Haifische in der Ostsee
der Abgeordneten Undine Kurth (Quedlinburg), Cornelia Behm, Nicole Maisch, Winfried Hermann, Bettina Herlitzius, Ulrike Höfken, Bärbel Höhn, Dr. Anton Hofreiter, Sylvia Kotting-Uhl und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
In der Ostsee leben nach neueren Informationen von Schutzorganisationen mehr Haifischarten als bisher bekannt war. Nach Auskunft der Shark Alliance wurden in der Ostsee über 30 verschiedene Arten gezählt, bei welchen es sich vorwiegend um kleine und für den Menschen ungefährliche Tiere handelt. Obwohl die Lebensräume und Bestände vieler dieser Haifischarten als bedroht eingestuft werden, gelten deren Schutz, das Management ihrer Bestände und die wissenschaftliche Erforschung noch immer als äußerst unzureichend. Zudem werden die Regelungen der Europäischen Union zur kommerziellen Fischerei in Hinblick auf Schutz und Management von Haifischen als unzureichend kritisiert.
Da die Haiflosse als beliebte Delikatesse gilt und damit für den Handel besonders lukrativ ist, werden Haifische häufig „gefinnt“. Dabei werden ihnen die Flossen abgeschnitten und die oft noch lebenden Tiere danach wieder ins Meer zurückgeworfen. Obwohl diese tierquälerische Vorgehensweise prinzipiell verboten ist – sowohl international als auch in der Europäischen Union –, gehört die Bundesrepublik Deutschland in der Europäischen Union zu den wenigen Staaten, die von Ausnahmeregelungen Gebrauch machen.
Doch auch in der Bundesrepublik Deutschland wird Haifleisch, häufig unter den Namen Schillerlocke oder Seeaal, verzehrt – ungeachtet wissenschaftlicher Erkenntnisse, wonach Haifleisch aufgrund seiner hohen Konzentration von Methylquecksilber extrem gesundheitsschädlich ist.
Wir fragen die Bundesregierung:
Bestand und Nachfrage
Fragen36
Welche Haifischarten sind nach Kenntnis der Bundesregierung in der Ostsee anzutreffen?
Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung in der Ostsee Haifischarten, die für den Menschen gefährlich sind, und wenn ja, welche Daten über tatsächliche Schädigungen von Menschen durch Haie liegen der Bundesregierung vor?
a) Wie stellt sich die Bestandsgefährdung von Haien in der Ostsee dar?
b) Welches sind nach Auffassung der Bundesregierung die Hauptgründe für die Bestandsgefährdung?
Wie entwickelt sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Nachfrage nach Haifischfleisch bzw. Haifischprodukten weltweit, und wie entwickelt sich die Nachfrage in der Bundesrepublik Deutschland?
Welches sind die weltweiten Hauptnutzungen von Haifischen, und welche Nutzungen sind in der Bundesrepublik Deutschland vorherrschend?
Welche Haifischarten in der Ostsee werden in welchem Umfang wirtschaftlich genutzt, welche Fangmethoden kommen hier zur Anwendung?
Welche Staaten sind nach Kenntnis der Bundesregierung die hauptsächlichen Abnehmer von in der Ostsee gefangenen Haifischen?
Welche Haifischarten in der Ostsee sind vom Aussterben bedroht?
Woran scheitern nach Kenntnis der Bundesregierung ein wirksamerer Schutz und ein besseres Management von Haifischen in der Ostsee?
Unterstützt die Bundesregierung ein generelles Fang- und Handelsverbot für stark gefährdete Haifischarten in der Ostsee, und wenn nein, warum nicht?
Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hätte ein derartiges generelles Fang- und Handelsverbot in der Bundesrepublik Deutschland?
Welche internationalen Abkommen sind für den Schutz und das Management von Haifischen in der Ostsee maßgebend, und werden diese hinreichend genutzt?
