BundestagKleine Anfragen
Zurück zur Übersicht
Kleine AnfrageWahlperiode 14Beantwortet

Kontaminationen an Behältern für abgebrannte Brennelemente und Glaskokillen (G-SIG: 14011576)

Ursachen für die überhöhten radioaktiven Belastungen an den Außenflächen von CASTOR-Behältern, die 1998 zu einem vorläufigen Transportstopp geführt hatten; Pannen bei der Testbeladung eines Transportbehälters im Kernkraftwerk Philippsburg

Fraktion

PDS

Ressort

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

Datum

28.12.2000

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher Bundestag14/473524. 11. 2000

Kontaminationen an Behältern für abgebrannte Brennelemente und Glaskokillen

der Abgeordneten Eva-Maria Bulling-Schröter und der Fraktion der PDS

Vorbemerkung

Wegen der jahrelang verschwiegenen Außenkontaminationen von Atombehältern wurden im Frühjahr 1998 alle Castor-Transporte gestoppt. Für die Wiederaufnahme der Transporte hat die ehemalige Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit Angela Merkel in einem 10-Punkte-Plan Bedingungen für die Wiederaufnahme der Atomtransporte formuliert. Eine wesentliche Bedingung für die Wiederaufnahme im 10-Punkte-Plan war die Klärung der Ursachen der Kontamination.

Obwohl diese bis heute nicht eindeutig geklärt sind, hat das Bundesamt für Strahlenschutz im September 2000 acht Transporte nach La Hague in die Wiederaufarbeitung genehmigt. Nach einem Bericht des Eisenbahnbundesamtes ist es bei der ersten Probebeladung eines französischen Stachelbehälters vom Typ TN 13/2 im Atomkraftwerk Philippsburg zu schwerwiegenden Pannen und zu einer Kontamination gekommen. Der Behälter wurde trotzdem mit Brennelementen beladen und soll nach La Hague transportiert werden.

Wir fragen daher die Bundesregierung:

Fragen14

1

Wurden zur Ermittlung der Ursachen für die Grenzwertüberschreitungen beim „Castor-Skandal“ die Original-Messprotokolle aller relevanten Transporte ausgewertet?

Wenn ja, durch wen?

Wenn nein, warum nicht?

2

Lässt die durchgeführte Datenauswertung belastbare Rückschlüsse darauf zu, ob

a) bestimmte Transportbehälter-Typen,

b) bestimmte Transport-Waggons,

c) bestimmte Atomkraftwerke,

d) bestimmte Wiederaufarbeitungsanlagen, stärker als andere von Kontaminationen betroffen waren?

Wenn ja, welche?

Wenn nein, warum sind solche Rückschlüsse nicht möglich?

3

Lässt die durchgeführte Datenauswertung belastbare Rückschlüsse zu über Zusammenhänge zwischen Grenzwertüberschreitungen und

a) nasser bzw. trockener Beladung der Behälter,

b) der Beckenwasserchemie in den Atomkraftwerken,

c) der Verweildauer der Behälter im Lagerbecken der AKW,

d) der Oberflächenbeschaffenheit der Behälter,

e) der Deckelkonstruktion der Behälter,

f) Stacheln bzw. Kühlrippen?

Wenn ja, welche?

Wenn nein, warum wurde die Suche nach möglichen Zusammenhängen für die Ursachenermittlung nicht für notwendig gehalten?

4

Wie erklärt sich die Bundesregierung, dass es bei leeren Behälter-Rücktransporten aus der Wiederaufarbeitung schwerpunktmäßig zu Grenzwertüberschreitungen an den Transportbehältern gekommen ist, während bei Transporten voll beladener Behälter in die Wiederaufarbeitung Grenzwertüberschreitungen in starkem Maß auch an den Transportwaggons vorkamen?

5

In wie vielen Fällen waren nach Kenntnis der Bundesregierung radioaktive Partikel für die Grenzwertüberschreitungen verantwortlich?

Um was für Partikel handelte es jeweils sich im Einzelnen (welche Nuklide)?

6

Welche Rolle spielt nach Ansicht der Bundesregierung der Weeping-Effekt als Ursache für die Grenzwertüberschreitungen?

Welche weiteren Ursachen wurden für die Überschreitungen von Grenzwerten an Atomtransportbehältern ermittelt?

7

Hält die Bundesregierung die Aussagen der Atomindustrie und der Aufsichtbehörden für glaubhaft, dass die Grenzwertüberschreitungen vor Abfahrt der Transporte nicht messbar waren, sondern erst bei der Ankunft?

Wie erklärt die Bundesregierung dieses „Phänomen“?

8

Wie beurteilt die Bundesregierung die bei der Testbeladung (Kalterprobung) eines WAA-Transport im Atomkraftwerk Philippsburg aufgetretenen Pannen (Löcher im Kontaminationsschutz, Kontamination am Tragzapfen, Kontamination am Boden des Kontaminationsschutzes etc.)?

9

Aus welchen Nukliden setzten sich die Kontaminationen in Philippsburg zusammen?

10

Teilt die Bundesregierung die Auffassung des Eisenbahnbundesamtes, dass die Kalterprobung in Philippsburg trotz dieser Pannen erfolgreich abgeschlossen wurde?

Wenn ja, wie begründet sich diese Beurteilung?

11

Hält die Bundesregierung die vom Umweltministerium Baden-Württemberg und vom Eisenbahnbundesamt bezogenen Konsequenzen für ausreichend?

Wenn nein, welche weitergehenden Konsequenzen werden für notwendig erachtet?

12

Haben neben der Kalterprobung in Philippsburg bereits weitere Kalterprobungen stattgefunden (z. B. Stade oder Biblis)?

Ist es dort ebenfalls zu Pannen gekommen?

Wenn ja, zu welchen?

13

Hat es neben der Behälterbeladung in Philippsburg bereits weitere Beladungen gegeben?

Ist es bei diesen Beladungen zu Pannen gekommen?

Wenn ja, zu welchen?

Welche Konsequenzen wurden gezogen?

14

Ist es bei der Erprobung oder Beladung von Castor-Behältern zum Transport in die Zwischenlagerung zu Pannen gekommen?

Wenn ja, zu welchen?

Welche Konsequenzen wurden daraus gezogen?

Berlin, den 24. November 2000

Eva-Maria Bulling-Schröter Roland Claus und Fraktion

Ähnliche Kleine Anfragen