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Kleine AnfrageWahlperiode 12Beantwortet

Psychische, psychosomatische und psychosoziale Situation von Kindern und Jugendlichen durch zunehmende Umweltbelastungen (G-SIG: 12011491)

Erkenntnisse über einen Zusammenhang zwischen erhöhten Zukunftsängsten von Kindern und Jugendlichen und Fortschreiten der Umweltzerstörung mit folgenden Auswirkungen: Verminderung immunologischer Abwehrprozesse, psychovegetative Dysregulationen, Vegetativbeschwerden, hyperkinetische Symptome, Störungen zentralnervöser Funktionen und der geistigen Leistungsfähigkeit, regelmäßiger Gebrauch von Medikamenten, zunehmende Gewaltbereitschaft, Fremdenfeindlichkeit und Drogenanfälligkeit, Zunahme von Selbstmorden und Selbstmordversuchen; Untersuchungen und Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung, Auflage eines entsprechenden Forschungsprogramms

Fraktion

Bündnis 90/Die Grünen

Ressort

Bundesministerium für Frauen und Jugend

Datum

28.06.1993

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 12/508704.06.93

Psychische, psychosomatische und psychosoziale Situation von Kindern und Jugendlichen durch zunehmende Umweltbelastungen

des Abgeordneten Konrad Weiß (Berlin) und der Gruppe BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Kinder werden weltweit durch ständig steigende Umweltbelastungen, oft bereits im Mutterleib, körperlich schwer geschädigt. Neben körperlichen Gesundheitsschädigungen durch die verschiedensten Umweltgifte ist die Kindheit zunehmend auch von seelischen, psychosomatischen und psychosozialen Schädigungen der Kinder und Jugendlichen geprägt. Der tägliche Umgang mit Kindern bestätigt die Ergebnisse von wissenschaftlichen Untersuchungen: Kinder und Jugendliche leiden heute in einem erschreckenden Ausmaß unter „Umwelt und Zukunftsängsten". Die Erfahrung mit destruktivem Verhalten von Erwachsenen, mit der ungehemmten Zerstörung der natürlichen Grundlagen des Lebens und der Vernichtung von Zukunftsperspektiven sowie die Ignorierung und Verdrängung von Zukunftsängsten führt zu irreversiblen Schäden an der kindlichen Seele. Tiefreichende umweltbedingte Identitäts- und Entwicklungsstörungen sind hierfür deutliche Alarmzeichen, die ernstgenommen werden müssen.

Darüber hinaus ist das psychosoziale Verhältnis der Generationen zueinander und somit das Zusammenleben in unserer sozialen Gemeinschaft schlechthin gefährdet. Der von zahlreichen psychologischen Fachgesellschaften, Umweltschutzverbänden, Gewerkschafts- und Kinderrechtsorganisationen verfaßte Appell „Gegen die Vergiftung der Kindheit" macht deutlich, daß Kinder und Jugendliche die Bedrohung ihrer Zukunftschancen als „Verrat" erleben.

Vor diesem Hintergrund fragen wir die Bundesregierung:

Fragen14

1

Hat die Bundesregierung Erkenntnisse über einen Zusammenhang zwischen deutlich erhöhten Zukunftsängsten von Kindern und Jugendlichen und fortschreitender Umweltzerstörung?

Wenn ja, ist die zunehmende Verminderung immunologischer Abwehrprozesse bei Kindern und Jugendlichen auf diesen Zusammenhang zurückzuführen?

2

Teilt die Bundesregierung die Ansicht von Ärzten und Psychologen, daß Allergien, Asthma, Hauterkrankungen und Magen- und Darmstörungen bei Kindern häufig auf psychische Streßfaktoren aufgrund zunehmender Umweltbelastung zurückzuführen sind?

3

Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über den Zusammenhang von Umwelt- und Zukunftsängsten und psychovegetativen Dysregulationen bei Kindern und Jugendlichen wie Schlaf- oder Eßstörungen, Verdauungsproblemen, Leibschmerzen, Kreislauflabilität, Kälteempfindlichkeit oder Schweißausbrüchen?

4

Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die Zunahme von Vegetativbeschwerden bei Schulkindern?

5

Hat die Bundesregierung Erkenntnisse darüber, ob psychosoziale Faktoren zu hyperkinetischen Symptomen bei Kindern führen?

Welche Rolle spielen Umweltängste in diesem Zusammenhang?

6

Wie beurteilt die Bundesregierung die Ergebnisse des „Umweltgutachtens 1987", das subtile Störungen zentralnervöser Funktionen und der geistigen Leistungsfähigkeit bei Kindern, die sich als Hyperaktivitätsstörungen der Feinmotorik oder Minderung intellektueller Fähigkeiten äußern, als Folge zunehmender Blut-Blei-Konzentration nachweist?

7

Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über den regelmäßigen Gebrauch von Medikamenten, Kopfschmerzmitteln, Kreislauf-, Beruhigungs- und Schlafmitteln sowie Anregungsmitteln durch Kinder und Jugendliche?

8

Welche Schlußfolgerungen zieht die Bundesregierung aus Untersuchungen, die belegen, daß Umwelt- und Zukunftsängste für die junge Generation ein höheres Bedrohungspotential beinhalten als Ängste aus dem persönlichen Lebenszusammenhang?

9

Sieht die Bundesregierung einen Zusammenhang zwischen Umweltängsten und Lebensangst der jungen Generation einerseits und zunehmender Gewaltbereitschaft, Fremdenfeindlichkeit und Drogenanfälligkeit?

10

Sieht die Bundesregierung einen Zusammenhang zwischen Umwelt- und Zukunftsängsten und der Zunahme von Selbstmorden und Selbstmordversuchen von Kindern und Jugendlichen in der Bundesrepublik Deutschland?

11

Wie beurteilt die Bundesregierung die Ergebnisse einer Untersuchung des Zentrums für Kindheits- und Jugendforschung der Universität Bielefeld, wonach in den letzten Jahren die psychische Belastung der Kinder in der Bundesrepublik Deutschland in vielen Teilbereichen angewachsen ist und „mindestens 10 % der Kinder im Grundschulalter über psychische Störungen im Leistungsbereich, Teilleistungsstörungen wie Lese-Rechtschreib-Schwäche eingerechnet, sowie Angstlichkeit und Depressionen" klagen?

12

Beabsichtigt die Bundesregierung eigene Untersuchungen durchführen zu lassen, die aus streßpsychologischer, streßbiologischer und klinischer Sicht die psychischen und psychosomatischen Auswirkungen von Umweltbelastungen auf Kinder untersuchen?

13

Welche Maßnahmen hält die Bundesregierung für erforderlich, um Kinder und Jugendliche bei der Bewältigung von Zukunfts- und Umweltängsten im Bereich der Familie, in der Kindergarten- und Vorschulerziehung, in der Schulerziehung, in Beratungs- und Therapieeinrichtungen helfend zu unterstützen?

14

Beabsichtigt die Bundesregierung, ein entsprechendes Forschungsprogramm aufzulegen, und Modellprojekte zum Thema Kind und Umwelt zu unterstützen?

Bonn, den 27. Mai 1993

Konrad Weiß (Berlin) Werner Schulz (Berlin) und Gruppe

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