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Kleine AnfrageWahlperiode 15Beantwortet

Qualifizierte Fachkräftenachwuchs für den Lotsenberuf (G-SIG: 15010446)

Zahl der in den nächsten 10 Jahren in den Ruhestand gehenden Lotsen, Nachwuchssituation, attraktivere Gestaltung des Berufs, Einkommenslage, schulische Ausbildung, steuerliche Verbesserungen, Arbeitszeit- und Tarifmodelle

Fraktion

CDU/CSU

Ressort

Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen

Datum

01.08.2003

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 15/137201. 07. 2003

Qualifizierter Fachkräftenachwuchs für den Lotsenberuf

der Abgeordneten Wolfgang Börnsen (Bönstrup), Dirk Fischer (Hamburg), Eduard Oswald, Georg Brunnhuber, Dr. Klaus W. Lippold (Offenbach), Dietrich Austermann, Renate Blank, Klaus Brähmig, Hubert Deittert, Enak Ferlemann, Dr. Michael Fuchs, Peter Götz, Klaus Hofbauer, Norbert Königshofen, Werner Kuhn (Zingst), Eduard Lintner, Klaus Minkel, Gero Storjohann, Volkmar Uwe Vogel, Gerhard Wächter, Ulrich Adam, Otto Bernhardt, Antje Blumenthal, Monika Brüning, Manfred Carstens (Emstek), Peter H. Carstensen (Nordstrand), Gitta Connemann, Vera Dominke, Anke Eymer (Lübeck), Dr. Hans Georg Faust, Hartwig Fischer (Göttingen), Dr. Maria Flachsbarth, Jochen-Konrad Fromme, Kurt-Dieter Grill, Reinhard Grindel, Michael Grosse-Brömer, Klaus-Jürgen Hedrich, Susanne Jaffke, Eckart von Klaeden, Jürgen Klimke, Thomas Kossendey, Dr. Martina Krogmann, Dr. Hermann Kues, Helmut Lamp, Walter Link (Diepholz), Bernd Neumann (Bremen), Rita Pawelski, Dr. Peter Paziorek, Dr. Friedbert Pflüger, Heinrich-Wilhelm Ronsöhr, Volker Rühe, Georg Schirmbeck, Dr. Ole Schröder und der Fraktion der CDU/CSU

Vorbemerkung

Junge Menschen zeigen bei Bewerbermessen und Berufsinformationsveranstaltungen stets ein reges Interesse am Beruf des Seelotsen. Doch der lange und ungewisse Berufsweg ausschließlich über die Seeschifffahrt ist abschreckend.

Keine der bisherigen staatlichen Regulierungsmaßnahmen, ob auf EU-Ebene oder national, hat zu einer Verbesserung der äußerst schlechten Nachwuchssituation in der Schifffahrt und bei den Lotsen geführt, weil das Image und die sozialen Bedingungen nicht stimmen. Die augenblickliche und die in vorhersehbarer Zukunft zu erwartende Bewerbersituation macht es notwendig, Lösungen zur Sicherung des Lotsennachwuchses zu entwickeln. Gerade das letzte Jahr mit seinen zahlreichen spektakulären Schiffsunfällen, die sich auch in diesem Jahr fortsetzten, hat die Bedeutung des Lotsen für die Sicherheit im Schiffsverkehr deutlich gemacht.

Die Tätigkeit des Lotsen ist ein Beruf, der eine besonders hohe Anforderung an die fachliche und soziale Kompetenz seiner Bewerber stellt. Seine Aufgaben unterscheiden sich erheblich von denen des Kapitäns. Zu ihnen gehören die Beratung des Kapitäns auf unterschiedlichen Schiffen in schwierigen Verkehrsbereichen, seine wirtschaftliche Unabhängigkeit und Selbständigkeit. Deshalb ist eine Begrenzung des Berufszuganges durch geeignete Auswahlverfahren gerechtfertigt und notwendig. Doch darf die Beschränkung nicht zu einem Nachwuchsmangel und infolgedessen zu einer zunehmenden Gefahr für die Sicherheit auf Nord- und Ostsee sowie auf den Binnenwasserstraßen führen.

