BundestagKleine Anfragen
Zurück zur Übersicht
Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Förderung des Antifa-Films 'Und morgen die ganze Welt'

Fraktion

AfD

Ressort

Beauftr. der Bundesregierung für Kultur und Medien

Datum

09.12.2020

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/2466225.11.2020

Förderung des Antifa-Films „Und morgen die ganze Welt“

der Abgeordneten Dr. Marc Jongen, Martin Erwin Renner, Dr. Götz Frömming, Thomas Ehrhorn und der Fraktion der AfD

Vorbemerkung

Am 28. Oktober 2020 gab German Films, die Auslandsvertretung des Deutschen Films, bekannt, dass der Antifa-Film „Und morgen die ganze Welt“ (Premiere am 10. September 2020) für Deutschland bei der Oscar-Verleihung im Frühjahr 2021 antreten wird (https://www.german-films.de/news/news-releases/oscarsr-2021-and-tomorrow-the-entire-world-world-to-enter-the-race-for-germany/index.html). German Films kommentierte diese Entscheidung wie folgt: „In einer Zeit, in der die Demokratie zunehmend unter Druck“ gerate, stelle die Regisseurin Julia von Heinz die Frage, „ob und wenn ja, Gewalt gerechtfertigt oder gar notwendig“ sei (Übersetzung durch die Fragesteller; https://www.german-films.de/news/news-releases/oscarsr-2021-and-tomorrow-the-entire-worldworld-to-enter-the-race-for-germany/index.html).

Die Hauptperson des Films ist Luisa, eine junge Mannheimer Jurastudentin mit wohlhabendem Hintergrund, die ihr Herz für die linksextremistische Antifa (https://www.verfassungsschutz.de/de/arbeitsfelder/af-linksextremismus/was-ist-linksextremismus) entdeckt, und zwar deshalb, weil Deutschland unter dem Eindruck eines Rechtsrucks steht, was sich in Brandanschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte und gewaltsamen Übergriffe artikuliert (vgl. https://www.youtube.com/watch?v=UqjnOiLCLPg). Rechtspopulistische Parteien wie die „Liste 14“ – deren Partei-Logo direkt auf das der AfD verweist, siehe Link oben, Filmsequenz bei 0:24 Min. – gewinnen zunehmend an Boden. Luisa schließt sich deshalb einer Antifa-Gruppe an, die auch mit Gewalt gegen Rechte vorgeht, z. B. in Form der Demolierung von deren Autos (https://www.youtube.com/watch?v=UqjnOiLCLPg, siehe Filmsequenz bei 3:24 Min.).

Regisseurin Julia von Heinz, selbst lange Zeit in der Antifa-Szene aktiv, bekannte, „die guten Seiten und das Wertvolle der Antifa“ betonen zu wollen (https://www.berliner-zeitung.de/kultur-vergnuegen/und-morgen-die-ganze-welt-julia-von-heinz-antifa-film-und-morgen-die-ganze-welt-interview-li.114033). Sie wolle „bei aller Kritik einen liebevollen und wertschätzenden Blick auf sie werfen. Das ist keine Phase, die hinter mir liegt. Ich bin mittendrin“ (ebd.).

Aus Sicht der Fragesteller bleibt der Regisseurin ihr „wertschätzender Blick“ unbenommen, nicht einzusehen ist nach Auffassung der Fragesteller allerdings, dass dieser Film über die linksextremistische Antifa mit nationalen Fördermitteln des Deutschen Filmförderfonds (DFFF) (496 000 Euro Förderung; https://dfff-ffa.de/index.php?pressemitteilungen&amp%3Bnewsdetail=20150122-1_dfff-foerderjahr-2014-593-mio-euro-fuer-111-kinoprojekte&newsdetail=20200820-52_zwei-dfff-gefoerderte-filme-im-wettbewerb-in-venedig) und der Filmförderanstalt (FFA) (310 000 Euro; https://www.ffa.de/aid=1394.html?newsdetail=20181221-1351_neue-filme-von-julia-von-heinz-und-marc-bauder-ffa-foerdert-acht-filmprojekte-und-drehbuecher) gefördert wurde. Noch mehr muss aus Sicht der Fragesteller befremden, dass ausgerechnet dieser Film von German Films, zu deren Gesellschaftern die Bundesanstalt FFA gehört, als Beitrag Deutschlands für die Oscar-Verleihung im Frühjahr 2021 ausgewählt wurde.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen8

1

Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, aufgrund welcher Kriterien sich der Deutsche Filmförderfonds (DFFF) für eine Förderung des Antifa-Films „Und morgen die ganze Welt“ entschlossen hat?

