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Kleine AnfrageWahlperiode 20Beantwortet

Der geplante Bau des Edo Museum of West African Art in Benin City und die Rolle des historischen Königreiches Benin im Sklavenhandel

(insgesamt 17 Einzelfragen)

Fraktion

AfD

Ressort

Auswärtiges Amt

Datum

20.09.2022

Aktualisiert

13.11.2024

BT20/325406.09.2022

Der geplante Bau des Edo Museum of West African Art in Benin City und die Rolle des historischen Königreiches Benin im Sklavenhandel

Kleine Anfrage

Volltext (unformatiert)

[Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Marc Jongen, Martin Erwin Renner, Dr. Götz Frömming, Matthias Moosdorf und der Fraktion der AfD Der geplante Bau des Edo Museum of West African Art in Benin City und die Rolle des historischen Königreiches Benin im Sklavenhandel In der Gemeinsamen Erklärung zur Rückgabe der Benin-Bronzen und zur bilateralen Museumszusammenarbeit, die Deutschland und Nigeria am 1. Juli 2022 unterzeichneten, haben sich beide Seiten verpflichtet, den Aufbau von Museumseinrichtungen in Benin City zu unterstützen (https://www.bundesregierun g.de/resource/blob/974430/2059172/6d587c95c56499eaa385ba6d35bb720b/20 22-07-01-joint-declaration-benin-bronzes-data.pdf?download=1, S. 3, Nummer 8; letzter Zugriff: 23. August 2022). Die Pläne für den Bau eines Museumspavillons, des ersten Abschnitts des geplanten Edo Museum of West African Art (EMOWAA), soll laut Medienberichten mittlerweile öffentlich vorgestellt worden sein (https://www.welt.de/kultur/kunst/article240694397/Restituti on-der-Benin-Bronzen-an-Nigeria-Gute-Gruende-gegen-diese-uebereilte-Restit ution-zu-sein.html; letzter Zugriff: 29. August 2022). Laut Medienberichten hat sich unterdessen eine Protestbewegung gegen den Bau des EMOWAA formiert, die die Errichtung eines Königlichen Museums in Benin City fordert (https://www.vanguardngr.com/2022/07/benin-artefacts-you ths-defy-rain-protest-against-obasekis-emowaa/; letzter Zugriff: 23. August 2022). Der Oba von Benin habe vorgeschlagen, vor dem Palast ein Königliches Museum von Benin zu errichten, das Touristen das ganze Jahr über besuchen könnten (https://www.vanguardngr.com/2022/07/benin-artefacts-row-over-ne w-home/; letzter Zugriff: 23. August 2022). Medienberichte zitierten den Direktor der Nationalen Museums- und Denkmalskommission Nigerias in diesem Zusammenhang mit den Worten, dass die Bundesregierung Nigerias „den Bau eines königlichen Palastmuseums beschleunigen“ werde, „in dem die aus Deutschland zurückgeführten Benin-Bronze-Artefakte aufbewahrt werden sollen“ (https://www.welt.de/kultur/kunst/plus237869519/Bedingungslose-Rueckg abe-der-Benin-Bronzen-an-wen-jetzt-An-die-Clans.html; letzter Zugriff: 23. August 2022). Augenscheinlich gibt es eine Kontroverse zwischen der Regierung des Bundesstaates Edo, dass das EMOWAA – bei dem die Bundesregierung im Juli 2021 zugesagt hat, sich mit 4,5 Mio. Euro beteiligen zu wollen (https://www.auswaer tiges-amt.de/de/newsroom/-/2470342; letzter Zugriff: 23. August 2022) – als Museum für die restituierten Artefakte nutzen will, und dem Oba von Benin, der sich laut Medienberichten, offenbar unterstützt durch die nigerianische Bundesregierung (https://www.vanguardngr.com/2022/07/benin-artefacts-row- over-new-home/; letzter Zugriff: 29. August 2022), den Zugriff auf die aus Deutschland restituierten Artefakte aus dem historischen Königreich Benin zu Deutscher Bundestag Drucksache 20/3254 20. Wahlperiode 06.09.2022 sichern sucht (https://www.vanguardngr.com/2022/07/benin-artefacts-row-ove r-new-home/; letzter Zugriff: 23. August 2022). Medienberichte wiesen darauf hin, dass sich die Bundesregierung Nigerias „über den Generaldirektor