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Kleine AnfrageWahlperiode 12Beantwortet

Kontakte der Bundesregierung zu ehemaligen Mitarbeitern des Ministeriums für Staatssicherheit (G-SIG: 12011571)

Namensliste kontaktierter Personen, Umfang der Kontakte, Gegenleistungen der Bundesregierung, Antwortverhalten der Bundesregierung auf mehrere Kleine Anfragen zum o.a. Thema

Fraktion

Bündnis 90/Die Grünen

Ressort

Bundesministerium des Innern

Datum

21.07.1993

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 12/536530.06.93

Kontakte der Bundesregierung zu ehemaligen Mitarbeitern des Ministeriums für Staatssicherheit

der Abgeordneten Ingrid Köppe und der Gruppe BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Die Bundesregierung hielt mit ihren jeweils zuständigen Dienststellen zu Alexander Schalck-Golodkowski nicht nur vor, sondern auch nach dessen Flucht aus der DDR intensiven Kontakt (u. a. Befragung, Vermittlung einer Sicherheitsfirma, Rechtsberatung durch den BND). Dies wurde allerdings erst im Sommer 1991 durch die Arbeit des ersten Untersuchungsausschusses bekannt. Denn entsprechende Fragen waren zuvor von der Bundesregierung nicht oder — wie die Fragen des Abgeordneten Peter Conradi nach der Gestellung von Personalpapieren — unrichtig beantwortet worden.

Auch wir haben die Bundesregierung in der Vergangenheit mehrfach nach ihren Kontakten zu anderen ehemaligen Mitarbeitern des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) befragt, z. B. nach:

