bis zum Hang des Schwarzwaldes. Durch Überlandbewegung drang der Kalikokrebs in Teiche und Seen ein, die nicht direkt mit Bächen und Gräben des Rheinsystems verbunden sind. Nach Expertenschätzung sind bereits 80 Prozent der Rheinauen vom invasiven Krebs befallen (www.welt.de/vermischtes/article179200250/Explosionsartige-Verbreitung-Der-Kalikokrebs-eine-Killermaschine-fuer-die-deutsche-Natur.html).
Charakteristisch ist seine hohe und schnelle Reproduktion: Im Geburtsjahr ist ein Weibchen bereits fortpflanzungsfähig und kann bis zu 500 Nachkommen zur Welt bringen. Zudem bedient sich der Kalikokrebs eines breiten Nahrungsspektrums, welches Wasserpflanzen, Amphibien, Laich und Kaulquappen umfasst und somit heimischen Amphibien und Libellen die Lebensgrundlage entzieht. Der Krebs erschließt bevorzugt isolierte Kleingewässer. Seine Fähigkeit, Wohnröhren im Schlamm zu bauen und sich darin aufzuhalten, ermöglicht dieser Krebsart das Überleben in temporär ausgetrockneten Seen. Ist ein Gewässer vom Krebs erschlossen und eine Massenentwicklung findet statt, wird das anfangs klare, transparente Wasser vom Kalikokrebs zunehmend getrübt und braun gefärbt durch Aufwirbeln von Feinsediment. Nach Expertenmeinung gibt es heimische Feinde für den Kalikokrebs, wie Reiher, Störche oder Eisvögel, die jedoch keine Gefahr darstellen, denn sobald das Wasser getrübt ist, kann der Kalikokrebs nicht von seinen Fressfeinden gesehen und gejagt werden (www.zeit.de/wissen/umwelt/2018-07/kalikokrebs-oekosystem-arten-vielfrass-fluesse).
Um den Verlust der biologischen Vielfalt zu begrenzen und heimische Tier- und Pflanzenarten zu schützen, hat Prof. Dr. Andreas Martens vom Institut für Biologie und Schulgartenentwicklung der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe die Forschungsprojektgruppe „Management des invasiven Kalikokrebses zum Schutz von Amphibien und Libellen in Kleingewässern“ ins Leben gerufen. Die Forschungsgruppe widmet sich den konkreten Auswirkungen auf die Fauna, Managementinstrumenten und einer begleitenden Evaluation (www.ph-karlsruhe.de/aktuelles/detailansicht/article/management-des-invasiven-kalikokrebses-zumschutz-von-amphibien-und-libellen-in-kleingewaessern/).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen8
In welchen Regionen Deutschlands hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der nordamerikanische Kalikokrebs seit dem ersten Aufkommen im Jahre 1993 ausgebreitet?
Welche Kenntnis hat die Bundesregierung über den Rückgang heimischer Arten wie Amphibien, Insekten (Eintagsfliegen, Köcherfliegen), Schnecken, Libellen und weiteren Artengruppen, verursacht durch den invasiven Kalikokrebs in den letzten 25 Jahren (bitte einzeln nach Artengruppe und betroffenen Regionen aufführen)?
Welches zusätzliche Gefährdungspotenzial besteht für weitere Artengruppen und ihre Lebensräume durch den Kalikokrebs?
Existiert das Problem mit dieser Krebsart nach Kenntnisstand der Bundesregierung auch in anderen Ländern der EU?
Befürwortet die Bundesregierung die Aufnahme des Kalikokrebses in die Liste der gebietsfremden invasiven Arten der EU (Verordnung (EU) Nr. 1143/2014), wie bereits beim Roten Amerikanischen Sumpfkrebs geschehen (bitte begründen)?
Wie alle amerikanischen Flusskrebs-Arten verbreitet der Kalikokrebs die Krebspest, ohne selbst daran zu erkranken – wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl von heimischen Krebsen, die aufgrund der vom Kalikokrebs übertragenen Krebspest verstorben sind (bitte nach Regionen und Jahren aufschlüsseln)?
Wie bewertet die Bundesregierung die mögliche Fangfreigabe des Kalikokrebses für Fischereibetriebe zum Schutz heimischer Arten, wie bereits beim Roten Amerikanischen Sumpfkrebs realisiert?
Befürwortet die Bundesregierung den Ausbau von existierenden Forschungsprojekten über den invasiven Kalikokrebs, um heimische Arten zu schützen?
In welchem finanziellen Rahmen ist die Bundesregierung bereit, Forschungsprojekte nach Frage 7 zu fördern?