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Kleine AnfrageWahlperiode 20Beantwortet
Rezession und Anzeichen einer abnehmenden Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Deutschland
(insgesamt 24 Einzelfragen mit zahlreichen Unterfragen)
Fraktion
CDU/CSU
Ressort
Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz
Datum
01.09.2023
Aktualisiert
21.12.2023
BT20/803716.08.2023
Rezession und Anzeichen einer abnehmenden Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Deutschland
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
Kleine Anfrage
der Fraktion der CDU/CSU
Rezession und Anzeichen einer abnehmenden Attraktivität des
Wirtschaftsstandorts Deutschland
Deutschland befindet sich seit Ende 2022 in einer Rezession. Im vierten
Quartal 2022 ist die deutsche Wirtschaft um 0,4 Prozent geschrumpft, im ersten
Quartal 2023 um 0,1 Prozent (www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2
023/07/PD23_299_811.html). Für das Gesamtjahr 2023 wird Deutschland von
vielen Expertinnen und Experten kein Wachstum mehr zugetraut. Die
Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat ihre
Wachstumsprognose für Deutschland kürzlich korrigieren müssen, bestenfalls
stagniere die deutsche Volkswirtschaft 2023 (www.oecd.org/economic-outlook/
june-2023). Deutschland steigt damit in die Schlussgruppe der Industrieländer
ab, abgehängt von China, USA, Italien oder Frankreich. Der Internationale
Währungsfonds und die zur Gemeinschaftsdiagnose gehörenden
Wirtschaftsforschungsinstitute sind für das deutsche Wachstum ebenfalls ganz
überwiegend pessimistisch gestimmt (u. a. www.imf.org/en/Countries/DEU; www.imf.
org/en/Publications/WEO/Issues/2023/07/10/world-economic-outlook-update-j
uly-2023; www.ifo.de/pressemitteilung/2023-06-21/ifo-konjunkturprognose-so
mmer-2023-deutsche-wirtschaft-schrumpft-2023; www.imk-boeckler.de/de/fau
st-detail.htm?sync_id=HBS-008640;). Hinzu kommt die schlechte Stimmung in
der Wirtschaft: Der ifo (Information und Forschung)-Geschäftsklimaindex ist
zum dritten Mal in Folge gefallen (www.ifo.de/fakten/2023-07-25/ifo-geschaef
tsklimaindex-sinkt-zum-dritten-mal-folge-juli-2023). In der Vergangenheit war
dies nahezu immer ein sicheres Indiz für eine negative Trendumkehr.
Die Inflation ist nach wie vor zu hoch im Vergleich zum Stabilitätsziel der
Europäischen Zentralbank (2 Prozent) und im Vergleich zu anderen EU-
Staaten. Die Inflationsrate in Deutschland lag im Juli 2023 bei 6,2 Prozent, die
aussagekräftigere Kernrate bei 5,5 Prozent (www.destatis.de/DE/Presse/Presse
mitteilungen/2023/07/PD23_298_611.html). Die Arbeitslosigkeit ist gegenüber
dem Vorjahr um 147 000 angestiegen, die Arbeitslosenquote um 0,2
Prozentpunkte auf 5,7 Prozent (www.arbeitsagentur.de/news/arbeitsmarkt). Im Jahr
2022 gab es eine Kapitalflucht aus Deutschland von über 130 Mrd. Euro
(www.iwkoeln.de/presse/pressemitteilungen/christian-rusche-geldabfluesse-in-
deutschland-so-hoch-wie-nie.html). Zudem steigen die Lohnnebenkosten: Im
Januar 2023 hat der Gesamtbeitragssatz der Sozialversicherungen erstmals seit
2012 die 40-Prozent-Grenze wieder überschritten (u. a. www.gesamtmetall.de/
gesamtmetall-fordert-rueckkehr-zur-40-prozent-grenze-beim-gesamtsozialversi
cherungsbeitrag).
In der Regierungsbefragung vom 5. Juli 2023 kommt Bundeskanzler Olaf
Scholz allerdings zu dem Schluss, dass Rezession, Inflation, steigende
Arbeitslosigkeit, Kapitalflucht und Sozialabgaben von über 40 Prozent „nicht richtige
Deutscher Bundestag Drucksache 20/8037
20. Wahlperiode 16.08.2023
Behauptungen“ seien (www.phoenix.de/regierungsbefragung-a-3188533.html).
