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Kleine AnfrageWahlperiode 13Beantwortet

Der deutsche und internationale Geschichtsrevisionismus (IV); das "Institut für deutsche Nachkriegsgeschichte" (IdN) (G-SIG: 13010411)

Sinn und Zweck des IdN, Seminare und Veranstaltungen, herausgegebene Bücher und Zeitschriften, verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse der Bundesregierung

Fraktion

PDS

Ressort

Bundesministerium des Innern

Datum

05.05.1995

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 13/109206. 04. 95

Der deutsche und internationale Geschichtsrevisionismus (IV); das „Institut für deutsche Nachkriegsgeschichte" (IdN)

der Abgeordneten Ulla Jelpke und der Gruppe der PDS

Vorbemerkung

Im dem Grabert-Verlag angegliederten „Institut für deutsche Nachkriegsgeschichte" (IdN) wurde das 400-Seiten-Werk „Grundlagen zur Zeitgeschichte. Ein Handbuch über strittige Fragen des 20. Jahrhunderts" von „Ernst Gauss" (Pseudonym) als Band XXII veröffentlicht.

„Ernst Gauss" hatte bereits ein Jahr zuvor im Grabert-Verlag die „Vorlesungen über Zeitgeschichte. Strittige Fragen im Kreuzverhör" veröffentlicht. Vermutlich ist der Diplom-Chemiker und Leugner der Massenvernichtung im Konzentrationslager Auschwitz, Germar Rudolf, verheirateter Scheerer (Pseudonym Gauss), der Verfasser beider Bücher. Dieser legte Ende 1992 ein „Gutachten für die Bildung und Nachweisbarkeit von Cyanidverbindungen in den ,Gaskammern' von Auschwitz" vor, das er im Auftrag des Düsseldorfer Rechtsanwalts Hajo Hermann erstellte.

Außerdem gehörte Rudolf zeitweilig der „Jungen Freiheit" als Redaktionsmitglied an.

In dem Buch „Grundlagen zur Zeitgeschichte. Ein Handbuch über strittige Fragen des 20. Jahrhunderts" schreiben eine Reihe einschlägig bekannter Vertreter und Vertreterinnen der sog. Neuen Rechten, wie z. B.

  • Manfred Köhler „Der Wert von Aussagen und Geständnissen zum Holocaust",
  • Udo Walendy, Inhaber des „Verlages für Volkstum und Zeitgeschichtsforschung", Herausgeber der revisionistischen Reihe „Historische Tatsachen" und Mitarbeiter der vom Institute for Historical Review (IHR) herausgegebenen Zeitschrift „The Journal of Historical Review",
  • Johannes Peter Ney, „Das Wannsee-Protokoll — Anatomie einer Fälschung", Verfasser des Buches „Reizwort Rasse", ebenfalls im Grabert-Verlag,
  • Friedrich Paul Berg, „Die Diesel-Gaskammern: Mythos im Mythos", Mitarbeit an der Zeitschrift „The Journal of Historical Review",
  • Ingrid Weckert, „Die Gaswagen — Kritische Würdigung der Beweislage". Sie führte die in München ansässige „Antizionistische Aktion" von Michael Kühnen. Sie veröffentlichte 1981 im Grabert-Verlag das Buch „Feuerzeichen — Die ,Reichskristallnacht' " , das vor kurzem von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indiziert wurde (Anton Maegerle in ppp vom 12. Dezember 1994).

Organ des „Instituts für deutsche Nachkriegsgeschichte" sind die „Richtigstellungen zur Zeitgeschichte". In Heft 2 von 1991 beispielsweise werden laut einem Prospekt des Grabert-Verlages „weitere 18 Fälle feindlicher Lügenpropaganda oder übliche Falschdarstellungen seit dem Ersten Weltkrieg gegen Deutschland" angekündigt (u. a. Rechter Rand, vom Dezember 1994/ Januar 1995).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen15

1

Seit wann existiert das „Institut für deutsche Nachkriegsgeschichte" (IdN)?

2

Unter wessen Leitung stand bzw. steht das IdN seit seiner Gründung?

3

Welche Kenntnis hat die Bundesregierung über Sinn und Zweck des IdN?

4

Führt das IdN nach Kenntnis der Bundesregierung Seminare oder Veranstaltungen durch?

Wenn ja, wann seit Gründung und mit welcher Themenstellung,

wenn ja, welche nationalen und internationalen Referenten und Referentinnen sind bei diesen Veranstaltungen aufgetreten?

5

Welche Inhalte werden durch das Periodikum „Richtigstellungen zur Zeitgeschichte" verbreitet und an welche Zielgruppe?

6

Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Auflage dieser Veröffentlichung, und wie oft erscheint diese?

7

In welchen rechtsextremistischen Zeitschriften, Zeitungen und Organen wirbt der Grabert-Verlag sowohl für Veranstaltungen des IdN als auch für dessen Periodikum?

8

In welchen sonstigen Zeitungen, z. B. der sog. Neuen Rechten wirbt der Grabert-Verlag für das IdN und die „Richtigstellungen"?

9

Wie viele Bände veröffentlichte das Institut bis heute mit welchen Titeln und Inhalten?

10

Welche verfassungsschutzrelevanten Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die Verantwortlichen des IdN und welche über die Redaktionsmitglieder der „Richtigstellungen"?

11

Welche Rolle spielen nach Einschätzung der Bundesregierung beide Einrichtungen für das politische Spektrum des Geschichtsrevisionismus?

12

Haben sowohl IdN als auch die „Richtigstellungen" jemals finanzielle und ideelle Unterstützung durch die Bundesregierung (evtl. über den Bund der Vertriebenen oder über die Bundeszentrale für politische Bildung) erfahren?

13

Beabsichtigt die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften, das Ende 1994 vom IdN veröffentlichte Werk „Grundlagen zur Zeitgeschichte. Ein Handbuch über strittige Fragen des 20. Jahrhunderts" von „Ernst Gauss" (Pseudonym) zu indizieren? Wenn nein, warum nicht?

14

Welche verfassungsschutzrelevanten Erkenntnisse hat die Bundesregierung über „Ernst Gauss" bzw. Germar Rudolf, verheirateter Scheerer?

15

Welche Informationen hat die Bundesregierung über die Autoren bzw. die Autorin des „Handbuchs" und deren Zugehörigkeit zur Riege der sog. Auschwitz-Leugner und Geschichtsrevisionisten

Manfred Köhler,

Udo Walendy,

Johannes Peter Ney,

Ingrid Weckert,

Herbert Tiedemann,

Friedrich Paul Berg?

Bonn, den 4. April 1995

Ulla Jelpke Dr. Gregor Gysi und Gruppe

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