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Kleine AnfrageWahlperiode 17Beantwortet

Komplementärmedizin - Forschung und Anwendung in Deutschland

Grundsätzliche Bewertung komplementärmedizinischer Methoden und Produkte, Anteil der auf dem deutschen Markt vertretenen Medikamente, Übernahme von Kosten und Leistungen der Komplementärmedizin durch Krankenkassen, Forschungsförderung zur Wirksamkeit in Deutschland (auch von Placeboverfahren), den USA und auf europäischer Ebene; Zuständigkeit in Ressortforschungseinrichtungen, Rolle im Gesundheitsforschungsprogramm der Bundesregierung<br /> (insgesamt 30 Einzelfragen)

Fraktion

SPD

Ressort

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Datum

15.07.2013

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 17/1426226. 06. 2013

Komplementärmedizin – Forschung und Anwendung in Deutschland

der Abgeordneten René Röspel, Dr. Ernst Dieter Rossmann, Willi Brase, Ulla Burchardt, Petra Ernstberger, Michael Gerdes, Iris Gleicke, Klaus Hagemann, Oliver Kaczmarek, Ute Kumpf, Thomas Oppermann, Florian Pronold, Marianne Schieder (Schwandorf), Swen Schulz (Spandau), Dagmar Ziegler, Dr. Frank-Walter Steinmeier und der Fraktion der SPD

Vorbemerkung

Mit dem Begriff der Komplementärmedizin werden Behandlungsmethoden und Konzepte beschrieben, die sich selbst als Ergänzung zu schulmedizinischen Ansätzen verstehen.

Methoden und Produkte aus dem Bereich der Komplementärmedizin finden in Deutschland in größerem Umfang Anwendung und erleben seit Jahren eine stetig steigende Nachfrage, obgleich sich diese Angebote dadurch auszeichnen, dass ein wissenschaftlicher Nachweis ihrer Wirksamkeit regelmäßig nicht vorliegt.

Es stellt sich die Frage, in welchem Umfang die Anwendung komplementärmedizinischer Methoden in Deutschland tatsächlich stattfindet, in welche Richtung sich diese zukünftig entwickeln wird und ob bezüglich des Kenntnis- und Erfahrungsstandes zur Wirksamkeit der Komplementärmedizin Forschungsbedarf besteht. Derzeit wird davon ausgegangen, dass die Wirkung zahlreicher Methoden und Konzepte der Komplementärmedizin in erster Linie auf Placeboeffekten beruht.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen31

1

Wie bewertet die Bundesregierung im Grundsatz komplementärmedizinische Methoden und Produkte?

2

Wie viel Prozent der deutschen Bevölkerung nehmen nach Kenntnis der Bundesregierung Angebote in Anspruch, die man der Komplementär-/Alternativmedizin zuordnen kann?

3

Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Prozentanteil der auf dem deutschen Markt vertretenen Medikamente, die dem Bereich der Komplementärmedizin zugerechnet werden können?

4

Welcher Umsatz wurde nach Kenntnis der Bundesregierung mit komplementärmedizinischen Leistungen in den letzten fünf Jahren im Durchschnitt in Deutschland erwirtschaftet?

5

Wie hoch waren nach Kenntnis der Bundesregierung die von den Krankenkassen gezahlten Kosten für komplementärmedizinische Leistungen in den Jahren 2008, 2009, 2010, 2011 und 2012?

6

Welche Krankenkassen übernehmen nach Kenntnis der Bundesregierung Leistungen, die man der Komplementärmedizin/Alternativmedizin zuordnen kann (bitte um Darstellung nach Krankenkasse – gesetzlich und privat – und anhand ausgewählter Leistungen)?

7

Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse vor, welche betriebs- bzw. versicherungswirtschaftlichen Überlegungen der Bereitschaft einiger Krankenkassen zugrundeliegen, Leistungen der Komplementär-/Alternativmedizin zu finanzieren, und falls ja, welche?

8

In welcher Höhe und im Rahmen welcher Projekte hat die Bundesregierung in den Jahren 2008, 2009, 2010, 2011 und 2012 die Erforschung der Wirksamkeit von Angeboten aus der Komplementärmedizin gefördert (bitte um tabellarische Übersicht)?

