Nachhaltige Landwirtschaft und biologische Umweltsanierung durch den Einsatz von Mykorrhizapilzen
der Abgeordneten Dr. Peter Paziorek, Ulrich Petzold, Dr. Maria Flachsbarth, Dr. Rolf Bietmann, Helge Braun, Cajus Julius Caesar, Marie-Luise Dött, Georg Girisch, Josef Göppel, Helmut Lamp, Dr. Klaus W. Lippold (Offenbach), Doris Meyer (Tapfheim), Franz Obermeier, Werner Wittlich und der Fraktion der CDU/CSU
Vorbemerkung
Landwirtschaft ist in besonderem Maße von den natürlichen Ressourcen wie Boden, Wasser und biologischer Vielfalt abhängig. Eine nachhaltige Landwirtschaft muss in der Schnittmenge zwischen den drei Grunddimensionen Soziales, Wirtschaft und Ökologie bemüht sein, diese Basis zu erhalten. Denn gerade hier gilt, dass kurzfristiger wirtschaftlicher Nutzen sich als unwirtschaftlich erweist, wenn er irreversible Schäden nach sich zieht, die ein späteres Wirtschaften nicht mehr zulassen.
Von den in der Mitteilung der EU-Kommission, „Hin zu einer spezifischen Bodenschutzstrategie“ benannten Gefahren für die Böden sind für die Landwirtschaft insbesondere relevant: eine Veränderung der organischen Substanz in Böden, eine Veränderung der biologischen Vielfalt in Böden, die Bodenerosion, die Bodenversalzung und die Bodenkontamination.
Diese Gefahren haben in vielen Regionen der Erde bereits zu schädlichen Bodenveränderungen geführt, so dass sie teilweise als Bedrohung zukünftiger landwirtschaftlicher Produktion angesehen werden müssen.
Um ein gutes Pflanzenwachstum erzielen zu können, bedarf es einer entsprechenden Nährstoffzufuhr. Eine Berücksichtigung der natürlichen Bedingungen im Boden, d. h. mögliche biologische oder mikrobiologische Leistungen des Standortes, wie die Menge und Diversität arbuskulärer Mykorrhizapilze, werden dabei bisher aber eher unberücksichtigt gelassen.
Zahlreiche symbiotische und assoziative Mikroorganismen fördern das Pflanzenwachstum. Wissenschaftliche Ergebnisse zur Nutzung von Mikroorganismen zur Förderung des Pflanzenwachstums gibt es in großer Zahl, hinsichtlich der tatsächlichen Anwendung ist jedoch eine Diskrepanz festzustellen. Dies hat seine Gründe zum einen in einem erhöhten technischen Aufwand der Präparateanwendung, zum anderen jedoch in der Akzeptanz der Produkte in Landwirtschaft und Gartenbau.
Mikroorganismen wie Endomykorrhizapilze sind aber auch zur Bodenremediation befähigt und können insbesondere Entlastungen in Schwermetall belasteten Böden erzeugen. Über die energetische Verwertung der so erzeugten Biomasse findet eine irreversible Fixierung der Schwermetalle in Schlacken statt. Die Schwermetall entlasteten Flächen können der Landwirtschaft wieder zur Verfügung gestellt werden. Endomykorrhizapilze wirken auch als osmotische Barrieren auf stark versalzten Flächen und ermöglichen somit überhaupt ein Pflanzenwachstum an diesen Standorten. Leider hat sich trotz der Vorteile die Mykorrhiza-Technologie noch nicht allgemein durchgesetzt.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen11
Welche Rolle spielen nach Ansicht der Bundesregierung Mikroorganismen beim Erhalt der Bodenfunktion?
Wie schätzt die Bundesregierung den Nutzen biologischer Präparate zur Verbesserung des Pflanzenwachstums in der Landwirtschaft und im Gartenbau ein?
Sieht die Bundesregierung in der Nutzung der Mykorrhiza-Technologie die Möglichkeit schädliche Bodenveränderungen zu vermeiden oder rückgängig zu machen?
Mit welchen Programmen oder Projekten wurde die Entwicklung von mikrobiellen Biopräparaten, Bodenhilfsstoffen usw. gefördert?
Liegen der Bundesregierung in Nachfolge des Forschungsprojektes FKZ 0339681 Erkenntnisse über die positive Wirkung des Einsatzes von Mykorrhizapräparaten in der Landwirtschaft, der Landschaftspflege und der Bioremediation vor?
Ist der Bundesregierung bekannt, in welcher Flächengröße biologische Präparate gegenwärtig in der landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Praxis Anwendung finden?
Wie beabsichtigt die Bundesregierung die positiven Erkenntnisse beim Einsatz eines mykorrhizahaltigen Pflanzenhilfsstoffes, so wie Mykorrhizierung von Pflanzen zur Rekultivierung von devastierten oder kontaminierten Standorten, in Vorschriften umzusetzen?
Sind weitere Programme oder Projekte, besonders zur Markteinführung bzw. Marktunterstützung, geplant?
Wäre die Bundesregierung bereit, im Rahmen einer geförderten Markteinführung die in umfassenden Veröffentlichungen dargelegte positive Wirkung der Mykorrhizierung zur Akzeptanzverbesserung wissenschaftlich verifizieren zu lassen?
Wenn nein, warum nicht?
Beabsichtigt die Bundesregierung durch die Nutzung der Förderungsmöglichkeiten im Rahmen des 6. Rahmenprogramms die Praxiseinführung der Mykorrhiza-Technologie zu unterstützen?
Wenn nein, warum nicht?
Ist die Bundesregierung bereit, für Entwicklungs- und Schwellenländer, die besonders einer Bodenschutzstrategie bedürfen, den Know-how-Transfer bei der Präparateproduktion und Anwendung der Mykorrhiza-Technologie im Rahmen von Förder- und Twinning-Programmen zu fördern?
Wenn nein, warum nicht?