Welche Regelungen zur Fischerei für kommerzielle Zwecke hat die Europäische Union in Hinblick auf das Management von Haifischen getroffen?
Hält die Bundesregierung diese Regelungen für ausreichend, und wenn nein, welche weiter gehenden Regelungen wären erforderlich?
Welche Förderungen der Europäischen Union können für den Schutz und das Management von Haifischen in der Ostsee in Anspruch genommen werden?
Wie beurteilt die Bundesregierung den für Ende 2008 zu erwartenden Aktionsplan für Haie der Europäischen Union?
Wie setzt sich die Bundesregierung bei der Erarbeitung des Aktionsplans für den Schutz und den Erhalt der Haie in der Ostsee ein?
Welche Institutionen tragen in der Bundesrepublik Deutschland für die Umsetzung und Kontrolle der sich aus internationalen Abkommen für den Schutz und das Management von Haifischen in der Ostsee ergebenden Aufgaben die Hauptverantwortung?
Wie bewertet die Bundesregierung das sog. Finning von Haifischen aus Sicht des Tierschutzes sowie in Hinblick auf deren Bestandsgefährdung?
Welche Kontrollinstrumente existieren in Hinblick auf das Verbot des „Finning“, und wie schätzt die Bundesregierung die Wirksamkeit dieser Kontrollinstrumente ein?
Mit welcher Begründung nimmt die Bundesrepublik Deutschland Ausnahmeregelungen vom Verbot des „Finning“ in Anspruch?
Welche weiteren Staaten nehmen nach Kenntnis der Bundesregierung Ausnahmeregelungen vom Verbot des „Finning“ in Anspruch, und mit welcher Begründung?
Wird sich die Bundesregierung dafür einsetzen, ein ausnahmsloses Verbot des „Finning“ durchzusetzen und wirksam zu kontrollieren, und wenn nein, warum nicht?
Welche deutschen und europäischen Forschungseinrichtungen befassen sich nach Kenntnis der Bundesregierung mit welchem Forschungsschwerpunkt mit dem Schutz und dem Management von Haifischarten in der Ostsee?
Hält die Bundesregierung diese Forschungen für ausreichend, und wenn nein, welche Defizite sieht sie?
Welche Forschungsvorhaben zu Haifischarten in der Ostsee wurden seit 1990 von der Bundesregierung initiiert bzw. gefördert (bitte Thematik und Fördervolumen angeben)?
In welche Maßnahmen der Bundesregierung haben die Forschungsergebnisse Eingang gefunden?
Wie unterstützt und ermöglicht die Bundesregierung Bestandsmessungen und Fischerei-Surveys über Haifische in der Ostsee?
Unterstützt die Bundesregierung Untersuchungen über den Einfluss des Salzgehalts und von Sauerstoffmangel auf Haifische, und wenn nein, warum nicht?
Wie ist der Kenntnisstand zur Belastung von Haifischfleisch mit toxischen Substanzen wie beispielsweise Methylquecksilber?
Unterstützt die Bundesregierung wissenschaftliche Studien, die sich mit der Belastung von Haifischfleisch mit toxischen Substanzen befassen?
Wie ist der Kenntnisstand zu den gesundheitlichen Auswirkungen des Verzehrs von Haifleisch, das mit toxischen Substanzen belastet ist, auf den menschlichen Organismus?
Unterstützt die Bundesregierung wissenschaftliche Forschungen zu Gesundheitsauswirkungen des Verzehrs von Haifischfleisch?
Hält die Bundesregierung es für erforderlich, Haifischfleisch einer Lebensmittelkontrolle auf Gifte wie Methylquecksilber zu unterziehen?
Welche internationalen und welche deutschen Tier- und Artenschutzorganisationen widmen sich schwerpunktmäßig dem Schutz und dem Management von Haifischen in der Ostsee?
Wie fördert die Bundesregierung die Arbeit dieser Organisationen?