Wenn ja, welche Kriterien sind dies?

Wenn nein, warum nicht?

2

Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, aufgrund welcher Kriterien sich die Filmförderanstalt (FFA) für eine Förderung des Antifa-Films „Und morgen die ganze Welt“ entschlossen hat?

Wenn ja, welche Kriterien sind dies?

Wenn nein, warum nicht?

3

Hält es die Bundesregierung für gerechtfertigt, einen Film, der laut Aussage seiner Regisseurin einen „liebevollen und wertschätzenden Blick“ (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller) auf die linksextremistische Antifa wirft, mit nationalen Filmfördermitteln zu fördern (https://www.berliner-zeitung.de/kultur-vergnuegen/und-morgen-die-ganze-welt-julia-von-heinz-antifa-filmund-morgen-die-ganze-welt-interview-li.114033)?

Wenn ja, aufgrund welcher Argumente hält die Bundesregierung in diesem Fall eine Förderung für gerechtfertigt?

Wenn nein, welche Initiativen hat die Bundesregierung ergriffen, um die Gewährung von Fördermitteln für Filme, die in Konflikt mit der Neutralitätspflicht von Zuwendungsempfängern öffentlicher Fördermittel stehen, zu unterbinden?

4

Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, aufgrund welcher Kriterien sich German Films entschlossen hat, den Antifa-Film „Und morgen die ganze Welt“ als deutschen Beitrag für die Oscar-Verleihung im Frühjahr 2021 auszuwählen?

Wenn ja, was waren die Kriterien von German Films, diesen Film als deutschen Beitrag für die Oscar-Verleihung im Frühjahr 2021 auszuwählen?

Wenn nein, muss in diesem Fall davon ausgegangen werden, dass die Bundesregierung keinen Einblick in die Kriterien hat, nach denen German Films deutsche Filme als Beitrag für die Oscar-Verleihung auswählt?

5

Hat die Bundesregierung die Entscheidung von German Films, den Film „Und morgen die ganze Welt“, der nach Auffassung der Fragesteller ein eher tendenziöses Bild der linksextremistischen Antifa zeichnet, als deutschen Beitrag für die Oscar-Verleihung im Frühjahr 2021 zu nominieren (https://www.berliner-zeitung.de/kultur-vergnuegen/und-morgen-die-ganze-welt-julia-von-heinz-antifa-film-und-morgen-die-ganze-welt-interview-li.114033), beurteilt, und wenn ja, mit welchem Ergebnis?

6

Sieht die Bundesregierung mit Blick auf die öffentliche Wahrnehmung in einem internationalen Filmwettbewerb die Stigmatisierung einer ganz bestimmten Partei in der politischen Auseinandersetzung, im konkreten Fall der AfD, deren Logo nach Ansicht der Fragesteller mehr oder weniger modifiziert zu sehen ist, durch den Antifa-Film „Und morgen die ganze Welt“ (https://www.youtube.com/watch?v=UqjnOiLCLPg, siehe Filmsequenz bei 0:24 Min.)?

7

Hält die Bundesregierung eine Stigmatisierung einer ganz bestimmten Partei und damit eines politischen Mitbewerbers bei einer Förderung mit öffentlichen Filmfördermitteln für mit der parteipolitischen Neutralitätspflicht, zu der Zuwendungsgeber öffentlicher Fördermittel verpflichtet sind, vereinbar?

8

Plant die Bundesregierung Initiativen, um die Förderung von politisch tendenziösen Filmprojekten wie dem Antifa-Film „Und morgen die ganze Welt“, der „die guten Seiten und das Wertvolle der Antifa“ betonen will (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller), künftig einer strengeren Prüfung zu unterziehen (https://www.berliner-zeitung.de/kultur-vergnuegen/und-morgen-die-ganze-welt-julia-von-heinz-antifa-film-und-morgen-die-ganze-welt-interview-li.114033)?

Wenn ja, welcher Art sind diese Initiativen?

Wenn nein, warum denkt die Bundesregierung hier nicht über Initiativen nach?

Berlin, den 16. November 2020

Dr. Alice Weidel, Dr. Alexander Gauland und Fraktion

Ähnliche Kleine Anfragen