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Kleine AnfrageWahlperiode 13Beantwortet

Brennelementschäden und Radioaktivitätsaustritt im Atomkraftwerk Brokdorf (G-SIG: 13010807)

Störfälle im Kraftwerk Brokdorf im Sommer 1995, Ursachen, Wiederinbetriebnahme trotz ungeklärter Schadensursache

Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ressort

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

Datum

27.09.1995

Antwortdauer

30 Tage

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 13/221428. 08. 95

Brennelementschäden und Radioaktivitätsaustritt im Atomkraftwerk Brokdorf

der Abgeordneten Ursula Schönberger und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Beim diesjährigen Brennelementwechsel im Atomkraftwerk (AKW) Brokdorf wurden defekte Brennelemente entdeckt. Am 30. Juni 1995 wurde beim Öffnen des Reaktordeckels nach offiziellen Angaben die erlaubte Tagesdosis an radioaktiven Emissionen zu 50 % ausgeschöpft. Am 7. Juli 1995 kam es zum Entweichen radioaktiver Gase, dabei wurde zweimal die interne Warnschwelle überschritten. Am 8. August 1995 wurde das AKW Brokdorf wieder in Betrieb genommen, ohne daß zuvor die Schadensursache geklärt worden ist.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen35

1

Ist dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit bekannt, ob bereits vor dem Abschalten des Atomkraftwerks Brokdorf am 26. Juni 1995 erhöhte Radioaktivität gemessen wurde?

1.1

Wenn ja, seit wann wurde erhöhte Radioaktivität gemessen?

1.2

Wie groß war die größte Differenz zwischen den normalen Radioaktivitätsabgaben des Reaktors und den erhöhten Abgaben aufgrund der Brennelementschäden?

1.3

Wenn nein, warum wurde die notwendigerweise bereits vorher auftretende höhere Radioaktivität nicht registriert?

2

Welche besonderen Maßnahmen wurden ergriffen, um die zu erwartende höhere Radioaktivität beim Öffnen des Deckels zu minimieren?

2.1

Warum wurden die Anlagenräume vor dem Öffnen des Deckels nicht länger gespült?

2.2

Falls keine besonderen Maßnahmen ergriffen worden sind, warum nicht, wo es doch das Strahlenminimierungsgebot gibt?

3

Welche genauen Schäden konnten beim Brennelementwechsel festgestellt werden?

3.1

Welche Schäden wurden an den Hüllrohren der Brennelemente festgestellt?

3.2

Wie viele Abstandshalter waren defekt?

3.3

An wie vielen Brennstäben waren die Abstandshalter defekt?

3.4

Welche Schäden wurden darüber hinaus festgestellt?

4

Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung bisher über die Schadensursachen?

4.1

Handelt es sich um Schäden, die systembedingt sein können?

4.2

Handelt es sich um einmalige Schäden, die aufgrund einmaliger Herstellungsfehler nur an den 25 defekten Brennelementen aufgetreten sind und in Zukunft nicht mehr auftreten können?

4.3

Wurden 1988, als an den Brennelementen im AKW Brokdorf ebenfalls Abstandshalter defekt waren, auch Focus-Brennelemente eingesetzt?

4.4

Wenn nein, welche Sorten Brennelemente wurden damals eingesetzt?

4.5

Worauf stützt der TÜV seine Annahme, daß im ersten Jahr der Benutzung keine Fehler an den Focus-Brennelementen auftreten können, sondern erst im zweiten Jahr?

5

Kann es möglich sein, daß in anderen Atomkraftwerken ähnliche Schäden auftreten?

5.1

Werden die Focus-Brennelemente auch in anderen Reaktoren eingesetzt?

5.2

Wenn ja, in welchen?

5.3

Gab es bisher in anderen Reaktoren ähnliche Probleme mit diesen (oder anderen) Brennelementen?

5.4

Wenn ja, welche?

5.5

Werden aufgrund der Schäden im AKW Brokdorf die in Betrieb befindlichen Focus-Brennelemente in anderen Reaktoren einer besonderen Überprüfung unterzogen?

6

Was war die genaue Ursache für die zweimalige Überschreitung der internen Warnschwelle am 7. Juli dieses Jahres?

7

Warum wurde das AKW Brokdorf am 8. August 1995 wieder ans Netz genommen, obwohl laut Presseberichten die genaue Schadensursache noch nicht bekannt sei?

7.1

Wie viele Brennelemente wurden insgesamt ausgetauscht?

7.2

Wurden beim Neubeladen des Reaktorkerns wieder Focus-Brennelemente benutzt oder Brennelemente anderen Typs?

7.3

Warum wird der Betriebszyklus von einem Jahr um ein Viertel verkürzt?

7.4

Warum wird das Kraftwerk mit einer um fünf bis zehn Prozent verminderten Leistung gefahren?

7.5

Handelt es sich beim Wiederanfahren des Reaktors um ein Try-and-Error-Verhalten, bei dem nicht zuerst die Schadensursache erforscht wird, bevor der Reaktor wieder ans Netz geht, sondern der Reaktor unter Reduzierung von Betriebszykluszeit und Leistung wieder ans Netz geht und dann abgewartet wird, ob ähnliche Defekte wieder auftreten?

8

Warum hat in diesem Falle die Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit von ihrem Weisungsrecht keinen Gebrauch gemacht und das Wiederanfahren des AKW Brokdorf aus Strahlenschutz- und Reaktorsicherheitsgründen so lange untersagt, bis die Schadensursache geklärt ist?

9

Trifft es zu, daß die Jod-Emissionen aus dem AKW Brokdorf in der Woche vom 22. bis 26. August 1995 höher als üblich waren?

9.1

Wenn ja, wie hoch waren die Jod-Emissionen im Vergleich zum Normalbetrieb?

9.2

Welche Ursache haben diese erhöhten Jod-Emissionen?

Bonn, den 24. August 1995

Ursula Schönberger Joseph Fischer (Frankfurt), Kerstin Müller (Köln) und Fraktion

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