  • Klaus-Peter B. (schriftliche Antwort vom 26. Mai 1993 auf Frage 16, Drucksache 12/5082);
  • Edgar B., zuletzt Chef der HA XIX Sicherung des Verkehrswesens: (schriftliche Antwort vom 18. Mai 1992 auf Frage 16, Drucksache 12/2359; schriftliche Antwort vom 18. Dezember 1992 auf Frage 28, Drucksache 12/4059; Antwort vom 9. März 1993 auf die Kleine Anfrage, Drucksache 12/4550);
  • Heinz B., 1. stellvertretender Leiter der HVA Abt. VII Auswertung (schriftliche Antwort vom 17. März 1992 auf Frage 1, Drucksache 12/2318; Antwort vom 9. April 1992 auf die Kleine Anfrage, Drucksache 12/2436; schriftliche Antwort vom 15. April 1992 auf Frage 2, Drucksache 12/2452);
  • Harry D., Leitung der Abt. Terrorismus XXII/8: (Antwort vom 10. Mai 1993, Drucksache 12/4959);
  • Dieter D. (Antwort vom 16. Juni 1993 auf die Kleine Anfrage, Drucksache 12/5204);
  • Peter E., angeblicher Führungsoffizier von Günter Wallraff: (Antwort vom 8. Dezember 1992 auf die Kleine Anfrage, Drucksache 12/3935);
  • Heinz E., Leiter des AfNS: (Antwort vom 9. März 1993 auf die Kleine Anfrage, Drucksache 12/4550) ;
  • Werner G., Leiter der HVA: (Antwort vom 9. März 1993 auf die Kleine Anfrage, Drucksache 12/4550);
  • Jürgen G., Antwort vom 28. April 1993, Stenographischer Bericht des Deutschen Bundestages, Anlage 5, auf Frage 6, Drucksache 12/4791; schriftliche Antwort vom 26. Mai 1993 auf Frage 15, Drucksache 12/5082);
  • Karl G. (Antwort vom 9. April 1992 auf die Kleine Anfrage, Drucksache 12/2436);
  • Günter J., u. a. Leitung der HA XXII Terrorabwehr: (Antwort vom 15. Juni 1993 auf die Kleine Anfrage, Drucksache 12/5144; vgl. auch Antwort vom 10. Mai 1993 auf die Kleine Anfrage, Drucksache 12/4959);
  • Peter K., MfS Bezirksverwaltung, Berlin, HA XX/4: (schriftliche Antwort vom 17. März 1992 auf Frage 10, Drucksache 12/2318);
  • Günther K., Chef der Spionageabwehr HA II: (Antwort vom 9. März 1993 auf die Kleine Anfrage, Drucksache 12/4550);
  • Günter M., Leiter der HA Innere Sicherheit/Kaderchef: (Antwort vom 9. März 1993 auf die Kleine Anfrage, Drucksache 12/4550) ;
  • Gerhard N., Leitung der Abt. Terrorismus XXII/8: (Antwort vom 10. Mai 1993 auf die Kleine Anfrage, Drucksache 12/4959);
  • Klaus-Dieter N., Terroristen-Ausbilder in der HA XXII: (Antwort vom 16. Juni 1993 auf die Kleine Anfrage, Drucksache 12/5204);
  • Gerhard N., Generalmajor, Chef der „Zentralen Koordinierungsgruppe" und Auflöser des AfNS: (schriftliche Antwort vom 25. März 1992 auf Frage 16, Drucksache 12/2359; Antwort vom 9. März 1993 auf die Kleine Anfrage, Drucksache 12/4550);
  • NN, Leiter der Abt. USA-Aufklärung in der HVA: (Antwort vom 9. April 1992 auf die Kleine Anfrage, Drucksache 12/2436);
  • NN, stellvertretender Abteilungsleiter in der Militäraufklärung NA der NVA: (Antwort vom 9. April 1992 auf die Kleine Anfrage, Drucksache 12/2436);
  • Wolfgang P.: (Antwort vom 9. Juni 1993 auf die Kleine Anfrage, Drucksache 12/5099);
  • Gerhard P., Leitung der Abt. Terrorismus XXII/8: (Antwort vom 10. Mai 1993 auf die Kleine Anfrage, Drucksache 12/4959);
  • Werner R., 1. stellvertretender Leiter der HVA Abt. VI: (schriftliche Antwort vom 17. März 1992 auf Frage 1, Drucksache 12/2318; Antwort vom 9. April 1992 auf die Kleine Anfrage, Drucksache 12/2436);
  • Walter Sch., Kriminalhauptkommissar Duisburg, einst Sicherungsgruppe Bonn: (Antwort vom 25. Juni 1991 auf die Kleine Anfrage, Drucksache 12/868);
  • Helmut V., Leitung der Abt. Terrorismus XXII/8: (Antwort vom 10. Mai 1993 auf die Kleine Anfrage, Drucksache 12/4959);
  • Oberst W., Vizechef der HA II Spionageabwehr: (schriftliche Antwort vom 15. April 1992 auf Frage 2, Drucksache 12/2452);
  • Gerd Z., Leitung der Abt. Terrorismus XXII/8: (Antwort vom 10. Mai 1993 auf die Kleine Anfrage, Drucksache 12/4959).

Auf all diese Anfragen gab die Bundesregierung nur ausweichende Antworten:

  • Sie sehe sich nicht veranlaßt, zu Medienveröffentlichungen Stellung zu nehmen (so z. B. in Drucksache 12/4550);
  • sie wolle nicht öffentlich machen, ob bestimmte Personen für sie tätig geworden seien oder nicht (so z. B. in Drucksache 12/4550);
  • sie nehme zu Fragen, die nachrichtendienstliche Kontakte zu einzelnen Personen betreffen, und zum Schutz des Nachrichtenzugangs nicht öffentlich Stellung (so z. B. in Drucksache 12/2318, Frage 10; Drucksache 12/2773, Frage 18 f.; Drucksache 12/4550);
  • die Fragen beträfen die Betreuung von Überläufern oder sonstige operative Tätigkeit von Nachrichtendiensten des Bundes und könnten daher angeblich ausschließlich in der Parlamentarischen Kontrollkommission beantwortet werden (so z. B. in Drucksachen 12/2436 und 12/5204);
  • sie gebe mit Rücksicht auf schützenswerte Belange betroffener Personen keine Auskunft über deren persönliche/berufliche Lebensläufe und sonstige Verhältnisse (so z. B. in Drucksache 12/4983).

