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Kleine AnfrageWahlperiode 20Beantwortet

Armut von Frauen in Deutschland

(insgesamt 20 Einzelfragen)

Fraktion

AfD

Ressort

Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Datum

01.02.2023

Aktualisiert

03.04.2025

Deutscher BundestagDrucksache 20/507203.01.2023

Armut von Frauen in Deutschland

der Abgeordneten Gerrit Huy, René Springer, Hannes Gnauck und der Fraktion der AfD

Vorbemerkung

Nach Angaben von Statista wiesen Frauen 2021 mit 17,5 Prozent eine deutlich höhere Armutsgefährdungsquote auf als Männer mit 15,7 Prozent (vgl. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/436178/umfrage/armutsgefaehrdungsquotein-deutschland-nach-geschlecht/). Die Abweichung im Bereich der Armutsgefährdung zwischen den Geschlechtern wird bei älteren Personen ab 65 Jahren besonders deutlich: So waren 2020 signifikant mehr Frauen (18,4 Prozent) von Altersarmut betroffen als Männer (13,9 Prozent) (vgl. www.der-paritaetische.de/fileadmin/user_upload/Schwerpunkte/Armutsbericht/doc/broschuere_armutsbericht-2021_web.pdf, S. 14). Insbesondere der Zusammenhang von Geschlecht, Erwerbsbiographie und Kinderzahl gerät zunehmend in den Fokus von Politik und Wissenschaft, wodurch in sozialwissenschaftlicher Perspektive die geschlechtsspezifische Struktur von Armut vermehrt Aufmerksamkeit erfährt (vgl. www.diakonie.de/wissen-kompakt/armut-und-geschlecht#:~:text=Der%20Mikrozensus%20(2019)%20zeigt%3A,(13%2C5%20Prozent).

Unter den von Armut gefährdeten Personengruppen verzeichnen insbesondere Alleinerziehende ein übermäßig hohes Armutsrisiko. „Das Risiko, in Armut zu leben, ist für alleinerziehende Familien in Deutschland von allen Familienformen am höchsten: 43 Prozent der Ein-Eltern-Familien gelten als einkommensarm, während es bei den Paarfamilien mit einem Kind 9 Prozent, mit zwei Kindern 11 Prozent und mit drei Kindern 31 Prozent sind. Frauen sind in besonderer Weise davon betroffen, denn 88 Prozent der Alleinerziehenden sind Mütter“ (www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2021/juli/armutsrisiko-von-alleinerziehenden-verharrt-auf-hohem-niveau).

Darüber hinaus sind überdurchschnittlich viele Alleinerziehende trotz Arbeit auf Sozialleistungen angewiesen (vgl. www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2021/dezember/vor-allem-alleinerziehende-sind-trotz-arbeit-auf-sozialleistungen-angewiesen). Obwohl Alleinerziehende über eine hohe Erwerbsneigung verfügen, ist gegenwärtig ein hoher Anteil der erwerbstätigen Alleinerziehenden auf staatliche Transferleistungen angewiesen, um den Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder zu sichern (vgl. ebd.). In Anbetracht der erwartungsgemäß in den nächsten Jahren stark ansteigenden Altersarmut von Frauen (vgl. www.fr.de/wirtschaft/altersarmut-frauen-rente-babyboomer-altersvorsorge-armutsgrenze-irene-goetz-interview-91651917.html) und der damit einhergehenden sozialen Kosten ist es nach Auffassung der Fragesteller die Aufgabe sozial verantwortlicher Politik, weibliche Armutslagen der Gegenwart verstärkt in den Blick zu nehmen. Ausgangspunkt einer sachgerechten armutspolitischen Bewertung der sozioökonomischen Situation von Frauen in Deutschland ist eine aussagekräftige Datengrundlage.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen20

1

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Armutsgefährdungsquote von Frauen und Männern in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte die absoluten und relativen Zahlen inklusive der prozentualen Veränderung pro Jahr sowie differenziert nach: insgesamt, alte Bundesländer und neue Bundesländer, sowie differenziert nach Staatsangehörigkeit: deutsch, EU-Ausländer, Drittstaatenangehörige, angeben)?

2

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Armutsgefährdungsquote von Alleinerziehenden in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte die absoluten und relativen Zahlen inklusive der prozentualen Veränderung pro Jahr sowie differenziert: nach insgesamt, alte Bundesländer und neue Bundesländer, sowie differenziert nach soziodemographischen Merkmalen: Geschlecht, Anzahl der Kinder; Staatsangehörigkeit: deutsch, EU-Ausländer, Drittstaatenangehörige, angeben)?

3

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Erwerbsbeteiligung von Männern und Frauen in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte die absoluten und relativen Zahlen inklusive der prozentualen Veränderung pro Jahr sowie differenziert nach: insgesamt, alte Bundesländer und neue Bundesländer, sowie differenziert nach soziodemographischen Merkmalen: Anzahl der Kinder, Teilzeitquote; Staatsangehörigkeit: deutsch, EU-Ausländer, Drittstaatenangehörige, angeben)?

