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Kleine AnfrageWahlperiode 20Beantwortet

Wolfsentwicklung, Wolfsrisse, wirksamer Schutz vor Wölfen und Wolfsbejagung

(insgesamt 17 Einzelfragen)

Fraktion

CDU/CSU

Ressort

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz

Datum

21.01.2022

Aktualisiert

26.02.2024

Deutscher BundestagDrucksache 20/34429.12.2021

Wolfsentwicklung, Wolfsrisse, wirksamer Schutz vor Wölfen und Wolfsbejagung

der Fraktion der CDU/CSU

Vorbemerkung

Die Rückkehr des Wolfes nach Europa und Deutschland ist im Sinne des Artenschutzes als Erfolg zu bezeichnen, führt aber gleichzeitig zu erheblichen Problemen und Herausforderungen.

Die Wolfspopulation hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Inzwischen hat sich in einigen Regionen ein guter Erhaltungszustand der Wolfspopulation eingestellt. Gleichzeitig stellt die stete Zunahme des Wolfes die Weidetierhalter, insbesondere die Schaf- und Ziegenhalter, jedes Jahr vor stärkere Probleme. Denn Wolfsübergriffe auf Nutztiere nehmen kontinuierlich zu.

Es sind dabei nicht nur finanzielle Schäden, die die Weidetierhalter erleiden und die ihnen nach den landesrechtlichen Vorschriften zum Teil gar nicht oder nur nach langwierigen und aufwändigen Nachweisen ersetzt werden (Wolfsriss: Land verweigert Schafhalter Entschädigung, Weidetiere statt Wolfsreviere: Tierhalter demonstrierten in Gießen, top agrar online), sondern auch die emotionalen Schäden, da Weidetierhalter eine besondere Verbindung zu ihren Tieren haben. Die finanziellen Verluste der Wolfsrisse sind für einzelne Weidetierhalter enorm, denn der Wolf tötet bei Übergriffen nicht lediglich einzelne Tiere zur Nahrungsaufnahme, sondern es kommt vermehrt zu Mehrfachtötungen, bei denen beim Wolf stets aufs Neue der Beutefangreflex ausgelöst wird.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen17

1

Wie viele Wolfsrudel, Wolfspaare sowie sesshafte Einzelwölfe leben aktuell in Deutschland, wie hat sich die Wolfspopulation in Deutschland in den Jahren 2010 bis 2021 entwickelt (bitte nach Bundesländern aufschlüsseln), und wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Wolfspopulation im gleichen Zeitraum in den EU-Mitgliedstaaten entwickelt?

2

Wie begründet sich nach Kenntnis der Bundesregierung die aktuell zugrunde gelegte Populationsunterscheidung bei Wölfen innerhalb der Europäischen Union?

3

In welchem Umfang sind nach Kenntnis der Bundesregierung Wanderungsbewegungen und Durchmischungen der Populationen der Tiere (z. B. zwischen der mitteleuropäischen Flachlandpopulation und beispielsweise der Karelisch-Baltischen Population oder der Alpenpopulation) zu beobachten?

4

a) Welche Berücksichtigung findet der westpolnische Wolfsbestand, der gemeinsam mit dem Wolfsbestand in Deutschland als mitteleuropäische Flachlandpopulation zusammengefasst wird, in Hinblick auf den Erhaltungszustand des Wolfes in Deutschland?

b) In welcher Weise findet eine Zusammenarbeit der deutschen und polnischen Behörden beim Monitoring der gemeinsamen Wolfspopulation statt?

5

Gibt es Überlegungen innerhalb der Bundesregierung und nach Kenntnis der Bundesregierung innerhalb der Europäischen Union, die Unterscheidung der Populationen aufgrund von Wanderungsbewegungen und damit einhergehende genetische Durchmischung der Tiere als Grundlage für die Feststellen des guten Erhaltungszustandes auf den Prüfstand zu stellen, und wenn nein, warum nicht?

6

In welchen EU-Mitgliedstaaten wurde nach Kenntnis der Bundesregierung der günstige Erhaltungszustand bereits erreicht, und ab wie vielen Rudeln wird der günstige Erhaltungszustand in Deutschland erreicht sein?

