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Kleine AnfrageWahlperiode 21Beantwortet

Herausforderungen der Brauwirtschaft in Deutschland

(insgesamt 21 Einzelfragen)

Fraktion

AfD

Ressort

Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat

Datum

06.11.2025

Aktualisiert

12.11.2025

Deutscher BundestagDrucksache 21/212709.10.2025

Herausforderungen der Brauwirtschaft in Deutschland

der Abgeordneten Manfred Schiller, Marc Bernhard, Bernd Schattner, Raimond Scheirich, Stefan Henze, Christian Reck, Stephan Protschka, Peter Felser, Danny Meiners, Julian Schmidt, Bernd Schumann, Dr. Michael Blos, Olaf Hilmer, Steffen Janich, Enrico Komning, Dario Seifert, Lars Schieske, Stefan Schröder und der Fraktion der AfD

Vorbemerkung

Deutschland steckt nicht nur tief in der Wirtschaftskrise, sondern nach Auffassung der Fragesteller auch tief in der Bierkrise. Die deutsche Brauereiindustrie steht vor großen Herausforderungen. Steigende Energie- und Rohstoffkosten sowie ein sinkender Bierkonsum haben erhebliche Auswirkungen auf zahlreiche Betriebe. Der Verlust des fünften Platzes unter den größten Bierproduzenten der Welt an Russland zeigt die kritische Lage (www.n-tv.de/wirtschaft/Russen-haengen-Deutschland-in-Bierproduktion-ab-article25917760.html).

Deutschlands Bierexport sank 2024 gegenüber 2014 insgesamt um 6 Prozent (www.presseportal.de/pm/32102/6016882), der gesamte Absatz sank in diesem Zeitraum um 13,7 Prozent (www.tagesschau.de/wirtschaft/konjunktur/bierabsatz-brauereien-corona-schliessungen-100.html). Das laufende Jahr 2025 allein brachte einen Erdrutsch von 7,5 Prozent weniger Absatz (www.bild.de/leben-wissen/mein-recht-verbraucherportal/bier-oettinger-chef-warnt-vor-dem-brauereien-kollaps-68ae962c8c33b226bcae9172).

Seit Beginn des Ukraine-Krieges 2022 sanken die Verkäufe von deutschem Bier nach Russland um das 1,7-Fache, die Gesamtlieferungen von Bier aus der EU gingen um ein Viertel zurück. Gleichzeitig konnten Länder wie Tschechien den Getränkeexport steigern, Polen konnte seine Exporte nach Russland gar um das 4,6-Fache steigern (www.oreanda-news.com/en/torgovlya_i_uslugi/german-beer-supplies-to-russia-have-dropped-to-a-minimum/article1548036/).

Der Geschäftsführer der bayerischen Brauerei Oettinger, einem der Marktführer, malt im Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“ ein düsteres Bild: „Die Brauereien werden wie Fliegen von der Wand fallen.“ (www.bild.de/leben-wissen/mein-recht-verbraucherportal/bier-oettinger-chef-warnt-vor-dem-brauereien-kollaps-68ae962c8c33b226bcae9172; https://borsemarket.de/nachrichten/deutscher-biermarkt-in-schieflage-brauereien-in-gefahr/). Eine große Insolvenzwelle rolle zuerst auf die kleinen, dann auf die großen Produzenten zu.

DBB-Präsident (DBB = Deutscher Brauer-Bund) Christian Weber nennt die Faktoren „Corona und Energiepreiskrise“ als Ursachen. Dessen Hauptgeschäftsführer, Holger Eichele, erklärt, dass das schlechte Konsumklima und die Situation in der Gastronomie seit der Pandemie voll auf die Brauwirtschaft durchgeschlagen habe (https://brauer-bund.de/pressemitteilungen/2025-bleibt-ein-forderndes-jahr/). Im September 2022 machten die Erzeugerpreise bei Energie einen Sprung um 132 Prozent gegenüber dem gleichen Monat im Vorjahr (https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/700760/erzeugerpreise-fuer-energie-steigen-um-1322-prozent). Energiepreise liegen aktuell immer noch um ca. 30 bis 60 Prozent über dem Niveau von Ende 2021 (www.n-tv.de/ratgeber/Energie-noch-immer-ueber-30-Prozent-teurer-als-2021-article25585708.html), sie machen zwischen 15 und 20 Prozent der Herstellungskosten im Brauprozess aus (www.tagesschau.de/wirtschaft/konjunktur/bierabsatz-brauereien-corona-schliessungen-100.html). Die Entwicklung des Verbraucherpreisindex Bier von 100 im Jahr 2020 auf 122,4 im Jahr 2024 zeigt daher eine überdurchschnittliche Preisentwicklung, der eine überdurchschnittliche Kostenentwicklung zugrunde liegt.