der Nationalen Kommission für Museen und Denkmäler (NCMM), Prof. Abba Tijani, aktiv für die „Rückgabe (…) nigerianischer Artefakte“ einsetzt. Prof. Abba Tijani sei derjenige gewesen, „der im Namen der Bundesregierung [Nigerias] die beiden im Februar [2022 an Nigeria] zurückgegebenen Artefakte [seitens britischer Universitäten] entgegennahm und sie dem Oba von Benin übergab und versprach, dass die Bundesregierung [ Nigerias] entschlossen sei, alle im Ausland gelagerten nigerianischen Kunstwerke zurückzuholen“ (https://www.vanguardngr.com/2022/07/benin-artefacts-row-o ver-new-home/; https://www.welt.de/kultur/kunst/article240694397/Restitutio n-der-Benin-Bronzen-an-Nigeria-Gute-Gruende-gegen-diese-uebereilte-Restitu tion-zu-sein.html; letzter Zugriff: 29. August 2022). Die Gefahr, dass die restituierten Benin-Bronzen aus deutschen Museen damit letztlich doch in private Hände – konkret in die Hände der Familie des Oba – gelangen und somit der Öffentlichkeit entzogen werden könnten, steht deshalb aus Sicht der Fragesteller stärker denn je im Raum (https://www.welt.de/kultur/ kunst/plus237869519/Bedingungslose-Rueckgabe-der-Benin-Bronzen-an-wen- jetzt-An-die-Clans.html; letzter Zugriff: 25. August 2022; siehe auch die Antwort der Bundesregierung zu Frage 6, S. 3 auf Bundestagsdrucksache 20/1561). Sollte es dazu kommen, dürfte nach Auffassung der Fragesteller mit einiger Sicherheit auch die Rolle des historischen Königreiches Benin im innerafrikanischen und transatlantischen Sklavenhandel keine Erwähnung finden. Die Fragesteller halten die Erinnerung an den Sklavenhandel und die Rolle, die Benin in diesem Handel spielte, für ein unabdingbares Desiderat, das im kollektiven Gedächtnis verankert gehört. In diesem Zusammenhang sei auch darauf verwiesen, dass das Kupfer der Benin-Bronzen aus Europa stammte. Laut einer Studie des Ethnologen Jürgen Zwernemann ermöglichte „die ständige Einfuhr von Gussmaterial durch europäische Kaufleute“ den „Aufschwung und damit die Luxurierung der Beninkunst“. Zahlungsmittel der Händler waren „Manillen“ (Arm- oder Fußringe), mit denen Sklaven von afrikanischen Sklavenhändlern gekauft wurden. Aus dem Metall schufen die Bronzegießer des historischen Königreiches Benin ihre Kunstwerke (https://www.zobodat.at/pdf/ Matreier-Gespraeche_2002a_0169-0178.pdf; letzter Zugriff: 24. August 2022). Die düstere Rolle Benins im Sklavenhandel wird seit kurzem von der in New York ansässigen Restitution Study Group (RSG) thematisiert. Diese Initiative, im Jahre 2000 von Deadria Farmer-Paellmann gegründet, wendet sich strikt gegen die auch von der Bundesregierung unterstützte und beförderte Restitution von Artefakten aus dem historischen Königreich Benin, weil damit laut Medienberichten nur diejenigen bereichert werden, „deren Vorfahren im Königreich Benin am transatlantischen Handel mit versklavten Menschen verdient hätten“ (https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/edition/benin-bronzen-streit-um-die-kun st-der-sklavenhaendler-18248578.html; letzter Zugriff: 23. August 2022). Die RSG versteht sich als laut der Netzseite History reclaimed (https://historyreclai med.co.uk/about-history-reclaimed/; letzter Zugriff: 23. August 2022) als eine Initiative, die „im Namen von Nachkommen versklavter Menschen in den Vereinigten Staaten, der Karibik und Großbritannien spricht“ (https://historyreclai med.co.uk/restitution-study-group/; letzter Zugriff: 23. August 2022). Diese Nachkommen machen ein „Miteigentumsrecht“ an den Artefakten aus dem historischen Königreich Benin geltend und wenden sich „ausdrücklich“ gegen deren Überführung nach Nigeria (https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/edition/be