4

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Erwerbsbeteiligung von Alleinerziehenden in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte die absoluten und relativen Zahlen inklusive der prozentualen Veränderung pro Jahr sowie differenziert nach: insgesamt, alte Bundesländer und neue Bundesländer, sowie differenziert nach soziodemographischen Merkmalen: Geschlecht, Anzahl der Kinder, Teilzeitquote; Staatsangehörigkeit: deutsch, EU-Ausländer, Drittstaatenangehörige, angeben)?

5

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung das Medianeinkommen von Männern und Frauen in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte die absoluten und relativen Zahlen inklusive der prozentualen Veränderung pro Jahr sowie differenziert nach: insgesamt, alte Bundesländer und neue Bundesländer, sowie differenziert nach soziodemographischen Merkmalen: Anzahl der Kinder, Kinderlos; sowie unterschieden nach Staatsangehörigkeit: deutsch, EU-Ausländer, Drittstaatenangehörige, angeben)?

6

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung das Medianeinkommen von Alleinerziehenden in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte die absoluten und relativen Zahlen inklusive der prozentualen Veränderung pro Jahr sowie differenziert nach: insgesamt, alte Bundesländer und neue Bundesländer, sowie unterschieden nach soziodemographischen Merkmalen: Geschlecht, Anzahl der Kinder; Staatsangehörigkeit: deutsch, EU-Ausländer, Drittstaatenangehörige, angeben)?

7

Wie viele Alleinerziehende gingen nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten zehn Jahren ausschließlich einer geringfügigen Beschäftigung (Minijob bzw. Midijob) nach, und wie hoch war das hierdurch erwirtschaftete Monatsentgelt im Median (bitte die absoluten und relativen Zahlen inklusive der prozentualen Veränderung pro Jahr sowie differenziert nach: insgesamt, alte Bundesländer und neue Bundesländer, sowie differenziert nach soziodemographischen Merkmalen: Geschlecht, Anzahl der Kinder; Staatsangehörigkeit: deutsch, EU-Ausländer, Drittstaatenangehörige, angeben), und welchem Anteil entsprach dies jeweils an allen sozialversicherungspflichtig bzw. geringfügig Beschäftigten?

8

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der arbeitslosen sowie der erwerbstätigen Alleinerziehenden, die Leistungen nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II) beziehen, in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte die absoluten und relativen Zahlen inklusive der prozentualen Veränderung pro Jahr sowie differenziert nach: insgesamt, alte Bundesländer und neue Bundesländer, sowie differenziert nach soziodemographischen Merkmalen: Geschlecht, Anzahl der Kinder, Staatsangehörigkeit: deutsch, EU-Ausländer, Drittstaatenangehörige, angeben), und welchem Anteil entsprach dies jeweils an allen Beziehern von SGB II-Leistungen?

9

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der Langzeitarbeitslosen in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte die absoluten und relativen Zahlen inklusive der prozentualen Veränderung pro Jahr sowie differenziert nach: insgesamt, alte Bundesländer und neue Bundesländer, sowie unterschieden nach soziodemographischen Merkmalen: Geschlecht, Anzahl der Kinder, Haushaltstypus Alleinerziehend, Staatsangehörigkeit: deutsch, EU-Ausländer, Drittstaatenangehörige, angeben)?

10

Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Median-Zahlbeträge von Altersrenten für Männer und Frauen in den letzten zehn Jahren entwickelt, und wie hoch waren die Median-Zahlbeträge für neue Zugangsrenten in den Jahren 2020 und 2021 (bitte die absoluten und relativen Zahlen inklusive der prozentualen Veränderung pro Jahr, sowie differenziert: nach insgesamt, alte Bundesländer und neue Bundesländer, sowie differenziert nach soziodemographischen Merkmalen: Anzahl der Kinder, Staatsangehörigkeit: deutsch, EU-Ausländer, Drittstaatenangehörige, angeben)?

11

Wie viele sozialversicherungspflichtig Beschäftigte haben nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten zehn Jahren ein sozialversicherungspflichtiges Jahresentgelt erzielt, welches nicht ausreicht, um nach 45 Jahren versicherungspflichtiger Beschäftigung eine Rente oberhalb der Grundsicherung im Alter (außerhalb von Einrichtungen) zu erreichen (bitte die absoluten und relativen Zahlen inklusive der prozentualen Veränderung pro Jahr, sowie differenziert nach: insgesamt, alte Bundesländer und neue Bundesländer, sowie unterschieden nach soziodemographischen Merkmalen: Geschlecht, Anzahl der Kinder, Haushaltstypus Alleinerziehend, sowie unterschieden nach Staatsangehörigkeit: deutsch, EU-Ausländer, Drittstaatenangehörige, angeben), und welchem Anteil entspricht dies jeweils bezogen auf alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten?