Und er verkündet öffentlich wirtschaftliche Wachstumsraten wie in den 1950er-
und 1960er-Jahren (www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/interview-lausi
tzer-rundschau-2170624). Der Präsident des ifo-Instituts, Dr. Clemens Fuest,
stellt dem entgegen (www.handelsblatt.com/politik/international/interview-
ifochef-clemens-fuest-erwartet-schwere-jahre-fuer-deutschland/29235914.html):
„Es wird leider kein Wirtschaftswunder geben, sondern eher etwas in Richtung
Schweiß und Tränen.“ Hier rächt sich nach Ansicht der Fragesteller, dass das
Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz nahezu ausschließlich
grüne Investitionen im Blick hat. Für einen dynamischen Aufschwung, der diesen
Namen auch verdient, müssen alle Investitionen in den Blick genommen
werden.
Auf Grundlage der aktuellen Daten und Fakten sowie Einschätzungen von
Expertinnen und Experten haben die Fragesteller einige Fragen. Denn eine
umfassende Bestandsaufnahme ist ihrer Ansicht nach dringend erforderlich, um aus
der angespannten Situation die richtigen Schlüsse zu ziehen und wirksame
wirtschaftspolitische Maßnahmen zu ergreifen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie hat sich das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands im Zeitraum von
1950 bis 1965 (sogenannte Wirtschaftswunderjahre) sowie in den
Zeiträumen von 2021 bis 2023, von Oktober 2022 bis März 2023 und von April
2023 bis Juni 2023 entwickelt, jeweils auch pro Kopf sowie im Vergleich
zu den übrigen Mitgliedstaaten der EU und zum EU-Durchschnitt (bitte
tabellarisch aufführen)?
Wie bewertet die Bundesregierung diese Entwicklungen (auch im
Vergleich zueinander), und welche konkreten Schlüsse zieht sie daraus?
2. Wie hat sich hingegen das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands in den
Zeiträumen von 2005 bis 2021 und von 2010 bis 2021 entwickelt, jeweils
auch pro Kopf und im Vergleich zu den übrigen Mitgliedstaaten der EU
sowie zum EU-Durchschnitt (bitte tabellarisch aufführen)?
Wie bewertet die Bundesregierung diese Entwicklungen, und welche
konkreten Schlüsse zieht sie daraus?
3. Wie haben sich die Verbraucherpreise („Inflation“) in Deutschland von
2010 bis 2021 und von 2021 bis Juli 2023 entwickelt, jeweils auch im
Vergleich zu den übrigen Mitgliedstaaten der EU und zum EU-Durchschnitt
(bitte tabellarisch aufführen)?
Wie bewertet die Bundesregierung diese Entwicklungen, und welche
konkreten Schlüsse zieht sie daraus?
4. Wie hat sich die Arbeitsproduktivität in Deutschland von 2010 bis Mitte
2023 entwickelt, auch im europäischen und internationalen Vergleich?
Wie bewertet die Bundesregierung diese Entwicklung, und welche
konkreten Schlüsse zieht sie daraus?
5. Wie bewertet die Bundesregierung den Anstieg der Arbeitslosigkeit –
verglichen mit dem Juli des vorigen Jahres ist die Arbeitslosenzahl um
147 000 höher –, und welche konkreten Schlüsse zieht sie daraus?
6. Wie hat sich der Strompreis für die Haushalte und die Wirtschaft in
Deutschland von 2010 bis Juni 2023 im Durchschnitt entwickelt, auch im
europäischen und internationalen Vergleich (bitte tabellarisch nach
Abnehmergruppen (private Haushalt, Gewerbe, Handel, Industrie) und
Kostenbestandteilen (Beschaffung und Vertrieb, Netzentgelte, Steuern und
Abgaben) aufführen)?
a) Welche Entwicklung nimmt die Bundesregierung für die Strom-
Endkundenpreise, aufgeführt nach Abnehmergruppen (private
Haushalt, Gewerbe, Handel, Industrie) und Kostenbestandteilen
(Beschaffung und Vertrieb, Netzentgelte, Steuern und Abgaben), in den Jahren
bis 2045 an?
b) Wird die Bundesregierung den Spitzenausgleich bei der Strom- und der
Energiesteuer über 2023 hinaus verlängern, wenn nein, warum nicht,
und wie hoch wären die Mehrbelastungen für die Unternehmen?
c) Welchen Anteil machen Steuern und Netzentgelte am Strompreis aus,
und plant die Bundesregierung zur Stärkung des Standorts über den
Spitzenausgleich hinaus Entlastungen bei den auf den Strombezug zu
entrichtenden Steuern und Abgaben?
