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Kleine AnfrageWahlperiode 16Beantwortet

Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen

Vorrangige Fragen der Demenzforschung, Verhältnis zwischen Präventions- und Versorgungsforschung des Demenz-Forschungszentrums einerseits und der Grundlagenforschung andererseits, Abgrenzung zum "Leuchtturmprojekt Demenz" des BMG, Gründe für die Standortentscheidung, Beteiligung privater Sponsoren

Fraktion

DIE LINKE

Datum

13.05.2008

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 16/897625. 04. 2008

Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen

der Abgeordneten Dr. Petra Sitte, Dr. Martina Bunge, Cornelia Hirsch, Volker Schneider (Saarbrücken), Dr. Ilja Seifert, Frank Spieth und der Fraktion DIE LINKE.

Vorbemerkung

Am 11. März 2008 verkündete die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Dr. Annette Schavan, die Entscheidung, am Standort Bonn das geplante nationale Demenzforschungszentrum anzusiedeln. In Anbindung an das dortige Universitätsklinikum sowie weiterer Satellitenstandorte unter anderem in Rostock, München, Köln und Jülich soll hier die Forschung über neurodegenerative Krankheiten wie Parkinson und Alzheimer vorangetrieben werden. Nach Aussage der Bundesregierung stehen neben der Erforschung der Krankheitsursachen auch Möglichkeiten der Früherkennung sowie der Entwicklung von adäquaten Behandlungsformen und Pflegekonzepten im Fokus. Das neue Forschungszentrum solle nach Aussagen der Bundesministerin ein „Leuchtturm“ der Forschung werden und Deutschland an die internationale Spitze der Erforschung neurodegenerativer Erkrankungen führen. Das Forschungszentrum wird zur Helmholtz-Gemeinschaft gehören und mit 40 Mio. Euro durch die Bundesregierung gefördert. Für weitere Standorte der Demenzforschung stehen laut Bundesregierung 20 Mio. Euro zur Verfügung.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen25

1

Welche konkreten Aufgaben und Funktionen soll das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen erfüllen, die bisher nicht im erforderlichen Maße von der Forschungslandschaft abgedeckt werden?

2

Welche Fragestellungen im Bereich der Demenzforschung sind aus Sicht der Bundesregierung derzeit die dringendsten, so dass sie vorrangig im Rahmen des Zentrums bearbeitet werden sollen?

3

Welchen Anteil sollen nach Auffassung der Bundesregierung Fragen der Präventions- und Versorgungsforschung auf der einen sowie der Grundlagenforschung auf der anderen Seite in der Arbeit des Forschungszentrums einnehmen?

4

Wie ist aus der Sicht der Bundesregierung die anwendungs- und versorgungsnahe Ausrichtung des Forschungszentrums (vgl. Sprecherin des Bundesministeriums für Bildung und Forschung – BMBF – in der Süddeutschen Zeitung vom 22. September 2007) mit dem Profil der Grundlagenforschung der Helmholtz-Gemeinschaft zu vereinbaren?

5

Welche spezielle Aufgabenstellung grenzt das „Leuchtturmprojekt Demenz“ des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) von dem Demenzforschungszentrum ab?

6

In welcher Form werden Projekte des „Leuchtturmprojektes Demenz“ mit dem Forschungszentrum kooperieren?

7

In welcher Form wird die Zusammenarbeit des zentralen Standorts Bonn mit den ebenfalls geförderten weiteren sechs Standorten in Göttingen, München, Tübingen, Magdeburg, Witten/Herdecke und Rostock/Greifswald erfolgen?

8

Wie bewertet die Bundesregierung die langfristige Stabilität des Zentrumspartners Privatuniversität Witten/Herdecke, der in jüngster Zeit wegen starker finanzieller Schwierigkeiten vor dem Aus stand?

9

Wie schätzt die Bundesregierung die Chancen ein, hervorragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der benötigten Anzahl für das neue Zentrum zu engagieren?

10

Wie bewertet die Bundesregierung die Gefahr, dass durch die Schaffung eines solchen „Leuchtturmprojektes“ andere gewachsene Standorte der Demenzforschung geschwächt werden, etwa durch Abwerbung von Forscherinnen und Forschern?

11

Wann wird das neue Forschungszentrum aus Sicht der Bundesregierung arbeitsfähig sein?

12

In welchen organisatorischen Strukturen und in welchem zeitlichen Ablauf wurde die Entscheidung für den Standort des Kernzentrums und die angebundenen Standorte gefällt?

13

Stand die Frage der wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit im Vordergrund der Standortentscheidung für den Standort Bonn oder gab es weitere Kriterien?

14

Aus welchen Gründen wurden etablierte Standorte der Forschung an neurodegenerativen Erkrankungen wie Berlin, München oder Heidelberg nicht ausgewählt?

15

Nach welchen Kriterien wurden die Mitglieder der Gründungskommission, die die Standortentscheidung zu fällen hatten, ausgewählt?

16

Wie bewertet die Bundesregierung die Kritik, dass vier von fünf Mitgliedern der Kommission aus dem Bereich der Grundlagenforschung kämen und damit eine Vorfestlegung auf die Grundlagenorientierung verbunden sei (vgl. Süddeutsche Zeitung vom 12. März 2008)?

17

Waren internationale Gutachter aus der Wissenschaft in den Auswahlprozess eingebunden?

Wenn ja, welche?

18

Gab es im Rahmen des Auswahlverfahrens Begehungen der sich bewerbenden Standorte?

19

Welchen Umfang hatten die von der Bundesregierung angeforderten Anträge?

20

Wie bewertet die Bundesregierung die Kritik von Wissenschaftlern, dass das Ausschreibungsverfahren der Tragweite des Projektes sowie der Fördersumme unangemessen war (vgl. etwa Hendrik van den Bussche in der Süddeutschen Zeitung vom 12. März 2008)?

21

Wie begründet die Bundesregierung die erheblichen Unterschiede in Aufwand und Komplexität der Auswahlverfahren etwa im Vergleich zur Exzellenzinitiative oder dem Spitzenclusterwettbewerb?

22

Wird die Finanzierung des Demenzforschungszentrums im Rahmen der Programmorientierten Förderung der Helmholtz-Gemeinschaft erfolgen?

23

Wie bewertet die Bundesregierung das Interesse aus der Privatwirtschaft an der Forschung des Forschungszentrums?

24

In welcher Form ist die Beteiligung privater Geldgeber oder Sponsoren an dem Zentrum geplant?

25

Wie bewertet die Bundesregierung den Vorschlag des Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Stammzellforschung, Prof. Jürgen Hescheler, statt eines Großinstituts eher besonders innovative Promotionsvorhaben zu fördern, um auf diese Weise Durchbrüche in der Forschung zu erzielen (vgl. Rheinischer MERKUR vom 14. Februar 2008)?

Berlin, den 23. April 2008

Dr. Gregor Gysi, Oskar Lafontaine und Fraktion

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