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Kleine AnfrageWahlperiode 13Beantwortet

Geplante Einrichtung eines alpinen Trainingszentrums sowie einer Beschneiungsanlage am Götschen in der Gemeinde Bischofswiesen (G-SIG: 13011470)

Finanzierung, ökologische Auswirkungen, Auslastung der Schneekanonenanlage, Energieaufwand für den Kunstschnee

Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ressort

Bundesministerium des Innern

Datum

09.04.1996

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 13/420022. 03. 96

Geplante Einrichtung eines alpinen Trainingszentrums sowie einer Beschneiungsanlage am Götschen in der Gemeinde Bischofswiesen

des Abgeordneten Gerald Häfner und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Am Götschen im Berchtesgadener Land wird gegenwärtig - angeblich auch mit Hilfe von Bundesmitteln - ein alpines Trainingszentrum und eine Beschneiungsanlage geplant. Hierzu sind nicht nur größere Abholzungsaktionen, sondern sogar die Errichtung von Schneekanonen vorgesehen. Angesichts des generellen Erschließungsstopps in den deutschen Alpen und angesichts der Tatsache, daß Liftanlagen in dieser Höhe in der Regel nicht kostendeckend betrieben werden können und sogar vielerorts geschlossen werden müssen, stößt diese geplante Anlage beim Fragesteller auf große Skepsis. Eine dichte Schneedecke ist in derart niedrigen Lagen aufgrund der überwiegend zivilisationsbedingten globalen und lokalen Erwärmung nur noch an wenigen Tagen des Jahres zu erwarten, und auch Schneekanonen können nur bei genügend niedrigen Temperaturen arbeiten. Ein Skibetrieb und insbesondere ein noch belastenderer Trainingsbetrieb scheint unter solchen Bedingungen schwerlich möglich und ökologisch nicht verantwortbar.

Wir bitten die Bundesregierung vor diesem Hintergrund um Beantwortung der folgenden Fragen:

Fragen16

1

Unterstützt die Bundesregierung die Pläne, am Götschen im Rahmen der Einrichtung eines alpinen Trainingszentrums eine Beschneiungsanlage zu errichten?

Wenn ja, aus welchen Gründen?

2

Wird sich der Bund direkt an den Kosten für eine solche Anlage beteiligen, oder wird sich der Bund indirekt, etwa über eine Förderung des Deutschen Sportverbandes, an den Kosten für Errichtung und/oder Betrieb einer derartigen Anlage beteiligen?

Wenn ja, ist der Bundesregierung bekannt, wieviel diese Anlage voraussichtlich kosten wird:

a) hinsichtlich der Errichtung,

b) hinsichtlich des laufenden Betriebs?

3

In welcher Höhe und aus welchen Mitteln wird sich der Bund ggf. an den Kosten beteiligen?

4

Unterstützt die Bundesregierung die geplante Einrichtung eines alpinen Trainingszentrums am Götschen?

Wenn ja, wie begründet sie die Notwendigkeit, die Wirtschaftlichkeit, die Auslastung und den Standort einer solchen Anlage?

5

Ist ein solches Trainingszentrum in mittel- oder langfristigen Bedarfsplänen bisher enthalten?

6

Wird sich der Bund direkt oder indirekt an den Investitionsoder Betriebskosten hierfür beteiligen?

7

Wenn ja, in welcher Höhe, und aus welchen Mitteln?

8

Hat die Bundesregierung Erkenntnisse darüber, wie hoch die Investitions- und Betriebskosten für das Trainingszentrum sowie für das Gesamtprojekt plus Schneekanonen anzusetzen sind?

9

Wie steht die Bundesregierung zu dem Umstand, daß die Schneekanonenanlage auch privaten Dritten zur Nutzung überlassen werden soll?

10

Ist hierbei an ein Kostenentgelt zugunsten des Bundes gedacht?

11

Wenn ja, in welcher Höhe?

12

Wie steht der Bund zu den obigen Investitionen angesichts der Mittelknappheit in den öffentlichen Haushalten?

13

Welche ökologischen Auswirkungen erwartet die Bundesregierung durch die am Götschen geplanten Maßnahmen (u. a. auf den Wasserhaushalt, die Energiebilanz, Vegetationszeit und -vielfalt)?

14

Welche Erkenntnis hat die Bundesregierung darüber,

- an wie vielen Tagen des Jahres in den Planungsunterlagen von einer problemlosen Befahrbarkeit des Geländes ausgegangen wird,

- an wie vielen Tagen des Jahres war der Hang in den Jahren 1990 bis 1995 für den Skibetrieb befahrbar?

15

An wie vielen Tagen des Jahres geht die Bundesregierung im Hinblick auf ihre ggf. geplante Beteiligung an dem Projekt bzw. gehen die Projektträger von einer Befahrbarkeit des Hanges bei Verwendung von Schneekanonen aus?

16

Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung darüber, wieviel Wasser hierzu - den Planungsunterlagen entsprechend - zu Kunstschnee umgewandelt werden müßten, woher soll das Wasser entnommen werden, und welcher Energieaufwand ist für die Produktion dieses Kunstschnees erforderlich?

Bonn, den 22. März 1996

Gerald Häfner Joseph Fischer (Frankfurt), Kerstin Müller (Köln) und Fraktion

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