nin-bronzen-streit-um-die-kunst-der-sklavenhaendler-18248578.html). Diese Artefakte seien ihrer Meinung nach der „Reichtum und das Vermächtnis der Nachkommen der Sklaven, nicht der Sklavenhändler“ (https://historyreclaimed. co.uk/restitution-study-group/). „Wir wollen“, so die RSG explizit, „dass unsere Kinder und die Welt diese Schätze sehen und ihren Ursprung im Sklavenhandel kennenlernen“ (ebd.). Die RSG fordert, dass die europäischen und US- amerikanischen Museen die Bronzen „treuhänderisch verwalten“ und die Bronzen nicht nach Nigeria überführt werden sollten (https://historyreclaimed.co.uk/ restitution-study-group/; letzter Zugriff: 23. August 2022). Dieser Vorschlag wurde im Übrigen sinngemäß bereits auch von dem Philosophen Kwame A. Appiah vorgebracht (vgl. https://www.art-critique.com/en/2018/12/whose-cultu re-is-it/; letzter Zugriff: 24. August 2022). Grundsätzliche Zweifel an der Herschenkung der Benin-Bronzen an Nigeria meldete auch der renommierte britische Historiker Robert Tombs an, der feststellte, dass die „Befürworter der Rückführung“ recht hätten, wenn sie sagten, „dass es hier um eine Grundsatzfrage geht. Aber ich glaube, es ist das Gegenteil von dem, was sie behaupten.“ Warum, sollten „auch nur symbolische Reparationen an die Erben der Sklavenhändler“ geleistet werden? Diese Frage sei „offenbar zu beunruhigend für die Dogmen der ,Entkolonialisierung‘, die viele Mitglieder unseres heutigen intellektuellen Establishments als Vehikel für ihre eigenen politischen und kulturellen Ressentiments übernommen haben“ (https://www.spiked-online.com/2022/08/09/the-bloody-truth-about-the-benin- bronzes/; letzter Zugriff: 1. September 2022). Vor diesem Hintergrund ist die Klärung der Frage, ob die Erhellung der Rolle des historischen Königreiches Benin im Sklavenhandel Teil der Konzeption des EMOWAA ist und inwieweit die Thematisierung dieser Rolle seitens der Bundesregierung in den Verhandlungen mit Nigeria aktiv eingefordert wurde, ein Ziel dieser Initiative der Fragesteller (https://www.welt.de/kultur/kunst/plus 237869519/Bedingungslose-Rueckgabe-der-Benin-Bronzen-an-wen-jetzt-An-d ie-Clans.html; letzter Zugriff: 23. August 2022). Ungeachtet all dieser drängenden Fragen hat die Bundesregierung mit der Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rückgabe der Benin-Bronzen und zur bilateralen Museumszusammenarbeit bereits Fakten geschaffen und damit die Eigentumsübertragung von deutschen Museen, die Artefakte aus dem historischen Königreich Benin in ihrem Sammlungsbestand haben, an Nigeria in die Wege geleitet. Kommt es zu einer Eigentumsübertragung aller Artefakte aus dem historischen Königreich Benin in deutschen Museen (https://www.bun desregierung.de/resource/blob/974430/2059172/6d587c95c56499eaa385ba6d3 5bb720b/2022-07-01-joint-declaration-benin-bronzes-data.pdf?download=1, S. 3, Nummer 3; letzter Zugriff: 23. August 2022) – und danach sieht es nach der Vertragsunterzeichnung zwischen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) und der nigerianischen National Commission for Museums and Monuments (NCMM) am 25. August 2022 aus, in dem die Eigentumsübertragung aller Artefakte aus dem historischen Königreich Benin in den Sammlungen der SPK fixiert wurde (http://nachrichten.btg/index.php/news/index/show/tnews/up date//fID/MQ%3D%3D/suchbegriffe/cGFyemluZ2Vy/boost/NDAw/filter/Tmlj aHQgYWt0aXY%3D; letzter Zugriff: 26. August 2022) –, hat die deutsche Seite keinerlei Einfluss auf den Verbleib der und den Umgang mit den Benin- Bronzen mehr. Dass dies genau so gewollt ist, unterstrich die Staatsministerin für Kultur und Medien Claudia Roth mit ihrer Aussage, diese „Rückgabe“ habe „Vorbildcharakter für alle