Der Trend zu alkoholfreiem Bier, dessen Produktion sich zwischen 2014 und 2024 nahezu verdoppelt hat (www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Zahl-der-Woche/2025/PD25_31_p002.html?templateQueryString=bier), klingt auf den ersten Blick vielversprechend, aber der Anteil am Gesamtbiermarkt lag im Jahr 2023 gerade mal bei 7 Prozent, so Holger Eichele (www.tagesschau.de/wirtschaft/alkoholfreies-bier-brauereien-100.html). Außerdem erfordert die Herstellung von alkoholfreiem Bier Investitionen in Verfahren wie Vakuumdestillation oder Umkehrosmose, die für kleinere Betriebe oft unrentabel sind.

Weitere Herausforderungen bringt die Zukunft durch die Umstellung der Produktion auf Strom, verbunden mit dem Neubau der Anlagen von bis zu 80 Prozent, denn der Gesetzgeber strebt bis 2045 Klimaneutralität an (www.tagesschau.de/wirtschaft/konjunktur/bierabsatz-brauereien-corona-schliessungen-100.html). Die Branche rutscht nach Ansicht der Fragesteller von einer unverschuldeten Krise in die nächste, unter anderem durch gesetzlichen Investitionszwang, Risiken sind kaum mehr kalkulierbar und planbar.

Die traditionsreiche Schlössle-Brauerei in Neu-Ulm gibt nach 334 Jahren auf, schuld sind gestiegene Energie- und Rohstoffkosten und sinkender Konsum (www.bild.de/regional/bayern/brauerei-schloessle-macht-nach-334-jahren-dicht-66e2e782cb180e1cf9206a0d). Im letzten Jahr stellte die traditionsreiche Gambrinus-Brauerei aus Weiden Insolvenzantrag (https://weiden-region.de/gambrinus-brauerei-weiden/), sodass das Volksfest im September 2025 betroffen war.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen21

1

Welche wirtschaftliche, kulturelle und beschäftigungspolitische Bedeutung misst die Bundesregierung der Brauwirtschaft zu, und gibt es konkrete Maßnahmen bzw. sind konkrete Maßnahmen geplant, die diese Bedeutung unterstreichen?

2

Hat die Bundesregierung seit 2022 konkrete Maßnahmen zur finanziellen Entlastung von kleinen und mittelständischen Brauereien ergriffen, um die Folgen gestiegener Energie- und Rohstoffpreise abzumildern?

Wenn ja, welche?

Wenn nein, warum nicht?

3

Wie wirken sich nach Einschätzung der Bundesregierung die im Vergleich zu Nachbarländern erheblich höheren Energiepreise auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Brauereien aus, und sind Maßnahmen geplant, um dem entgegenzusteuern (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/151260/umfrage/strompreise-fuer-industriekunden-in-europa/)?

4

Hat die Bundesregierung seit 2020 konkrete Gesetze oder Verordnungen ersichtlich entschlackt oder vereinfacht, um kleine und mittlere Brauereien von bürokratischen Pflichten zu entlasten?

Wenn ja, welche konkret?

Wenn nein, warum nicht?

5

Fanden zwischen 2020 und 2025 strukturierte Gespräche zwischen der Bundesregierung und den Brauereiverbänden statt, wenn ja, wie oft und in welchem Format, und warum wurde auf Bundesebene bislang kein institutionalisiertes Format etabliert, so wie es für andere Branchen, wie beispielsweise die Automobilbranche, längst existiert?

6

Warum erhebt die Bundesregierung keine branchenspezifischen Daten zu Insolvenzen und Betriebsschließungen in der Brauwirtschaft, obwohl viele kleine Betriebe strukturell gefährdet sind, und ist ein solches Monitoring zur wirtschaftlichen Lage der Brauwirtschaft geplant (Antwort zu den Fragen 1 und 2 auf Bundestagsdrucksache 20/6323)?

7

Sieht die Bundesregierung einen Zusammenhang zwischen Russland-Sanktionen und einbrechendem Bierexport, und wenn ja, welchen (vgl. www.n-tv.de/wirtschaft/Russen-haengen-Deutschland-in-Bierproduktion-ab-article25917760.html)?