Plant die Bundesregierung in diesem Kontext die Absenkung der
Stromsteuer auf den europäischen Mindestsatz?
d) Wie ist der Stand der Beratungen zu dem Konzept vom Bundesminister
für Wirtschaft und Klimaschutz, Dr. Robert Habeck, zu einem
Industriestrompreis?
Wann und wie wird die Bundesregierung einen Industriestrompreis
einführen, und wie soll insbesondere die Finanzierung erfolgen?
e) Wie soll sichergestellt werden, dass es durch einen Industriestrompreis
nicht zu Wettbewerbsverzerrungen auf dem heimischen Markt kommt?
f) Inwiefern würden kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bzw. der
industrielle Mittelstand von einem Industriestrompreis profitieren, und
sind zusätzliche Entlastungen für KMU geplant?
g) Wie ordnet die Bundesregierung in diesem Zusammenhang
Studienergebnisse ein, die einen Rückgang der durchschnittlichen Strompreise
Deutschlands von 8,5 Prozent (pessimistisches Szenario) bzw.
12,1 Prozent (optimistisches Szenario) bei einem befristeten
Weiterbetrieb von drei Kernkraftwerken berechnen (www.wirtschaftsdienst.eu/i
nhalt/jahr/2022/heft/11/beitrag/mobilisierung-von-erzeugungskapazitae
ten-auf-dem-deutschen-strommarkt.html)?
Welche konkreten Schlüsse zieht die Bundesregierung aus diesen
Ergebnissen?
h) Wie viele Megawatt an erneuerbaren Energien wurden in den
Jahren 2022 und 2023 durch Direktstromlieferverträge (Power Purchase
Agreement (PPA)) in Deutschland neu erbaut?
7. Wie hat sich im Zeitraum von 2010 bis 2023 der Industrieanteil an der
gesamten Wertschöpfung in Deutschland entwickelt (bitte auch den
Industrieanteil für die einzelnen Jahre angeben)?
a) Wie bewertet die Bundesregierung den graduellen Rückgang der
industriellen Basis, u. a. erkennbar durch einen sinkenden Anteil des
verarbeitenden Gewerbes an der deutschen Wirtschaftsleistung oder den
im Trend abnehmenden Auftragseingang im verarbeitenden Gewerbe,
welche konkreten Schlüsse zieht sie daraus, und wie geht die
Bundesregierung mit der Warnung des Bundesverbands der Deutschen
Industrie (BDI) vor einer „De-Industrialisierung“ Deutschlands um (bdi.eu/a
rtikel/news/umfrage-lagebild-im-industriellen-mittelstand-2023)?
b) Wie hat sich im gleichen Zeitraum der Anteil von KMU an der
gesamten Wertschöpfung in Deutschland entwickelt?
8. Wie hoch (Betrag in Milliarden) ist der Erfüllungsaufwand für den
Zeitraum von Dezember 2021 bis Juni 2023, nachdem dieser im
Erfüllungsaufwand für die Wirtschaft im Zeitraum 2021/2022 um etwa 6,7 Mrd. auf
rund 17,4 Mrd. Euro angestiegen ist?
a) Welche Bürokratiekosten in welcher Höhe sind angefallen, sowohl
einmalige als auch laufende?
b) Werden sich nach Einschätzung der Bundesregierung in den nächsten
Jahren die Bürokratiekosten durch die Digitalisierung der Verwaltung
und die Registermodernisierung verringern, und wenn ja, wie hoch
werden die Bürokratiekosteneinsparungen sein (bitte insgesamt und
einzeln nach den konkreten Projekten und Maßnahmen aufschlüsseln)?
c) Wie ist der Stand der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes, und wie
viele staatliche Verwaltungsleistungen von insgesamt wie vielen sind
bis heute vollständig digitalisiert und online verfügbar?
