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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Schließung von Krankenhäusern und Pflegekräftemangel

(insgesamt 8 Einzelfragen)

Fraktion

AfD

Ressort

Bundesministerium für Gesundheit

Datum

22.04.2021

Aktualisiert

06.03.2024

Deutscher BundestagDrucksache 19/2803726.03.2021

Schließung von Krankenhäusern und Pflegekräftemangel

der Abgeordneten Uwe Witt, Detlev Spangenberg, Dr. Robby Schlund, Jörg Schneider, Paul Viktor Podolay, Ulrich Oehme, Jürgen Braun, Dr. Heiko Wildberg, Dr. Christian Wirth, Dr. Axel Gehrke und der Fraktion der AfD

Vorbemerkung

Während sich die deutschen Krankenhäuser weiterhin auf COVID-19-Patienten vorbereiten, wird die Diskussion um den Abbau von Krankenhauskapazitäten zunehmend lauter und intensiver geführt (https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/116857/Diskussion-um-Krankenhausschliessungen-wird-lauter).

Im Jahr 2018 wurden deutschlandweit 1 925 Krankenhäuser gezählt und damit 158 Häuser weniger als noch zehn Jahre zuvor (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/2617/umfrage/anzahl-der-krankenhaeuser-in-deutschland-seit-2000/). Trotz stetig steigender Fallzahlen ist die Gesamtzahl der Krankenhäuser seit Jahren rückläufig (ebd.). Der Trend wird vor allem durch die Schließung von freigemeinnützigen und öffentlichen Krankenhäusern bestimmt (ebd.). Auch die Anzahl verfügbarer Krankenhausbetten ist seit dem Jahr 2000 um über 10 Prozent auf bundesweit rund 498 400 Betten zurückgegangen, wobei die privaten Klinikbetreiber ihre Kapazitäten im gleichen Zeitraum deutlich ausbauen konnten (ebd.).

Auch im Hinblick auf die Corona-Pandemie hält beispielsweise der frühere ärztliche Direktor des Asklepios Klinikums Langen es nicht für angebracht, die Krankenhäuser, die sich weniger oder nicht an der Versorgung von COVID-19-Patienten beteiligt haben, als entbehrlich einzustufen, da es noch weitaus andere Krankheiten gibt, die behandelt werden müssen (https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/116857/Diskussion-um-Krankenhausschliessungen-wird-lauter).

In deutschen Krankenhäusern fehlen mehr als 50 000 Pflegekräfte (Stand: Dezember 2019), dies ist ein erstes Ergebnis der Erprobung eines Pflegepersonalbemessungsinstruments (PPBI), welches vom Deutschen Pflegerat (DPR), der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) und der Gewerkschaft Verdi vorgenommen wurde (https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/108162/Neue-Erhebung-Krankenhaeusern-fehlen-mehr-als-50-000-Pflegekraefte). Eine genaue Zahl, wie viele Pflegekräfte im Krankenhaus jedoch wirklich fehlen, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genannt werden (ebd.).

Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft in Köln könnten in Deutschland in der stationären Versorgung bis zum Jahr 2035 rund 307 000 Pflegekräfte fehlen (Stand: August 2020) (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/172651/umfrage/bedarf-an-pflegekraeften-2025/). Die Versorgungslücke im Pflegebereich könnte sich bis zu diesem Jahr auf insgesamt knapp 500 000 Fachkräfte vergrößern (Stand: August 2020) (ebd.). Der Prognose zum Fachkräftemangel des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln basiert dabei auf Berechnungen des Statistischen Bundesamtes zur Entwicklung der Pflegebedürftigkeit in Deutschland (ebd.). Laut der zweijährlich aktualisierten Pflegestatistik belief sich die Zahl der Pflegebedürftigen 2017 deutschlandweit auf rund 3,4 Millionen Menschen, 70 Prozent mehr als noch zu Beginn des Jahrtausends (ebd.).

Auch für die Zukunft prognostiziert das Statistische Bundesamt eine weitere Zunahme von Pflegebedürftigkeit: bis zum Jahr 2060 erwarten die Experten einen Anstieg auf deutschlandweit rund 4,53 Millionen pflegebedürftige Menschen (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/172651/umfrage/bedarf-an-pflegekraeften-2025/). Ursache hierfür ist vor allem die stetig wachsende Zahl älterer Menschen infolge einer besser werdenden medizinischen Versorgung (ebd.). Der überwiegende Teil der Pflegebedürftigen ist älter als 60 Jahre (ebd.). Die Pflegequote steigt von rund 11 Prozent in der Altersgruppe der über 75-Jährigen auf rund 71 Prozent bei den über 90-Jährigen (ebd.).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen8

1

Wie viele Krankenhäuser mussten in den letzten fünf Jahren schließen (bitte nach Jahren und Bundesländern aufschlüsseln)?

2

Hat die Bundesregierung Erkenntnisse darüber, wie viele Menschen aus Pflegeberufen in den letzten fünf Jahren arbeitslos geworden sind (wenn ja, bitte nach Jahr, Beruf und Zahlen aufschlüsseln)?

3

Hat die Bundesregierung Erkenntnisse darüber, wie viele Menschen aus Pflegeberufen in den letzten fünf Jahren eine Umschulung abgeschlossen haben (wenn ja, bitte nach Jahr, Beruf und Zahlen aufschlüsseln)?

4

Plant die Regierung Maßnahmen, um dem Pflegekräftemangel entgegenzuwirken, vor allem im Hinblick auf die Versorgung von COVID-19-Patienten?

5

Plant die Bundesregierung Maßnahmen, um die Arbeit der Pflegekräfte entsprechend zu unterstützen, vor allem im Hinblick auf die Überbelastung seit der Corona-Pandemie, und wenn ja, welche?

6

Hat die Bundesregierung Kenntnisse darüber, wie viele Mitarbeiter der in den letzten fünf Jahren geschlossenen Krankenhäuser heute weiterhin in medizinischen oder Pflegeberufen arbeiten (wenn ja, bitte ausführen)?

7

Wie viele Mitarbeiter der in den letzten fünf Jahren geschlossenen Krankenhäuser sind heute nach Kenntnis der Bundesregierung arbeitslos?

8

Wie viele Menschen mit abgeschlossenen Berufsausbildungen im Pflegebereich sind nach Kenntnis der Bundesregierung heute arbeitslos?

Berlin, den 25. März 2021

Dr. Alice Weidel, Dr. Alexander Gauland und Fraktion

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