Der deutsche und internationale Geschichtsrevisionismus (V); die „Hoggan-Stiftung"
der Abgeordneten Ulla Jelpke und der Gruppe der PDS
Vorbemerkung
Diese Stiftung ist dem Grabert-Verlag angegliedert. Sie wurde benannt nach dem US-amerikanischen Geschichtsprofessor David L. Hoggan.
David L. Hoggan verstarb am 8. August 1988. Er war in den 50er und 60er Jahren ein Vorreiter bei der Rehabilitierung des Hitler-Faschismus. In einer Würdigung war in den rechtsextremen „Deutsche Monatshefte" u. a. zu lesen: „Wenige Monate nach seinem 65. Geburtstag am 22. März dieses Jahres verloren wir mit ihm einen der leidenschaftlichsten Kämpfer für die geschichtliche Wahrheit, der mit seinem 1961 erschienenen Hauptwerk ,Der erzwungene Krieg' (Grabert-Verlag, Tübingen) die wissenschaftliche Debatte um die Ursachen des Zweiten Weltkrieges auf eine neue Grundlage stellte und den Revisionismus begründete."
Weiter führten die „Deutsche Monatshefte" (10/88) aus: „Nach dem Erscheinen seines revisionistischen Werkes bekam er zunehmend Schwierigkeiten an den US-Hochschulen, die schließlich in Entlassung und Nichtwiedereinstellung gipfelten."
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen15
Wann wurde nach Kenntnis der Bundesregierung die „Hoggan-Stiftung" gegründet und von wem?
Welche Kenntnis hat die Bundesregierung über Aktivitäten der dem Grabert-Verlag angeschlossenen „Hoggan-Stiftung"?
Unter wessen Leitung stand bzw. steht die „Hoggan-Stiftung"?
Verfügt die Bundesregierung über verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse über diese Personen?
Welchem Zweck dient diese Stiftung?
Führt die Stiftung Seminare oder Veranstaltungen durch?
a) Wenn ja, welche seit Gründung und mit welcher Themenstellung,
b) wenn ja, welche nationalen und internationalen Referenten und Referentinnen sind bei diesen Veranstaltungen aufgetreten?
Liegen der Bundesregierung verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse über den in der Stiftung aufgetretenen Personenkreis vor?
Wenn ja, welche?
In welchen rechtsextremistischen Zeitungen, Zeitschriften und Organen wird für die „Hoggan-Stiftung" und deren Veranstaltungen geworben?
Welche internationalen Kontakte hat nach Kenntnis der Bundesregierung die Stiftung, die den Namen eines US-Amerikaners trägt?
Ist der Bundesregierung das Buch „Der erzwungene Krieg" von David L. Hoggan bekannt?
Erschienen weitere Bücher von Hoggan sowohl in englischer als auch in deutscher Sprache?
Wenn ja, welche (bitte mit Titelangabe und Datum der Veröffentlichung)?
Hielt sich Hoggan nach Kenntnis der Bundesregierung zum Beispiel zu Vortragsreisen in der Bundesrepublik Deutschland auf?
Wenn ja, wann (bitte Jahresangabe) und zu welchem Zweck?
Hat die Bundesregierung die Hoggan-Stiftung jemals finanziell (z. B. über den Bund der Vertriebenen) und ideell unterstützt?
Wenn ja, in welcher Weise?
Welchen Stellenwert hat nach Meinung der Bundesregierung die Hoggan-Stiftung im nationalen und internationalen Spektrum der sog. Neuen Rechten bzw. des Geschichtsrevisionismus?
Welche Rolle spielt nach Meinung der Bundesregierung die Stiftung in konservativen Kreisen, und mit welchem Erfolg gelang es ihr,
a) über die Darstellung der sog. Vertreibungsverbrechen auf die Vertriebenenverbände einzuwirken und
b) über die Rehabilitierung der NS-Wehrmacht auf die Traditionsverbände der Wehrmacht einzuwirken?