Auswirkungen hochverarbeiteter vegetarischer Lebensmittel auf die menschliche Gesundheit
der Abgeordneten Peter Felser, Stephan Protschka, Frank Rinck, Bernd Schattner, Dietmar Friedhoff, Steffen Janich, Enrico Komning, Uwe Schulz und der Fraktion der AfD
Vorbemerkung
Die Zahl der Menschen in Deutschland, die sich selbst als Vegetarier einordnen, lag im Jahr 2021 bei 7,5 Millionen und somit um 1 Million höher als ein Jahr zuvor (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/173636/umfrage/lebenseinstellung-anzahl-vegetarier/). Demgegenüber ordneten sich laut einer Umfrage im Jahr 2021 1,4 Millionen Menschen als Veganer ein, was einen Zuwachs zum Vorjahr von 280 000 Personen ausmacht (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/445155/umfrage/umfrage-in-deutschland-zur-anzahl-der-veganer/). Paradoxerweise zeichnet sich der Anstieg an alternativen Ernährungsweisen im Einzelhandel durch ein breites Angebot bei pflanzenbasierten Ersatzprodukten für tierische Lebensmittel wie Käse, Milch, Wurst und auch Fleisch aus. So verzeichnete die Gruppe der Fleischersatzprodukte im Jahr 2021 einen Produktionsanstieg von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr (https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2022/05/PD22_N025_42.html#:~:text=Im%20Jahr%202021%20betrug%20der,fache%20des%20Wertes%20der%20Fleischersatzprodukte). Bei den Milchalternativen dominierte beispielsweise der Absatz von Hafermilch, die im Jahr 2021 einen Marktanteil in dieser Kategorie von über 55 Prozent ausmachte und gegenüber dem Vorjahr fast 10 Prozent Zuwachs zeigte (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1297316/umfrage/absatzverteilung-von-milchersatzprodukten-nach-art/#:~:text=Absatzverteilung%20von%20Milchersatzprodukten%20nach%20Art%20bis%202021&text=Gemessen%20am%20Absatz%20ist%20Hafer,Marktanteil%20gegen%C3%BCber%20dem%20Vorjahr%20ausbauen).
Viele dieser Waren haben jedoch ein schlechtes Nährwert- und Nährstoffprofil und werden durch Zusatz vieler einzelner homogener Komponenten an die Textur und den Geschmack der ursprünglichen und natürlichen Lebensmittel herangeführt (https://dge.de/blog/2022/05/12/hochverarbeitete-lebensmittel/). Durch die Verwendung billiger Zutaten, wie hydrolysierte Öle, Glucose-Fructose-Sirup, Proteinisolate und viele weitere Zusatzstoffe, sind die genannten Produkte zudem hoch profitabel für die Hersteller (ebd.). Die gesundheitlichen Nachteile tragen jedoch die Konsumenten, denn eine Ernährung mit vielen stark verarbeiteten Lebensmitteln geht im Vergleich zu einer Ernährung mit unverarbeiteten Lebensmitteln mit einer signifikant höheren Energieaufnahme und einer Gewichtszunahme einher (ebd.). Hier knüpft auch die Bundesregierung in ihrer Nationalen Innovations- und Reduktionsstrategie an, mit der sie dafür sorgen möchte, dass verarbeitete Lebensmittel gesünder werden (https://www.bmel.de/DE/themen/ernaehrung/gesunde-ernaehrung/reduktionsstrategie/reduktionsstrategie-zucker-salz-fette.html).
