Ein Weltraumbahnhof für Deutschland
der Abgeordneten Reinhard Houben, Michael Theurer, Dr. Marcel Klinge, Dr. Martin Neumann, Manfred Todtenhausen, Gerald Ullrich, Sandra Weeser, Renata Alt, Christine Aschenberg-Dugnus, Nicole Bauer, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Hartmut Ebbing, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst, Otto Fricke, Thomas Hacker, Reginald Hanke, Peter Heidt, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Torsten Herbst, Katja Hessel, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Dr. Christian Jung, Karsten Klein, Pascal Kober, Carina Konrad, Konstantin Kuhle, Till Mansmann, Roman Müller-Böhm, Frank Müller-Rosentritt, Bernd Reuther, Frank Schäffler, Dr. Wieland Schinnenburg, Matthias Seestern-Pauly, Frank Sitta, Dr. Hermann Otto Solms, Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Benjamin Strasser, Katja Suding, Stephan Thomae, Dr. Florian Toncar, Nicole Westig, Katharina Willkomm und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Die sogenannten Microlauncher sind weltweit auf dem Vormarsch. Auch in Deutschland steigt die Nachfrage und das Angebot für diese leichten Trägerraketen, die Kleinsatelliten vor allem in niedrige Erdumlaufbahnen bringen können. Ein Weltraumbahnhof für Microlauncher in Deutschland oder Europa könnte nach Auffassung der Fragesteller der Raumfahrtforschung und Raumfahrtwirtschaft Aufschub geben. Außerdem wartet die Raumfahrt-Branche in Deutschland immer noch auf das von der Bundesregierung im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD versprochene Weltraumgesetz. Dieses könnte nach Auffassung der Fragesteller auch helfen, die großen Probleme der Kapitalfinanzierung von deutschen Raumfahrt-Start-ups zu minimieren. Bis jetzt suchen sich diese oft Kapital aus Ländern wie den USA. Dadurch droht langfristig die Abwanderung von Technologie-Know-how und Wirtschaftskraft aus Deutschland ins Ausland (https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/zukunftstechnologie-deutsches-weltraum-start-up-sammelt-geld-ein-die-branche-steckt-dennoch-im-dilemma/26128390.html?ticket=ST-7328209-AcKSEuXw3UnPhu2flMAS-ap6).
Während des vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) initiierten Weltraumkongresses im Oktober 2019 forderte der BDI vom anwesenden Bundesminister für Wirtschaft und Energie Peter Altmaier die Schaffung eines Weltraumbahnhofs für Microlauncher in Deutschland. Dieser hatte daraufhin in einem Interview mit der „BILD“-Zeitung zugesagt, den Vorschlag des BDI prüfen zu lassen. Ein Ergebnis einer solchen Prüfung ist bis jetzt nicht veröffentlicht worden. Im Juli 2020 hat der Verband nun seine Forderung bekräftigt, mit der Bitte, noch in diesem Jahr zu einer Entscheidung zu kommen. Dazu möchte der BDI dem Bundeswirtschaftsministerium ein eigenes Konzept für eine schwimmende Raketenstart-Plattform in der Nordsee vorlegen und Verhandlungen beginnen (https://www.welt.de/wirtschaft/article211458041/BDI-Schnelle-Entscheidung-ueber-deutschen-Weltraumbahnhof.html; https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/raumfahrt-neue-chance-fuer-einen-deutschen-weltraum-bahnhof/26035394.html?share=twitter; https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/peter-altmaier-will-deutschen-weltraumbahnhof-pruefen-a-1292466.html).
In Trauen bei Faßberg soll das Raumfahrt-Forschungszentrum AeroSpacePark entstehen. Die vom Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum sowie dem Bundesministerium der Verteidigung finanzierte Forschungseinrichtung wird sich unter anderem mit Technologien für Kleinsatelliten und neuen Triebwerken beschäftigen (https://www.welt.de/regionales/niedersachsen/article214758806/Baustart-im-AeroSpacePark-Satelliten-und-Raumantrieben.html).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen23
Wie bewertet die Bundesregierung die Diskussion und die Potenziale einer Offshore-Abschussplattform oder eines Weltraumbahnhofs in der deutschen Nordsee?