9. Wie hoch ist die Gesamtsteuerbelastung für Kapitalgesellschaften und
Personenunternehmen in Deutschland, und wie stellen sich diese im
europäischen und internationalen Vergleich dar?
a) Welche konkreten Schlüsse zieht die Bundesregierung aus der
Feststellung des Bundesministers der Finanzen, Christian Lindner, dass
Deutschland ein „Hochsteuerland“ sei (www.bundesfinanzministeriu
m.de/Content/DE/Pressemitteilungen/Finanzpolitik/2023/05/2023-05-1
1-ergebnisse-der-164-steuerschaetzung.html; www.bundesfinanzminist
erium.de/Monatsberichte/2023/07/Inhalte/Kapitel-3-Analysen/3-2-steu
ern-im-internationalen-vergleich-pdf.pdf)?
b) Welche Maßnahmen wird die Bundesregierung konkret ergreifen, um
den Empfehlungen des Berichts des Bundesministeriums der Finanzen
(BMF) zu folgen, nach denen „niedrigere steuerliche Belastung von
Unternehmen einen stärkeren Anreiz für Innovationen und
Investitionen setzen“ und eine „niedrigere Belastung von Arbeit
Beschäftigungsanreize verbessern und für Wachstumsimpulse sorgen“ können
(www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/Broschuer
en_Bestellservice/die-wichtigsten-steuern-im-internationalen-vergleic
h-2022.pdf?__blob=publicationFile&v=6), und welche Maßnahmen
wird die Bundesregierung konkret ergreifen?
10. Wie hoch ist die Steuer- und Abgabenlast auf Arbeitseinkommen in
Deutschland, wie stellt sich diese im internationalen Vergleich dar, und
welche konkreten Schlüsse zieht die Bundesregierung daraus?
11. Wie bewertet die Bundesregierung, dass der Gesamtbeitrag der
Sozialversicherungen bei 40,8 Prozent (bei kinderlosen Arbeitnehmern sogar bei
41,4 Prozent) liegt, so hoch wie seit 2006 nicht mehr (u. a. www.gesamtm
etall.de/gesamtmetall-fordert-rueckkehr-zur-40-prozent-grenze-beim-gesa
mtsozialversicherungsbeitrag), und diese durch den von Bundesminister
für Gesundheit, Dr. Karl Lauterbach, angekündigten Anstieg der Beiträge
zur gesetzlichen Krankenversicherung im Jahr 2024 erneut steigen werden
(www.tagesschau.de/inland/lauterbach-kassenbeitraege-100.html), und
welche konkreten Schlüsse zieht die Bundesregierung daraus?
12. Wie viele Menschen haben die seit 2014 bestehende Rente für besonders
langjährig Versicherte in Anspruch genommen, wie hoch ist die
durchschnittliche Rentenzahlung, und wie unterscheidet sich die tatsächliche
Inanspruchnahme von den Prognosen für die Inanspruchnahme im Gesetz
über Leistungsverbesserungen in der gesetzlichen Rentenversicherung
(RV) bzw. im RV-Leistungsverbesserungsgesetz (bitte die Gesamtzahl und
die Anzahl der jährlichen Inanspruchnahmen sowie die Prognosen für
jedes Jahr seit Einführung, aufgeteilt nach der Inanspruchnahme von Frauen
und Männern, gesondert ausweisen)?
a) Hält die Bundesregierung die Rente für besonders langjährig
Versicherte vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels für nachhaltig und
zukunftsfähig?
b) Wird die Rente für besonders langjährig Versicherte den
Fachkräftemangel mittel- und langfristig verstärken?
c) Welche wirtschaftlichen und langfristigen Auswirkungen auf den
Standort Deutschland hätte die Erhöhung der Regelaltersgrenze bei
steigender Lebenserwartung?
13. Wie hat sich das Volumen der privatwirtschaftlichen Investitionen in
Deutschland von 2010 bis 2021, von 2021 bis 2023 und von Januar bis
Juni 2023 entwickelt, unterteilt in Bau- und Anlageinvestitionen sowie
jeweils auch im europäischen und internationalen Vergleich?
Wie bewertet die Bundesregierung diese Entwicklungen, und welche
konkreten Schlüsse zieht sie daraus?
14. Wie hoch waren die staatlichen Nettoinvestitionen in den Jahren 2010 bis
2021?
Wie bewertet die Bundesregierung diese Entwicklung, und welche
konkreten Schlüsse zieht sie daraus?
