Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Unternehmensgründungen und Meisterprüfungen im Handwerk
der Abgeordneten Manfred Todtenhausen, Michael Theurer, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Christine Aschenberg-Dugnus, Nicole Bauer, Jens Beeck, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Mario Brandenburg (Südpfalz), Sandra Bubendorfer-Licht, Dr. Marco Buschmann, Carl-Julius Cronenberg, Britta Katharina Dassler, Christian Dürr, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst, Otto Fricke, Thomas Hacker, Reginald Hanke, Peter Heidt, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Torsten Herbst, Dr. Christoph Hoffmann, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Gyde Jensen, Karsten Klein, Pascal Kober, Carina Konrad, Konstantin Kuhle, Ulrich Lechte, Alexander Müller, Frank Müller-Rosentritt, Dr. Martin Neumann, Matthias Nölke, Matthias Seestern-Pauly, Dr. Hermann Otto Solms, Bettina Stark-Watzinger, Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Benjamin Strasser, Katja Suding, Linda Teuteberg, Stephan Thomae, Nicole Westig und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Nach einer Studie des Instituts für Handwerkswirtschaft an der Universität Göttingen (ifh) zeigen sich durch die Corona-Pandemie und die getroffenen Maßnahmen seit März 2020 deutliche wirtschaftliche Auswirkungen auch für das Handwerk. Hierzu gehören nicht nur Umsatzverluste oder Totalausfälle in Branchen wie dem Messebau oder in Teilen des Lebensmittelhandwerks, die aufgrund abgesagter Messen und Veranstaltungen keine Aufträge mehr erhalten, sondern auch strukturelle Folgewirkungen. Hierzu gehören insbesondere Gründungen oder Betriebsaufgaben, die durch Ein- oder Austragung in die bzw. aus der Handwerksrolle quantifizierbar sind (vgl. https://www.ifh.wiwi.uni-goettingen.de/veroeffentlichungen/2020/resilientes-handwerk.html). Laut Studienergebnissen seien demnach die Neu-Eintragungen im Vergleich zu den Vorjahreszeiträumen im Jahr 2020 deutlich gesunken: Im Zeitraum von März bis August betrage das Minus 14 Prozent. Gleichzeitig zeige sich ein Erholungseffekt bei den Eintragungszahlen nach dem tiefen Einschnitt im April. Zur besonderen Situation im Jahr 2020 zählt zusätzlich die Tatsache, dass in zwölf Gewerken seit diesem Jahr wieder die Meisterpflicht eingeführt wurde – so im Gewerk der Fliesenleger, Jalousiebauer und Raumausstatter. Dies bedeutet, dass die bisher zulassungsfreie Eintragung nun zulassungspflichtig ist und daher Änderungen bei den Eintragungen in die Handwerksrolle gemäß Handwerksordnung (HwO) ergeben haben. Aber nicht nur die HwO-Novelle, sondern auch die Corona-Pandemie wirkt sich im großen Umfang auf die berufliche Aus-, Fort- und Weiterbildung aus. So war im März und April der Unterricht an Berufsschulen und Bildungseinrichtungen der Kammern eingestellt, gleichzeitig pausierten Meisterkurse oder wurden Prüfungen verschoben. In Gänze kam es zu veränderten Anmeldezahlen zu Kursen, die auf die Meisterprüfung vorbereiten, was wiederum in Zukunft zu veränderten Gründungszahlen im Handwerk führen dürfte (vgl. https://www.deutsche-handwerkszeitung.de/unterricht-meisterkurse-co-das-ist-der-stand-bei-ihrer-hwk/150/32542/400034).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen10
Wie haben sich die Gründungszahlen im Handwerk im Jahr 2020 entwickelt (bitte nach Gewerken, Anlagen der HwO, Neugründungen bzw. Übernahmen aufschlüsseln)?
Wie haben sich die Gründungen seit Ausbruch der Pandemie im März 2020 im Vergleich zum Vorjahr und im Fünfjahresvergleich entwickelt (bitte nach Monats- und Quartalszahlen aufschlüsseln)?
Gibt es regionale Unterschiede, was die Ansiedlung von Neugründungen betrifft (bitte nach Bundesländern und im Vergleich zum Vorjahr aufschlüsseln)?
Welche Förderprogramme erhalten Gründerinnen und Gründer derzeit von Seiten des Bundes wie der Länder (bitte nach Fördermittelgebern, Fördermittelhöhen, Budgets, Anträgen und Bewilligungen aufschlüsseln)?
Inwieweit hat sich die Pandemie-Phase auf die Teilnehmerzahlen an Meisterprüfungsvorbereitungskursen ausgewirkt (bitte Zahlen nach Berufen ab Jahresbeginn im Monatsvergleich zum Vorjahr)?
Welche Entwicklung an Teilnehmerzahlen hat sich in den zwölf meisterpflichtigen Gewerken ergeben, die seit Januar 2020 in die Anlage A wieder aufgenommen werden?
Gibt es Veränderungen bei der Beantragung des Aufstiegs-BAföGs (ehemals Meister-BAföG) seit Jahresbeginn (bitte nach Monaten im Vergleich zum Vorjahresmonat aufschlüsseln)?
Gibt es Veränderungen bei der Beantragung von Maßnahmebeitrag, Unterhaltsbeitrag sowie bei Anträgen auf Erlass wegen erfolgreicher Prüfung und/oder Existenzgründung?
Gibt es Überlegungen für Maßnahmen seitens der Bundesregierung, um das Interesse für die Meisterprüfung und eine nachfolgende Gründung im Handwerk in Zukunft stärker zu fördern?
Wie haben sich die Corona-Pandemie und der Umgang mit ihr auf die Nutzung von digitalen Kurs- und Prüfungsangeboten ausgewirkt, die schon zuvor angeboten wurden?