Der „Askania-Verlag" und der Rechtsextremismus (II)
der Abgeordneten Ulla Jelpke und der Gruppe der PDS/Linke Liste
Vorbemerkung
In ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage „Der ,Askania-Verlag' ' " erklärte die Bundesregierung, daß sie keine verfassungsschutzrelevanten Erkenntnisse über diesen Verlag habe und ihn nicht als rechtsextrem einstufe. Verbindungen zu rechtsextremen Verlagen und Vertriebsdiensten seien ihr gleichfalls nicht bekannt.
Über den Verleger Herbert Taege selbst hat die Bundesregierung ebenfalls keine verfassungsschutzrelevanten Erkenntnisse und über den Mitherausgeber der „Askania Studiensammlung für Zeitgeschichte und Jugendforschung", Heiko Möhring, liegen der Bundesregierung „lediglich Erkenntnisse aus länger zurückliegenden Jahren vor" (Drucksache 12/6080).
Dabei sprechen die Fakten eigentlich eine eindeutige Sprache.
Der Autor Anton Maegerle bewertet im sozialdemokratischen Pressedienst „Blick nach rechts" den „Askania-Verlag" als rechtsextrem und stuft die „Askania Studiensammlung für Zeitgeschichte und Jugendforschung" als „revisionistische Schriftenreihe" (Blick nach rechts, 9. März 1993) ein.
Dies sehen übrigens nicht nur Antifaschistinnen und Antifaschisten so, sondern gleichfalls die Rechtsextremisten. Der rechtsextreme Buchdienst von „Nation Europa" schrieb 1983 über das geschichtsrevisionistische Buch Herbert Taeges „Wo ist Kain?" : „... Der Komplex Tulle und Oradour galt seit dreieinhalb Jahrzehnten als massenmörderischer Übergriff der SS im Frankreich des Sommers 1944. Der Autor, ein Wahrheitsfanatiker, untersucht, wie es zu den Repressalien kommen konnte, belegt den Schuldanteil der Partisanen an dieser grauenvollen Entwicklung und mißt den Oradour-Prozeß an seinen Forschungsergebnissen: Ein maßgeblicher Beitrag zur Zeitgeschichte. "
Das heißt also, Herbert Taege wird vom „Buchdienst Nation Europa" als „Wahrheitsfanatiker" gefeiert, weil er die Verbrechen der SS in Oradour relativiert und abschwächt.
Gerade durch einen Großteil des Verlagsprogramms des „Askania-Verlags" sollen die Verbrechen des Hitler-Faschismus, besonders die Kriegsschuld, geleugnet oder abgeschwächt, das Treiben der „Hitler-Jugend" und des „Bund Deutscher Mädel" durch alte HJ- und BDM-Führer beschönigt werden. Auch wenn beispielsweise das Taege-Buch „Über die Zeiten fort" nicht als jugendgefährdend indiziert wurde, so ist sein rechtsextremer Inhalt unbestritten.
Herbert Taege selbst hat eine umfangreiche publizistische Tätigkeit in der rechtsextremen Presse vorzuweisen. So schrieb er unter anderem in
- „Nation Europa",
- „Deutschland in Geschichte und Gegenwart",
- „Europa".
Der rechtsextremen „National-Zeitung" gab Herbert Taege ein Interview.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen20
Welche Bücher hatte die Bundesregierung aus dem Askania-Verlag auf einen eventuellen rechtsextremen Gehalt hin geprüft, als sie in der Antwort auf die Kleine Anfrage der Gruppe der PDS/Linke Liste zu diesem Verlag erklärte, daß die Bundesregierung den Askania-Verlag nicht als rechtsextrem einstufe?
Welche Hinweise exakt lagen dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) wann vor, daß es sich beim Askania-Verlag um einen rechtsextremen Verlag handeln könne, und wie wurden diese Hinweise verfolgt?
Wie konnte das BfV trotz gesetzlich vorgeschriebener gewissenhafter Prüfung und Auswertung der rechtsextremen Bestrebungen übersehen, daß die rechtsextreme Zeitung „Nation Europa" den Askania-Verlag als Verlag „des Wahrheitskämpfers Herbert Taege" bezeichnete (Nation Europa 10/1982)?