Inwiefern sind aus Sicht der Bundesregierung Microlauncher eine Option, um künftig Satelliten von Deutschland aus in den Weltraum zu bringen?
Wie beurteilt die Bundesregierung die Möglichkeit, Microlauncher von Flugzeugen aus zu starten, im Gegensatz zu einer Offshore-Plattform? Welcher Ansatz ist nach Auffassung der Bundesregierung zukunftsträchtiger in Deutschland?
Inwiefern, und mit welchem Ergebnis hat die Bundesregierung den Vorschlag des BDI geprüft?
Welche Bedeutung können nach Auffassung der Bundesregierung der Bau und die Unterhaltung von Raketenabschussrampen in der Nordsee für die Schiffbauindustrie haben?
Inwiefern würde sich die Bundesregierung, nach einer erfolgreichen Prüfung und Abwägung, für einen Abschussplatz für Miniraketen in der Nordsee einsetzen?
Wie werden sich der Markt und der Bedarf von Satelliten, insbesondere Kleinsatelliten, nach Kenntnis der Bundesregierung, in den kommenden Jahren entwickeln?
Wie viele Unternehmen gibt es in Deutschland und Europa die nach Kenntnis der Bundesregierung grundsätzlich auf einen Microlauncher-Startplatz angewiesen sind?
Wie viele Unternehmen gibt es in Deutschland und Europa die nach Kenntnis der Bundesregierung Microlauncher-Technologie entwickeln und anbieten?
Welche Forschungseinrichtungen in Deutschland könnten von einer eigenen und kurzfristig nutzbaren Offshore-Abschussplattform oder einem Weltraumbahnhof in Deutschland wie profitieren?
Welche deutschen Unternehmen könnten von einer eigenen und kurzfristig nutzbaren Offshore-Abschussplattform oder einem Weltraumbahnhof in Deutschland wie profitieren?
Inwiefern wäre das entstehende Forschungszentrum „AeroSpacePark“ für eine Entscheidungsfindung über einen nationalen oder europäischen Weltraumbahnhof für die Bundesregierung relevant?
Inwiefern eignet sich der Startplatz „European Space and Sounding Rocket Range“ in der Nähe von Kiruna in Schweden als „Mikrolauncher“ für Raumfahrtunternehmen? Wird er dafür bereits genutzt?
Welche anderen Startplätze in Europa kommen nach Kenntnis der Bundesregierung für institutionelle oder privatwirtschaftliche Microlauncher-Missionen infrage?
Inwiefern kann die strategische und technische Souveränität von Deutschland und Europa nach Auffassung der Bundesregierung durch einen eigenen Microlauncher-Weltraumbahnhof gestärkt werden?
Inwiefern steht die Bundesregierung mit anderen EU-Mitgliedstaaten bezüglich eines Weltraumbahnhofs für Miniraketen in Europa im Austausch, und falls ja, wann, mit wem, und mit welchem Ergebnis?
Inwiefern würde die Bundesregierung eine europäische Lösung für einen Weltraumbahnhof für Miniraketen bevorzugen?
Inwiefern würde die Bundesregierung, vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedeutung von Satelliten im Weltraum, die Technik als kritische Infrastruktur einstufen?
Inwiefern wird es die Bundesregierung schaffen, einen Gesetzentwurf für ein Weltraumgesetz 2020 vorzulegen? Wann kann das Parlament mit einem ersten Entwurf frühestens rechnen?
Inwiefern könnte eine Verzögerung der Implementierung eines Weltraumgesetzes Raumfahrtvorhaben wie einen eigenen Weltraumbahnhof verzögern?
Inwiefern fließen Vorschläge aus dem Antrag der Fraktion der FDP auf Bundestagsdrucksache 19/15056 zu einem Weltraumgesetz in die Erarbeitung des Gesetzentwurfs mit ein?
Wie möchte die Bundesregierung dem Problem vieler Weltraum-Start-ups, Kapital in Deutschland zu akquirieren, in Zukunft entgegenwirken?
Inwiefern könnte ein Weltraumgesetz nach Auffassung der Bundesregierung helfen, verbindliche Rahmenbedingungen für Investoren und Unternehmen zu schaffen?