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Kleine AnfrageWahlperiode 13Beantwortet

Der deutsche und internationale Geschichtsrevisionismus (II); der Grabert-Verlag (G-SIG: 13010409)

Veröffentlichungen des Grabert-Verlages, rechtsextremistische Tendenzen, Indizierung von Büchern des Verlages durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften, Unterstützung im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung

Fraktion

PDS

Ressort

Bundesministerium des Innern

Datum

08.05.1995

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 13/109006. 04. 95

Der deutsche und internationale Geschichtsrevisionismus (II); der Grabert-Verlag

der Abgeordneten Ulla Jelpke und der Gruppe der PDS

Vorbemerkung

In zweiter Auflage erschien kürzlich das 950seitige „Volkslexikon des Dritten Reichs" aus dem Grabert-Verlag, für das nicht nur in rechten Zeitschriften geworben wird sondern auch im „Börsenblatt für den deutschen Buchhandel". In diesem Nachschlagewerk (laut Verlag der „Geschichte aus erster Hand") sind alle ideologischen Elemente neurechter bzw. revisionistischer Politik enthalten. Dort wird z. B. behauptet, die Russen hätten nur deshalb „durchgehalten", weil sie im Juli 1941 „2,5 Millionen Armeestiefel aus britischen Beständen" und ab 1. Oktober 1941 „11 Millionen Armestiefel" aus den USA erhielten. Zu der Bombardierung Dresdens heißt es, es seien „zwischen 150 000 und 250 000 Menschen" umgekommen. Die Bombardierung müsse als „eines der größten ungesühnten Kriegsverbrechen in die Annalen der Geschichte" eingehen. Unter dem Stichwort „Judenvernichtung" wird die Vernichtung von Jüdinnen und Juden geleugnet und in zwei Zeilen erwähnt, daß es „Erschießungen" gegeben habe. Zum Stichwort „Eichmann, Adolf" ist nur zu erfahren, daß er „die Umsiedlungsaktionen aus Polen und ab 1941 aus allen besetzten Ostgebieten leitete".

Ausführlicher fallen die Ausführungen zu den Angehörigen der Waffen-SS, ihren Abzeichen und Uniformen aus. Sie werden als jene „Helden" bezeichnet, die Warschau nach dem Aufstand „freikämpften" (taz v. 11. Februar 1995).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen14

1

Wann wurde der Grabert-Verlag gegründet?

2

Welche Funktion übte der Gründer während der Zeit des Nationalsozialismus aus und welche Positionen hatte er im Bereich des öffentlichen Dienstes nach 1945?

3

In welchen Vereinigungen/Organisationen betätigte sich Herbert Grabert in und nach der NS-Zeit?

4

Mit welchem Publikations-Programm begann der Verlag seine Tätigkeit?

5

Wer führt seit dem Tod von Herbert Grabert im Jahre 1978 den Verlag weiter, wer war nach Kenntnis der Bundesregierung der Schriftleiter, und wer übernahm danach im Jahre 1984 diese Funktion?

6

Welche nationalen und internationalen Autoren und Autorinnen publizierten bis zum Tode von Herbert Grabert im Jahre 1978 in dessen Verlag?

7

Welche nationalen und internationalen Autoren und Autorinnen veröffentlichten nach Kenntnis der Bundesregierung seit 1978 im Verlag Grabert?

8

In welchen rechtsextremen Zeitschriften, Zeitungen, Organen warb und wirbt der Grabert-Verlag?

9

In welchen sonstigen Zeitungen, z. B. der „Neuen Rechten", finden sich Angebote des Grabert-Verlagsprogramms?

10

Welche besonderen Versuche unternimmt der Verlag, um in die Vertriebenenzeitungen und andere konservative Zeitungen hineinzuwirken, und mit welchem Erfolg?

11

Welche Bücher aus dem Grabert-Verlag wurden nach Kenntnis der Bundesregierung seit dessen Bestehen von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften wann indiziert und mit welcher Begründung?

12

Beabsichtigt die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften, das kürzlich im Grabert-Verlag erschienene „Volkslexikon des Dritten Reichs" zu indizieren?

Wenn nein, warum nicht?

13

Welche Veröffentlichungen des Grabert-Verlags hat die Bundeszentrale für politische Bildung angeschafft und um welche Titel handelt es sich konkret?

14

Hat die Bundesregierung den Grabert-Verlag seit dessen Bestehen jemals finanziell und ideell direkt oder indirekt (zum Beispiel über den Bund der Vertriebenen) unterstützt?

Wenn ja, in welcher Form?

Bonn, den 4. April 1995

Ulla Jelpke Dr. Gregor Gysi und Gruppe

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