Museen in Deutschland“, „die Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten besitzen“ (ebd.). Die Fragesteller halten fest, dass die faktische Herschenkung der Bronzen, deren Wert mit Blick auf die deutschen Museumssammlungen als „unschätzbar“ zu taxieren ist (https://www.rbb24.de/kultu r/beitrag/2021/04/benin-bronzen-berlin-humboldt-forum-nigeria-stiftung-preus sischer-kulturbesitz.html; letzter Zugriff: 24. August 2022), einmal an ein Junktim gebunden worden ist, das der deutschen Seite ein Mindestmaß an Einflussmöglichkeiten im Hinblick auf deren weiteren Verbleib sichert, wie zum Beispiel in der Frage der Sichtbarmachung der Opfer des Sklavenhandels durch das historische Königreich Benin in Westafrika. (Alle Übersetzungen ins Deutsche, auch im Frageteil, erfolgten durch die Fragesteller.) Wir fragen die Bundesregierung:  1. Kann die Bundesregierung Medienberichte bestätigen, aus denen hervorgeht, dass der erste Abschnitt des Baus des Edo Museum Of West African Art (EMOWAA) in Benin City mittlerweile in Form der Vorstellung der Pläne für den Bau eines Museumspavillons in Angriff genommen worden ist (https://www.welt.de/kultur/kunst/article240694397/Restitution-der-Be nin-Bronzen-an-Nigeria-Gute-Gruende-gegen-diese-uebereilte-Restitutio n-zu-sein.html; letzter Zugriff: 29. August 2022)? a) Wenn ja, kann die Bundesregierung hierzu nähere Angaben machen (bitte auch angeben, ob die Bundesregierung Informationen darüber hat, wann genau der Beginn der Bauarbeiten des sogenannten Museumspavillons „mit speziellen Schaudepots, Ausstellungsbereichen, Studiensälen und Räumen für Begegnung und Austausch“ geplant ist, in dem Objekte zu sehen sein sollten, die sich derzeit „noch in Berlin befinden“; https://www.preussischer-kulturbesitz.de/pressemitteilung.htm l?tx_news_pi1%5Bday%5D=08&tx_news_pi1%5Bmonth%5D=07&t x_news_pi1%5Bnews%5D=11463&tx_news_pi1%5Byear%5D=2021 &cHash=0c3d7123360257fadc15c6060be5d7ff; letzter Zugriff: 25. August 2022)? b) Wenn nein, warum hat die Bundesregierung hierzu keine Erkenntnisse?  2. Sind der Bundesregierung die Aktivitäten des Oba von Benin, ein Königliches Museum in Benin City errichten zu wollen, das aus Deutschland restituierte Artefakte aus dem historischen Königreich Benin aufbewahren soll (https://www.welt.de/kultur/kunst/plus237869519/Bedingungslose-Ru eckgabe-der-Benin-Bronzen-an-wen-jetzt-An-die-Clans.html; letzter Zugriff: 23. August 2022) bekannt, und hat sie sich dazu eine Positionierung erarbeitet (wenn ja, bitte ausführen)? Kann die Bundesregierung ggf. nähere Angaben zum Sachstand dieses Projekts machen?  3. Sieht die Bundesregierung, wenn die Frage 2 bejaht wurde, das in der Frage 2 angesprochene Königliche Museum als Konkurrenz für das EMO- WAA an, und zwar dergestalt, dass dieses Projekt den Bau des EMOWAA überflüssig machen könnte? a) Wenn ja, aufgrund welcher Erkenntnisse kommt die Bundesregierung zu dieser Einschätzung (bitte auch ausführen, welche Konsequenzen dies für die zugesagte Unterstützung der Bundesregierung beim Bau des EMOWAA haben würde)? b) Wenn nein, warum sieht die Bundesregierung den möglichen Bau eines Königlichen Museums nicht als Konkurrenz für das EMOWAA an?  4. Hat die Bundesregierung Kenntnisse von den Aktivitäten einer Coalition of Benin Socio-Cultural Organizations, die laut Medienberichten „auch nicht vor Gewalt zurückschrecken würde“ und die Errichtung eines Königlichen Museums fordert, das unter der Schirmherrschaft des Oba steht (https://www.welt.de/kultur/kunst/article240694397/Restitution-der-Beni n-Bronzen-an-Nigeria-Gute-Gruende-gegen-diese-uebereilte-Restitution-z u-sein.html; https://germany.detailzero.com/art/74879/Restitution-of-the-B enin-Bronzes-to-Nigeria-Good-reasons-to-be-against-this-hasty-restitutio n.html; letzter Zugriff: 29. August 2022)? Wenn ja, welche Schlussfolgerungen hat die Bundesregierung im Hinblick auf die Aktivitäten der Coalition of Benin Socio-Cultural Organizations im Hinblick auf das weitere Prozedere der Restitution der Benin-Bronzen an Nigeria gezogen?  