15. Wie hat sich das Volumen der Direktinvestitionen in Deutschland von
2010 bis 2021, von 2021 bis 2023 und von Januar bis Juni 2023
entwickelt, jeweils auch im europäischen und internationalen Vergleich?
a) Wie bewertet die Bundesregierung diese Entwicklungen, und welche
konkreten Schlüsse zieht sie daraus?
b) Teilt die Bundesregierung die Feststellung des Instituts der deutschen
Wirtschaft in Köln, dass im Jahr 2022 eine Rekordkapitalflucht aus
Deutschland von über 130 Mrd. Euro (netto 125 Mrd. Euro)
stattgefunden hat (www.iwkoeln.de/presse/pressemitteilungen/christian-rusche-g
eldabfluesse-in-deutschland-so-hoch-wie-nie.html), und welche
konkreten Schlüsse zieht sie daraus?
c) Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus den
Umfrageergebnissen des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft
(BVMW), nach welchen zufolge mehr als jeder fünfte Mittelständler
eine Verlagerung des Geschäfts ins Ausland in Erwägung zieht (www.b
vmw.de/de/nordbaden-rhein-neckar/arbeit-und-soziales/news/jeder-vier
te-mittelst%C3%A4ndler-denkt-ans-aufgeben-des-eigenen-gesch%C3
%A4ftes---tagesschau-berichtet-%C3%BCber-ergebnis-einer-
umfragedes-bvmw)?
d) Wie bewertet die Bundesregierung, dass es deutsche Unternehmen
aufgrund gezielter Anwerbungsprogramme der USA (Inflation Reduction
Act, Infrastructure Investment and Jobs Act, Chips and Science Act)
sowie besserer Rahmenbedingungen wie niedrige Steuern, schnellere
Genehmigungsverfahren, günstige Energie vermehrt in die USA zieht
und die deutschen Direktinvestitionen in den USA von 597 Mrd. US-
Dollar im Jahr 2021 auf 619 Mrd. US-Dollar im Jahr 2022 gestiegen
sind, und welche konkreten Schlüsse zieht sie daraus?
e) Wie bewertet die Bundesregierung vor dem Hintergrund, dass der
Inflation Reduction ein Volumen an Steuergutschriften und
Subventionen von 369 Mrd. US-Dollar, rund 1,58 Prozent der US-
Wirtschaftsleistung, umfasst und im Vergleich allein Next Generation
EU sich auf 338 Mrd. Euro, in etwa 2,3 Prozent der EU-
Wirtschaftsleistung (www.ifo.de/DocDL/ifo_Forschungsbericht_137_r
eduction_act.pdf), beläuft, die europäischen Anwerbungsprogramme
(Next Generation EU, Fit for 55, Green Deal etc.)?
Wie ist hier der Umsetzungsstand, und was ist darüber hinaus geplant?
f) Wie wird die Bundesregierung den neuen EU-Beihilferahmen vom
9. März 2023 nutzen, der u. a. die Förderung der Produktion
transformationsrelevanter Produkte zulässt?
Plant bzw. konzipiert die Bundesregierung bereits entsprechende
Förderprogramme (zumal der Beihilferahmen bereits Ende 2025 wieder
ausläuft)?
g) Wie ist der Stand der Erarbeitung der von Bundeswirtschaftsminister
Dr. Robert Habeck angekündigten Industriestrategie (www.faz.net/aktu
ell/wirtschaft/wie-habeck-die-deutsche-wirtschaft-gruen-faerben-will-1
8569337.html), und welche Themenfelder und konkreten Maßnahmen
soll diese umfassen?
16. Wie haben sich die Venture-Capital-Investitionen in Deutschland von 2015
bis 2022 entwickelt?
a) Wie haben sich die Investitionen in Start-ups in Deutschland von 2015
bis 2022 entwickelt?
b) Wie bewertet die Bundesregierung diese Entwicklungen, und welche
konkreten Schlüsse zieht sie daraus?
17. Wie hat sich die Innovationsleistung in Deutschland (gemessen anhand
von FuE (Forschung und Entwicklung)-Ausgaben, Patentanmeldungen
etc.) von 2010 bis 2021 und von 2021 bis 2023 entwickelt, jeweils auch im
europäischen und internationalen Vergleich?
Wie bewertet die Bundesregierung diese Entwicklungen, und welche
konkreten Schlüsse zieht sie daraus?
18. Teilt die Bundesregierung die Feststellung des ifo-Instituts, dass „anders
als in den 50er- und 60er-Jahren durch die Klimatransformation keine
zusätzlichen Produktionskapazitäten geschaffen“ würden, „sondern
bestenfalls ein alter Kaptalstock durch einen neuen ersetzt“ werde (www.handels
blatt.com/politik/international/interview-ifo-chef-clemens-fuest-erwartet-s
chwere-jahre-fuer-deutschland/29235914.html)?
a) Wenn nein, warum nicht?
b) Wenn ja, welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung
daraus?