Aus einer kürzlich veröffentlichten Studie der US-amerikanischen Loma Linda University Health aus Kalifornien geht sogar hervor, dass eine vegetarische Ernährung mit einem hohen Anteil an stark verarbeiteten Lebensmitteln, wie vor allem Softdrinks, Süßigkeiten aber auch Fleischersatzprodukte, das Sterblichkeitsrisiko stärker erhöht als eine Ernährung mit rotem Fleisch (https://academic.oup.com/ajcn/article-abstract/115/6/1589/6535558). Es zeigte sich, dass Menschen, die 50 Prozent ihrer Gesamtkalorien aus hochverarbeiteten Lebensmitteln aufnahmen, eine um 14 Prozent erhöhte Sterblichkeit, verglichen mit Personen, die nur 12,5 Prozent ihrer Gesamtkalorien aus derselben Lebensmittelauswahl bezogen, aufweisen (ebd.). Personen, die hingegen täglich 40 Gramm rotes Fleisch konsumierten, steigerten ihr Sterblichkeitsrisiko nur um 8 Prozent. Vorausgesetzt, dass stark verarbeitete Lebensmittel nahezu gänzlich gemieden wurden (ebd.). Die Ergebnisse beschreiben in der Summe, dass der Anteil stark verarbeiteter vegetarischer Lebensmittel in der täglichen Ernährung mit Bezug auf das Sterblichkeitsrisiko mehr Gewicht hat als der Anteil an tierischen Lebensmitteln (ebd.). Weitere Nachteile stark verarbeiteter Lebensmittel ergeben sich zudem für die Nachhaltigkeit des gesamten Lebensmittelsystems, weil die Produktion stark verarbeiteter Lebensmittel mit einer intensiven Landwirtschaft verbunden ist. Auch negative kulturelle und sozioökonomische Auswirkungen, wie die Verdrängung traditioneller Zubereitungsverfahren und Mahlzeiten und die Gefährdung der Existenz von kleinbäuerlichen Strukturen durch das Monopol transnationaler Großkonzerne, werden ihnen zugeschrieben (ebd.).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen23
Ist der Bundesregierung die in der Vorbemerkung der Fragesteller aufgezeigte Studie der US-amerikanischen Loma Linda University Health aus Kalifornien bekannt, und wenn ja, hat sie sich dazu eine Positionierung erarbeitet (welche Rückschlüsse zieht die Bundesregierung ggf. aus den Ergebnissen für ihr eigenes Handeln hinsichtlich ihrer Ernährungspolitik)?
Wie schätzt die Bundesregierung das allgemeine Risiko für deutsche Verbraucher hinsichtlich des Konsums hochverarbeiteter Lebensmittel ein?
a) Wie wird das Risiko für die Ernährungsweise der Vegetarier eingeschätzt?
b) Wie wird das Risiko für die Ernährungsweise der Veganer eingestuft?
Möchte die Bundesregierung, wenn ihr die Studie bekannt ist, die Ergebnisse der Studie der Loma Linda University Health aufgrund der ernährungsmedizinischen Relevanz mit in den laufenden Prozess der Reduktions- und Innovationsstrategie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) mit einfließen lassen?
a) Wenn ja, welchen Stellenwert werden die Ergebnisse in der Strategie einnehmen?
b) Wenn nein, was hindert die Bundesregierung daran, die Resultate zu berücksichtigen?
Möchte die Bundesregierung, wenn ihr die Studie bekannt ist, die vorliegenden Ergebnisse der Studie der Loma Linda University Health aufgrund der ernährungsmedizinischen Relevanz mit in die geplante Ernährungsstrategie einbinden?
a) Wenn ja, in welcher Art und Weise werden die Resultate Berücksichtigung finden?
b) Wenn nein, warum sollen die Studienergebnisse nicht genutzt werden?
Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie viele Vegetarier in Deutschland tatsächlich regelmäßig hochverarbeitete Lebensmittel (NOVA-Klassifikation der Lebensmittel, NOVA-Gruppe 4) konsumieren, und wenn ja, wie hoch ist der Anteil am Gesamtkollektiv, und welche Lebensmittel haben hier den größten Anteil?
Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie viele Veganer in Deutschland tatsächlich regelmäßig hochverarbeitete Lebensmittel (NOVA-Klassifikation der Lebensmittel, NOVA-Gruppe 4) konsumieren, und wenn ja, wie hoch ist der Anteil am Gesamtkollektiv, und welche Lebensmittel haben hier den größten Anteil?
Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie viele Mischköstler in Deutschland tatsächlich regelmäßig hochverarbeitete Lebensmittel (NOVA-Klassifikation der Lebensmittel, NOVA-Gruppe 4) konsumieren, und wenn ja, wie hoch ist der Anteil am Gesamtkollektiv, und welche Lebensmittel haben hier den größten Anteil?
Unterstützt die Bundesregierung innovative Projekte in der Ernährungsindustrie, die für die Herstellung von hochverarbeiteten Lebensmitteln Verwendung finden sollen oder bereits gefunden haben, und wenn ja, welche Projekte sind hier zu nennen (bitte nach Projekt, Projektnehmer, Dauer des Projektes und Art der Unterstützung durch die Bundesregierung aufschlüsseln)?