5. Teilt die Bundesregierung die Aussage des Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), Prof. Dr. Hermann Parzinger, gemäß der der „Stand des EMOWAA (…) keine Bedingung für die Rückgabe“ sei (https://www.welt.de/kultur/kunst/article240694397/Restitution-der-Beni n-Bronzen-an-Nigeria-Gute-Gruende-gegen-diese-uebereilte-Restitution-z u-sein.html; letzter Zugriff: 29. August 2022)? a) Wenn ja, muss daraus geschlossen werden, dass es für die Bundesregierung nach einer Rückgabe der Artefakte nicht mehr von Interesse ist, wohin in Nigeria die restituierten Artefakte aus dem historischen Königreich Benin aus deutschen Museumssammlungen gehen? b) Wenn nein, welche Maßnahmen hat die Bundesregierung ergriffen, damit die restituierten Artefakte aus dem historischen Königreich Benin aus deutschen Museumssammlungen im Museumspavillon des EMO- WAA beherbergt werden (wenn keine Maßnahmen ergriffen wurden, bitte erläutern, warum nicht)?  6. Wie stellt sich die Bundesregierung vor dem Hintergrund der Fragen 1 bis 5 zu der aufgrund der aktuellen Entwicklungen unabweisbaren Gefahr, dass die restituierten Benin-Bronzen aus deutschen Museen in Nigeria in private Hände gelangen und damit der Öffentlichkeit entzogen werden könnten (siehe Vorbemerkung der Fragesteller)? a) Wenn die Bundesregierung diese Gefahr sieht, in welcher Form hat sie Aktivitäten entfaltet, um dieser Gefahr zu begegnen (bitte diese Aktivitäten im Einzelnen erläutern)? b) Wenn nein, kann die Bundesregierung Argumente angeben, warum sie diese Gefahr nicht sieht?  7. Ist in den Gesprächen der Bundesregierung mit den Vertretern Nigerias mit Blick auf eine Restitution der Artefakte aus dem historischen Königreich Benin aus deutschen Museen dessen Rolle im transatlantischen und innerafrikanischen Sklavenhandel angesprochen worden? a) Wenn ja, mit welchem Ergebnis (bitte auch darlegen, ob und in welcher Form es hier eine Einigung darüber gab, diesen wesentlichen Aspekt in der Geschichte des historischen Königreiches Benins – z. B. in der Konzeption des EMOWAA – sichtbar zu machen)? b) Wenn nein, warum hat die Bundesregierung diesen Teil der Geschichte des historischen Königreiches Benin gegenüber Vertretern Nigerias nicht angesprochen?  8. Hat die Bundesregierung ihr Engagement für den Bau des EMOWAA (https://www.auswaertiges-amt.de/de/newsroom/-/2470342; letzter Zugriff: 23. August 2022) dergestalt genutzt, ihr finanzielles Engagement für den Aufbau dieses Museums davon abhängig zu machen, dass die Rolle des historischen Königreiches Benin im transatlantischen und innerafrikanischen Sklavenhandel in der kuratorischen Konzeption des EMOWAA sichtbar gemacht wird? a) Wenn ja, kann die Bundesregierung darlegen, in welcher Form sich die Rolle des historischen Königreiches Benin im transatlantischen und innerafrikanischen Sklavenhandel im kuratorischen Konzept des EMO- WAA niederschlagen wird? b) Wenn nein, warum ist die Bundesregierung hier nicht initiativ geworden?  