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Kleine AnfrageWahlperiode 21Beantwortet

Ernährungsreport 2025 der Bundesregierung

(insgesamt 13 Einzelfragen)

Fraktion

AfD

Ressort

Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat

Datum

09.01.2026

Aktualisiert

21.01.2026

Deutscher BundestagDrucksache 21/320210.12.2025

Ernährungsreport 2025 der Bundesregierung

der Abgeordneten Stephan Protschka, Peter Felser, Julian Schmidt, Danny Meiners, Bernd Schuhmann, Christian Reck, Bernd Schattner, Stefan Schröder, Lars Schieske, Enrico Komning, Steffen Janich, Dario Seifert, Dr. Michael Blos, und der Fraktion der AfD

Vorbemerkung

Der jüngste Ernährungsreport für Deutschland offenbart eine deutliche Verschiebung im Verbraucherverhalten. 59 Prozent der Befragten legen beim Kauf von Lebensmitteln wieder vermehrt Wert auf die Preise (www.bmleh.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/ernaehrungsreport-2024.pdf?__blob=publicationFile&v=4, S. 10, Was beim Einkauf wichtig ist). Dieser Trend ist eine unmittelbare Reaktion auf die erhebliche Preissteigerung bei Nahrungsmitteln, die sich seit 2020 durchschnittlich um 30 Prozent verteuert haben (https://de.statista.com/themen/8554/lebensmittelpreise/#topicOverview). Der Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Alois Rainer, unterstreicht in diesem Kontext die Notwendigkeit, dass Lebensmittel für alle Schichten der Bevölkerung bezahlbar bleiben müssen und die Bundesregierung keine zusätzlichen Abgaben oder Zuschläge auf Nahrungsmittel plant und den Bürgern keinesfalls vorschreiben will, welche Speisen sie wählen sollen (www.bmleh.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/115-ernaehrungsreport-2025.html). „Essen ist individuell, Teil unserer Identität und ein Stück Heimat“, betonte der Bundesminister bei der Präsentation der Studie (www.bmleh.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/115-ernaehrungsreport-2025.html).

Darüber hinaus bleibt der Geschmack der entscheidende Faktor beim Einkauf, denn fast alle Teilnehmer (98 Prozent) der Umfrage nannten ihn als primäres Kriterium für ihre Entscheidung darüber, was verzehrt wird (der BMLEH (Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat)-Ernährungsreport „Deutschland, wie es isst“, S. 4, Beim Essen zählt der Geschmack). Ein weiterer markanter Befund zeigt, dass Verbraucher zunehmend auf die Zusammensetzung von Fertigprodukten achten. Insbesondere die Verringerung von Zucker, Fett und Salz gewinnt an Relevanz, und so stieg der Anteil derjenigen, die bewusst zuckerreduzierte Produkte wählen, von 58 Prozent im Jahr 2019 auf 64 Prozent im Jahr 2025 (der BMLEH-Ernährungsreport „Deutschland, wie es isst“, S. 22, Lieber weniger süß, fettig und salzig). Ähnliche Zuwächse gibt es bei salz- und fettreduzierten Varianten. Die Ergebnisse des Reports basieren auf einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes forsa unter 1 000 Personen ab 14 Jahren, die ihre Gewohnheiten beim Essen und Einkaufen beleuchtet (der BMLEH-Ernährungsreport „Deutschland, wie es isst“, S. 31).

Der Report, der seit 2015 jährlich vom Bundesagrarministerium herausgegeben wird, hebt zudem hervor, dass Aspekte wie Saisonalität, Regionalität und Tierwohl insbesondere beim Essen außer Haus ebenfalls an Bedeutung gewinnen (der BMLEH-Ernährungsreport „Deutschland, wie es isst“, S. 24, Essen außer Haus – Essen soll schmecken). Etwa 69 Prozent der Verbraucher kaufen pflanzliche Alternativen aus Neugier oder um Klima und Umwelt zu schützen (60 Prozent), wenngleich der Anteil der Konsumenten, die öfters vegetarische oder vegane Produkte gekauft haben, im Jahr 2025 leicht auf 34 Prozent zurückging (der BMLEH-Ernährungsreport „Deutschland, wie es isst“, S. 14, Pflanzliche Alternativen als Option).