19. Wie haben sich die Unternehmensinsolvenzen in Deutschland in den
Monaten Januar bis Juni 2023 entwickelt, insbesondere im Vergleich zu den
Vorjahreswerten (2022) und dem Vor-Corona-Niveau (2016 bis 2019)?
a) Welche Unternehmen sind besonders betroffen (bitte gesondert nach
Größe, Rechtsform und Branche auflisten)?
b) Wie werden sich die Zahlen zu den Unternehmensinsolvenzen in der
Vorausschau der Bundesregierung in den kommenden Monaten
entwickeln?
c) Welche Schlüsse zieht die Bundesregierung aus den aktuellen Zahlen
des IWH (Leibnutz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle)-
Insolvenztrends (www.iwh-halle.de/presse/pressemitteilungen/detail/iw
h-insolvenztrend-zahl-der-insolvenzen-so-hoch-wie-seit-sieben-
jahrennicht-mehr), wonach die Zahl der Insolvenzen von Personen- und
Kapitalgesellschaften im Juni 2023 auf den höchsten Wert seit 2016
angestiegen ist und damit über dem Durchschnittswert für den Monat Juni
in den Jahren 2016 bis 2019 liegt?
d) Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus den
aktuellen Zahlen des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn (www.ifm-bon
n.org/statistiken/gruendungen-und-unternehmensschliessungen/unterne
hmensinsolvenzen), wonach insbesondere kleine Unternehmen von
Insolvenzen betroffen sind?
e) Wie bewertet die Bundesregierung diese Entwicklungen, und welche
konkreten Schlüsse zieht sie daraus?
20. Welche Gründe sieht die Bundesregierung für die nachlassende
Gründungsdynamik in Deutschland (www.ifm-bonn.org/statistiken/gruendunge
n-und-unternehmensschliessungen/existenzgruendungen-insgesamt) und
welche konkreten Schlüsse zieht sie daraus?
21. Wie haben sich die Exporte in Deutschland von 2010 bis 2021, von 2021
bis 2023 und von Januar bis Juni 2023 entwickelt, jeweils auch im
europäischen und internationalen Vergleich?
Wie bewertet die Bundesregierung diese Entwicklungen, und welche
konkreten Schlüsse zieht sie daraus?
22. Wie bewertet die Bundesregierung den Abstieg Deutschlands in
Standortrankings, gerade auch mit Fokus auf der Wettbewerbsfähigkeit und den
wesentlichen Standortfaktoren (www.imd.org/centers/wcc/world-competiti
veness-center/rankings/world-competitiveness-ranking/2023; www.ze
w.de/das-zew/aktuelles/deutschland-ist-der-grosse-verlierer-im-standortwe
ttbewerb), und welche konkreten Schlüsse zieht sie daraus?
a) Welche ökonomischen Standortrankings verfolgt die Bundesregierung,
und wie berücksichtigt sie diese für ihre Politik?
b) In welchen ökonomischen Standortrankings hat die Bundesrepublik
Deutschland seit der Amtsübernahme der neuen Bundesregierung
Verbesserungen erzielt?
Auf Grundlage welcher Daten und Fakten kommt Bundeskanzler Olaf
Scholz zu dem Schluss, dass „unser Land vor einer guten Zukunft
steht“ und es in Deutschland „für einige Zeit Wachstumsraten wie
zuletzt in den 1950er- und 1960er-Jahren“ geben werde (www.bundesregi
erung.de/breg-de/aktuelles/interview-lausitzer-rundschau-2170624)?
c) Auf Grundlage welcher Daten und Fakten kommt Bundeskanzler Olaf
Scholz in der Regierungsbefragung vom 5. Juli 2023 zu dem Schluss,
dass Rezession, Inflation, steigende Arbeitslosigkeit, Kapitalflucht und
Sozialabgaben von über 40 Prozent „nicht richtige Behauptungen“
seien (www.phoenix.de/regierungsbefragung-a-3188533.html)?
d) Verfügt die Bundesregierung über Daten, Studien und/oder
Berechnungen, welche auf eine positive Entwicklung des Wirtschaftsstandorts
Deutschlands seit Amtsübernahme der Bundesregierung hindeuten?
e) Verfügt die Bundesregierung über Studien und bzw. oder
Berechnungen, welche die Wachstumserwartungen des Bundeskanzlers stützen?
f) Geht die Bundesregierung tatsächlich davon aus, dass Deutschland bis
2025 Wachstumsraten wie in den 1950er- und 1960er-Jahren erzielen
wird, und wenn nein, erwartet die Bundesregierung entsprechendes
Wachstum zu einem späteren Zeitpunkt, und auf welche Erkenntnisse
stützt sie sich dabei?