9. Hat die Bundesregierung von der Initiative Restitution Study Group (RSG; https://historyreclaimed.co.uk/restitution-study-group/; https://www.telegr aph.co.uk/news/2022/08/15/benin-bronzes-must-not-returned-nigeria-profi ted-slavery/; letzter Zugriff: 29. August 2022) Kenntnis, die der Auffassung ist, dass die Nachkommen der versklavten Nachbarethnien des historischen Königreiches Benin ein „Miteigentumsrecht“ an dessen Artefakten haben sollen, weil das Königreich Benin durch seine Beteiligung am Sklavenhandel wohlhabend wurde und eine Rückgabe nur diejenigen bereichere, deren Vorfahren am Handel mit Sklaven erhebliche Summe verdient hätten? Wenn ja, hat sich die Bundesregierung zu den Anliegen der RSG eine Meinung gebildet (bitte diese Meinung im Einzelnen erläutern)? 10. Ist der Bundesregierung vor dem Hintergrund der Frage 9 bekannt, dass die Benin-Bronzen vor allem aus den im Sklavenhandel als Tauschwährung genutzten „Manillen“ bestehen, deren Metall eingeschmolzen wurde (https://historyreclaimed.co.uk/restitution-study-group/; letzter Zugriff: 23. August 2022)? Wenn ja, kann die Bundesregierung angeben, ob, und wenn ja, in welcher Form, sie gegenüber ihren nigerianischen Gesprächspartnern darauf gedrungen hat, dass sich dieser Aspekt des Sklavenhandels im kuratorischen Konzept des EMOWAA widerspiegelt (wenn die Bundesregierung hier keine Initiativen ergriffen hat, bitte erläutern, warum nicht)? 11. Hat die Bundesregierung, wenn ihr diese Tatsache bekannt war, ihre nigerianischen Gesprächspartner darauf aufmerksam gemacht, dass sich laut Medienberichten Nachfahren der westafrikanischen Sklaven gegen eine Restitution der Benin-Bronzen an Nigeria ausgesprochen haben, und zwar mit dem Argument, dass diese Kunstwerke mit dem Leben der Versklavten bezahlt wurden (https://historyreclaimed.co.uk/restitution-study-group/; letzter Zugriff: 23. August 2022)? a) Wenn ja, mit welchem Ergebnis (bitte auch darlegen, ob dieser Aspekt bei den nigerianischen Gesprächspartnern zu einer Änderung ihrer Deutung der Ereignisse geführt hat, die letztlich zum Ende des historischen Königreiches Benin geführt haben)? b) Wenn nein, hat die Bundesregierung die Absicht, das ihren nigerianischen Gesprächspartnern gegenüber nachzuholen (wenn nein, bitte erläutern, warum nicht)? 12. Hat sich die Bundesregierung vor dem Hintergrund der Gemeinsamen Erklärung zur Rückgabe der Benin-Bronzen und zur bilateralen Museumszusammenarbeit, in der die Eigentumsübertragung aller Benin-Bronzen in deutschen Museen an Nigeria in die Wege geleitet wurde (https://www.bun desregierung.de/resource/blob/974430/2059172/6d587c95c56499eaa385ba 6d35bb720b/2022-07-01-joint-declaration-benin-bronzes-data.pdf?downlo ad=1, S. 3, Nummer 3; letzter Zugriff: 23 August 2022), zu der von der RSG erhobenen Anregung, gemäß der die europäischen und US- amerikanischen Museen die Bronzen treuhänderisch verwalten sollten, weil diese Artefakte „das Vermächtnis der Nachkommen der Sklaven, nicht der Sklavenhändler“ seien (https://historyreclaimed.co.uk/restitution- study-group/; letzter Zugriff: 23. August 2022), eine Auffassung gebildet, und wenn ja, wie lautet diese? 13. Umfasst die Absicht der Bundesregierung, die „Rückgabe der Benin- Bronzen“ zum „Ausgangspunkt für eine Debatte über Kolonialverbrechen“ im Sinne eines „Es geht um ein Erinnern in die Zukunft“ nutzen zu wollen (https://www.deutschlandfunkkultur.de/claudia-roth-benin-bronzen-10 0.html; letzter Zugriff: 24. August 2022), auch die Versklavungsverbrechen des historischen Königreiches Benin, auf die jüngst wieder, wie bereits dargelegt, die RSG aufmerksam gemacht hat? a) Wenn ja, welche konkreten Maßnahmen hat die Bundesregierung beispielsweise ihren nigerianischen Gesprächspartnern vorgeschlagen, um dieser Intention Nachdruck zu verleihen (bitte auch darlegen, welche Initiativen die Bundesregierung im Einzelnen selbst zu ergreifen gedenkt, um im Zuge der Aufarbeitung der Kolonialzeit an die Versklavungsverbrechen des historischen Königreiches Benin zu erinnern)? b) Wenn nein, muss daraus geschlossen