Neben der aktuell immer noch andauernden Inflation, vor allem im Nahrungssegment, und einer nicht enden wollenden Preisspirale, sind die Fragesteller daran interessiert, von der Bundesregierung zu erfahren, wie sie mit den Ankündigungen vonseiten der EU-Kommission zukünftig umgehen will, ab 2026 eine höhere Besteuerung auf stark verarbeitete Lebensmittel mit hohem Fett-, Zucker- und Salzgehalt sowie auf Alkopops einzuführen (https://kurier.at/wirtschaft/fett-zucker-salz-steuer-medizin-eu-lebensmittel-industrie/403103917).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen13

1

Wie plant die Bundesregierung konkret, die Preisstabilität bei Lebensmitteln langfristig zu sichern, insbesondere angesichts der im Ernährungsreport 2025 seit dem Jahr 2020 dokumentierten 13-prozentigen Steigerung beim Lebensmitteleinkauf wieder vermehrt auf die Preise zu achten, anstatt auf andere Kaufargumente?

2

Ist die Bundesregierung daran interessiert, dass die Preise für Lebensmittel wieder für alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen erschwinglich werden, und wenn ja, mit welchen Maßnahmen soll das gelingen?

3

Welche Maßnahmen werden durch die Bundesregierung ergriffen, um einkommensschwache Haushalte vor weiteren Preissteigerungen zu schützen, ohne in die individuelle Essenswahl einzugreifen?

4

Gibt es Pläne seitens der Bundesregierung für eine Ausweitung der Lebensmittelhilfeprogramme oder Steuererleichterungen?

5

Wie positioniert sich die Bundesregierung zu den Vorschlägen der EU-Kommission, Steuern auf stark verarbeitete Lebensmittel zu erheben (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?

6

Plant die Bundesregierung, diese in Frage 5 genannten Maßnahmen zu blockieren oder inhaltliche Einwände zu erheben, um wieder Preisstabilität im Nahrungsmittelsegment herzustellen oder zumindest das derzeitige Niveau zu halten und so die Kosten für Lebensmittel nicht noch weiter ausufern zu lassen?

7

Inwiefern könnten EU-Steuern nach Auffassung der Bundesregierung den Trend unterstützen, dass Verbraucher zunehmend auf reduzierte Zucker-, Fett- und Salzgehalte in Fertigprodukten achten, und welche Alternativen schlägt die Bundesregierung vor, falls Steuern für dieses Nahrungsmittelsegment abgelehnt werden?

8

Welche Auswirkungen erwartet die Bundesregierung von EU-weiten Steuern auf hochverarbeitete Lebensmittel auf den deutschen Markt, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen in der Lebensmittelindustrie, und liegen der Bundesregierung in diesem Zusammenhang Berechnungen zu den potenziellen Auswirkungen von Preiserhöhungen vor?

9

Wie wird die Bundesregierung sicherstellen, dass EU-Initiativen nicht zu einer Belastung für Verbraucher werden, die bereits mit Preissteigerungen zu kämpfen haben, weshalb das Kaufargument Preis wieder stärker in den Fokus der Konsumenten gerückt ist?

10

Plant die Bundesregierung eigene Programme zur Reduktion ungesunder Inhaltsstoffe ohne steuerliche Zwänge?

a) Wenn ja, welche sind das?

b) Wenn nein, warum nicht?

11

Wird die Bundesregierung verhindern, dass EU-Steuern auf bestimmte Lebensmittel indirekt Einfluss auf die individuelle Freiheit der Bundesbürger nehmen, selbst darüber zu entscheiden, was sie essen, und wenn ja, wie (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?

12

Welche Szenarien plant die Bundesregierung ggf., falls die EU-Kommission Steuern auf verarbeitete Lebensmittel durchsetzt?

a) Könnte dies zu Konflikten mit der von Bundesminister Alois Rainer geforderten Erschwinglichkeit führen (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?

b) Wie würde die Bundesregierung ggf. dagegen vorgehen?

13

Hat sich die Bundesregierung zu den potenziellen Nutzen von EU-Steuern für die Gesundheit (z. B. Reduktion von Adipositas) im Vergleich zu den Risiken für Preisstabilität, basierend auf den Daten des Reports, eine eigene Auffassung erarbeitet, und wenn ja, wie lautet diese?

Berlin, den 8. Dezember 2025

Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion

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