12

Wie viele Personen haben nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten zehn Jahren einen Rentenzahlbetrag erhalten, der unterhalb des Bruttobedarfs von Empfängern von Leistungen der Grundsicherung im Alter (außerhalb von Einrichtungen) lag (bitte die absoluten und relativen Zahlen inklusive der prozentualen Veränderung pro Jahr, sowie differenziert nach: insgesamt, alte Bundesländer und neue Bundesländer, sowie unterschieden nach soziodemographischen Merkmalen: Geschlecht, Anzahl der Kinder, Haushaltstypus Alleinerziehend, sowie unterschieden nach Staatsangehörigkeit: deutsch, EU-Ausländer, Drittstaatenangehörige, angeben), und welchem Anteil entspricht dies jeweils bezogen auf alle Rentenempfänger?

13

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl von Frauen und Männern im Alter ab dem 65. Lebensjahr mit Bezug von Leistungen der Grundsicherung (Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung) in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte die absoluten und relativen Zahlen inklusive der prozentualen Veränderung pro Jahr sowie differenziert nach: insgesamt, alte Bundesländer und neue Bundesländer, und unterschieden nach soziodemographischen Merkmalen: Anzahl der Kinder; Staatsangehörigkeit: deutsch, EU-Ausländer, Drittstaatenangehörige, angeben), und welchem Anteil entsprach dies jeweils an allen Rentnern)?

14

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten zehn Jahren die Zahl und der Anteil von Rentnerinnen entwickelt, deren Rentenzahlbeträge monatlich a) unter 500 Euro, b) unter 700 Euro, c) unter 1 000 Euro, d) unter 1 200 Euro lagen (bitte die absoluten und relativen Zahlen inklusive der prozentualen Veränderung pro Jahr sowie differenziert nach soziodemographischen Merkmalen: Anzahl der Kinder, Haushaltstyp Alleinerziehend, sowie unterschieden nach Staatsangehörigkeit: deutsch, EU-Ausländer, Drittstaatenangehörige, angeben), und welchem Anteil entsprach dies jeweils an allen Empfängerinnen von Altersrenten?

15

Wie viele Rentner erhalten nach Kenntnis der Bundesregierung einen Grundrentenzuschlag, und wie hoch war dieser im Monatsdurchschnitt pro Anspruchsberechtigtem (bitte die jüngsten absoluten und relativen Zahlen seit Einführung der sogenannten Grundrente sowie differenziert nach soziodemographischen Merkmalen: Geschlecht, Anzahl der Kinder, sowie unterschieden nach Staatsangehörigkeit: deutsch, EU-Ausländer, Drittstaatenangehörige, angeben), und welchem Anteil entsprach dies jeweils an allen Empfängern von Altersrenten?

16

Um welchen monatlichen Zahlbetrag erhöht sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Altersrente von Frauen durchschnittlich im Rahmen der sogenannten Mütterrente I/II mittels einer besseren Anrechnung von Kindererziehungszeiten (bitte die absoluten und relativen Zahlen seit Einführung der sogenannten Mütterrente I/II, sowie differenziert nach Anzahl der Kinder, sowie getrennt nach: insgesamt, alte Bundesländer und neue Bundesländer, angeben)?

17

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der erwerbstätigen Frauen und Männer im Alter ab dem 65. Lebensjahr in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte die absoluten und relativen Zahlen inklusive der prozentualen Veränderung pro Jahr sowie differenziert nach: insgesamt, alte Bundesländer und neue Bundesländer, und unterschieden nach soziodemographischen Merkmalen: Anzahl der Kinder; Staatsangehörigkeit; deutsch, EU-Ausländer, Drittstaatenangehörige, angeben)?

18

Welche Bruttomonatsentgelte (Median) erwirtschafteten erwerbstätige Männer und Frauen im Alter ab dem 65. Lebensjahr nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten zehn Jahren (bitte die absoluten und relativen Zahlen inklusive der prozentualen Veränderung pro Jahr, sowie differenziert: nach insgesamt, alte Bundesländer und neue Bundesländer, angeben)?

19

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Schuldensituation bzw. Überschuldung von Frauen in den letzten zehn Jahren entwickelt, und wie hoch waren die durchschnittlichen Gesamtschulden der betroffenen Haushalte (bitte die absoluten und relativen Zahlen inklusive der prozentualen Veränderung pro Jahr sowie differenziert nach: insgesamt, alte Bundesländer und neue Bundesländer, sowie unterschieden nach Haushaltstyp: Paare, Paare mit Kindern, Paare ohne Kinder, alleinerziehend und alleinstehend, angeben)?

20

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Schuldensituation bzw. die Überschuldung von Rentnerhaushalten (Haushalte mit Personen im Alter ab dem 65. Lebensjahr) in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte die absoluten und relativen Zahlen inklusive der prozentualen Veränderung pro Jahr sowie differenziert nach: insgesamt, alte Bundesländer und neue Bundesländer, sowie unterschieden nach soziodemographischen Merkmalen: Geschlecht, Anzahl der Kinder, Haushaltstyp, angeben), und welchem Anteil entsprach dies jeweils an allen Rentnerhaushalten?

Berlin, den 30. Dezember 2022

Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion

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