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Kleine AnfrageWahlperiode 17Beantwortet

Ausbildungssituation im Handwerk

Anzahl der Ausbildungsplätze im Handwerk, Neugründungen nach der Novellierung der Handwerksordnung (HwO), Zahl der bestandenen Meister- und Gesellenprüfungen, Löhne und Ausbildungsvergütungen, Trend zur Umgehung der Tarifbindung bei den Handwerksinnungen, zulassungsfreie Betriebe nach der HwO-Novellierung, weitere Auswirkungen der HwO-Novellierung, Anzahl der Meisterinnen, Anteil des Handwerks an der Gesamtzahl der Ausbildungsplätze, Einstiegsqualifikationen, Ausbildungsabbrecher, Anreize zur Bereitstellung zusätzlicher Ausbildungsplätze, neue Berufsbilder, Reaktion auf die demografische Entwicklung<br /> (insgesamt 42 Einzelfragen)

Fraktion

SPD

Ressort

Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie

Datum

25.10.2010

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 17/324306. 10. 2010

Ausbildungssituation im Handwerk

der Abgeordneten Peter Friedrich, Andrea Wicklein, Willi Brase, Garrelt Duin, Hubertus Heil (Peine), Dr. Ernst Dieter Rossmann, Doris Barnett, Dr. Hans-Peter Bartels, Klaus Barthel, Ulla Burchardt, Petra Crone, Martin Dörmann, Petra Ernstberger, Michael Gerdes, Iris Gleicke, Klaus Hagemann, Rolf Hempelmann, Christel Humme, Oliver Kaczmarek, Daniela Kolbe (Leipzig), Ute Kumpf, Caren Marks, Franz Müntefering, Manfred Nink, Aydan Özoğuz, Thomas Oppermann, Florian Pronold, Sönke Rix, René Röspel, Marlene Rupprecht (Tuchenbach), Marianne Schieder (Schwandorf), Swen Schulz (Spandau), Stefan Schwartze, Wolfgang Tiefensee, Dagmar Ziegler, Dr. Frank-Walter Steinmeier und der Fraktion der SPD

Vorbemerkung

Bildung und Ausbildung sind für ein hochentwickeltes Land wie Deutschland die zentralen Faktoren für Wachstum und Wohlstand. Zugleich ist Bildung die große soziale Frage unserer Zeit, denn Bildung entscheidet wesentlich über berufliche wie persönliche Entwicklungsmöglichkeiten. Im Handwerk wird ein hoher Anteil der Ausbildungsplätze für junge Menschen bereitgestellt.

Viele Großunternehmen haben infolge der Wirtschaftskrise die Anzahl der Ausbildungsplätze in ihren Betrieben reduziert. Dadurch lässt sich befürchten, dass auch im Handwerk in der zurückliegenden Zeit erheblich weniger Ausbildungsplätze bereitgestellt worden sind. Hierdurch könnte sich der vielfach prognostizierte Fachkräftemangel verschärfen.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen42

1

Wie viele zulassungspflichtige und zulassungsfreie Handwerksbetriebe wurden seit der Novellierung der Handwerksordnung (HwO) 2004 neu gegründet (bitte aufschlüsseln nach Jahr, Betriebsart, Betriebsgröße und Bundesland)?

2

Hat die Intervention des Statistischen Bundesamtes ab 2006 wie gewünscht bei allen Gewerbeämtern zu dem Erfolg geführt, dass hinsichtlich statistischer Erhebungen nur noch Handwerksbetriebe als solche angesehen werden, bei denen eine Zulassungspflicht besteht?

3

Wie viele von den seit 2004 gegründeten Handwerksbetrieben bilden aus (bitte Anzahl der Ausbildungsplätze nach Bundesländern aufschlüsseln)?

4

Wie viele der vor 2004 gegründeten Handwerksbetriebe bilden aus (bitte Anzahl der Ausbildungsplätze nach Bundesländern aufschlüsseln)?

5

In welchen Bereichen sind seit der Novellierung der Handwerksordnung die meisten zulassungspflichtigen Neugründungen im Handwerk zu verzeichnen?

