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Kleine AnfrageWahlperiode 13Beantwortet

Umweltgifte in Schulcontainern (G-SIG: 13011678)

Schadstoffbelastung aus Fertigteilen errichteter Schul- und Kindergartengebäude, einzelne Schadstoffe, Grenzwerte, Krankheitsbilder, Gegenmaßnahmen

Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ressort

Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau

Datum

24.06.1996

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 13/481505. 06. 96

Umweltgifte in Schulcontainern

der Abgeordneten Vera Lengsfeld, Rita Grießhaber, Michaele Hustedt, Dr. Jürgen Rochlitz und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Aus Platzmangel wurden in den 60er und 70er Jahren in deutschen Schulen, Kindergärten oder Kindertagesstätten häufig Container, mobile Pavillons oder demontable Einheiten aufgestellt, die den akuten Platzmangel beseitigen sollten. Die provisorischen Gebäude aus Fertigbauteilen wurden und werden häufig wesentlich länger genutzt als ursprünglich geplant, nicht selten über 20 oder 30 Jahre. Schadstoffmessungen in diesen provisorischen Unterrichts- und Betreuungsräumen ergaben, daß aus diesen Containern Schadstoffe wie Chlornaphtaline (PCN), Formaldehyd, Phenole, Toluol, Lindan oder Pentachlorphenol (PCP) ausgasen. Diese Ausgasung soll insbesondere nach längerer Nutzung durch feuchte Spanplatten an Decken, Wänden und Fußböden dieser provisorischen Container auftreten. Eltern von betroffenen Kindern berichten von Krankheitssymptomen wie Kopf- und Magenschmerzen, Brechreiz, Schlaf- und Darmstörungen, Allergien, Augenröte oder Müdigkeit.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen7

1

Welche Informationen liegen der Bundesregierung über die Schadstoffbelastung von provisorischen Räumen aus Fertigbauteilen (Container, Pavillons etc.), die als Schulräume oder als Räume für Kindergärten genutzt werden?

2

a) Ist der Bundesregierung bekannt, wie hoch die Belastungen solcher Schulcontainer mit Chlornaphtalinen (PCN), Formaldehyd, Phenol, Toluol, Lindan, Pentachlorphenol (PCP), polychlorierten Biphenylen (PCB) oder Asbest sind und wie hoch die Spitzenwerte der Messungen lagen, b) wie viele solcher provisorischen Gebäude in den vergangenen 30 Jahren in Schul- und Kindergartenhöfen in der Bundesrepublik Deutschland errichtet wurden, c) an wie vielen dieser provisorischen Gebäude Schadstoffmessungen durchgeführt wurden?

3

Welche Belastungen der Schul- und Kindergartenkinder mit den in Frage 2 aufgeführten Schadstoffen hält die Bundesregierung für unbedenklich, und ab welchen Werten treten Gefahren für die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen auf? Wurden diese Werte bei Schadstoffmessungen in Schulcontainern überschritten?

4

Gibt es nach Erkenntnissen der Bundesregierung einen Zusammenhang zwischen dem Alter der provisorischen Gebäude und der Schadstoffbelastung? Wenn ja, für welche Errichtungszeiträume bestehen besondere Belastungen?

5

Sind der Bundesregierung ärztliche Untersuchungen oder Studien über die Krankheitsbilder der betroffenen Kinder und Jugendlichen bekannt? Wenn ja, welche Krankheiten und Krankheitsbilder werden darin beschrieben?

6

Welche Maßnahmen sind nach Ansicht der Bundesregierung erforderlich, um eine Gefährdung der Gesundheit der Kinder auszuschließen und bestehende Gefährdungen zu beseitigen?

7

Welche Maßnahmen wurden nach Erkenntnissen der Bundesregierung bisher auf den verschiedenen Ebenen getroffen, um Gefährdungen zu erkennen und zu beseitigen?

Bonn, den 23. Mai 1996

Vera Lengsfeld Rita Grießhaber Michaele Hustedt Dr. Jürgen Rochlitz Joseph Fischer (Frankfurt), Kerstin Müller (Köln) und Fraktion

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