Baulicher Zustand der Brückeninfrastruktur in Nordrhein-Westfalen im Zusammenhang mit Castortransporten zwischen Jülich und Ahaus
der Abgeordneten Mareike Hermeier, Luigi Pantisano, Marcel Bauer, Lorenz Gösta Beutin, Violetta Bock, Jorrit Bosch, Dr. Fabian Fahl, Katrin Fey, Katalin Gennburg, Ina Latendorf, Caren Lay, Sahra Mirow, David Schliesing, Sascha Wagner und der Fraktion Die Linke
Vorbemerkung
Zwischen dem Standort des ehemaligen Kernforschungszentrums in Jülich und dem Zwischenlager in Ahaus erfolgen bzw. sind Transporte von radioaktiven Materialien geplant oder bereits durchgeführt worden. Diese Transporte erreichen aufgrund der eingesetzten Transportbehälter und Sicherungstechnik ein Gesamtgewicht von bis zu 130 Tonnen.
Die vorgesehenen Transportstrecken führen über zahlreiche Straßenabschnitte und Brückenbauwerke in Nordrhein-Westfalen. Medienberichte sowie Einschätzungen von Fachleuten weisen darauf hin, dass ein Teil der Brückeninfrastruktur in Nordrhein-Westfalen als sanierungsbedürftig oder strukturell belastet gilt. Schwerlasttransporte können dabei eine zusätzliche Beanspruchung darstellen.
Im Zusammenhang mit dem Transport am 24./25. März 2026 berichtete der Westdeutscher Rundfunk, dass der Transport auf seinem Weg rund 200 Brückenbauwerke passiert, von denen sich einige in einem so schlechten baulichen Zustand befinden, dass sie lediglich mit deutlich reduzierter Geschwindigkeit (etwa 5 km/h) befahren werden konnten (https://cdn.tickaroo.com/embed/v4/fullpage/5fc636993ecf7c8b4efb8738/fpl2axIAeRJsXZFdXkgjGsF7nfQ6vo.html).
Vor diesem Hintergrund stellen sich Fragen hinsichtlich der Sicherheit der Transportstrecke, der Tragfähigkeit der betroffenen Brückenbauwerke, der Risikobewertung durch die zuständigen Behörden sowie der Vorsorgemaßnahmen im Falle von Schäden oder Unfällen.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen18
Welche konkreten Transportstrecken zwischen Jülich und Ahaus wurden für Atomtransporte mit einem Gesamtgewicht von bis zu 130 Tonnen bislang genutzt oder sind vorgesehen?
Welche Brückenbauwerke werden auf diesen Strecken jeweils passiert (bitte einzeln auflisten)?
In welchem baulichen Zustand befinden sich die einzelnen Brücken entlang der Transportstrecke nach Kenntnis der Bundesregierung (bitte unter Angabe der jeweiligen Zustandsnoten gemäß Brückenbewertungssystem)?
Bei welchen dieser Brücken besteht nach Kenntnis der Bundesregierung ein Sanierungs- oder Erneuerungsbedarf, und wie wird dieser jeweils zeitlich eingeordnet?
Welche Brücken entlang der Strecke weisen nach Kenntnis der Bundesregierung Schäden wie Rissbildungen, Materialermüdung oder Korrosionsprobleme auf (bitte differenziert darstellen)?
Für welche Brücken entlang der Strecke gelten derzeit Lastbeschränkungen oder besondere Nutzungsauflagen?
Welche statischen Nachweise wurden im Vorfeld der Transporte für die betroffenen Brückenbauwerke durchgeführt?
a) In welchen Fällen wurden keine gesonderten statischen Prüfungen im Vorfeld durchgeführt, und wie wird dies jeweils begründet?
b) Welche regelmäßigen Kontrollen der betroffenen Brücken finden statt, in welchen zeitlichen Abständen erfolgen diese, und wurden diese im Zusammenhang mit den Transporten angepasst?
Welche Sicherheitszuschläge wurden bei der Berechnung der Tragfähigkeit im Hinblick auf die Schwertransporte angesetzt?
Gab es im Zuge der Transportplanung besondere Begutachtungen einzelner Brücken (z. B. Sonderprüfungen), und wenn ja, mit welchem Ergebnis?
In welchen Fällen wurden für die Durchführung der Atomtransporte Ausnahmen von bestehenden Gewichtsbeschränkungen erteilt?
Inwieweit wurden temporäre Sicherungsmaßnahmen (z. B. Verkehrseinschränkungen, Geschwindigkeitsbegrenzungen, Begleitfahrzeuge) speziell für die Atomtransporte angeordnet?
a) Auf welchen konkreten Brückenbauwerken oder Streckenabschnitten wurde die Geschwindigkeit auf Schrittgeschwindigkeit (z. B. etwa 5 km/h) reduziert, und welche Gründe lagen hierfür jeweils vor?
Welche Behörden auf Bundes- und Landesebene waren in die Genehmigung und Bewertung der Transportstrecke eingebunden?
Welche Rolle spielte das Land Nordrhein-Westfalen bei der Festlegung und Prüfung der Transportwege?
Welche Risikoanalysen wurden im Hinblick auf mögliche Brückenschäden oder ein mögliches Versagen von Brücken während eines Transports durchgeführt?
Welche Notfall- und Evakuierungspläne bestehen für den Fall eines Unfalls auf einer Brücke während eines Atomtransports?
Sind der Bundesregierung Vorfälle bekannt, bei denen es im Zusammenhang mit vergleichbaren Schwertransporten zu Schäden an Brücken gekommen ist?
Inwieweit wurden alternative Transportwege (z. B. Schiene) geprüft, und aus welchen Gründen wurden diese gegebenenfalls verworfen?
Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um die Sicherheit zukünftiger Atomtransporte über die bestehende Infrastruktur zu gewährleisten?