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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Johne´sche Krankheit - ein Erreger mit vermutlich zoonotischem Potenzial

(insgesamt 8 Einzelfragen)

Fraktion

AfD

Ressort

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Datum

07.09.2020

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/2159812.08.2020

Johne’sche Krankheit – ein Erreger mit vermutlich zoonotischem Potenzial

der Abgeordneten Stephan Protschka, Berengar Elsner von Gronow, Franziska Gminder und der Fraktion der AfD

Vorbemerkung

Die Johne’sche Krankheit, auch Paratuberkulose genannt, ist eine durch Mycobacterium avium ssp. paratuberculosis (MAP) hervorgerufene und in Deutschland nach der Verordnung über meldepflichtige Tierkrankheiten (TKrMeldpflV) berichtspflichtige Erkrankung mit chronisch verlaufenden, nicht therapierbaren Darmentzündungen.

Die damit einhergehenden Durchfälle führen im weiteren Verlauf zur Abmagerung bis hin zur Kachexie und letztendlich zum Tod der Tiere.

Die Johne’sche Krankheit kommt weltweit und somit flächendeckend auch in Deutschland vor und betrifft überwiegend domestizierte Wiederkäuer wie Rinder, Schafe und Ziegen, aber auch Wildwiederkäuer wie Rot- und Rehwild (https://www.blv.admin.ch/blv/de/home/tiere/tierseuchen/uebersicht-seuchen/alle-tierseuchen/paratuberkulose.html; https://www.fli.de/de/institute/institut-fuer-molekulare-pathogenese-imp/referenzlabore/nrl-fuer-paratuberkulose/). Das bekannte Wirtsspektrum hat sich zudem in den letzten Jahren deutlich erweitert und umfasst nunmehr auch andere Tierarten wie beispielsweise Schweine, Kaninchen, Füchse, Marderartige, Kamele (Alt- und Neuweltkamele) und Affen (https://www.lgl.bayern.de/tiergesundheit/tierkrankheiten/bakterielle_pilzinfektionen/paratuberkulose/doc/paratuberkulose_ag.pdf; S. 14 ff.).

Infizierte Tiere zeigen aufgrund der langen Inkubationszeit von zwei bis zehn Jahren oft keine typischen Krankheitssymptome.

Jedoch scheiden sie den Erreger auch vor Einsetzen der Symptomatik massenhaft über den Kot sowie während der klinischen Phase auch über Milch und Kolostrum aus und stellen somit ein erhöhtes Infektionsrisiko dar (ebd.).

Auch die intrauterine Übertragung des Erregers auf das Kalb ist insbesondere bei klinisch kranken Tieren möglich (ebd.).

Ältere Tiere infizieren sich maßgeblich über kotkontaminiertes Futter bzw. Wasser oder auf der Weide (ebd.).

In der Regel findet die Infektion innerhalb der ersten 30 Lebenstage statt, danach entwickelt sich eine zunehmende Altersresistenz (ebd.).

Vor allem in Milchviehbeständen führt die Paratuberkulose durch eine verminderte Milchleistung, einen verringerten Schlachterlös durch Abmagerung bis hin zur völligen Untauglichkeit des Schlachttierkörpers, erhöhte Krankheitsanfälligkeit sowie diesbezüglicher Tierverluste zu erheblichen wirtschaftlichen Ausfällen (ebd.).

Wesentliche Voraussetzung für die Bekämpfung von MAP-Infektionen ist die Senkung des Infektionsdrucks durch geeignete Hygienemaßnahmen und frühzeitiger Entfernung erkrankter Tiere aus der Herde.

Als erstes Bundesland verabschiedete Niedersachsen am 1. November 2017 seine Paratuberkulose-Verordnung (Nds. ParaTb-VO) und verpflichtet somit alle Rinderhalter zur jährlichen Untersuchung ihrer Tiere (http://www.nds-voris.de/jportal/;jsessionid=4B9B5418C4A32FB8795550BA8327F716.jp11?quelle=jlink&query=ParaTbSchV+ND&psml=bsvorisprod.psml&max=true&aiz=true#jlr-ParaTbSchVNDrahmen).