9

Welche Forschungsprojekte zur Wirksamkeit von Placeboverfahren hat die Bundesregierung im gleichen Zeitraum in welcher Höhe gefördert?

10

Geht die Bundesregierung davon aus, dass in Zukunft mehr, genauso viele oder weniger komplementärmedizinische Methoden als heute zum Einsatz kommen werden, und warum?

11

Sind der Bundesregierung Statistiken darüber bekannt, welche Alters- und Sozialgruppen komplementäre Leistungen besonders häufig in Anspruch nehmen, und wenn ja, welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung daraus?

12

Welche der Komplementär-/Alternativmedizin zuzuzuordnenden Leistungen werden nach Kenntnis der Bundesregierung besonders stark nachgefragt?

13

Welche Rolle spielt nach Kenntnis der Bundesregierung die Komplementärmedizin in der staatlich geförderten Gesundheitsforschung Frankreichs, Polens und Großbritanniens?

14

Wie viel Prozent der amerikanischen Bevölkerung nehmen nach Kenntnis der Bundesregierung Methoden aus dem Bereich der Komplementärmedizin in Anspruch?

15

In welcher Höhe hat nach Kenntnis der Bundesregierung die USA in den Jahren 2008, 2009, 2010, 2011 und 2012 die Erforschung der Wirksamkeit der Komplementärmedizin gefördert?

16

Wie viel Geld hat die Bundesregierung für den Bereich der Erforschung der Wirksamkeit komplementärmedizinischer Ansätze für 2012 und 2013 vorgesehen?

17

Welche Maßnahmen bzw. Projekte werden nach Kenntnis der Bundesregierung auf europäischer Ebene mit dem Ziel der Erforschung der Wirksamkeit komplementärmedizinischer Methoden gefördert, und wie hoch ist der Finanzierungsbeitrag Deutschlands an diesen Maßnahmen bzw. Projekten?

18

Wie viele Professuren mit komplementärmedizinischen Schwerpunkten gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland?

19

Bei wie vielen dieser Professuren handelt es sich nach Kenntnis der Bundesregierung um Stiftungsprofessuren, und durch wen wurden sie gestiftet?

20

Welche außeruniversitären Forschungseinrichtungen beschäftigen sich nach Kenntnis der Bundesregierung mit dem Thema Komplementärmedizin?

21

Welche Ressortforschungseinrichtungen beschäftigen sich nach Kenntnis der Bundesregierung mit dem Thema Komplementärmedizin?

22

Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Forschungsförderung der Industrie im Bereich der Komplementärmedizin?

23

Wie viele Professuren mit komplementärmedizinischen Schwerpunkten gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung in den USA?

24

Im Rahmen welcher Projekte werden nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland die Fragen der Kosteneffektivität, der Therapiesicherheit und der Wirksamkeit von komplementärmedizinischen Angeboten erforscht?

25

Wie viele Ärzte haben nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland Zusatzqualifikationen im Bereich der Komplementärmedizin?

26

Wie viel Prozent der Hausärzte in Deutschland praktizieren nach Kenntnis der Bundesregierung zumindest in Ansätzen Komplementärmedizin?

27

Wie viele Mitglieder im Gesundheitsforschungsrat der Bundesregierung haben ihren Arbeitsschwerpunkt im Bereich der Komplementärmedizin?

28

Wurden bei der Erarbeitung der durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung 2007 herausgegebenen Roadmap für das Gesundheitsforschungsprogramm der Bundesregierung Vertreterinnen oder Vertreter aus dem Bereich der Komplementärmedizin in den Beratungsprozess mit einbezogen?

29

Welche Rolle spielt die Komplementärmedizin im Gesundheitsforschungsprogramm der Bundesregierung?

30

Wie beurteilt die Bundesregierung das Verhältnis zwischen dem wissenschaftlichen Kenntnis- und Erfahrungsstand zur Wirksamkeit der Komplementärmedizin und dessen gesellschaftlichen Akzeptanz bzw. Nachfrage in Deutschland?

31

Plant die Bundesregierung die Forschungsmaßnahmen im Bereich der Komplementärmedizin in absehbarer Zukunft auszubauen?

Wenn ja, in welchem Umfang?

Wenn nein, warum nicht?

Berlin, den 26. Juni 2013

Dr. Frank-Walter Steinmeier und Fraktion

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