6

Sieht die Bundesregierung aus heutiger Sicht, die u. a. 2005 vorgetragene Sorge des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks bestätigt, dass durch die auf der HwO-Novellierung basierenden Neuerungen die Weiterbildungsbereitschaft gesenkt wurde?

7

Wie hat sich die Zahl der erfolgreich abgeschlossenen Meisterprüfungen in den zulassungspflichtigen und zulassungsfreien Handwerken seit der HwO-Novellierung 2004 entwickelt?

Welchen Handlungsbedarf leitet die Bundesregierung daraus für sich ab?

8

Wie hat sich die Zahl der erfolgreich abgeschlossenen Gesellenprüfungen in den zulassungspflichtigen und zulassungsfreien Handwerken seit der HwO-Novellierung 2004 entwickelt?

9

Wie hoch ist das Alter der Erwachsenen, die eine Meisterprüfung ablegen (bitte unterscheiden nach verschiedenen Gewerken und nach Geschlecht)?

10

Wie viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer arbeiten in Handwerksbetrieben ohne Qualifikation (bitte nach Bundesländern aufschlüsseln)?

11

Wie gestaltet sich die Lohnentwicklung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter je nach ihrem Qualifikationsgrad (bitte aufschlüsseln nach Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ohne Qualifikation, nach abgeschlossener Ausbildung, nach abgeschlossener Gesellen- und Meisterprüfung, nach Inkrafttreten der aktuellen Tarifverträge – insbesondere in den neuen Bundesländern) in den verschiedenen Handwerksberufen?

12

Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um den Trend von Handwerksinnungen zu stoppen, durch Satzungsänderungen Mitgliedschaften ohne Tarifbindung anzubieten und sich so ihrer Aufgabe als Tarifpartner der Gewerkschaften zu entziehen?

13

Wie haben sich die Ausbildungsvergütungen in den Berufen des Handwerks im Vergleich zu denen der übrigen Ausbildungsberufe entwickelt (bitte aufschlüsseln nach neuen und alten Bundesländern)?

14

Wie viele erfahrene Gesellen haben sich nach der Neuregelung des § 7b HwO seit der Novellierung 2004 in einem zulassungspflichtigen oder zulassungsfreien Handwerk selbständig gemacht?

15

Wie hat sich die Zahl der Betriebe bzw. Selbständigen entwickelt, die in einem der 57 Handwerksberufe, die durch die HwO-Novellierung zulassungsfrei wurden, entwickelt?

16

Wie hat sich die Ausbildungsbereitschaft der Handwerksbetriebe seit der HwO-Novellierung verändert?

17

Wurde durch die HwO-Novellierung die Qualität der Handwerksleistung und der Ausbildung herabgesetzt?

18

Hat es seit der HwO-Novellierung eine Zunahme gerichtlicher Prozesse im Werkvertragsrecht gegeben, die ihre Begründung in der Zunahme mangelnder handwerklicher Leistung findet?

19

Welche Untersuchungen und Evaluationen hat die Bundesregierung infolge der HwO-Novellierung vorgenommen?

20

Wie viele Handwerksbetriebe haben seit 2004 Insolvenz anmelden müssen?

Wie viele Auszubildende waren durch die Insolvenz ihres Handwerksbetriebes betroffen (bitte nach Bundesländern aufschlüsseln)?

21

Wie viele Auszubildende werden im Handwerk nach Abschluss ihrer Ausbildung von ihrem Betrieb befristet oder unbefristet übernommen?

Welche Laufzeit haben die Arbeitsverträge der befristet übernommenen Auszubildenden nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung (bitte aufschlüsseln nach Geschlecht)?

22

Wie hat sich die Zahl der Meisterinnen im Handwerk seit 2004 entwickelt, und sieht die Bundesregierung ihrerseits einen Handlungsbedarf, der über den jährlichen Girls’ Day hinausgeht?

In welchen Zweigen des Handwerks sollte nach Meinung der Bundesregierung besonders für die Weiterbildung zur Meisterin geworben werden?