g) Auf Grundlage welcher Daten und Fakten kommt
Bundeswirtschaftsminister Dr. Robert Habeck zu dem Schluss, dass „wirklich
beachtliche, verbesserte Wachstumsaussichten“ für Deutschland bestünden
(Frühjahrsprognose der Bundesregierung am 26. April 2023), und was
ist konkret damit gemeint?
h) Wie positioniert sich die Bundesregierung zu der jüngsten
Gemeinschaftsdiagnose führender deutscher Wirtschaftsforschungsinstitute,
nach welcher ein Potenzialwachstum von 0,9 Prozent (EU-Methode)
bzw. 0,7 Prozent (modifizierte EU-Methode) für die Jahre 2022 bis
2027 vorhergesagt wird, nachdem in den Jahren 1996 bis 2022 die
Potenzialrate bei durchschnittlich 1,3 Prozent gelegen hatte (gemeinschaft
sdiagnose.de/wp-content/uploads/2023/04/GD_1_2023.pdf), und
welche konkreten Schlüsse zieht die Bundesregierung daraus?
i) Wie positioniert sich die Bundesregierung zu aktuellen Prognosen von
renommierten Wirtschaftsinstitutionen, die Deutschland kein
Wachstum mehr zutrauen bzw. nach welchen zufolge die deutsche
Wirtschaftsleistung im europäischen sowie internationalen Vergleich
deutlich zurückfällt (u. a. www.imf.org/en/Countries/DEU; www.imf.org/e
n/Publications/WEO/Issues/2023/07/10/world-economic-outlook-updat
e-july-2023; www.ifo.de/pressemitteilung/2023-06-21/ifo-konjunkturpr
ognose-sommer-2023-deutsche-wirtschaft-schrumpft-2023; www.imk-
boeckler.de/de/faust-detail.htm?sync_id=HBS-008640), und welche
konkreten Schlüsse zieht sie daraus?
23. Was ist der Anlass für die Ankündigung der Bundesregierung, künftig den
Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die Wirtschaftspolitik legen zu wollen (u. a.
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 9. Juli 2023, http://www.faz.net/aktu
ell/wirtschaft/wirtschaftspolitik-der-ampelregierung-kommt-da-noch-was-
19018714.html), und was heißt das über die Energie- und Klimapolitik
hinaus konkret (bitte Maßnahmen und Ziele konkret auflisten)?
a) Wird es kurzfristig einen Krisengipfel der Bundesregierung zur
Wirtschaftslage geben, und wenn nein, warum nicht (bitte begründen)?
b) Welche konkreten politischen Maßnahmen ergreift die
Bundesregierung, um eine „neue Investitionsagenda für Deutschland“ (www.handel
sblatt.com/dpa/gruenen-chefin-lang-fordert-neue-investitionsagenda-fu
er-deutschland/29286946.html) umzusetzen?
Warum lehnt Bundeswirtschaftsminister Dr. Robert Habeck allgemeine
Konjunkturpakete ab, inwieweit sind diese Programme
inflationsverschärfend, und welches Krisenpaket schlägt er stattdessen vor (www.ha
ndelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/wachstum-habeck-und-li
nder-lehnen-konjunkturpaket-ab-/29284614.html)?
c) Wird die Bundesregierung die Investitionsprämie
(„Superabschreibung“), wie im Referentenentwurf eines Wachstumschancengesetzes
vorgesehen (www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Gesetzeste
xte/Gesetze_Gesetzesvorhaben/Abteilungen/Abteilung_IV/20_Legislat
urperiode/2023-07-17-Wachstumschancengesetz/1-Referentenentwur
f.pdf), umsetzen, und wie hoch werden die Entlastungswirkungen
eingeschätzt?
d) Warum umfasst im Referentenentwurf eines
Wachstumschancengesetzes vorgesehene Investitionsprämie nicht auch eine die digitale
Transformation unterstützende und im Koalitionsvertrag angekündigte
Investitionsprämie für digitale Wirtschaftsgüter (www.bundesregierun
g.de/resource/blob/974430/1990812/1f422c60505b6a88f8f3b3b5b8720
bd4/2021-12-10-koav2021-data.pdf)?