Wie konnte das BfV übersehen, daß der Verleger Herbert Taege in „Nation Europa" publizierte, und welche Kenntnisse hat das BfV heute darüber?
Wie konnte das BfV übersehen, daß der Verleger Herbert Taege in „Deutschland in Geschichte und Gegenwart" publizierte, und welche Kenntnis hat das BfV heute darüber?
Wie konnte das BfV übersehen, daß der Verleger Herbert Taege der „Deutschen National-Zeitung" ein Interview gab, und welche Kenntnis hat das BfV heute darüber und über eine eventuelle publizistische Tätigkeit für Zeitungen des Dr. Gerhard Frey?
Welche Kenntnis hat das BfV heute über eine eventuell weitere publizistische Tätigkeit Herbert Taeges in der rechtsextremen Presse?
Wie konnte das BfV übersehen, daß der „Buchdienst Nation Europa" und der neu-rechte „Buchversand Anneliese Thomas" Verlagsprospekte des Askania-Verlags verschickte, und welche Kenntnis hat das BfV heute darüber?
Ist dem BfV bekannt, daß 1983 im Buchdienst von „Nation Europa" das Buch Herbert Taeges „Wo ist Kain?" wie folgt beschrieben worden ist: „Der Komplex Tulle und Oradour galt seit dreieinhalb Jahrzehnten als massenmörderischer Übergriff der SS im Sommer 1944. Der Autor, ein Wahrheitsfanatiker, untersucht, wie es zu diesen Repressalien kommen konnte, belegt ein Schuldanteil der Partisanen an dieser grauenvollen Entwicklung und mißt dem Oradour-Prozeß an seinen Forschungsergebnissen: Ein maßgeblicher Beitrag zur Zeitgeschichte. " ?
Stuft das BfV das Buch Herbert Taeges „Wo ist Kain?" als rechtsextrem ein, und teilt sie nicht auch die Bewertung, daß in diesem Buch die Greuel des Terrors der SS abgeschwächt werden sollen, und wenn nicht, wieso nicht?
Stuft das BfV das Buch Herbert Taeges „Wo ist Abel?" als rechtsextrem ein, und wenn nicht, wieso nicht?
Stuft das BfV das Buch Herbert Taeges „NS-Perestroika? Reformziele nationalsozialistischer Führungskräfte" als rechtsextrem ein, und wenn nicht, wieso nicht?
Stuft das BfV das Buch Herbert Taeges „Über die Zeiten fort" als rechtsextrem und die „Hitler-Jugend" glorifizierend ein, und wenn nicht, wieso nicht?
Stuft das BfV die Bände des Askania-Verlags von Gordon Lang „... die Polen verprügeln ... " als geschichtsrevisionistisch und rechtsextrem ein, und wenn nicht, wieso nicht?
Stuft das BfV das Buch von Jutta Rüdiger „Der Bund Deutscher Mädel (BMD). Eine Richtigstellung" als rechtsextrem ein, und wenn nicht, wieso nicht?
Stuft das BfV das Buch von Jutta Rüdiger „Die Hitlerjugend und ihr Selbstverständnis im Spiegel ihrer Aufgabengebiete" als rechtsextrem ein, und wenn nicht, wieso nicht?
Welche weiteren Bücher aus dem Askania-Verlag stuft das BfV mit welcher Begründung als nicht rechtsextrem ein?
Welche weiteren Bücher aus dem Askania-Verlag stuft das BfV als rechtsextrem ein?
Welche Konsequenzen gedenkt die Bundesregierung daraus zu ziehen, daß das BfV jahrelang Hinweise auf rechtsextreme Bestrebungen des Askania-Verlags und des Verlegers Herbert Taege übersehen hatte?
Welche antifaschistischen Zeitungen wertet das BfV aus, um sich über bundesdeutsche und internationale rechtsextreme Bestrebungen zu informieren?