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Kleine AnfrageWahlperiode 12Beantwortet

Tourismus in Indien (G-SIG: 12010382)

Einfluß der indischen Tourismusindustrie auf die wirtschaftliche, ökologische und kulturelle Situation des Landes, Förderung von Tourismus-Projekten im Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, Einflußnahme der Bundesregierung auf die qualitative Ausgestaltung der indischen Tourismuspolitik, u.a. durch Auflagen für deutsche Firmen zur Verhinderung ökologischer und sozialer Mißstände

Fraktion

Bündnis 90/Die Grünen

Ressort

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit

Datum

09.10.1991

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 12/116219.09.91

Tourismus in Indien

des Abgeordneten Konrad Weiß (Berlin) und der Gruppe BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Indien startete mit der weltweiten Werbekampagne „Visit India Year" 1991 den enormen Ausbau des Tourismus in Indien.

Dem Tourismus fallen ökologisch sensible Zonen zum Opfer.

Nationalparks u. a. Schutzgebiete werden für den Tourismus freigegeben.

Die „No development Zone" an den Küsten wurde von ehemals 500 Meter auf 200 Meter reduziert.

Die Erschließung der Küste Goa für den Luxustourismus bedeutet für den größten Teil der betroffenen Bevölkerung eine Vernichtung der bisherigen Existenzgrundlagen.

Zahlreiche Nichtregierungsorganisationen üben heftig Kritik an der indischen Tourismuspraxis. Besondere Gefahren sehen sie in der Zerstörung empfindlicher Ökosysteme und den entsprechenden Folgewirkungen, in der Veränderung ökonomischer Strukturen (Enteignung für Hotelbauten, Konkurrenz um knappe Ressourcen, saisonale Lohnarbeit anstatt stabiler Erwerbszweige) und in einem kulturellen und sozialen Ausverkauf (Prostitution, Kriminalität).

Bei der weiteren Expansion des Tourismus arbeiten die indische Regierung, ausländische Unternehmen und die internationale Welttourismus-Organisation zusammen.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen7

1

Wie beurteilt die Bundesregierung den Einfluß der indischen Tourismusindustrie auf die wirtschaftliche, ökologische und kulturelle Situation des Landes?

2

Welchen Stellenwert hat die Tourismusförderung in Indien für die Bundesregierung im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen?

3

Fördert die Bundesregierung im Rahmen ihrer Entwicklungszusammenarbeit mit Indien Projekte, die dem Ausbau der Tourismusindustrie dienen?

welche und in welchem Umfang wurden, bzw. werden sie unterstützt,

wieviel Zeit und wie viele Mittel wurden bzw. werden bei der jeweiligen Projektplanung für die Umweltverträglichkeitsprüfung und Sozialverträglichkeitsprüfung eingesetzt,

in welchem Maße bezog, bzw. bezieht die Bundesregierung die Rechte und Interessen der lokalen Bevölkerung, bei Entscheidungen für oder gegen die Unterstützung eines touristischen Projekts, mit ein?

4

Ist der Bundesregierung bekannt, in welchem Umfang und wo touristische Neuerschließungen in Indien vorgenommen werden sollen bzw. worden sind?

5

In welchem Maße versucht die Bundesregierung Einfluß auf die qualitative Ausgestaltung der indischen Tourismuspolitik zu nehmen, um so nachteilige ökologische und soziale Auswirkungen zu verhindern oder mindestens zu reduzieren?

6

Welche deutschen bzw. multinationalen Firmen mit deutscher Beteiligung sind bereits in Indien tätig oder beabsichtigen dort tätig zu werden?

7

Hält die Bundesregierung es für sinnvoll, deutsche Firmen, mit Hilfe von Auflagen, daran zu hindern, in Drittweltländern ökologische und soziale Mißstände zu verursachen?

Wenn ja, welche Maßnahmen wird die Bundesregierung in Zukunft ergreifen?

Wenn nein, mit welcher Begründung?

Bonn, den 17. September 1991

Konrad Weiß (Berlin) Werner Schulz (Berlin) und Gruppe

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