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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung von Karneval, Fastnacht und Fasching

Fraktion

FDP

Ressort

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Datum

18.02.2020

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/1660720.01.2020

Kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung von Karneval, Fastnacht und Fasching

der Abgeordneten Reinhard Houben, Alexander Graf Lambsdorff, Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Michael Theurer, Dr. Marcel Klinge, Prof. Dr. Martin Neumann, Manfred Todtenhausen, Sandra Weeser, Gerald Ullrich, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Christine Aschenberg-Dugnus, Nicole Bauer, Jens Beeck, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Dr. Marco Buschmann, Carl-Julius Cronenberg, Britta Katharina Dassler, Hartmut Ebbing, Dr. Marcus Faber, Otto Fricke, Thomas Hacker, Peter Heidt, Katrin Helling-Plahr, Dr. Christoph Hoffmann, Ulla Ihnen , Olaf in der Beek, Gyde Jensen, Daniela Kluckert, Pascal Kober, Carina Konrad, Konstantin Kuhle, Roman Müller-Böhm, Bernd Reuther, Matthias Seestern-Pauly, Frank Sitta, Dr. Hermann Otto Solms, Bettina Stark-Watzinger, Benjamin Strasser, Katja Suding, Stephan Thomae, Manfred Todtenhausen, Dr. Florian Toncar, Dr. Andrew Ullmann, Nicole Westig, Katharina Willkomm und der Fraktion der FDP

Vorbemerkung

Karneval, Fastnacht und Fasching werden in verschiedenen Regionen Deutschlands seit Jahrhunderten gefeiert. Die Schwerpunkte liegen im Rheinland, in Rheinhessen, Südhessen, im Münsterland, der Lausitz, Bayern, Franken und Baden-Württemberg. Die katholische Kirche hat Exzesse in den „tollen Tagen“ stets geduldet, weil sie daran das Wirken des Teufels illustrieren konnte, der am Ende von Gott besiegt wird. Die anschließende Fastenzeit bot den Gläubigen die Gelegenheit zur Einkehr. Dieser Zusammenhang wurde dagegen in protestantischen Gebieten aufgehoben. Wo ein strenger Lebenswandel während des ganzen Jahres gefordert wird, ist auch kein Platz mehr für Sonderregelungen zur Karnevalszeit. Deshalb findet man in Regionen, die durch die Reformation besonders geprägt wurden, auch heute keine Hochburgen der „fünften Jahreszeit“.

Seit dem 19. Jahrhundert waren Karneval, Fastnacht und Fasching lange Zeit vor allem Veranstaltungen des Bürgertums. Die Gründung von Gesellschaften und Vereinen als satirische Antwort auf das Militär, die damit verbundenen aufwendigen Uniformen und Kostüme sowie große Maskenbälle führten im Laufe der Zeit dazu, dass die jeweilige Session zu einem wachsenden Wirtschaftsfaktor wurde. Im 20. Jahrhundert wurde der Karneval dann wieder zunehmend in allen gesellschaftlichen Schichten gefeiert. Mit dem wachsenden Wohlstand der gesamten Gesellschaft profitierten immer mehr Branchen. Mancherorts entstanden Unternehmen, die weitgehend von den entsprechenden Festivitäten abhängig sind.

Heute sind Karneval, Fastnacht und Fasching ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Nach einer Schätzung des Bundes Deutscher Karneval liegt der Umsatz bei ca. 2 Mrd. Euro pro Jahr (www.dw.com/de/milliardengesch%C3%A4ft-karneval/a-16578789). Die entsprechenden Hochburgen, insbesondere am Rhein, aber auch in anderen Regionen, profitieren vor allem in den Bereichen Gastronomie und Einzelhandel. Daneben gibt es zusätzliche Umsätze in der Bekleidungswirtschaft, bei Süßigkeitenfabrikanten, Floristen, Dekorateuren, Spielzeug- und Geschenkartikelherstellern, im Transport-, im Sicherheitsgewerbe, bei Getränkeherstellern, Handwerkern und vielen anderen. So sorgt die „fünfte Jahreszeit“ auch für eine beachtliche Zahl von Arbeitsplätzen.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen19

1

Welche Bedeutung besitzen Karneval, Fastnacht und Fasching nach Ansicht der Bundesregierung für Kultur, Brauchtum und Gesellschaft?

2

Was unternimmt die Bundesregierung, um die entsprechenden regionalen Bräuche zu erhalten und zu fördern?