7

Welche Maßnahmen zum Bestandsmanagement werden nach Kenntnis der Bundesregierung in den EU-Mitgliedstaaten ergriffen, in denen der günstige Erhaltungszustand des Wolfes erreicht wurde, um diesen auf dem gleichen Level zu halten?

8

Wann wird in Deutschland der günstige Erhaltungszustand erreicht, wenn man die aktuelle Populationsdynamik zugrunde legt?

9

Welche Bedeutung hat die Weidetierhaltung in Deutschland für die Erzeugung von hochwertigen Lebensmitteln, die Verbesserung des Tierwohls, den Umwelt- und Naturschutz, den Küsten- und Hochwasserschutz, die Landschaftspflege und den Klimaschutz?

10

Wie viele Wolfsrisse gab in den Jahren 2010 bis 2021 Deutschland, aufgeschlüsselt nach Jahr, Nutztierart und Bundesland, und wie hoch waren die Schäden insgesamt, und wie hoch die entsprechend gezahlten Entschädigungen insgesamt und pro Tier?

11

Wie viele Weidetierhalter haben aufgrund von Wolfsrissen, aufgeschlüsselt nach Bundesländern und Jahreszahl, ihre Tätigkeit in den Jahren 2010 bis 2020 aufgeben müssen oder waren gezwungen ihre Tiere hauptsächlich im Stall zu halten?

12

Wie hoch belaufen sich die Kosten für die Wolfsschutzmaßnahmen seit 2010, insgesamt und aufgeschlüsselt nach finanziellen Zuschüssen durch den Bund sowie nach Kenntnis der Bundesregierung Eigenleistungen durch die Weidetierhalter?

13

Wie viele Wolfsrisse gab es nach Kenntnis der Bundesregierung in den Jahren 2010 bis 2021 in den EU-Mitgliedstaaten, aufgeschlüsselt nach EU-Mitgliedsstaat, Jahreszahl und Nutztierart?

14

Wie viele Wolfsentnahmen gab es in den Jahren 2010 bis 2021 in Deutschland, aufgeschlüsselt nach Bundesländern und Begründung der Ausnahmegenehmigung zur Entnahme, und nach Kenntnis der Bundesregierung in den EU-Mitgliedstaaten, aufgeschlüsselt nach EU-Mitgliedstaaten?

15

Ist vor dem Hintergrund, dass bisher weder auf Ebene der Bundesländer noch auf Bundesebene konkrete Kennzahlen für das Erreichen des guten Erhaltungszustandes des Wolfes bekanntgegeben wurden, daher im Rückschluss davon auszugehen, dass die Bundesregierung die gesamte Fläche der Bundesrepublik (ländliche und urbane Siedlungsflächen, ebenso wie Kulturlandschaften und Schutzgebiete, inklusive der Regionen mit einer ausgeprägten Weidetierhaltung) als geeignetes Wolfsterritorium sieht, und kann also nur bei einer flächendeckenden Besiedlung Deutschlands durch den Wolf ein günstiger Erhaltungszustand erreicht werden, oder, und wenn ja, unter welchen Bedingungen, ist eine Zonierung in „Wolfsschutzgebiete“ und „Wolfsmanagementgebiete“, wie dies auch in anderen Staaten der Europäischen Union, beispielsweise in Schweden, Finnland und Frankreich, praktiziert wird (Wolf Wildtiermanagement – Handlungsvorschlag für ein praxisorientiertes Wolfsmanagement in der Kulturlandschaft Deutschlands, Aktionsbündnis Forum Natur, Mai 2019), denkbar und gegebenenfalls wünschenswert?

16

Hat die Bundesregierung Erkenntnisse, wie oft Wölfe bei der Tötung von Nutztieren bestehende Schutzmaßnahmen überwunden haben, und wenn ja welche Schutzmaßnahmen haben dabei die größte Wirkung entfaltet, und welche Schutzmaßnahmen die geringste Wirkung?

17

In welchen EU-Mitgliedstaaten wurde nach Kenntnis der Bundesregierung der Wolf in das Jagdrecht aufgenommen?

Berlin, den 22. Dezember 2021

Ralph Brinkhaus, Alexander Dobrindt und Fraktion

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