Zukunftsfähigkeit von Mittelstand und ländlichem Raum in Wirtschaft 4.0 und 5.0
der Abgeordneten Gerald Ullrich, Michael Theurer, Sandra Weeser, Reinhard Houben, Dr. Marcel Klinge, Dr. Martin Neumann, Manfred Todtenhausen, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Nicole Bauer, Jens Beeck, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Mario Brandenburg (Südpfalz), Dr. Marco Buschmann, Carl-Julius Cronenberg, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst, Otto Fricke, Thomas Hacker, Reginald Hanke, Peter Heidt, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Torsten Herbst, Katja Hessel, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Pascal Kober, Carina Konrad, Konstantin Kuhle, Ulrich Lechte, Dr. Jürgen Martens, Alexander Müller, Dr. Wieland Schinnenburg, Matthias Seestern-Pauly, Judith Skudelny, Dr. Hermann Otto Solms, Katja Suding, Stephan Thomae, Nicole Westig und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Unabhängig von der COVID-19-Pandemie schreitet die technische Entwicklung von Produktionsanlagen und Fertigungsprozessen weiter voran. Dies stellt Unternehmen besonders im produzierenden Gewerbe vor eine doppelte Herausforderung. Zum einen gilt es, die aktuellen Herausforderungen durch die Pandemie zu meistern, zum anderen muss die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit gewährleistet werden. Gerade für den Technologiestandort Deutschland bedeutet dies für die Unternehmen hohe Investitionen. Diese werden aufgrund der Unsicherheit der pandemischen Lage oder der Bindung von Liquidität jedoch in die Zukunft verschoben. Dabei ist der Umbruch hin zur Industrie 4.0, in einigen Bereichen sogar noch weiter, nach wie vor immanent. Denn intelligente und digitale Produktionssteuerung wird nicht nur die Produkte verändern, die aus ihnen entstehen, sondern auch die Produktionsmaschinen. Der pandemiebedingte Investitions- und Innovationsstau kann aus Sicht der Fragesteller die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft als Ganzes gefährden.
Unter dem Begriff Industrie 5.0 wird bereits das Zusammenspiel zwischen Menschen und Robotern verstanden. Die Bundesregierung engagiert sich unter dem „Leitbild 2030 für die Industrie 4.0“ besonders mit der „Plattform Industrie 4.0“ im Bereich der Weiterentwicklung der Wirtschaft, wozu regelmäßig Fortschrittsberichte verfasst werden (https://www.plattform-i40.de/PI40/Redaktion/DE/Downloads/Publikation/2020-fortschrittsbericht.html).
Die Entwicklung von Smart Factories und Manufacturing as a Service oder der Skalierung von Industrieproduktion bildet jedoch nur einen Bereich der Wirtschaft. Während große Industrieunternehmen, welche zumeist in den Ballungsräumen ansässig sind, bereits erhebliche Fortschritte bei der Etablierung von intelligenten Produktionslösungen aufweisen, besteht bei mittelständischen Betrieben vor allem im ländlichen Raum noch Nachholbedarf bei der Weiterentwicklung von Produktionsprozessen. Weniger industriell geprägte Landesteile müssen aber ebenso an der technologischen Entwicklung teilhaben können. Aus Sicht der Fragesteller muss deshalb das Thema Wirtschaft 4.0 und 5.0 auch im ländlichen Raum ankommen.
Neben der Bereitschaft der Unternehmen zur Weiterentwicklung von Produktionsprozessen sind aber auch andere Faktoren entscheidend für die Verbreitung der Industrie 4.0 und darüber hinaus. Ohne ausreichende digitale Infrastruktur oder stabile Energienetze laufen Bestrebungen von Unternehmen zum Teil ins Leere. Die Weiterentwicklung der Wirtschaft muss zu dessen Gelingen somit als Gesamtbild betrachtet werden.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen10
Plant die Bundesregierung ausgehend von den Mittelstandskompetenzzentren 4.0, zusätzliche Kompetenzzentren für die Herausforderungen der weiteren technischen Entwicklung 5.0 zu initiieren oder die bestehenden Kompetenzzentren 4.0 um die neuen Themenbereiche zu erweitern?
Welche Anstrengungen unternimmt die Bundesregierung, um im ländlichen Raum die Entwicklung von Industrie 4.0 und 5.0 voranzubringen?
Hält die Bundesregierung die Verfügbarkeit von Gigabitleitungen im ländlichen Raum für ausreichend, um Anwendungen der Industrie 4.0 bzw. 5.0 zu ermöglichen?
Welche Folgen kann daraus resultierend eine ungeeignete digitale Infrastruktur für eine Region bei der Etablierung von neuen Produktionsprozessen resultieren?
Welche Anstrengungen unternimmt die Bundesregierung, um neben der Industrie auch andere Wirtschaftsberieche wie Handel, Handwerk oder Dienstleistungen auf Anforderungen neuer digitaler Prozesse vorzubereiten?
Hat die Bundesregierung die Fachkräftesituation in für die Etablierung digitaler Prozesse relevanten Berufsgruppen und deren Verfügbarkeit für mittelständische Unternehmen bewertet, und wenn ja, mit welchem Ergebnis?
Was unternimmt die Bundesregierung dabei für die Vergrößerung dieses Personenpools?
Welche Herausforderungen für die Rekrutierung von Fachkräften im Bereich Wirtschaft 4.0 und 5.0 sieht die Bundesregierung dabei für mittelständische Unternehmen, und welche Maßnahmen unternimmt die Bundesregierung, diese bei der Fachkräftegewinnung zu unterstützen?
Welche Anstrengungen unternimmt die Bundesregierung, um in Zeiten des Fachkräftemangels gerade in technischen Berufen verstärkt für Aus-, Fort- und Weiterbildung in den Zukunftsbereichen Industrie 4.0 bzw. 5.0 in ländlichen Regionen zu sorgen?
Hat die Bundesregierung die Anwendung und Verbreitung von digitalen Stromzählern (Smart Meter) zur Etablierung von Industrie 4.0 und 5.0 in Hinblick auf die Notwendigkeit zur Installation und als Schnittstelle bewertet?
Inwieweit hat darüber hinaus die langsame Zertifizierung und die damit einhergehend verspätete Markteinführung von Smart Metern den Wandel zur Industrie 4.0 und 5.0 gebremst?
Welche Gefahren gehen nach Einschätzung der Bundesregierung von Spannungsschwankungen im Energienetz, auch nur im sehr geringen Bereich, für die Prozesse der Industrie 4.0 und 5.0 aus?
Bestehen beispielsweise die Möglichkeiten von Schäden an Maschinen oder Produkten?
Wenn ja, auf welchen Akteur fällt hierbei die Haftung?
Inwieweit kann die Bundesregierung Netzstabilität bei zunehmender Einspeisung volatiler Energie gewährleisten?
Hat die Bundesregierung Haftungsrisiken bewertet bei der Praktizierung von Smart Factories bzw. Manufacturing as a Service im Bereich
a) Datenübertragung;
b) Schäden an Maschinen;
c) Umweltschäden?
Hat die Bundesregierung die Produktionskapazitäten von technischen Komponenten zur Erstellung von Produktionen oder Dienstleistungen 4.0 und 5.0 wie Sensoren oder cyberphysischen Systemen in Deutschland und Europa bewertet?
Gibt es im Zuge der Corona-Pandemie Bestrebungen, diese durch Förderprogramme zu steigern?