Daher fragen wir erneut und bitten die Bundesregierung, bei der Beantwortung folgender Fragen nicht — wie in der Vergangenheit mehrmals geschehen — auf frühere (unzulängliche) Antworten zu verweisen, sondern vorauszusetzen, daß diese bekannt sind.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen13

1

Ist die Bundesregierung nunmehr bereit, Anlaß/Zweck, Art, Dauer ihrer Kontakte zu ehemaligen MfS-Mitarbeitern wie den oben genannten und die ihnen jeweils gewährten Gegenleistungen für ihre Kontakt- bzw. Informationsbereitschaft mitzuteilen?

2

Zu welchen weiteren Mitarbeitern des MfS außer den oben bereits genannten hatte die Bundesregierung nach dem 3. Oktober 1990 wann welche Kontakte?

3

Welchen Zwecken dienten diese Kontakte?

4

Welche Ergebnisse hatten diese Kontakte?

5

Welche Gegenleistungen haben Vertreter der Bundesregierung welchen ehemaligen Mitarbeitern des MfS für welche Art von Entgegenkommen jeweils angeboten und/oder gewährt:

a) Geld (vgl. Antwort vom 11. Juni 1990 auf die Kleine Anfrage, Drucksache 11/7371, Fragen 4 bis 9; Antwort vom 9. März 1993 auf die Kleine Anfrage, Drucksache 12/4550),

b) Sachgeschenke,

c) Vermittlung von Arbeitsplätzen (vgl. schriftliche Antwort vom 29. März 1992 auf Fragen 18 und 19, Drucksache 12/2773),

d) Straffreiheits-(Prüf-)Zusagen (vgl. Antwort vom 15. Juni 1993 auf die Kleine Anfrage, Fragen 5 bis 9, Drucksache 12/5144),

e) Betreuung (vgl. schriftliche Antwort vom 15. April 1992 auf Frage 2, Drucksache 12/2452),

f) Decknamen-Papiere (vgl. Antwort vom 11. Juni 1990 auf die Kleine Anfrage, Frage 9, Drucksache 12/7371; ferner im Fall Schalck-Golodkowski),

g) sonstige Zuwendungen bzw. Vergünstigungen (vgl. schriftliche Antwort vom 15. April 1992 auf Frage 2, Drucksache 12/2452; Antwort vom 15. Juni 1993 auf die Kleine Anfrage, Frage 10, Drucksache 12/5144)?

6

Welche Nachteile wurden den umworbenen Personen für den Fall, daß diese eine Zusammenarbeit verweigerten, jeweils in Aussicht gestellt?

7

Zu wie vielen hauptamtlichen Mitarbeitern des MfS hatte die Bundesregierung insgesamt von Dezember 1989 bis 2. Oktober 1990 und seit dem 3. Oktober 1990 jeweils Kontakt?

8

In welchen Fällen erfolgten solche Kontaktaufnahmen auch auf Bitten welcher ausländischen Behörden?

9

Zu welchen MfS-Mitarbeitern suchte die Bundesregierung jeweils aus welchen Gründen von sich aus gezielt Kontakt?

10

Welche MfS-Mitarbeiter boten der Bundesregierung von selbst ihre Kooperation an?

11

Für welche Themenbereiche nutzte die Bundesregierung ehemalige MfS-Mitarbeiter als Informanten?

12

In welchen Fällen hatte die (fehlende) Kontaktbereitschaft jeweils welchen Einfluß auf Durchführung und Ergebnis von Strafverfahren gegen die Betreffenden?

13

Ist die Bundesregierung bereit, ihr Antwortverhalten zu ändern und keine ausweichenden Antworten zu geben, damit die Gruppe BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN ihre parlamentarischen Kontrollrechte ordnungsgemäß ausüben kann?

Bonn, den 29. Juni 1993

Ingrid Köppe Werner Schulz (Berlin) und Gruppe

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