Ergebnisse der Pisa-Studie (2003)
der Abgeordneten Bernward Müller (Gera), Katherina Reiche, Dr. Maria Böhmer, Thomas Rachel, Ernst-Reinhard Beck (Reutlingen), Dr. Christoph Bergner, Helge Braun, Vera Dominke, Axel E. Fischer (Karlsruhe-Land), Helmut Heiderich, Volker Kauder, Michael Kretschmer, Werner Lensing, Dr. Martin Mayer (Siegertsbrunn), Laurenz Meyer (Hamm), Uwe Schummer, Marion Seib und der Fraktion der CDU/CSU
Vorbemerkung
Am 6. Dezember 2004 wurden in mehreren Staaten die Ergebnisse der Pisa-Studie von 2003 (Pisa 2) offiziell vorgestellt. Demnach belegen deutsche Schüler bei dem internationalen Schulleistungstest weiterhin nur mittelmäßige Plätze. Der Leistungsrückstand gegenüber den Siegerländern beträgt nach der Studie beispielsweise in Mathematik ein ganzes Schuljahr. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass in deutschen Schulen das Problem der Chancenungleichheit weiter zugenommen habe. Chancengleichheit und Integration fänden nur unzureichend im deutschen Schulsystem Berücksichtigung. Zudem gelinge es in Deutschland kaum, schwache Schüler zu fördern. So zeige sich, dass im Schwerpunktfach Mathematik die Leistungen starker und schwacher Schüler extrem weit auseinander liegen. Dabei gibt es auch zwischen einzelnen Schulen große Leistungsunterschiede.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen10
Wie bewertet die Bundesregierung die Qualität der im Rahmen der Pisa-Studie 2003 gestellten Aufgaben? Welche Befähigungen hätten nach Meinung der Bundesregierung zusätzlich berücksichtigt werden sollen?
Wie beurteilt die Bundesregierung den Aussagewert der Pisa 2003-Testaufgaben mit Blick auf das gegliederte deutsche Schulsystem?
Wie ist es nach Meinung der Bundesregierung möglich, die in der Pisa-Studie 2003 aufgezeigten signifikanten Leistungsunterschiede zwischen deutschen und den Kindern von Migranten zu beseitigen? In welcher zeitlichen Perspektive hält sie hier eine Verbesserung für möglich? Welche Anstrengungen und Initiativen in den einzelnen Bundesländern sind der Bundesregierung bekannt?
Sind nach Einschätzung der Bundesregierung die im Rahmen der Neuregelung des Zuwanderungsrechts initiierten Deutschkurse für Migrantinnen und Migranten ein geeigneter Schritt, um die Leistungsschwäche in deutschen Schulen mit hohem Ausländeranteil zu verringern, und gibt es ergänzende Maßnahmen, mit denen diese Kurse unterstützt werden können?
Worin liegen nach Auffassung der Bundesregierung die wichtigsten Unterschiede in den deutschen Schulsystemen gegenüber den bestplatzierten Nationen Finnland, Korea und den Niederlanden?
Verfügt die Bundesregierung über wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse, die aus den Ergebnissen der ersten Pisa-Studie 2000 und der aktuellen Pisa-Studie 2003 Rückschlüsse auf den positiven Zusammenhang von schulischen Strukturen und den Ergebnisse der Studien ermöglichen oder teilt die Bundesregierung die Position der ehemaligen Kultusministerin des Landes Nordrhein-Westfalen, Frau Gabriele Behler, und namenhafter deutscher Wissenschaftler, dass auch aus den Ergebnissen von Pisa 2003 kein eindeutiger Zusammenhang zwischen Schulstruktur und Leistungsergebnis erkennbar ist?
Wie bewertet die Bundesregierung den Umstand, dass in Finnland, das aus bevölkerungspolitischen, geografischen und ökonomischen Gründen ein aus formal gleichförmigen Schulen bestehendes System etabliert hat, nach Expertenmeinung die Schulen eine größere Gestaltungsfreiheit und Differenzierung besitzen als in Deutschland die Schulen gleicher Schulart (vgl. Thelma von Freymann, Zur Binnenstruktur des finnischen Schulwesens, in: „Freiheit der Wissenschaft“ 2/2002).
Welche Ursachen sind aus Sicht der Bundesregierung dafür ausschlaggebend, dass die Privatschulen in Deutschland bei den Leistungen auf der Lesekompetenzskala auf Platz 1 aller international untersuchten Schulen und bei den Leistungen auf der Mathematikskala auf Platz 2 knapp hinter Kanada liegen, und welche Schlüsse zieht die Bundesregierung daraus im Hinblick auf die Schulbildung an staatlichen Schulen in Deutschland?
Wie bewertet die Bundesregierung die Tatsache, dass im Vergleich zur vorangegangenen Pisa-Studie 2000 bei der Pisa-Studie 2003 im Schwerpunktbereich Mathematik vor allem bei den leistungsschwächeren Schülerinnen und Schülern an Gymnasien ein Kompetenzzuwachs zu verzeichnen ist, während dieser an den Integrierten Gesamtschulen im unteren Leistungsbereich weit weniger ausgeprägt ist?
Welche Gründe sieht die Bundesregierung dafür, dass sich in der Pisa-Studie 2003 in den Gymnasien deutliche und signifikante Zuwächse in allen Kompetenzbereichen außer dem Lesen zeigen, während sich bei den Integrierten Gesamtschulen nur für den Bereich Naturwissenschaften geringfügige Verbesserungen feststellen lassen?