3

Welchen Beitrag leisten Karneval, Fastnacht und Fasching nach Ansicht der Bundesregierung zur Jugendarbeit?

4

Welchen Beitrag leisten Karneval, Fastnacht und Fasching nach Ansicht der Bundesregierung zur Integration von Geflüchteten?

5

Welche karnevalistischen Integrationsprojekte sind durch die Bundesregierung in den vergangenen fünf Jahren gefördert worden?

6

Wie hoch sind die Beträge, die nach Kenntnis der Bundesregierung jährlich durch die entsprechenden Vereine und Veranstaltungen für gemeinnützige Projekte gesammelt werden?

7

Wie bewertet die Bundesregierung das ehrenamtliche Engagement der Menschen in diesem Bereich?

8

Wie ist die Haltung der Bundesregierung zur Gemeinnützigkeit von Karnevalsvereinen?

9

Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Umsatz, den die verschiedenen Branchen jährlich mit Karnevals-, Fastnachts- und Fasching machen (je Branche), und wie haben sich diese seit 2014 entwickelt

a) durch Übernachtungen in Hotels, Pensionen, auf Campingplätzen oder bei privaten Zimmervermittler;

b) in der Gastronomie;

c) durch Sitzungen, Bälle, Abendveranstaltungen in Event-Locations und Clubs;

d) in Brauereien;

e) bei anderen Getränkeherstellern;

f) bei Wagenbauern und Dekorateuren;

g) in der Fahrzeugwirtschaft, bei Mietwagenverleihern;

h) durch Kostüme in der Textilindustrie, Bekleidungswirtschaft und in Nähereien;

i) durch Wurfmaterial bei Süßigkeitenfabrikanten, Floristen, Spielzeug- und Geschenkartikelherstellern;

j) bei Fern- und Nahverkehrsunternehmen;

k) bei Abfallwirtschaftsbetrieben;

l) bei Sanitätsdienstleistern;

m)in der Musikwirtschaft durch die Produktion von Liedern mit Sessionsbezug und/oder Lokalpatriotismus;

n) im Sicherheitsgewerbe?

10

Wie viele ausländische Gäste haben in den vergangenen fünf Jahren nach Kenntnis der Bundesregierung jeweils Deutschland besucht, um Karneval zu feiern? Welche deutschen Städte sind hierfür besonders beliebt?

11

Wie hoch sind die zusätzlichen Steuereinnahmen für Bund, Länder und Gemeinden – bei Umsatzsteuer, Einkommensteuer, Körperschaftssteuer, Wein-, Sekt, Biersteuer, Gewerbesteuer und Bettensteuern?

12

Inwieweit tragen besonders hohe Preise in der Karnevalszeit, beispielsweise in der Hotellerie, zu zusätzlichen Steuereinnahmen bei?

13

Welche Städte profitieren davon nach Kenntnis der Bundesregierung am meisten (bitte Top 10 in der Reihenfolge mit Umsätzen angeben)?

14

Wie viele Arbeitsplätze hängen nach Kenntnis der Bundesregierung in den jeweiligen Regionen direkt oder indirekt an Karneval, Fastnacht und Fasching?

15

Wie viele Unternehmen sind nach Kenntnis der Bundesregierung ausschließlich für Karneval, Fastnacht und Fasching tätig, und mit wie vielen Arbeitsplätzen?

16

Wie viel zusätzlicher Umsatz entsteht nach Kenntnis der Bundesregierung durch „Karnevalsflüchtlinge“ in andere Regionen (bitte Top 10 in der Reihenfolge mit Umsätzen angeben)?

17

Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung darüber vor, inwieweit karnevalistische Veranstaltungen und Vereine zum Networking zur Entwicklung von neuen Geschäften beitragen?

18

Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung darüber, inwieweit der Lokalpatriotismus und die Netzwerke dazu beitragen, dass in erhöhtem Maße lokale Wirtschaftsgüter verwendet werden und auf diese Weise der Karneval eine bessere Ökobilanz aufweist als andere Events? Welche Studien liegen der Bundesregierung zu diesem Thema vor?

19

Inwieweit trägt der Karneval nach Ansicht der Bundesregierung durch internationale Kontakte zur besseren internationalen Verständigung, etwa durch wechselseitige Einladungen der Karnevalsgesellschaften, Städtepartnerschaften etc., bei?

Berlin, den 17. Dezember 2019

Christian Lindner und Fraktion

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