Wann und wie wird die Bundesregierung eine Investitionsprämie auf
digitale Wirtschaftsgüter einführen, und welche Alternativen sind
gegebenenfalls vorgesehen, um die dringend notwendige digitale
Transformation in den Unternehmen zu unterstützen?
e) Wie steht die Bundesregierung zu der Forderung von Dr. Jens
Südekum, dass jetzt ein „massives Investitionsprogramm für 2024 und 2025
mit Superabschreibungen“ erforderlich sei und „kein Konjunkturpaket“
(www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/wachstum-habe
ck-und-linder-lehnen-konjunkturpaket-ab-/29284614.html)?
f) Wie ist der Umsetzungsstand bei dem von der Bundesregierung
angekündigten „neuen Bürokratieentlastungsgesetz“
(Koalitionsvertrag 2021 bis 2025 zwischen SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und
FDP, S. 26), welche Themenfelder und Maßnahmen wird es umfassen,
wie soll sichergestellt werden, dass die 442 von den Verbänden,
Kammern und Zivilorganisationen eingebrachten Vorschläge Eingang in das
jetzige Gesetz finden, und wie werden die Entlastungswirkungen
eingeschätzt?
g) Beabsichtigt die Bundesregierung vor dem Hintergrund der
Berechnungen der Deutschen Industrie- und Handelskammer zur massiv
zugenommen europäischen Regulierung (www.dihk.de/de/aktuelles-und-pre
sse/aktuelle-informationen/eu-buerokratie-radikaler-spuerbarer-kurswe
chsel-noetig-99876), die derzeitigen Ausnahmen von der „One in, one
out“-Regelung für Einmalaufwand und Aufwand durch die Umsetzung
europäischen Rechts abzuschaffen und diese jeweils in die „One in,
one out“-Regelung zu integrieren?
Teilt die Bundesregierung die Ansicht der Fragesteller, die „One in,
one out“-Regelung zu einer „One in, two out“-Regelung zu erweitern,
um nicht nur zusätzliche Bürokratie auszubremsen, sondern auch den
Bestand an Bürokratie zu verringern, und wenn nein, warum nicht
(bitte im Einzelnen begründen)?
h) Wie beabsichtigt die Bundesregierung, Planungs- und
Genehmigungsverfahren auf ein „Deutschland-Tempo“ zu beschleunigen?
i) Wie wird die Bundesregierung die verbesserte Verlustverrechnung
konkret umsetzen, wie viele Unternehmen werden hiervon nach Schätzung
der Bundesregierung profitieren, und von welchen Liquiditätseffekten
in welcher Höhe geht die Bundesregierung aus?
j) Wie steht die Bundesregierung zu der immer wieder aufkommenden
Forderung aus der Wirtschaft, den Steuerstandort Deutschland durch
niedrigere Unternehmenssteuern bzw. einen „Steuerdeckel“ von
25 Prozent für in Kapitalgesellschaften und Personenunternehmen
einbehaltene Gewinne attraktiver zu machen (u. a. bdi.eu/publikation/new
s/raus-aus-der-krise-bdi-steuermodell-der-zukunft)?
k) Wie steht die Bundesregierung zu der vor dem Hintergrund des
Arbeits- und Fachkräftemangels immer wieder aufkommenden
Forderung aus der Wirtschaft, Arbeitszeiten bzw. das Arbeitszeitgesetz zu
flexibilisieren (u. a. arbeitgeber.de/themen/arbeitsrecht-und-tarifpolitik/
arbeitszeit)?
24. Welche Rolle spielt der Abschluss von Freihandelsabkommen in der
Strategie der Bundesregierung, um neue Wachstumsimpulse zu setzen?
a) Wird sich die Bundesregierung auf Ebene der Europäischen Union für
den schnellen Abschluss von Freihandelsabkommen wie etwa mit dem
Mercosur-Raum, Indien und Australien einsetzen?
b) Wie positioniert sich die Bundesregierung zu möglichen
Handelsabkommen mit Indonesien, Thailand, den Philippinen und Malaysia?
c) Wird die Bundesregierung über die Afrika-Strategie des
Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
hinaus eine übergeordnete Afrika-Strategie erarbeiten?
d) Wird sich die Bundesregierung dafür einsetzen, die Ursprungsregeln
des Trade and Cooperation Agreement (TCA) zwischen der
Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich zu verlängern?
Wie möchte die Bundesregierung verhindern, dass der Handel mit dem
Vereinigten Königreich durch neue Einfuhrzölle erschwert wird und
Wettbewerbsnachteile für die deutsche Industrie entstehen?
Berlin, den 4. August 2023
Friedrich Merz, Alexander Dobrindt und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333
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