Der Lotsenberuf erfordert eine gesonderte Ausbildung, Weiterbildung und einen erheblichen Umfang an besonderer praktischer Erfahrung. Es muss für einen ausreichend qualifizierten Nachwuchs für den Lotsenberuf und den Erhalt des bisherigen Sicherheitsniveaus in der Schifffahrt Sorge getragen werden.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen15

1

Ist nach Ansicht der Bundesregierung die Wahrnehmung der hoheitlichen Aufgaben nach dem Seeaufgaben- und dem Seelotsengesetz mittel- und langfristig sichergestellt?

2

Teilt die Bundesregierung die Auffassung, dass die Nachwuchssituation bei den Seelotsen – besonders auf dem Nord-Ostsee-Kanal – dramatisch ist?

3

Wie viele der derzeit tätigen Lotsen (in absoluten Zahlen und in Prozent) gehen voraussichtlich in den nächsten 5 und wie viele in den nächsten 10 Jahren in den Ruhestand?

4

Wie viele qualifizierte Bewerber der erforderlichen Altersgruppen stehen heute für die Aufnahme in den Lotsendienst zur Verfügung, und wie stellt sich deren Altersstruktur dar?

5

Reicht diese Zahl aus, den zukünftigen Bedarf an qualifizierten Fachkräften abzudecken, und wie viele Bewerber kommen nach Einschätzung der Bundesregierung pro Jahr hinzu?

6

Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um kurzfristig den Beruf des Lotsen für potentielle Bewerber attraktiver zu gestalten?

7

Welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung – vor dem Hintergrund, dass sich der Nachwuchs der Lotsen aus ehemaligen Seeleuten rekrutiert –, mittel- bis langfristig die Ausbildung der Lotsen von dem abnehmenden Nachwuchs in der Seeschifffahrt allgemein abzukoppeln?

8

Wie hat sich die durchschnittliche Einkommenslage in absoluten Zahlen für Lotsen (mit Zulagen usw.) zwischen 1993 und 2003 verändert?

9

Welche schulischen Ausbildungsmöglichkeiten für den seemännischen Nachwuchs gibt es derzeit in der Bundesrepublik Deutschland, und wie viele Studierende gab es 1995 und gibt es in diesem Jahr (2003)?

10

Beabsichtigt die Bundesregierung in diesem Bereich gemeinsam mit den Bundesländern eine weitere Konzentration des schulischen Angebots?

11

Erwartet die Bundesregierung durch die auf der 3. Nationalen Maritimen Konferenz im Mai 2003 angekündigte Senkung der Lohnnebenkosten für deutsche Seeleute und den damit erhofften Stopp der Ausflaggung wieder mehr qualifizierten Nachwuchs für diesen Beruf motivieren und dadurch mittelbar auch die Nachwuchssituation bei den Lotsen verbessern zu können?

12

Würde nach Ansicht der Bundesregierung eine Ausweitung des Auslandstätigkeitserlasses auf Seeleute außerhalb deutscher Hoheitsgewässer im Rahmen der Einkommensbesteuerung zu einer Erhöhung der Attraktivität dieses Berufes führen und damit mittelbar die Nachwuchssituation bei den Lotsen verbessern?

13

Wie lässt sich die Nachwuchssituation bei den Seelotsen durch attraktivere Arbeitszeit- und Tarifmodelle verbessern, und gibt es hierzu konkrete Vorstellungen?

14

Mit welchen technischen Maßnahmen im Rahmen der Schiffsbegleitung beabsichtigt die Bundesregierung einen Ersatz für fehlende Lotsen in welchen Revieren vorzunehmen?

15

Sieht die Bundesregierung vor dem Hintergrund, dass deutsche Kapitäne durch die Seemannskasse die Möglichkeit zum Übergang in den Ruhestand mit 57 Jahren haben und die physisch höher belasteten Seelotsen aufgrund ihrer Mitgliedschaft in der gesetzlichen Rentenversicherung bis zum 65. Lebensjahr arbeiten, die Möglichkeit, die Lebensarbeitszeit der Lotsen zu verkürzen?

Berlin, den 23. Juni 2003

Dr. Angela Merkel, Michael Glos und Fraktion

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