23

Wie viele Bewerber mit Migrationshintergrund haben in den zurückliegenden Jahren einen Ausbildungsplatz im Handwerk erhalten?

24

Wie hoch ist die Zahl der Meister bzw. Meisterinnen mit Migrationshintergrund, und in welchen Handwerken sind sie tätig?

25

Wie hoch ist die Zahl der Auszubildenden im Handwerk, und wie viele Bewerbungen haben sie im Vorfeld im Durchschnitt geschrieben?

26

Wie hoch ist das durchschnittliche Alter der Auszubildenden, wenn sie eine Ausbildung in einem Handwerksbetrieb beginnen?

27

Wie hat sich der Anteil der Ausbildungsplätze im Handwerk, gemessen an der Gesamtzahl der Ausbildungsplätze im Handwerk, seit der HwO-Novellierung 2004 entwickelt, und an welcher Stelle sieht die Bundesregierung Handlungsbedarf?

28

Wie viele Jugendliche wurden im Handwerk nach einer erfolgreich absolvierten Einstiegsqualifikation in eine reguläre Ausbildung übernommen (bitte aufschlüsseln nach Geschlecht)?

29

Wie viele Handwerksbetriebe haben den Ausbildungsbonus in Anspruch genommen?

30

Betrachtet die Bundesregierung das Konsensprinzip weiter als konstitutives Element der Entwicklung und Neuordnung von Ausbildungsordnungen?

31

Wie hoch ist derzeit die Zahl von Auszubildenden in zweijährigen Ausbildungen in den Handwerksbetrieben (bitte aufschlüsseln nach den verschiedenen Ausbildungsberufen und Geschlecht)?

32

Wie bewertet die Bundesregierung die Akzeptanz und Arbeitsmarktrelevanz so genannter zweijähriger Berufe?

33

Wie hoch ist derzeit die Zahl von Auszubildenden in drei- bzw. dreieinhalbjährigen Ausbildungen (bitte aufschlüsseln nach den verschiedenen Ausbildungsberufen und Geschlecht)?

34

Wie hoch ist die Zahl der Ausbildungsabbrecher bzw. -abbrecherinnen (bitte aufschlüsseln nach den verschiedenen Ausbildungsberufen und Geschlecht)?

35

Aus welchen Gründen brechen junge Erwachsene hauptsächlich eine Ausbildung im Handwerk ab?

36

Nehmen die Handwerkskammern ihre Aufgabe als zuständige verantwortliche Stelle für die Durchführung der Berufsausbildung im notwendigen Umfang wahr?

37

Plant die Bundesregierung konkrete, auf das Handwerk zugeschnittene Maßnahmen, um noch mehr Betriebe, die ausbildungsfähig sind aber bisher nicht ausgebildet haben, zu fördern und weitere Anreize zur Bereitstellung zusätzlicher Ausbildungsplätze zu geben?

38

Inwieweit nehmen Handwerksbetriebe die Unterstützung von ausbildungsbegleitenden Hilfen für ihre Auszubildenden in Anspruch?

Plant die Bundesregierung, das Instrument der ausbildungsbegleitenden Hilfen als regelmäßiges Angebot an die Betriebe auszubauen?

39

In welcher Zahl stellt das Handwerk Absolventinnen und Absolventen ein, die eine Ausbildung nach § 36 Absatz 2 HwO absolviert haben (bitte aufschlüsseln nach Bundesländern)?

40

Wie reagieren Handwerkskammern und Handwerksunternehmen auf neue Marktlagen, die neue Berufsbilder im Handwerk entstehen lassen?

41

Wie reagiert das Handwerk auf die demografische Entwicklung und das Absinken der Anzahl der Ausbildungswilligen?

42

Welche Anstrengungen unternimmt die Bundesregierung, um die Beteiligung an Weiterbildung vor allem in Klein- und Mittelbetrieben zu befördern?

Berlin, den 6. Oktober 2010

Dr. Frank-Walter Steinmeier und Fraktion

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