Auf Bundesebene veröffentlichte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) am 1. August 2014 Empfehlungen für hygienische Anforderungen an das Halten von Wiederkäuern vom 7. Juli 2014 im Bundesanzeiger (BAnz. AT 1. August 2014 B1), wobei schwerpunktmäßig auch auf den Umgang mit Paratuberkulose in Rinder-, Schaf- und Ziegenherden eingegangen wird (https://www.bundesanzeiger.de/ebanzwww/contentloader?state.action=genericsearch_loadpublicationpdf&session.sessionid=d0b26ea76abe4b304e263b98fa50a2a1&fts_search_list.destHistoryId=26231&fts_search_list.selected=43459939d8210a8a&state.filename=BAnz%20AT%2001.08.2014%20B1; S. 11 ff.).

Weiterhin verdichten sich Hinweise bezüglich eines möglichen Zoonosecharakters der Erkrankung.

So wird eine Beteiligung von MAP bei der Pathogenese von Morbus Crohn (MC), einer chronisch entzündlich verlaufenden Darmerkrankung des Menschen, schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts diskutiert (https://www.vetion.de/fokus/Paratuberkulose-beim-Rind/10/). Anfang des 21. Jahrhunderts konnte MAP bereits in dem Blut von MC-Patienten nachgewiesen werden (https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S014067360417058X?via=ihub).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen8

1

Wie hoch ist nach Kenntnisstand der Bundesregierung die Prävalenz für das Auftreten einer MAP-Infektion bei Rindern, Ziegen und Schafen in Deutschland sowohl in der Stallhaltung als auch in der Freilandhaltung (bitte die jeweiligen Prävalenzen seit dem Jahr 2010 aufgeschlüsselt nach Nutztier und Haltungsform angeben)?

2

Wie hoch ist nach Auffassung der Bundesregierung die Prävalenz für das Auftreten einer MAP-Infektion bei Wildwiederkäuern wie Rot-, Reh- und Damwild (bitte die jeweiligen Prävalenzen seit dem Jahr 2010 aufgeschlüsselt nach Art angeben)?

3

Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie hoch der Durchseuchungsgrad der deutschen Rinder-, Ziegen- und Schafbestände, auch im Hinblick auf mögliche regionale Unterschiede, ist?

a) Wenn ja, wie hoch ist der Durchseuchungsgrad der jeweiligen Nutztierbestände, und lassen sich diesbezüglich regionale Muster erkennen?

b) Wenn nein, plant die Bundesregierung, ein flächendeckendes Monitoring- bzw. Screening-Programm ins Leben zu rufen, um die Durchseuchungsrate auf nationaler Ebene innerhalb der genannten Nutztierarten ermitteln zu können und etwaige Interventionsmaßnahmen zu veranlassen?

4

Ist der Bundesregierung bekannt, über welche Expositionspfade sich Menschen mit dem MAP-Erreger infizieren können (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?

a) Wenn ja, welche Ansteckungswege sind hier zu nennen, und wie lassen sich derartige Infektionsrisiken zukünftig vermeiden?

b) Wenn nein, möchte die Bundesregierung Maßnahmen ergreifen, um die genauen Wege einer Ansteckung mit MAP zu identifizieren und so das Risiko einer möglichen Ansteckung der Bevölkerung zu verhindern (wenn ja, bitte ausführen)?

5

Sind nach Kenntnis der Bundesregierung antimykobakterielle Arzneimittel in der Therapie von Morbus Crohn wirksam, oder beruht die teilweise beobachtete Wirksamkeit der bislang eingesetzten Kombinationspräparate lediglich auf ihrem allgemeinen antibakteriellen Effekt (vgl. https://www.lgl.bayern.de/tiergesundheit/tierkrankheiten/bakterielle_pilzinfektionen/paratuberkulose/doc/paratuberkulose_ag.pdf, S. 26)?

6

Sind nach Kenntnis der Bundesregierung die Stämme der Erreger, die bei Paratuberkulose-erkrankten Tieren gefunden werden, identisch mit denen, die bei Morbus-Crohn-Patienten nachgewiesen werden?

7

Ist nach Kenntnis der Bundesregierung eine Infektion mit MAP am Krankheitsgeschehen der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn beteiligt (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?

8

Wie hoch ist der Grad der Kontamination von Milch und daraus hergestellten Lebensmitteln mit dem MAP-Erreger, wie stark sind andere Lebensmittel wie Fleisch und Wurstwaren mit MAP belastet (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller, bitte nach Lebensmittel bzw. Lebensmittelgruppen und dem jeweiligen Grad der Kontamination aufschlüsseln)?

Berlin, den 5. August 2020

Dr. Alice Weidel, Dr. Alexander Gauland und Fraktion

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