8

Haben die EU-Sanktionen nach Ansicht der Bundesregierung, obwohl sie explizit das Produkt Bier nicht betreffen, Russland dazu veranlasst, langjährige Handelsbeziehungen zu deutschen Lieferanten zu kappen, die eigene Produktion anzukurbeln und Ersatzlieferanten zu suchen zum Schaden der deutschen Wirtschaft (vgl. Frage 7)?

9

Spielt nach Ansicht der Bundesregierung die Energiewende eine Rolle bei den gestiegenen Produktionskosten in der Brauereiindustrie und in diesem Zusammenhang der Absatz- und Exportrückgang, und wenn ja, welche Rolle ist dies?

10

Inwieweit hilft die vom Bundeskabinett beschlossene Senkung der Stromsteuer der Brauereiwirtschaft, insbesondere den kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs), bzw. gibt es bei den Gesamtkosten einer mittelgroßen Brauerei überhaupt einen spürbaren Entlastungseffekt vor dem Hintergrund der gestiegenen Strompreise seit Anfang 2022 und dem hohen Energieanteil an den Produktionskosten?

11

Sieht sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Branche einer weiteren Kostensteigerung ausgesetzt aufgrund der steigenden CO2-Bepreisung im Hinblick auf die Integration in EU-ETS II (ETS = Emissions Trading System; Einbindung von Verkehr und Gebäuden in das Emissionshandelssystem), und wenn ja, inwiefern?

12

Haben die Energiepreiskrise und der Zwang zu hohen Investitionen aufgrund der gesetzlich vorgegebenen Transformation nach Kenntnis der Bundesregierung zu Marktverzerrungen und Standortnachteilen für die deutsche Brauwirtschaft geführt, und wenn ja, wie gedenkt die Bundesregierung in diesem Fall, den Standortnachteil ggf. auszugleichen?

13

Wie beeinflusst nach Kenntnis der Bundesregierung die allgemeine Rezession die Beschäftigungslage in der Brauereiindustrie?

14

Wie hat sich die Beschäftigungssituation in der Brauereiindustrie zwischen 2014 und 2024 entwickelt (bitte in einer Tabelle nach Brauhauptbewerbe und Braunebengewerbe, nach KMU und Großunternehmen sowie einzelnen Jahren aufschlüsseln)?

15

Wird es nach Kenntnis der Bundesregierung für die Brauwirtschaft unausweichlich werden, z. B. aufgrund gesetzlicher Vorgaben, CO2-Rückgewinnungsanlagen zu installieren nach dem Beispiel von Oettinger Getränke, um einerseits Klimaneutralität zu erreichen und andererseits eine nicht einschätzbare Kostensteigerung des Betriebsstoffes CO2 auszuschließen (www.gea.com/en/stories/closing-the-loop-key-lessons-for-breweries-from-oettinger/), und wenn ja, welche Gesamtkosten kommen allein durch diesen Umstellungsprozess auf die Branche zu?

16

Wird es nach Ansicht der Bundesregierung durch weitere Kostensteigerungen im Bereich Energie, Transformation und Klimaneutralität zu weiterer Konzentration auf große Global Player in der Branche kommen?

17

Wie schätzt die Bundesregierung die Entwicklung der Insolvenzen in der Branche bis 2030 ein, und geht sie davon aus, dass die Hauptbetroffenen die KMUs der Branche sein werden?

18

Schätzt die Bundesregierung die Entwicklung im Braugewerbe als exemplarisch ein für die Entwicklung der gesamten deutschen Volkswirtschaft?

19

Plant die Bundesregierung Entlastungen für das Braugewerbe speziell für kleine und mittlere Betriebe, und wenn ja, welche?

20

Welche Fördermittel der EU stehen nach Kenntnis der Bundesregierung speziell der deutschen Brauwirtschaft im Bereich „Transformation“ zur Verfügung?

21

Können bundesdeutsche Fördermittel für Transformation (z. B. das Förderprogramm „Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft“) kleine und mittlere Betriebe der Branche effektiv unterstützen, ohne am Ende nur ein Tropfen auf den heißen Stein zu sein und zu finanzieller Überforderung zu führen (www.krones.com/de/unternehmen/presse/magazine/referenz/fahrplan-zu-klimaneutralitaet-fuer-denkmalschutz-brauerei.php)?

Berlin, den 23. September 2025

Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion

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