werden, dass die Bundesregierung die Versklavungsverbrechen des historischen Königreiches Benin für nicht erinnerungswürdig hält? 14. Wie ist vor dem Hintergrund der Versklavungsverbrechen des historischen Königreiches Benin das von der Bundesregierung auf dem Festakt anlässlich der Unterzeichnung der politischen Erklärung zur Rückgabe der Benin-Bronzen an Nigeria ausgesprochene Diktum zu verstehen, dass „wir uns auf eine Zukunft“ zubewegten, „in der die Gerechtigkeit die Wunden der Vergangenheit heilen kann“ (https://www.bundesregierung.de/breg-de/ bundesregierung/bundeskanzleramt/staatsministerin-fuer-kultur-und-medie n/aktuelles/benin-bronzen-koennen-zurueckkehren-2058816; letzter Zugriff: 24. August 2022; bitte darlegen, was hier genau mit „Gerechtigkeit“ gemeint ist und ob und mit welchen Maßnahmen die Bundesregierung dafür Sorge trägt, dass die hier angesprochene „Gerechtigkeit“ auch die von dem historischen Königreich Benin verübten Versklavungsverbrechen erfasst und in welcher Form das geschieht)? 15. Teilt die Bundesregierung vor dem Hintergrund der Frage 14 und ihrer Absicht, die „Wunden der Vergangenheit“ heilen zu wollen, die Einstufung des historischen Königreiches Benin als Opfer westlicher Kolonialgewalt, die durch eine britische Strafexpedition im Jahre 1897 zum Ausdruck kam? Wenn ja, wie stellt sich die Bundesregierung in diesem Fall zur Feststellung der RSG, dass die angesprochene Strafexpedition den „Verkauf und die Opferung der versklavten Menschen“ beendete, die „300 Jahre unter den Sklavenjagden des historischen Königreiches Benin zu leiden“ hatten (https://historyreclaimed.co.uk/about-history-reclaimed/; letzter Zugriff: 24. August 2022)? 16. Hat die Bundesregierung Kenntnis von dem Vorstoß der RSG, dass angesichts der Versklavungsgeschichte des historischen Königreiches Benin seitens Nigerias und des Königreiches Benin eine Entschuldigung gegenüber den Nachfahren der versklavten Ethnien notwendig sei (https://histor yreclaimed.co.uk/about-history-reclaimed/; letzter Zugriff: 23. August 2022)? Wenn ja, hat sich die Bundesregierung zu diesem Vorstoß eine Positionierung erarbeitet, und wie lautet diese ggf. (bitte auch erläutern, ob die Bundesregierung die weitere Restitution der Benin-Bronzen aus deutschen Museumssammlungen gegenüber ihren nigerianischen Gesprächspartnern von dieser Entschuldigung abhängig zu machen gedenkt)? 17. Kann die Bundesregierung Medienberichte bestätigen, nach denen die Gründerin der RSG, Deadria Farmer-Paellmann, einen Brief an die Bundesministerin des Auswärtigen Annalena Baerbock, die Kulturstaatsministerin Claudia Roth „und die Träger der sieben deutsche[n] Museen mit den umfangreichsten Benin-Sammlungen“ geschickt haben soll, in dem sie darum bittet, „keine neuen Transferverträge mit Nigeria zu unterzeichnen und alle bestehenden Verträge aufzuheben“ und stattdessen „Miteigentumsverträge mit den Nachkommen der versklavten Menschen und die treuhänderische Aufbewahrung der Metallgüsse in den Museen“ angeregt werden (https://www.welt.de/kultur/kunst/article240694397/Restitution-de r-Benin-Bronzen-an-Nigeria-Gute-Gruende-gegen-diese-uebereilte-Restitu tion-zu-sein.html; https://germany.detailzero.com/art/74879/Restitution-o f-the-Benin-Bronzes-to-Nigeria-Good-reasons-to-be-against-this-hasty-res titution.html; letzter Zugriff: 29. August 2022)? Wenn ja, welche Schlussfolgerungen hat die Bundesregierung aus diesem Brief gezogen (bitte auch erläutern, ob die Bundesregierung in diesem Zusammenhang bereits Maßnahmen eingeleitet hat)? Berlin, den 1. September 2022 Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de ISSN 0722-8333]

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