Plant die Bundesregierung, die ansprechenden Verpackungen sowie die intensiven Vermarktungspraktiken durch die Hersteller für hochverarbeitete Lebensmittel (https://dge.de/blog/2022/05/12/hochverarbeitete-lebensmittel/) gesetzlich einzuschränken?
a) Wenn ja, in welcher Art und Weise sollen die Verpackung und die Vermarktung beschränkt werden?
b) Wenn nein, was hindert die Bundesregierung an einer Reglementierung bei den Herstellern?
Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie viel Umsatz jährlich mit hochverarbeiteten Lebensmitteln (NOVA-Klassifikation der Lebensmittel, NOVA-Gruppe 4) in Deutschland, in Europa und weltweit generiert wird, und wenn ja, welche Lebensmittel und Lebensmittelgruppen sind hier zu nennen, und durch welche Unternehmen werden sie produziert?
Ist der Bundesregierung bekannt, welche Länder die hauptsächlichen Importeure hochverarbeiteter Lebensmittel (NOVA-Klassifikation der Lebensmittel, NOVA-Gruppe 4) seit dem Jahr 2019 sind, und wenn ja, in welcher Größenordnung werden diese Lebensmittel und Lebensmittelgruppen eingekauft (bitte nach Jahr, Art und Menge des Lebensmittels, Produzent und Importeur aufschlüsseln)?
Gibt es Bedenken seitens der Bundesregierung hinsichtlich nicht untersuchter langfristiger, aber auch durch Kombination mehrerer Zusatzstoffe ausgelöster negativer gesundheitlicher Wirkungen infolge eines Konsums hochverarbeiteter Lebensmittel (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
Welche negativen gesundheitlichen Auswirkungen sind der Bundesregierung ggf. bekannt, die mit dem Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel einhergehen?
Bei wie vielen der in Deutschland vermarkteten hochverarbeiteten Lebensmittel handelt es sich nach Kenntnis der Bundesregierung um pflanzliche Milchersatzprodukte?
Wie groß ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil pflanzlicher Fleischersatzprodukte in der Gruppe der hochverarbeiteten Lebensmittel?
Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie In-vitro-Fleisch (Laborfleisch) und Eier aus Pflanzenprotein nach der NOVA-Klassifikation von Lebensmitteln einzustufen sind?
a) Wenn ja, wie sind diese Produkte einzuordnen?
b) Wenn nein, warum kann die Bundesregierung keine Angaben machen?
Hat die Bundesregierung die hoch heterogene Gruppe der hochverarbeiteten Lebensmittel für zukünftige politische Prozesse und Empfehlungen bereits untersuchen lassen oder plant sie, dies zu tun?
a) Wenn ja, gibt es schon erste Ergebnisse zu berichten, und wie sehen diese im Detail aus?
b) Wenn nein, warum möchte die Bundesregierung bei einer ernährungsphysiologisch brisanten Thematik nichts unternehmen?
Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie viel der weltweit angebauten Monokulturen bei Reis, Weizen, Mais und Kartoffeln im Ergebnis für die Herstellung von hochverarbeiteten Lebensmitteln eingesetzt werden (ggf. ausführen)?
Welche Kulturpflanzenarten beziehungsweise deren Inhaltsstoffe werden nach Kenntnis der Bundesregierung für die Produktion hochverarbeiteter Lebensmittel eingesetzt?
a) Wie groß ist die jeweilige Anbaufläche dieser Kulturpflanzen?
b) Welche zu fraktionierenden Bestandteile werden aus ihnen hergestellt?
c) In welchen Lebensmitteln werden die einzelnen Stoffe verwendet?
Welchen Anteil an den weltweiten Treibhausgasemissionen hat nach Kenntnis der Bundesregierung die Kultur von Pflanzen, die in der Produktion hochverarbeiteter Lebensmittel genutzt werden?
a) Welchen Anteil am weltweiten Wasserverbrauch haben diese Pflanzen nach Kenntnis der Bundesregierung?
b) Welchen Anteil an der Landnutzung nehmen nach Kenntnis der Bundesregierung Kulturen ein, die für die Herstellung hochverarbeiteter Lebensmittel gedacht sind?
Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil von hochverarbeiteten Lebensmitteln an ernährungsbedingten Umwelteffekten global?
Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil von hochverarbeiteten Lebensmitteln an ernährungsbedingten Umwelteffekten in Deutschland?
Plant die Bundesregierung eine Art Vermeidungsstrategie, wie Warnhinweise auf Verpackungen, Verbot einer Ausgabe an Schulen oder auch steuerliche Anreize für hochverarbeitete Lebensmittel in Deutschland einzuführen, und wenn ja, wie sieht diese Strategie aus, und wann wird sie eingeführt?